Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 20 (19.5.1899)
- Date
- 1899-05-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 20 Dr. Bloch's Wochenschrift- 0CUC ’jS") Manchetten kannte man hierzulande nicht einmal dem Namen nach. Juden waren es zu allererst, welche dem Bedürfnisse durch industriellen Betrieb der Wäschesabrikation nachgekommen sind, indem sie die im ersten Stadium der Herstellung befindlichen Nähmaschinen ausnützten. Auch hier galt es, einschneidende technische Schwierigkeiten zu überwinden. Borurtheilen und confervativen. verzopften Gepflogenheiten weiter Bevölkerungskreise entgegenzutreten. Mit erstaunlicher, bewundernswerther Raschheit gelang es, dem unermüdlichen, beharrlichen Streben allen vorhandenen Frictionen in möglichst kurzer Frist zu begegnen. Als die Wiege der österreichischen Wäschefabrikation muß K l a t t a u in Böhmen namhaft gemacht werden, allwo schon Anfangs der Fünfziger-Jahre die Firma Dattelzweig eine bescheidene Wäscheindustrie etablirte, Die jedoch mit den Jahren an Ausdehnung riesig zunahm und derzeit vielen Tausenden Arbeitern reichlichen Erwerb verschafft. Derzeit sind die Hauptcentren für Wäschefabrikation Wien, Prag. Klattau, Proßnitz. Neben der Herrenwäfcheindustrie entwickelte sich auch nahezu gleichzeitig eine Fabrikation von sogenannter Arbeiterwäsche, als Gattungsbegriff für Wäsche der unbemittelten Bevölkerungsschichten. Da diese bekanntlich die Mehrheit find, so nahm die Fabrikation von Arbeiterwäsche einen enormen Umfang an, zumal es dem Käufer ermöglicht ward, um einen mäßigen Preis, der früher kaum hinreichend war, den Arbeitslohn zu bestreiten, fertige, preiswerthe, passende und haltbare Hemden. Jacken. Unterbeinkleider u. s. w. in großer Auswahl und überall zu erhalten. Zu den bekanntesten geläufigsten Firmen der Wäschebranche zählen: A b e l e s, Beer, B e r e c z u. L ö b l, Bernhardt, Bayers Comp. B i t t m a n n, B r a n d t, Braun, B n d i e, C h i n i, D a n n h a u s e r, D e u t s ch, G r o ß m a n n. G r ü n h u t, H ö n i g s b e r g. H o f f m a n n, I o ß »v* ß ö w e itst e i n, K e l l e r, K o h n W e r f e l, K o r n b l ü h, L a n d e is, L ö b l. L a u f e r, L o e w in g e r, B u n d, M a n t n e r, M i s e ld a ch, M i t tl e r, M o de r n. Neurath, P e r u tz, Popper, R ä g e r, R a i n er, R ei ß, Ri p p e r, S a m e k, S t r a n s k y, S ch o st a l, T i r i n g, W e l d l e r «.<- Budi e, Wieselthier u. A. Die steife Halsbinde des Bormärz, ein würdiges Pendant der noch steiferen Vatermörder, wurde, wie vieles Andere, von der 'Achtundvierziger-Bewegung verdrängt. Toiletten erfuhren eine gründliche Umgestaltung, die altväterische Halsbinde mußte der modernen Cravatte weichen, die sich das Terrain vorerst in der Reichshauptstadt, mit der Zeit in den Provinzcentren und schließlich auch auf dem Lande eroberte. Wieder waren es Juden zu allererst, welche diesen derzeit wichtigen Industriezweig cultivirten und sich das Verdienst zuschreiben dürfen, denselben auf die Höhe der Situation gebracht zu haben, den er zur Ehre Oesterreichs gegenwärtig einnimmt. Auch hier galt es, erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden. Die Stoffe, namentlich aus Seide, mußten zu Beginn aus dem Auslände bezogen werden, wodurch das Fabrikat erhebliche Vertheuerung erfuhr. Es mußten auch Modelle und Arbeiter aus Paris bezogen werden, um die heimischen Arbeitskräfte zu schulen. Es währte aber nur kurze Zeit und schon war es möglich, dem heimischen Bedarf zu genügen. Nun ging man daran, den Export nach den Balkanstaaten und dem Oriente zu pflegen, allwo die Wiener Cravatte noch derzeit dominirt. Zu den ältesten und renommirtesten Firmen der Cravattenbranche zählen: Baumgärtner & Co., Beer L Reinitz. Berger, Blaß L Robitschek, Bleyer, Breuer Brüder, Drab & Vellage, Friedmann, Fuchs. G o l d m a n n, Goldmann & Co.. Harth L Chat, Klein, Löwe, Neustadtl, Reichel, Same k, Schiff, Schiller, Schimmerlin g, Singer, Stern u. A. Zu den unentbehrlichsten Gegenständen der modernen Damenroilette zählt das Mieder. Früher nur von Damen des Adels und den reichen Bürgerclaffen benützt, hat sich das Corset gegenwärtig Eingang in die weitesten ~ Schichten der Damenwelt verschafft. Dies ermöglicht zu haben, ist das Verdienst der Juden, die durch die Einführung des industriellen Betriebes die Anschaffungskosten auf ein Niveau herabdrückten, welches es auch der ärmsten Frau aus dem Volke gestattet, dieses Corolar und Attribut der Weiblichkeit zu acquiriren. Die ersten nach Oesterreich aus Paris