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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-19 · 20 (19.5.1899) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
20 (19.5.1899)
Date
1899-05-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 378 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 20 zehnten haben die Spanier eine weitere Eroberung gemacht, die Insel Goto. Sie haben ihre gewöhnliche Verwaltung dort eingerichtet und der gewöhnliche Erfolg ist auch nicht ausgeblieben. Die Insel ist vollständig ruinirt. In meisterhafter Weise zeigt Guyot, wie der Glanbensfanatismus die letzte Ursache des ganzen Niederganges von Spanien gewesen ist. Ihm zuliebe läßt schon ein Westgothenkönig aus dem 6. Jahrhundert seinen leiblichen Sohn enthaupten. Vom 7. Jahrhundert an ist der Erzbischof von Toledo der eigentliche König von Spanien. Damit beginnen aber auch schon die Judenverfolgungen noch vor der Eroberung Spaniens durch die Araber. Man tauft sie mit Gewalt, man entführt ihnen ihre Kinder, man unterwirft sie der geistlichen Gerichtsbarkeit, mau macht sie dem Volke als Händler und Wucherer verhaßt, man verbietet ihnen die Ehe und den Handel. Das Volk durfte seinem Judenhaß nach Belieben Genüge thun, dafür stand es selbst völlig unter dem geistlichen Joche, die Freiheit der Städte und damit ihr Wachsthum wird vernichtet, Attentate aller Art und eine widerliche Verbindung von Heuchelei und Sittenentartung kennzeichnen die öffentlichen Zustände. Als die Araber in Spanien einbrachen, fanden sie keinen ernsten Widerstand. In IO Jahren haben sie das ganze Reich unterworfen. Sie dulden Juden und Christen und gestatten den Bau von Synagogen und Kirchen an der Seite ihrer Moscheen. Cordova allein hat unter ihnen '/* Million Einwohner, und die Christen wurden unter dem Namen „Mozarabes" in Religionsübung und Gewerbe völlig ungestört gelassen, bis mit der Rückeroberung Spaniens durch die christlichen Herrscher der nationale und der religiöse Fanatismus neue Nahrung erhielt. In dem Grade, als die christliche Herrschaft in Spanien wieder vordrang, breitete sich mit ihr die Macht der Inquisition aus. Dieses Mordgericht war im Jahre 1204 zur Zeit .der Albigenser Kriege gegründet worden; ein Versuch, sie auch in Frankreich einzubürgern, scheiterte an dem allgemeinen Abscheu der Bevölkerung. Es beginnt eine Zeit der Zwangstause und strengen Ueberwachung der Neubekehrten. „Die Juden waren damals zahlreich in Spanien. In diesen! verwüsteten Lande der Hidalgos, zu deren Standesstolz es gehörte, nichts zu thun, und der Mönche, welche von der Ausbeutung des Volkes lebten, hatten die Juden in ihren Händen allmälig den ganzen Handel concentrirt. Der Haß gegen sie war umso furchtbarer, als sie eine nützliche Thätigkeit entwickelten, welche ihre Feinde auszuführen unfähig waren. So entschlossen sich denn Ferdinand und Jsabella im Jahre 1492, Spanien den Spaniern zurückzugeben. Die Juden wurden vor die Wahl gestellt, binnen 6 Monaten sich zu taufen oder Spanien zu verlassen, das Letztere natürlich ohne Gold, Silber, Edelsteine mitnehmen zu dürfen. Trotzdem verließen damals gegen 150.000 fleißige Menschen das ungastliche Land. Auch die Mauren waren ein Hinderniß für jenes Streben, Spanien den Spaniern zurückzugeben. Als ihre letzte Burg Granada fiel, wurde ausgemacht, daß man weder ihr Vermögen, noch ihre Freiheit, namentlich in religiöser Beziehung, antasten wolle und daß die Juden ganz ebenso geschont werden würden. Der Spanier als Einzelner betrachtet es als seinen höchsten Stolz, seinem Worte getreu zu sein. Als Nation haben die Spanier niemals Wort gehalten. Kaum war Granada gefallen, so wurde den Mauren ihr Nationalcostüm, das Tragen von Waffen, das Ausüben ihrer nationalen Gewerbe verboten, sie wurden immer mehr bedrängt und schließlich 1610 vertrieben. Spanien verlor damals ein halbe Million seiner besten Ackerbauer und Gewerbetreibenden. Es hat sich von diesem Schlage niemals erholt. Gehörte es aber nun wenigstens den Spaniern?" Das ganze Buch ist unter Anderem dem Nachweise gewidmet, daß in dem Maße, als Spanien von Juden und Mauren gesäubert war, genau in demselben Maße der Einfluß und die Macht der Fremden, der ftanzösischen Günstlinge, der italienischen Unternehmer und Financiers, der deutschen Handelsleute überhand nahm. „Am Ende des 17. Jahrhunderts liegt der ganze Handel in den Händen von 70.000 Franzosen. Seit dem Vertrage von Utrecht 1713 traten an deren Stelle theilweise die Engländer. Die Bergwerke von Aragonien und Almaden wurden von einer irischen Familie ausgebeutet; die Dynastie selbst war halb