Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 20 (19.5.1899)
- Date
- 1899-05-19
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Sette 394 Dr. Bloch's MochbnfchrrfL« Nr. 20 Kahal, Talmud-Thora, Bikur Cholim, Armencasse und Halbaschah namhafte Summen in Anlagepapieren. Möge Gott ihm diese Hochherzigkeit lohnen und seinen nnd seiner verehrten Familie anhaltenden Schmerz um den erlittenen herben Verlust lindern und in seine ganze Familie wieder Beruhigung, Glück und Freude einziehen lassen! Brünn. Reichsrathsabgeordneter Herr Dr. Otto Lecher besuchte vorige Woche den hiesigen israelitischen Freitischverein, besichtigte während seines fast einstündigen Verweilens alle Einrichtungen dieser wohlthätigen Institution und sprach viele von den nahezu 120 Kostnehmern, die sich fast aus allen hiesigen deutschen Lehranstalten recrutiren, an. Dr. Lecher drückte den anwesenden Functionären des Vereines für die gleich humanitäre wie erziehliche Wirksamkeit desselben wiederholt seine Anerkennung aus. Olruüh. Hier ist die Gattin des Hausbesitzers Joachim Baderle, Frau Fanny Baderle, verstorben. Frau Baderle, welche trotz ihres hohen Alters von 76 Jahren sich großer körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische erfreute, wurde in der Mittagsstunde plötzlich vom Schlage gerührt. Vor wenigen Monaten erst hatte Frau Baderle mit ihrem Gatten das Fest der goldenen Hochzeit gefeiert. Mährisch-Weißkirchen, 14. Mai. (Religionswechsel.) Am 10. d. M. fand hier im israelitischen Tempel eine Trauung statt und zwar ging hier die Trauung einer zum Judenthume convertirten Christin mit einem Israeliten, unter massenhafter Betheiligung aller Consessionen, vor sich. Tabor. Von dem Grundsätze ausgehend, daß es, falls die israelitische Jugend religiös erzogen werden soll, unumgänglich nothweudig sei, daß die israelitischen Kinder — Knaben und Mädchen — am Samstage das Gotteshaus besuchen, hat der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde angeordnet, daß fortan die israelitischen Schüler jeden Samstag am Nachmittags-Gottesdienste theilzunehmen haben. Am 6. Mai fand der erste Jugendgottesdienst mit Chor und Orgelbegleitung statt, wobei die Schuljugend Chöre mitsang. Auspitz. (Nachruf.);4. o. M. wurde hier Frau Redlich,., einer-nrch Tüchtigkeit und Biederkeit ausgezeichnete Frau, zu Grave getragen. Was ihre Charakter-Eigenschaften anlangt, so war sie gutherzig, sanftmüthig, anspruchlos, bescheiden, freundlich und zuvorkommend gegen Jedermann, sowie dankbar und treu gegen Jeden, bei dem sie eine gute Meinung voraussetzte. Wie sie in ihrem Hause gewaltet, was sie als treue Gattin, als liebevolle, ängstlich besorgte Mutter geleistet, welche Strenge und Ordnung in ihrem Hauswesen geherrscht hat, konnte Jeder beobachten, der mit ihr zu verkehren Gelegenheit hatte. Sie war die gute Frau, welche ihrem Hause das cigenthümliche Gepräge gab; sie war der gute Geist, der auf dem Hause ruhte und die Schwingen des Friedens und der Anmuth über dasselbe ausbreitete. Die Sorge um den Gatten, an dessen Seite sie durch 36'-Jahre durch's Leben in Harmonie und Eintracht schritt, die Sorge um die Erziehung ihrer Kinder beherrschte stets ihren Sinn. Ihre Gastfreundlichkeit entsprach auch dem Herkommen eines echt jüdischen Hauswesens, und viele Studirende erhielten an ihrem Tische ein reichliches Mal; man sah es ihr an, wie gutwillig sie gab, wie herzlich sie es meinte. Das Leichenbegängniß gestaltete sich auch zu einem großem Trauerzuge der Bevölkerung von Auspitz. Von Nah' und Fern strömte man herbei, um der Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen nnd dem Conducte zu folgen, an dem sich besonders der gesammte Lehrkörper der Volks- und Realschule, sowie der Beamtenkörper der k. k. Bezirkshauptmannschaft und der Justizbehörde betheiligten. Zwei Rabbiner, Dr. Groß aus Lundenburg und Dr. Böck von hier, schilderten die Tugenden und guten Eigenschaften der Verstorbenen und allgemeines Schluchzen und Weinen ergriff hiebei die Zuhörer. ' An der allgemeinen Theilnahme, welche sich bei dem Begräbnisse manifestirte, zeigte sich erst recht, welcher Beliebtheit sich die frühzeitig Entschlafene erfteute. Ich, der ich durch bald ein Viertel-Jahrhundert als Arzt mit ihr zu verkehren Gelegenheit