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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-19 · 20 (19.5.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
20 (19.5.1899)
Date
1899-05-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 389 eine Concession an die Bedürfnisse des Menschen dar und diese Auffassung verleiht dem Schächten der Thiere eine höhere Weihe. Nicht, weil ich die Macht dazu habe, darf ich ein Lebewesen tödten, sondern weil die Religion es mir, soweit es zu meiner Nahrung nöthig ist, gestattet hat, bei Beobachtung gewisser strenger Vorschriften bezüglich der Schonung der Thiere. Das jüdische Ritualgesetz also ist es, das den Schächter vor allen verderblichen Wirkungen seines Berufes schützt und ihn sogar veredelt, sind da gibt es Menschen, die von Ritualmorden reden! Man wird den Verbreitern dieser Lüge mit Vernunftgründen nie beikommen, werl sie von der Unwahrheit ihrer Behauptungen selbst überzeugt sind. Deshalb ist auch die in den Journalen übliche Bezeichnung „Das Märchen vom Ritualmorde oder die „blödsinnige Beschuldigung des Ritualmordes" nicht zutreffend. Für ein Märchen ist die Sache doch zu wenig harmlos, und blödsinnig sind diese Leute auch nicht, denn sie wissen ganz gut, was sie bezwkckeu, und der Satz, „der Zweck heiligt die Mittel" liegt Ihnen nicht allzuserne. Wissentliche Verleumder, Bestien in Menschengestalt sind sie, die den Zeitraum, welcher zwischen einem Morde und der Ergreifung des Thäters zu verstreichen Pflegt, dazu benützen wollen, einen „Ritualmord"^ auszuposaunen, um womöglich eine Judenhetze zu insceniren. Vielleicht findet sich doch einmal ein Staatsanwalt, der gegen diese^Um tri eb e schon die Anklage erhebt! Daß es Mittel und Wege gibt, eine Bewegung, die sich gegen eine Religionsgenossenschaft wendet, hintanzuhalten, haben wir ja bei der sogenannten „Los von Rom"-Bewegung gesehen. Das Eine aber können sich Schneide r u. Co. merken, um sich nicht durch Ritualmord-Reisen zwecklose Spesen zu bereiten. Es ist wohl denkbar, daß auch aus dem Judenthum in Jahren einmal ein verworfenes Subject hervorgeht, das eines gemeinen Mordes fähig wäre, aber wo sie einen sogenannten „Schächterschnitt" finden, auf den sie sich in letzterer Zeit mit Vorliebe verlegen, da kann man mit Sicherheit rechnen, daß es kein Jude war, der die That vollbracht hat. Denn, wer bei Juden diesen Schnitt zu führen versteht, der steht auf einer so hohen geistigen Stufe, daß er nicht nur eines Mordes unfähig, sondern nicht einmal im Stande ist, seine Mitmenschen durch verleumderische Umtriebe an Vermögen, Ehre und'Leben zu gefährden, wie mancher christlich-sociale Abgeordnete. Prag. Der Verein zur Beschaffung von Passahbedürfnissen, der einzige in Prag, welcher es seinen Mitgliedern ermöglicht, ihren Bedarf an Mazzes durch wöchentliche Einzahlungen zu decken, hielt am 7. d. M. seine Gereralversammlung ab. In derselben erinnerte der Obmann Herr Gabriel Lieben an das 50jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät, anläßlich dessen zehn Mitglieder mit je 5 fl. betheilt wurden. Ferner gedachte er Ihrer Majestät der Kaiserin mit warm empfundenen Worten, sowie der im letzten Jahre verstorbenen Vorstandsmitglieder Herren Albert Eckstein und Jonas Stransky, ihre Verdienste um den Verein hervorhebend, was die Versammlung stehend anhörte. Der hierauf vom Cassier Herrn Perlitz verlesene Geschäfts- und Cassabericht wurde genehmigt. Die während des Verwaltungsjahres als Ersatz gewählten 2 Vorstandsmitglieder, die Herren Adler und Eckstein wurden von der Generalversammlung als solche bestätigt. Die statutenmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder I. Stern und I. K o r nf ü h r e r wurden mit Stimmeneinhelligkeit wiedergewählt. Als Rechnungsrevisoren wurden die Herren: Simon Dewidels, Salomon K n i n a und Leopold Schnürdreher wiedergewählt. Ueber Antrag der Herren Flaschner und G o l df ch m i t wurden der Obmann Herr Gabriel Lieben und Herr I. Stern, in Würdigung ihrer Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern des Vereines ernannt. Bei der Constituirung des Vorstandes wurden gewählt die Herren: Gabriel Lieben, Obmann; I. Perlitz, Obmann-Stellvertreter und Cassier; Hugo Eckstein, Rechnungsführer, und I. Kornführe r. Schriftführer. Brünn. (Consul Jules Popper.) Hier ist Herr Consul Jules Popper nach längerem Leiden gestorben. Er nahm in der Brünner Kaufmannswelt eine geachtete Stellung ein, und erfreute sich wegen seines ehrenhaften Charakters allgemeiner Werthschätzung. Popper, der am 15. März 1831 in Butschowitz geboren wurde, bereiste schon als Jüngling die Districte der nordböhmischen Industrie, Sachsen, Belgien, Frankreichs und nahm als Färbermeister im Staate Boston in Nordamerika Stellung. Nach Europa zurückgekehrt, leitete er die Färberei von Skene u. Co. durch mehrere Jahre. Hieraus trat er als Gesellschafter in die von seinem Vater Israel Popper in Gemeinschaft mit dessen Bruder Abraham Popper gegründete Firma „Gebrüder Popper" ein und blieb in diesem Verhältnisse bis zum Jahre 1870, in welchem er Gesellschafter Heinrich Kafka's wurde, mit dem er die Tuchfabrikation unter der Firma Kafka u. Popper betrieb. Seit dem Jahre 1878 führte Jules Popper unter seinem Namen selbstständig ein Exportgeschäft in Brünner Schafwollwaaren, das er am 1. Jänner 1898 seinem Sohne, Herrn Eugen Popper, übergab. Als Fabrikant machte er große Studienreisen, um bisher nicht ausgenützte Absatzgebiete persönlich kennen zu lernen und um mit der Geschmacksrichtung der dortigen Consumenten und den vorwiegend mit den marktüblichen Genres vertraut zu werden. Es gelang ihm dies in so ausgezeichneter Weise, daß er einen großen Theil seiner Fabrikate in den Sechziger- und Siebziger-Jahren nach Frankreich, Deutschland, Nordamerika und über Hamburg nach Südamerika absetzen konnte. Jules Popper wurde anläßlich der Wiener Weltausstellung 1873 für die ausgestellten hervorragenden Erzeugnisse der Firma Kafka u. Popper durch die Verleihung des goldenen Verdien st kreuzes ausgezeichnet. Im Jahre 1878 ernannte ihn die Brünner Handelskammer zum Berichterstatter bei der Pariser Weltausstellung. Seine Thätigkeit in dieser Eigenschaft war jedoch nicht blos auf die Verfassung eines ausgezeichneten Berichtes gerichtet, welchen die Handelskammer ihren Sitzungsprotokollen beischloß und mittels Separatabdruckes veröffentlichte, er nützte seine weitverzweigten Bekanntschaften auch in der Richtung aus, den Hunderten von mährischen Arbeitern und Werkmeistern, die Studienreisen zum Besuche der Ausstellung machten, mit Rath und That bei ihren Zwecken an die Hand zu gehen, und so manche werthvolle Begünstigung für dieselben zu erzielen. Jules Popper war es auch, welcher die Tuchabtheilung Oesterreichs hier installirte, deren geschmackvolle Zusammenstellung allgemein Anklang fand. Für seine Verdienste auf der Pariser Ausstellung verlieh ihm der Präsident der französischen Republik das Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion und die Handels- und Gewerbekammer in Brünn ernannte ihn zum correspondirenden Mitgliede. Im Jahre 1882 veranstaltete die Brünner Handelskammer eine Studienreise nach Südamerika (Narenta-Expedition) und Jules Popper, der inzwischen Consul der argentinischen Republik geworden, trat-an die Spitze der Expedition, welche die Anbahnung directer Handelsbeziehungen mit Brasilien, Uruguay und der argentinischen Republik zum Zwecke hatte. Nach seiner Rückkehr von dieser Reise veröffentlichte Jules Popper einen ausführlichen Bericht, der werthvolle Winke für alle unsere Exportbranchen enthielt. An der Brünner Kaiserjubiläums-Ausstellung 1888, deren Commiffionsmitglied er war, betheiligte sich Jules Popper durch eine kartographische Darstellung des Aufschwunges des Tuchexportes in den Jahren 1848 bis 1888, die allgemeines Interesse erregte. M.-Ostrau. Löbliche Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift! Als aufmerksamer Leser Ihres geschätzten Blattes, finde ich an Allem, was uns Juden nahe geht, das lebhafteste Interesse. Mehr als ein gewöhnliches Menschenkind _ interessirt mich die Sangesweise der Herren Cantoren, der synagogale Gesang im Allgemeinen, und derselbe zergliedert in allen seinen Atomen ganz besonders. In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes publicirt dort Herr Obercantor Singer, mit dem ich seit unserer Jugend befreundet bin, eine ganze Expectoration wegen einzelner „gesetzter Sachen", so benamseten wir Meschorerim seiner Zeit die dort erwähnten w’schom’ru, mechalkel chajim rc. Ich will das dort blos „gestreifte" als nebensächlich Behandelte, als Hauptzweck wiffen, nämlich das „C h a s o n es" Wenn die heute noch paar Lebenden von uns abgehen werden, dann ist das Chasones mitbegraben. Wenn der jüdische Synagogalgcsang volksthümlich im Volke sich einleben soll, so kann das nur hiedurch geschehen, das Material des Chasones zu sammeln, der Mit- und Nachwelt als werthes Vermächtniß. Als vor Jahren der hiesige Obercantor Erber (jetzt Obercantor in Saaz) nach Wien berufen wurde, um einen Probevortrag im Seitenstettengasse-Tempel abzuhalten, da besuchte er den großen, bisher noch unerreichten Sulzer s. A., bei welchem er vor Jahren als Chorist mitwirkte. Sulzer sagte: Machen Sie mir da keine polnische Schule daraus, dieser Tempel soll nur in dem Geiste, wie ich ihn hielt, fortab bestehen. Erber erwiderte: Wenn mir das Glück beschieden sein sollte, so werde ich, Herr Professor, mich an diesen Grundsatz halten. Erber sang und als er Sonntag hernach zum Präses,

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