importirten Corsets wurden buchstäblich mit Gold ausgewogen. Derzeit steht die heimische Miederindustrie derart auf der hohen Situation, daß für nicht viel mehr als eine Krone ein passendes, schön ausgestattetes, dauerhaftes Corset erhältlich ist. Selbstverständlich werden auch Specialitäten erzeugt, die sich hoch im Preise stellen, namentlich zeichnen fick) Specialisten in orthopädischen Fabrikaten vortheilhaft aus. E-- besteht eine sehr umfangreiche Production und das überschüssig-- Fabrikat wird nach den Balkanländern und dem Oriente ex portirt, wo das Wiener Corset eine Specialität bildet. Derzeit wird die Miederindustrie von einer großen Zahl angesehener Firmen betrieben, zu welchen zu zählen sind: B a ch r i ch, Bernhardt, B e r n st e i n. Deutsch, E i s e n st e i n, Engel, F r i e d l ä n d e r, G r ü n b e r g e r, G ü n s b e r g e r, G u t t m a n n, Keller, Klein. Landers, L i p s ch ü tz, L ö w y, H e r z l, Müller & Roserzweig, Rainer, S t e i n e r, I p i tz e r, T e u t s ch l ä n d er, W e i ß, W e l d l er u. A. ..Wer kennt nicht 'Altmeister Goethe's: ..Handschuh aus — nein, Brill heraus". Handschuhe waren in Adels- und reichen Patricierkreisen schon im achtzehnten Jahrhundert vielfach im Gebrauche. Sie wurden aber nur vom Gevatter Handschuhmacher, der sich nebenher auch mit der Anfertigung lederner Hosen, die derzeit aus dem gewerblichen Kriegsschauplätze eine so hervorragende Rolle spielen, beschäftigte, vrosessionsmäßig erzeugt. Wieder waren es ausschließlich Juden, welche die vrofesftonsmäßige Herstellung von Handschuhen in den fabriksmäßigen Industriebetrieb hinüberführten. Sie begnügten sich nicht lange mir der Versorgung des inländischen Consums und richteten gar bald das Augenmerk auf den Exportverkehr, mit wechfelndem Erfolge freilich, denn infolge des neuen Systems gingen in der Zollgesetzgebung gar bald die Exportgebiete nach Rumänien, namentlich aber nach Amerika in Verlust. Zu erwähnen wäre noch, daß auch in Stoff- und Wirkhandschuhen namhaft producirt wird und sind es wieder nahezu ausschließlich Juden gewesen, welche diese Artikel industriell in Aufschwung brachten. Renommirte Firmen der Haudschuhfabrikation sind: Bader, Bauch, B a u m g a r t e n, Bergmann, Ber - n a t, B u d i e, E i s e n s ch i m e l, F r i e d m a n n, G o l ds ch m i d, Lässig und E i s e n s ch i m e l, Lederer, L e mb e r g e r, M a n d l, O s e r, P o l l a k u n d L a m m, Roth, Spiegel. Spitz, Stiaßny. I t r a ß b e r g. W a l dm amt, Weiß u. A.*> Eduard B e e r. Ivel Deutsly. (Geboren am 2o. Mar; 1810. gestorben am 1. Mai 1800.» Der Versuch, die Bedeutung eines dem Lehramte angehörenden Mannes ,^u schildern, erfordert eine eingehende Kenntniß des inneren Wesens dieser Persönlichkeit. Tenn nur bei wenigen Berufsarten erscheint hervorragendes Wirken so sehr der Ausfluß seelischer Zustände, wie gerade beim Lehrberufe. So ist es geboten, auch bei der Würdigung der Leistungen Deutsch' von bestimniten und bestimmenden Grundzügen seines Charakters den Ausgang zu nehmen. Unverkennlar für Jeden, der auch nur einen vorübergehenden Verkehr mit Deutsch genoß, blieben sein heißer Wissensdrang und sein kräftiger, unbeugsamer Wille. Diese waren die treibenden und fördernden Elemente bei dem Werke seiner allgemeinen, wie seiner sachlichen Bildung. So hat Deutsch als Antodidact in des Wortes rühmlichster Bedeutung sich eine Fülle von Wissen angeeignet. Es braucht wohl nicht erst des Näheren beleuchtet zu werden, welche Schwierigkeiten sich in jener Zeit dem jüdischen Jünglinge entgegenstellten, der sich dem Lehramte widmen wollte, und ebensowenig bedarf es eines 'Nachweises, daß die pädagogische Heranbildung der jungen Lehrer damals überhaupt nur eine lückenhafte war. Es wird daher kaum Staunen erregen, wenn man vernimmt, daß die Kenntniß des Taubstummen-Unterrichtsverfahrens auf einer außerordentlich tiefen Stufe stand. War es nun eine göttliche Eingebung, oder spricht es für einen bewundernswürdigen Scharfblick, daß der unvergeßliche H. K o l l i s ch gerade Deutsch zum Lehrer der Anstalt wählte, die er im Jahre 1844 ins Leben zu rufen im Begriffe stand? Und muß man nicht den Muth bewundern, den Deutsch an den Tag legte, als er dieser Berufung zu einer unterrichtlichen Thätigkeit, deren Eigenart ihm gänzlich unbekannt war, Folge leistete? In Baden bei Wien begegnete er dem um die Taubstummenbildung hochverdienten Professor *> Tie Verzeichnisse der in den erwäbnren Industriezweigen angeführten Firmen machen selbstverständlich auf Vollständigkeit keinen Anspruch.