hatte, habe ihr schlichtes, einfaches Wesen, ihr gutes, treues Herz kennen gelernt und habe nun den Verlust einer wa>men Freundin, einer treuen Clientin zu beklagen. Mögen diese dem Andenken der Entschlafenen geweihten Zeilen den trauernden Hinterbliebenen einigen Trost gewähren! Dr. Rieß. Leitmerrtz. Hier starb nach langem schweren Leiden Rabbiner Joachim Wittenberg, im Alter von 59 Jahren. Er hatte hier durch 20 Jahre in verdienstvoller und aufopfernder Weise gewirkt und sich allgemeiner Hochachtung erfreut. Die Beerdigung des Verblichenen faub Sonntag, den 14. d. Nachmittags auf dem hiesigen Communalfriedhofe statt. Prag. Herr Bela G u t m a n n, Obercantor der Klaus- Synagoge in Prag, wurde an die Tabak-Synagoge in Budapest unter glänzenden Bedingungen berufen. Zur Wiederbesetzung der Obercantor-Stelle in der Klaus-Synagoge, hat der Vorstand derselben einen Concnrs ansgeschrieben. Prag. Am 28. Mai findet in R o k i tz a n ein Ball der westböhmisch'n Juden statt, zu dem bereits dre Einladungen ergangen sind. Derselbe dürfte den Erwartungen aller Tanzlustigen im vollsten Maße entsprechen, da das Ballcomite weder Mühe noch Kosten scheut, denselben zu einem glänzenden zu gestalten, um den Ballgästen einen heiteren Abend zu bereiten. Das Reinerträgniß ist einem wohlthätigen Zwecke bestimmt. Lemberg, 14. Mai. Unter dem Vorsitze des Präsidenten des hiesigen Cultusrathes Reichsrathsabgeordneten Herrn Dr. Emil Byk, wurde heute ein Hilfscomitö für die Boryslawer brotlosen Arbeiter gebildet, u. zw. für Arbeitsvermittlung und für Sammlungen. In das Executivcomitö wurden die Landtags¬ und Reichsrathsabgeordneten: Dr. B y k, Dr. Rappaport de Porad a, Dr. R o s e n st o ck, Dr. F r a ch t m a n n, Dr. G o l d a r m, Dr. L ö w e n st e i u gewählt, welche sowohl bei der Regierung als beim Polenclub interveniren werden. Auf Antrag des Rabbiners Herrn Dr. Caro werden zur Linderung der Noth den Arbeitern Boryslaw zu den Feiertagen 300 fl. durch den Delegirten Herrn F e l d m a n n gesendet. Dem Comitä wurden vom Abgeordneten Dr. Rappaport de Porada 1500 fl. für Boryslaw zugesendet. . Virovitica. (Slavonien.) Am 10. d. M. hat hier die Trauung des Herrn Ludwig Bleie r'mit Frl. Irene Reich, der jüngsten Tochter des Präses unserer Chewra-Kadischa, Herrn Rudolf Reich, stattgefunden. Man bemerkte unter den Gästen Herrn Bernhard Reich, Großkaufmann in Wien, Herrn Samuel D o r n e r, Kaufmann und Großgrundbesitzer in Bares und viele andere Persönlichkeiten von socialer Stellung. Den Trauungsact, vollzog unser Rabbiner Dr. H. E. Kaufmann. Belgrad. Unser verehrter Glaubensgenosse Herr Samuel . S ch e i n e s o h n, Hoflieferant des Königs Alexander I., wurde VM demselben schon wiederholt mit seinem Besuche in dessen Geschäftslocale beehrt. Vor einigen Tagen nun erhielt Herr S ch e i n e s o h n den Takowa-Orden, mit welchem er von Sr. Majestät decorirt wurde. Es ist dies ein schönes Zeichen sowohl der Werthschätzung, deren sich Herr S ch e i n e s o h n in den allerhöchsten Kreisen erfreut, als der toleranten Gesinnung, von welcher der junge König sich leiten läßt. Herr Scheinesohn ist auch Tempelvorsteher unserer eskenasischen Gemeinde, und da er sich in dieser Eigenschaft durch sein eifriges Bemühen um das Wohl unserer Gemeinde schon bedeutende Verdienste erworben hat, so wird ihm diese Auszeichnung allenthalben herzlich gegönnt. Feuilleton. Michael.*) Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. E r st e s Kapitel. Ein rauher Novembertag des Jahres 1780 geht eben zu Ende. Die Ghettobewohner in dem kleinen mährischen Städtchen W. kehren von einer Leichenbestattung, von dem Bes hachajim, dem Hause des Lebens, wie die Inden den Friedhof, eigenthümlich schön umschreibend, nennen, in die Judenstadt zurück. — Einige nähere Bekannte, Männer und Frauen, waren in der, im Eckhause der Judengasse gelegenen, ebenerdigen Wohnung des Leidtragenden, Reb Aron Brack, eingetreten, um ihn und seine tiefgebeugte Frau nach bester Möglichkeit zu trösten. Die trauernden Ehegatten hatten sich nach der rabbinischen Vorschrift ihrer ledernen Fußbekleidung entledigt, dafür Strohschuhe angelegt und sich auf niedrige Schemmel gesetzt. *) Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden, Uebcrsetzungsrechte Vorbehalten.