Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 19 (12.5.1899)
- Date
- 1899-05-12
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 372 Nr. 19 Dr. Bloch's Wochenschrift. mit gleicher Trclie seinem schweren Amte genügt und ins schwere Joch der Pflicht den eigenen Willen beugt, unbekümmert, ob auch die Welt sein ehrliches Streben anerkennt; so ist es mir, der ich ein viertel Jahrhundert an dieser Schule gewirkt und mit heiter-ernstem Blicke all' meine Leistungen an derselben überschaue der schönste Lohn, der mir aus Ihren freundlichen Augen, geehrte Anwesende, entgegenblickt und in den schlichten Worten ausklingt: „Du hast das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht!" — Im Laufe des Vormittags erschienen in der, einem förmlichen Rosengarten gletd enden Wohnung des Jubilars viele Gratulanten: Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner M. P a p o, Obercantor I. Baue r, Dr. Ed. T h a l e r und Frau re., und ehemalige Schüler unter Letzteren Rabbiner und Prediger Dr. S. Groß und Gemalin aus Lundenburg, Dr. Max L e v i aus Wien 2c., die Adressen, Glückwünsche, Geschenke und Bouquets überreichten. Nachmittags kamen wieder viele Damen und Herren bis spät in die Nacht, den Direktor zu beglückwünschen. Die zahlreich cingelangten Gratulationen und Telegramme — von den kais. Rathen Dr. Lieben und Dr. K 0 h n und Frau Präsidentin des Frauen-Wohlthätigkeitsvereines, die persönlich gratulirte, von Tr. Grünfeld und Frau, Präsidentin des „Ferienheim" aus Wien, die Rabbiner und Prediger Dr. I. K a h a n und Frau aus Waid- Hofen a. d. Thaya, Dr. I. T a u b e r und Dr. S p i e r a ans Mähr.- Ostrau ec. — geben Zeugniß von der außerordentlichen Achtung und Anerkennung, deren sich dieser wohlverdiente Schulmann in den weitesten Kreisen erfreut. Um das Arrangement der Schulfeier haben sich Jndustriefrättlein Keßler und Cantor und Chordirigent I. L ö w i t besonders verdient gemacht. Protznitz. (Trauung.) Am 21. d. M. findet im hiesigen Tempel die Trauung von Fräulein Olga Steiner, Tochter unseres allverehrten Gemeindesecretärs Herrn Alois Steiner, mit Herrn Med. Dr. Ludwig Schnabel statt. Im Hinblick auf die Sympathien, welche sich Herr Secretär Steiner durch eine mehr als 30jährige verdienstvolle Amtirung erworben, nimmt die ganze Gemeinde lebhaften Antheil an dem Familienfeste, welches Gelegenheit geben dürfte, dem wackeren Gemeindebeamten Ovationen zu bereiten. Pisek. (Todesfall.) Am 2. d. M. starb hier Herr Samuel K 0 h n im hohen Alter von 91 Jahren, eine allgemein hochgeachtete und um die israelitische Cultusgemeinde sehr verdiente Persönlichkeit. Teplitz. (B e r m ä l u n g.) Am 10. Mai findet im hiesigen Tempel die Trauung des Fräulein Else Lederer, Tochter des Herrn Moriz Lederer, mit Herrn Dr. Wilhelm Klauber, Advocaten in Teplitz, statt. Strakonttz. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten durch das Hinscheiden des Herrn Med. Dr. Eduard Kohn, Ehrenmitglied der Chewra-Kadischa, der als Arzt und Jude, in der Ausübung seines Berufes und in der praktischen Bethätigung der Menschenliebe Allen ein leuchtendes Vorbild war. Er starb im 47. Lebensjahr und hinterläßt eine tieftrauernde Gattin und 4 junge Kinder. An dem Leichenbegängnisse betheiligte sich sehr zahlreich die christliche und die jüdische Gemeinde, die Spitzen der Behörden, die Beamten, die Stadtvertretung. Der Leichenzug ging vom Tempel aus, wo unter der Leitung des Obercantors Menkes das deutsche Grabeslied und der Trauerpsalm celebrirt wurde. Der Männergesangsverein „Zivon" sang eine Grabescantate und der Rabbinerstellvertreter hielt eine ergreifende Trauerrede. Holleschau. (Todesfall.) Mit dem Heimgange der Frau Cäcilie S k r a i n k a hat unsere Gemeinde einen herben Verlust erlitten. Das zeigte sich recht deutlich in der Betheiligung an dem Leichenbegängnisse, welches am Freitag den 28. April stattfand. In allen Kreisen der Bevölkerung, ohne Unterschied des Glaubens und Standes, begegnete man der aufrichtigsten Theilnahme. Im Trauerzuge bemerkten wir die