Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 20 (19.5.1899)
- Date
- 1899-05-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021277-3021298--08865-3033265- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 20 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 393 ziehung abgeht. Welch' ein Jrrthum! Er liebt nicht mehr das Geld, als Ihr oder ich es thue und er lobt unser Vaterland, verehrt die Kunst und legt Gewicht auf noble Erziehung gerade so, als die Besten von uns Chicago, 29. April. (Das neue Heim elternloser Kinder.) Das unter den Auspicien der B'nai Brith gegründete „Jewish Orphan Asylnm" in Cleveland (Ohio) saßt an 500 Waisen, die daselbst unter Direction eines für diesen Posten höchst geeigneten Beamten, Dr. W o l f e n st e i n, eine gute, echt jüdisch-amerikanische Erziehung erhalten. Leider fallen viele unserer Glaubensgenossen den Folgen der schweren Arbeit einem frühen Tod zum Opfer. Deren Kinder nehmen sich die Bestbemittelten an. Chicago ist eine Millionenstadt, das Centrum einer regen Industrie. Dort arbeiten Tausende Israeliten in den verschiedenartigsten Fabriken und es herrscht hier dasselbe Fabrikenelend, wie anderswo. Gleiche Ursachen, gleiche Wirkungen. So schickte denn Chicago das größte Contingent an Waisen nach Cleveland. Es mußten viele Gesuche abgewiesen werden. Dr. Wolfen st ein widersetzte sich einer Vergrößerung seiner Anstalt mit der gerechten Motivirung, daß die Zahl seiner Mündel schon mehr als zu groß sei, denn das ganze von ihm geleitete Institut betrachtet er als eine Familie, und der Vater von 500 Kindern soll Körper und Seele seiner Kinder erziehen, sehen und lieben. Was kommt da von Liebe auf Eines der Schützlinge? Dieses Argument drang durch und so entschlossen sich die Chicagoer Jehudim ein eigenes Waisenhaus zu bauen. Sie kauften in Drexel Avenue 63. Straße ein 380 bei 207 Fuß großes Grundstück für 37.500 Dollars an und bauten ein Gebäude für 60.000 Dollars darauf. Unser Glaubensgenosse Herr Simo.i E i s e n d r a h t ist der Architekt und der verstand es, Alles so einzurichten, daß wahrscheinlich die Constructionen dieser Anstalten Muster für alle neuen zu erbauenden ähnlichen Anstalten werden. Die feierliche Einweihung dieser Anstalt fand heute in Anwesenheit der besten Kreise unserer Stadt statt. Der Festredner Dr. Emil Hirsch betonte, daß die Gründer schon im Namen der Anstalt deren Ziele aussprächen. Es sei kein Waisenasyl, sondern ein Heim elternloser Kinder. Die Directoren werven darnach sehen, daß diese unglücklichen frühverwaisten Wesen da nicht nur momentane Pflege finden, mehr als das würden sie daselbst feste gesunde Moralgrundsätze eingeprägt bekommen, die fürs Leben ihnen Richtung geben sollen. Er sprach den Wunsch aus: Möge Gott allen unseren Kindern die Eltern erhalten, daß dieses Haus leer bleibe und überflüssig seine Thore geöffnet halte. — Leider nach Meuschenerfahrung einer der frommen Wünsche, die nicht in Erfüllung gehen können. Das neue Heim entlastet das Clevelander Institut und ist finanziell sichergestellt. Hut ab vor den Chicagoer Juden! Vermischtes. Wien. Die israelitische Allianz zu Wien hält Donnerstag den 25. Mai 1899 um 6 Uhr Nachmittags, im Saale der israelitischen Cultusgemeinde I., Seitenstettengasse 4, 11. Stock, die 26. ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über die Thätigkeit des Vereines im Jahre 1898. 2. Bericht über die finanzielle Gebahrung im Jahre 1898. 3. Wahl von fünf Vorstands-Mitgliedern mit vierjähriger Functionsdauer (§ 6 der Statuten). Die Reihe zum Austritte trifft die Herren: Dr. M. Güdemann, David Ritter von G u t m a n n, Wilhelm Pappenheim. Leopold T r e b i t s ch, Donat Z i f f e r e r. 4. Wahl eines Vorstandsmitgliedes mit einjähriger und eines Beirathes mit dreijähriger Functionsdauer. 5. Etwaige Anträge der P. T. Mitglieder (§ 8 der Statuten). Wien. Der Justizminister hat den Gerichtssecretär Dr. Emanuel Weber in Ung.