französisch, halb deutsch. Der größte Entdecker der Spanier, Christoph Columbus, ist ein Genuese gewesen. Die ganze Entwicklung aber beginnt mit der Vertreibung der Juden und Mauren und mit dem Gewissenszwange gegen jeden Einzelnen, sich vorerst durch sein ganzes Thun und Lassen über seinen Glauben auszuweisen, bevor noch die Frage der Tüchtigkeit gestellt wird. Dies ist in Spanien selbst so anerkannt, daß derselbe Historiker Menendez, welcher die Inquisition als den höchsten Ruhm Spaniens betrachtet, zugeben muß, daß „die Consequenz der Judenvertreibung die Verarmung des Landes und der Ruin seines Handels war; der Sturz des Handels zog die Industrie nach sich, es gab gar keine Arme für sie, da das Wesentliche in diesem Momente unserer Geschichte nicht war, Gewebe zu erzeugen, sondern Ketzer zu tödten. Wenn auch die wirtschaftlichen Folgen furchtbare waren, so haben wir doch unser religiöses Gewissen rein erhalten und sind dem Geiste unserer Civilisation treu geblieben". Für diesen Geist der spanischen Civilisation führt das Buch, von dessen reichem Inhalt nur der geringste Theil angedeutet werden konnte, folgenden merkwürdigen Zwischenfall an: „Als der Krieg gegen Amerika immer unglücklicher verlief, waren alle Zeitungen und Reden voll von patriotischen Betrachtungen. „Eher wird der Letzte der Spanier verschwinden", hieß es allgemein, als daß Nordamerika den Sieg erhalten sollte". Selbst nach dem Falle Santiagos zögerte Spanien mit den Friedensverhandlungen. Aber zu gleicher Zeit amüsirte man sich in Spanien besser, denn je. Gegen Ende August tauchte die Frage auf, welche die Leidenschaften ganz anders erregte, als die Niederlage des Krieges : Weibliche Stierkämpfer waren in der Arena erschienen. Die männlichen Stierkämpfer, in ihrer Würde tief verletzt, drohten zu streiken. Die Bevölkerung war niedergeschmettert". So wenig hat selbst der unglückliche Krieg den Spanier gebessert. Guyot zieht auch den Schleier von der Thatsache hinweg, daß es sich ja bei der ganzen Beherrschung von Cuba auch nicht blos um eine Frage der nationalen Ehre, sondern um eine ebenso entschiedene Ausbeutung handelt, wie die, welche das eingestandene Ziel der Amerikaner ist. Die Yankees waren in ihrem letzten Kriege in ihren Motiven nicht im geringsten schmutziger, als die Hidalgos. Beide Staaten haben aus Geldgier den Krieg geführt; der jüdische Einfluß war in beiden Staaten gleich Null. In Spanien gibt es sogar fast keine Juden (4000 auf 17 Millionen Spanier) und doch blüht jede Art von Wucher und Börsenjobberei, wie wir vielleicht nächstens ausführlicher zeigen werden. Trotzdem will man behaupten, daß der Mammonismus ein specifisch jüdischer Fehler sei. Man sieht eben in diesem, wie in unzähligen Fällen den Fehler des Menschenthums an den Juden deutlicher, als man ihn an sich selbst zugeben will. Es ist die alte Geschichte vom Balken und vom Splitter. Die Regierung und das Nrbeiteretend in Voryslaw. Eine Hilfsactiou der B'n a i - B r i t h für Galizien. Wien, den 15. Mai 1899. Die Nachrichten über das traurige Schicksal der jüdischen Bergarbeiter haben das Ackerbauministerium zu einem Eingreifen veranlaßt. Eine Commission, an deren Spitze Ministerialrath Z e ch n e r, der eigentliche Urheber jener unglückseligen Bergbauvorschriften stand, begab sich nach Boryslaw, um dort an Crt und Stelle die Wahrheit der verschiedenen Mittheilungen über die Noth der Arbeiter zu prüfen. Es spielten sich da die jammervollsten Scenen ab, die selbst ein steinernes Herz erschüttern könnten. Hunderte Menschen warfen sich vor dem Wagen Zechner's nieder und schrieen mit aufgehobenen Händen: „Brot", „Arbeit". Herr Z e ch n e r empfing bei sich dreiDepntationen, der Kleinunternehmer, Aufseher und Arbeiter, die ihm ihre Bitten vortrugen. Herr Z e ch n e r hatte Gelegenheit, sich an Ort und Stelle zu überzeugen, wie die neuen Bergbauvorschriften Tausende von Familien, nicht nur Arbeiter, sondern auch früher wohlhabend gewesene Kleinunternehmer plötzlich auf die tiefste Stufe des Elends herabgedrückt und zum Hungertode verurtheilt haben. Nun ist er vor mehr als zwei Wochen zurückgekehrt Die Verhältnisse in Boryslaw gestalten sich aber immer kritischer. Die Arbeiter haben nichts mehr zu verlieren, sie excediren. Speciell gegen den Director der Länderbank- Schächte, Szumski, richtet sich ihr ganzer Ingrimm. Dieser hat nicht blos die jüdischen Arbeiter und Aufseher aus den Gruben der Läuderbank ausgeschlossen, er hat noch in den jüngsten Tagen den Hofrath Z e ch n e r über die Verhältnisse in Boryslaw in der unrichtigsten

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