hiesigen städtischen und staatlichen Behörden, und in Vertretung des abwesenden Herrn Grafen W r b n a den Güterdirector desselben Herrn von G i e s l, den Schwager des ehemaligen Abgeordneten Pacher von Theinburg. — Unter den Hunderten Telegrammen und schriftlichen Condolenzen nennen wir besonders die überaus herzlich gehaltenen des bei der letzten Constituirung des Reichsrathes als Alterspräsident fungirenden Abgeordneten Ritter von P r 0 s k 0 w e tz, des Herrn Grafen Julius Seilern, des Herrn Gemeinderathes Donat Z i f f e r e r u. A. m. In beredten Worten entwarf Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. I. Freimann das schöne Lebensbild der Verewigten, welche — gleich ausgezeichnet durch Gaben des Geistes und des Herzens — als Mitbegründerin und einstige Präsidentin des hiesigen Frauenvereines sich viele Verdienste um denselben erworben hat, und widmete warm empfundene Worte des Trostes an die trauernd Hinterbliebenen, insbesondere an den tiefgebeugten Gatten Herrn Adolf Skrainka, der im Jahre 1893 zugleich mit seinem Bruder für unseren neuen, streng conservativ eingerichteten Tempel 12.000 Kronen spendete und dieser Tage wiederum eine Stiftung im Betrage von 2400 Kronen als Stipendium für Mittelschüler errichtete. Szegedin. In kurzer Zeit wird sich den neuen Prachtbauten Szegedins auf der Tißa Lajos-Ringstraße ein mit diesen Palästen rivalisirender Prunkbau anreihen. Die dortige israelitische Gemeinde läßt nämlich einen Tempel mit einem Kostenaufwande von 200.000 fl. errichten. Als Preisrichter fungirten außer einigen Szegediner Fachmännern und Gemeindemitgliedern auch die Architekten Ignaz A l p a r und Edmund L e ch n e r aus Budapest. Es waren 10 Pläne eingelangt. Der erste Preis (3000 Kronen) wurde dem Project mit dem Motto: „Isiou es luiza“ (Gott und Vaterland) zuerkannt. Dieser Plan ist zugleich zur Ausführung in Aussicht genommen. Den zweiten Preis (1000 Kronen) erhielt der Plan mit der Devise: „Szeged nein volt, hanera lesz“ (Szegedin war nicht, aber es wird). Außerdem avurden noch drei Pläne zum Ankäufe empfohlen. Der Autor des mit dem ersten Preise prämiirten und auch zur Ausführung gelangenden Planes ist der hauptstädtische Architekt Leopold Baumhorn, der durch seine Tempelbauten in verschiedenen größeren Provinzstädten des Landes sich auch bisher schon auf diesem Gebiete einen ehrenvollen Ruf erworben hat. Die Autoren der mit dem zweiten Preise ausgezeichneten Concurrenzarbeit für den israelitischen Tempelbau sind die Budapester Architekten Aladar Karman und Julius Ersnyi- Ullmann. Feuilleton. Der Flickschneider. Von Clemens I u n 0 s z a. (Schluß). So sitzt er schon einige Tage beim Dorfschlachrizen Onufry und arbeitet mit ungeheurem Fleiße. In kurzer Zeit verfertigte er einen schönen Mantel für die gnädige Frau Onufrowa, aus einem alten Surdut (Bauernrock) des Hausherrn nähte er einen wunderschönen Kaftan für das Fräulein Brigitta, flickte und verbesserte etwa zehn verschiedenen Mitgliedern des Hausgesindes gehörende Kleidungsstücke und nun arbeitet er an einem Paletot für Herrn Onufry. Für diese Arbeitsleistung erhält er außer einer Fuhre Holz und etwas Proviant, die ihm nächste Woche vom Herrn Onufry kostenfrei zugestellt werden, vier ganze Rubel. Natürlich mußte der Paletot zur rechten Zeit fertig werden.' — Höre Jud', hatte ihm Pan Onufry gesagt, ich zahle Dir herrschaftlich, dafür aber muß der Paletot Freitag Früh fertig sein, damit ich mich am Feiertag in der Stadt zeigen kann. — Bitte tausendmal um Entschuldigung, gnädiger Herr, sagte der Jude ganz kleinlaut, bitte doch nicht zu vergessen, daß ich die ganze Woche nicht geschlafen habe. — Warum nahmst Du Dir keinen Gesellen zu? — Wovon soll ich ihm denn zahlen, gnädiger Herr, wenn ich selbst so wenig verdiene? — Das ist nicht meine Sache. Schau zu, daß der Paletot Freitag fertig ist. — Nu, ich werde schon trachten, das er fertig wird. Aber soll mir doch wenigstens der gnädige Herr etwas Kartoffel zugeben für die Kinderchen. Es sind heute so schwere Zeiten. . . ,.