-Hradifch zum Landesgericht s-- r a t h e für Hradisch ernannt. Landesgerichtsrath Dr. Emanuel Weber ist der Bruder des Oberlehrers Ignaz Weber in der städtischen Volksschule 11., Novaragaffe 30, welcher als Begründer des Ersten österreichischen Taubstummen-Externats sowohl vom Unterrichtsministerium, als auch von den Schulbehörden mehrfach belobt und ausgezeichnet wurde. Wien. (Trauung.) Sonntag den 21. d. M., halb 2 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel Leopoldstadt die Trauung des Herrn Bernard Tag mit Fräulein Karoline Lederer statt. — Sonntag den 21. d. M., 4 Uhr Nachmittags, find.t im Saale des Parkhotels zu Königshütte die Trauung des Herrn Heinrich Klein, Fabriksdirector aus Krakau, mit Frl. Rosa F r e u n d statt. Wien. (S p e n d e.) Für die nothleidenden jüdischen Bergarbeiter in Boryslaw sind uns zugekommen: Bon Herrn M. Jellinek in Wien, III., Seidlgasse 27, 10 fl., von Herrn Bernhard Rosenzweig in Czorkowitz 1 fl. 20 kr., von Herrn O. W. Schrötter in Wsetin 5 fl. Wien. Im Ottakringer Cultustempel wurden Donnerstag den 11. Mai zum ersten Male 14 Mädchen durch Rabbiner Dr. Bach in feierlicher Weise confirmirt. Wien. (Verlobung.) Herr Ignaz Wilhelm Schütz, öffentlicher Gesellschafter der Bankfirma Teltscher Weidholz, hat sich mit Fräulein Adele N e u st a d t l, Tochter des Commercialrathes Sigmund Neustadtl, verlobt. — Herr Edmund T a u ß i g, Mitchef der Firma N. Taußig L Söhne, k. u. k. Hoflieferanten, hat sich mit Fräulein Marguerite A u b verlobt. — Fräulein Elsa Bauer, Tochter des Lederhändlers Salamon Bauer, hat sich mit Herrn Ludwig Schiller, in Firma Sandor Schiller & Brüder, verlobt. Wien. (Silberne Hochzeit und Geschäftsjubiläum.) Am 14. d. M. feierte Herr Herrman König, Chef der bekannten gleichnamigen Firma, mit seiner Gemalin Therese das Fest der silbernen Hochzeit und zugleich das 25jährige Geschäftsjubiläum. Aus diesem Anlässe überreichte das Fabriksversonale und die Arbeiterschaft den, Jubelpaare Ehrengaben, ' ^afen von allen Seiten zahlreiche Glückwünsche ein. Am Abend desselben Tuges. vereinigte in den Sälen des Hotels Savoy ein Festmahl, welches ebenso glänz-^d als an’mlvi verlief,' die Familie des Chefs, zahlreiche Gäste, sämmtliche Angestellte und die Arbeiterschaft. Den schwungvollen Toasten, in welchen das verdienstvolle, gemeinnützige Wirken des Herrn und der Frau König seitens des Personals und einzelner Gäste gefeiert wurde, schlossen sich heitere Vorträge bewährter Kunstkräfte an; den Schluß bildete ein Tanzkräuzchen, welches, von Herrn und Frau König eröffnet, in fröhlicher Stimmung bis zum Morgen währte. Die seltene Feier gab dem Jubelpaare auch Veranlassung, vielen Wohlthätigkeitsanstalten namhafte Spenden zuzuführen. Erwähnt sei noch, daß das exquisite Diner vom Restaurant L ö b l, VI., Schmalzhofgaffe, beigestellt wurde. Wien. Der Kaiser hat dem österreichischen Staatsangehörigen Bernhard Janowitzer in Wien die Annahme des ihm verliehenen Postens eines Generalconsuls der Republik San Domingo in Wien bewilligt und dem bezüglichen Bestallungsdiplome desselben das Allerhöchste Exequatur ertheilt. Wien. Der Verein „Marpe Lanefesch" verlegte sein Betlocal nach der Glockengüsse 4 und fand aus diesem Anlässe am Samstag eine feierliche Einweihung der zwar bescheidenen, doch ganz nach altem Ritus eingerichteten Synagoge statt. Vom Cultusvorstand erschien Bezirksschulrath Dr. Spitzer, ebenso Vertreter der Schiffschul, Talmud Thora rc. Obmann I. S t e r n begrüßte die Gönner und Gäste und dankte für die bisherige Förderung. Dr. Arnold Ascher als juristischer Beirath des Vereines forderte zur ausgiebigen Pflege der drei Pfeiler auf, auf denen das Judenthum begründet ist. Die Festreden hielten Rabbiner Friedmann und Rabbiner Weiß, Letzterer von dem Bethause in der Fugbachgaffe, Beide zur Einigkeit 'innerhalb des Judenthums ermahnend. Wien. Anläßlich des ersten Jahrestages der tragischen Katastrophe, durch die sein unvergeßlicher, hochbegabter, seliger Sohn Alfred ihm so frühzeitig entrissen wurde, spendete das hochverehrte Mitglied der hiesigen türkisch-israelitischen Gemeinde Herr G. A. Gerson für ihre wohlthätigen Institutionen: