Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 20 (19.5.1899)
- Date
- 1899-05-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 20 Dr. Bloch's Wochenj'chrifi, Sette 387 Im Einlaufe befindet sich die Einladung des Vereines für Unterstützung von Handwerkern und Kleingewerbetreibenden zur Festversammlung anläßlich des 10jährigen Bestandes; ferner die Mittheilung des Vorstandes der Chewra- Kadifcha von dem statutengemäßen Austritte der Herren S. H e i t und Moritz Karpeles aus dem Vorstände und Vorschlag auf Wiederernennung der genannten Herren. Der Vorsitzende behält die Erledigung dieser Angelegenheit der vertraulichen Sitzung vor. Auf Grund der Zuschrift der nied.-österr. Statthalterei, Z. 26748 99 wird aus Antrag des Herrn I. Vice-Präsidenten Dr. Stern beschlossen, nach gepflogenem Einvernehmen mit den El,ben und Testaments-Executoren nach der am 3. October 1894 verstorbenen Frau Emilie Singer der Stiftungsbehörde gegenüber die Erklärung abzugeben, daß das seitens der Erblasserin für ein israelitisches Kinderspital bestimmte Capital noch vor Activirung der Stiftung in die Verwahrung der Cultusgemeinde übernommen werde. Hierauf erstattet der Obmann der Finanzsection Herr taiserl. Rath Moriz Hirsch das folgende Referat über den Rechenschaftsbericht für das Jahr 1898. Ich habe die Ehre, Ihnen, hochgeehrte Herren, den Rechenschaftsbericht des abgelaufenen Jahres 1898 vorzulegen und Ihnen -zu berichten, daß die Finanzlage unserer Gemeinde seit dem Jahre 1.896 sich in absteigender Richtung bewegt. Die Ursache liegt, wie Ihnen wohl bekannt, hauptsächlich in den dringend nothwendig gewordenen Bauführungen, und zwar: a) vollständige Renovirung der der Gemeinde gehörigen Häuser im 11. Bezirk. b) Des Tempels eben daselbst. <•) Herstellung der Nothausgänge im Tempel des I. Bezirkes. - 6) Verbesserung des Einganges zum Tempel im Gemeindehause XVIII. Bezirk.. e) Adaptirung der Bureaulocalitäten unserer Verwaltung. Diese Herstellungen erforderten einen Betrag von 95.000 fl., welche auf die Jahre 1898 und 1899 vertheilt wurden, so daß im Jahre 1898 nur die eine Hälfte dieses Betrages verwendet wurde, während die andere Hälfte im Jahre 1899 zur Ausgabe und Verrechnung kommen wird. Neben diesen auf 2 Jahre vertheilten Auslagen haben auch die einzelnen Sectionen größere Zuschüsse erfordert. Der I. Section lag es ob, Subvention in größerem Maße an Vereinsbethäuser, sowie mehrere Darlehen (von circa 8000 fl.) an Tempelvereine zu gewähren. Der II. Section erwuchsen infolge des Anwachsens der Bevölkerung und durch vermehrte Schulen größere Auslagen für Unterrichtszwecke d. i. für Ueberstunden an definitive Lehrer, Stundenhonorare an exmittirte Lehrer, Honorare an Supplenten, Bücher, Lehrmittel rc. an arme Schüler, Subventionen an Privatbibelschulen und Creirung von Leseübungsschulen. Die III. Section hat auch im abgelaufenen Jahre größere Mittel erfordert, was angesichts unserer betrübenden politischen Situation leicht erklärlich ist. Die Opferwilligkeit vieler unserer Gemeindemitglieder, welche in diesem Jahre sich wieder durch freiwillige Spenden für Werke der Frömmigkeit und Wohlthätigkeit reichlich erwiesen hat, vermochte nicht das Mehr des Erfordernisses dieser Wohlthätigkeits-Section zu decken. Ein klares Bild der aufgewendeten Mittel für religiöse, culturelle und wohlthätige Zwecke finden Sie detaillirt in dem Ihnen vorliegenden Rechnungsabschlüsse, und ich kann nicht umhin, mein Bedauern darüber auszudrücken, daß obschon selber gemäß der Anordnung des § 97 unseres Statuts durch 14 Tage zur Einsicht der Gemeindemitglieder aufgelegt war, sich Niemand einfand, der ein Interesse daran bekundet hätte. Ich schreite nun dazu. Ihnen eine vergleichende Darstellung der Verwaltungsjahre 1897 und 1898 vorzutragen: Berwaltungsjahr 1898: Section Einnahmen Gulden Ausgaben Gulden Ueberschuß Gulden Zuschuß Gulden I. 74.006-91 152.444-36 78.437-45 II. 22.742-14 84.227-76 61.48562 III. 112.742 18'/, 193.324-18 80.531-99'/, IV. 392.551*19 V2 211.057-03 181.494-16'/, V. ,147.500-43 148.709-09 1.208-66 B e r m a l l u 1; g s i a 1 .) r 1397. ection Einnahmen Ausgaben Ueber'chuß Zuschuß Gulden Gulden Gulden Gulden I. 73.399-71 112.696-001/2 39.296-23'/, 11. 22.157*69 74.475*69 52.318-20 III. 76.35539 135.441-34 109.035'95 IV. 368.931-66 161.083-32 207.848-34 V. 138.828-58 113.033-04 25.740*54 Das Gesammtergebniß des Berwaltungsjahres 1898 ist laut Zusammenstellung auf dem Gebahrungsergebniß-Conto, ein Zuschuß von 40.210 fl. 56 kr. und jenes der Bilanz nach Abrechnung des Activ-Saldo per 1. Jänner 1898 und der Differenz zwischen den Debitoren und Creditoren des Capital-Conto ein Deficit von 30.637 fl. 7 kr., was aus der Zusammenstellung der Activen und Passiven aus dem Bilanz-Conto zu ersehen ist. Nachdem nun der Voranschlag für das laufende Jahr ein unbedecktes Erforderniß der Gebahrung von 52.732 fl. 77 kr. ergibt, so werden wir unter Zuziehung des Deficits der Gebahrung d. I. 1898 per 40.219 fl. 56 kr. Ende d. I. 1899 mit einer schwebenden Schuld von 92.952 fl. 33 kr. schließen, vorausgesetzt, daß das Budget nicht überschritten wird. Es zeigt sich sonach, daß zumeist die eingangs meines Berichtes erwähnten und auf zwei Jahre vertheilten Kosten für Bauten und Adaptirungen das Deficit der Jahre 1898 und 1899 veranlaßt haben, womit aber nicht gesagt sein soll, daß in den folgenden Jahren ein Auskomm.'n mit den jetzt gegebenen Mitteln stattsinden wird. Ich verweise nur auf die Mehrerfordernisse für den Betrieb des Siechenbauses, des Kaiserin Elisabeth - Pflegerinnenheims, auf den Zubau des Spitals, auf die Activirung der Koscherfleischfrage und viele andere stetig zunehmende Erfordernisse für Schule, Armenpflege und Verwaltung. An der hierauf folgenden Debatte betheiligten sich die Herren Dr. Spitzer, Vicepräsident Dr. Stern und Vicepräsident Dr. K o h n. Nach dem Schlußworte des Referenten wird der Rechnungsabschluß einhellig genehmigt und dem Referenten der Dank votirt. Herr Bice-Präsident Dr. K o h n bringt namens der II. Section zur Kenntniß, daß das Ministerium für Cnltus und Unterricht mit dem Erlasse vom 25. März 1899, Z. 4478, dem Recurse der israelitischen Cultusgemeinde gegen den Erlaß des nied.-österr. Landesschulrathes vom 11. December 1898, Z. 13064, betreffend die Ausschreibung der Oberlehrerstelle an der Mädchen-Volksschule im II. Bezirke, Czerninplatz 3, aus folgenden Gründen diesem Erlasse keine Folge gegeben habe. Der nied.-österr. Landesschulrath steht auf dem Standpunkte, daß nur dann, wenn die absolute Majorität der Schüler einer bestimmten Confession angehört, für den Oberlehrer die Q lalification zur Ertheilung des Religionsunterrichtes an die Majorität der Schüler gefordert werden müsse, während an der genannten Schule die israelitischen Schüler nur die relative Majorität bilden. Der Vorstand stehe auf dem Standpunkt, daß blos die einfache Mehrheit der Confession entscheidend sei. Referent beantragt namens der II. Section, die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes anzurufen und gleichzeitig um Sistirung der Besetzung dieser Stelle bis nach erfolgter Erledigung anzusuchen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Herr Vice-Präsident Dr. K o h n referirt weiters über den Antrag der Rechtssection, die beim Verwaltungsgerichtshofe überreichte Beschwerde betreffend einen Neubau, angrenzend an den Währinger Tempel, mit Rücksicht auf die jetzt zu Tage tretende Aussichtslosigkeit eines Erfolges zurückzuziehen. Der Antrag wird angenommen. Herr Bauraih S t i a ß n y referirt namens der Friedhofs- Section und des Vertreter-Collegiums über die Regulirung der Taxen für Grüfte, Gräber nnd Leichenbegängnisse. Die Referentenanträge werden nach längerer Debatte angenommen. Als Termin für das Inkrafttreten des neuen Tarifes wird der 1. Juli 1899 in Aussicht genommen. Wien. (Verein z u r U n t e r st ü tz u n g israelitischer Handwerker und Gewerbetreibender.) Der zehnjährige Bestand dieses segensreich wirkenden Vereines wurde Samstag Abends im Berathungssaale der israelitischen Cultusgemeinde gefeiert. Aus diesem Anlasse harten