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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-12 · 19 (12.5.1899) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
19 (12.5.1899)
Date
1899-05-12
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 19 Seite 371 Dr. Bloches einlragen lassen, plötzlich zn seinem großen Erstaunen erfährt, daß er zn den heimatlichen Landstreichern gehört, als Verbrecher ins Gefängniß kommt, das er nur, um nach Sibirien zn gehen, verlassen darf. Selbst die Lage der Juden, die nicht deportirt sind, sondern frei dort wohnen, ist wenig beneidenswerth. Man darf nicht vergessen, daß die Provinz Jakoutsk, wie übrigens ganz Sibirien, gleich denjenigen Orten eingerichtet ist, die außerhalb des Territoriums liegen und daß in Folge dessen, abgesehen voll den Deportirten, dort nur diejenigen Inden wohnen dürfen, die ausdrücklich zugelassen sind, an den Rechten der Gemeinden theilzunehmen oder die, welche specielle Rechte genießen. Daher kommt es oft vor, daß ein Jude, der seit Jahren dort wohnt und ehrbar sein Handwerk ausübt, plötzlich aufgefordert wird, durch rechtskräftige Beweise sein Aufenthaltsrecht nachzuweisen, in deren Ermangelung er unmittelbar mit seiner Familie in seine Geburtsstadt geschafft wird, die im Territorium 10.000 Wersteil Entfernung liegt. Noch mehr; die Juden Sibiriens können im Allgemeinen nur in den Gemeinden wohnen, in denen sie eingetragen sind, und sie haben alle Mühen der Welt, einen Paß zu bekommen, um ihre Stadt zu verlassen. Wenn z. B. die Behörden entdecken, daß ein Jude von Jrkoutsk in Jakoutsk wohnt, so wird er betrachtet, als ob er das Gesetz verletzt hätte und muß nach Jrkoutsk zurückziehen. So ist es jüngsthin vorgekommen, daß ein Jude, der zur Gemeinde Jrkoutsk gehörte, aber seit langen Jahren in Jakoutsk sich aogesiedelt hatte, gezwungen wurde, in seine Gemeinde zurückzukehren. Er faßte den Entschluß, sich taufen zu lassen, um in Jakoutsk wohnen zu dürfen und dort seinen Handel fortzusetzen. Wenn ein nichtjüdischer Deportirter sich dem Ackerbau nicht widmen will, so kann er seine Parcelle verkaufen und mit seinem Paß in die Goldminen arbeiten gehen oder anderswohin. Der jüdische Deportirte erhält keinen Paß. Was kann er machen? Die meiste Zeit ist er für die Arbeiten des Ackerbaues untauglich, und er besitzt fast niemals die nothwendigen Mittel, eine Krambude zu eröffnen. In Jrkoutsk gerade richtell sich die jüdischen Deportirten aller Arten unter den am wenigsten schlechten Bedillgungen ein. Sie können frei alle Handwerke ausüben und sich dem Handel hingeben. Sie sind zahlreich genug, um in einer Gemeinde ihre religiösen Angelegenheiten zu ordnen. Aber der Schandfleck, der auf den falschen Söhnen des Vaterlandes lastet, verfolgt sogar bis hierher die Söhne des auserwählten Volkes und es genügt eine Kleinigkeit, um ihre Ruhe zu stören und sie daran zu erinnern, daß sie nur geduldet sind. Vermischtes. Wien. (R a b b i n e r w a h l.) Die israelitische Gemeinde in Siklos (Ungarn) hat einstimmig Herrn Dr. Desider Klein, einen Jünger des Pester Rabbinerseminars, zu ihrem Rabbinergewählt. — Die israelitische Gemeinde in Gr.-Glogau hat Herrn Dr. L u c a s, einen Jünger der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums, einstimmig zum Rabbiner gewählt. Dr. L u c a s wird zu den hohen Feiertagen das Amt übernehmen. Wien. (Baron Gustav Springer.) Im Baukhause Max Springer, welches nebenbei gesagt, jetzt die größte österreichische Jndustrieficma sein dürfte, wurde im Laufe der letzten Wochen der vierzigste Jahrestag des Eintrittes des derzeitigen Chefs. Baron Gustav Springer, festlich begangen. Die Erinnerungen an glänzende Erfolge, aber auch an sorgenvolle Tage mögen sich da gekreuzt haben. Das Haus Springer gehörte zu den Gründern der Bodencreditanstalt, der Anglobank und der österreichischen Hypothekenbank, zu den Contrahenten der türkischen Eisenbahnanleihe, der Kaschau-Oderberger-Eisenbahn, der croatischen Eisenbahnen und vieler anderer Finanzoperationen großen Styls. Die in Wien zum Durchbruch gelangte capitalsfeindliche Gesinnung bestimmte das Haus Springer, sich vornehmlich der Industrie zuzuwenden. Seither ist ruhige Arbeit und stille Woblthätigkeit zu seinem Berufe geworden. Wien. (Spende.) Für die nothleidenden jüdischen Bergarbeiter in Boryslaw sind uns zugekommen: Bon Herrn Adolf Singer in Rican 5 fl., von N. N. in Mistelbach 5 fl. Wochenschrift. Wien. Dr. Bela R o s e u t h a l ordinirt ab 16. Mai l. I. ll., Kleine Schiffgasse 4. Wien. Der Verein jüdischer Mädchen „Hadassa" beschließt Sonntag den 14. d. M. den Cyclus seiner Vorträge mit einer Vorlesung der Schriftstellerin Frau Ernestine Wilhelm: „Ueber die Frau des Judeuthums". Bortragslocal: Restaurant Hatschek, Praterstraße. Beginn 4 Uhr. Gäste willkotmnen! Wien. Vom Bethausvereiu in Liesing in Niederösterreich erhalten wir Folgendes: Der seit 36 Jahren bestehende Bethausverein in Liesing in Niederösterreich sieht sich seit Kurzem in die traurige Nothwendigkeit gedrängt, sich hilfesuchend an die edlen Herzen seiner Glaubensgenossen in Nah und Fern inständig bittend zu wenden. Durch 20 Jahre besaß dieser Verein ein gemiethetes Bethauslocal, welches nun plötzlich gekündigt worden, ohne Aussicht ein anderes Local zu gewinnen. Der Verein wendet sich deswegen an edelherzige Glaubensgenossen, ihn eine eigene bescheidene Andachtsstütte errichten zu helfen. Diese Bitte wird überdies befürwortet vom Rabbiner Dr. S ch m i e d l in Wien und Rabbiner Dr. Bardowicz in Mödling. Wien. Gegen die Miedermisüre ist von den hervorragendsten Aerzten genug angekämpft worden, leider vergeblich; es bleibt also Nichts übrig, als auf die Verbesserung derselben hinzuwirken. In dieser Richtung hat die k. u. k. ausschließlich priv. Miederfabrik der Aid. Hermine Koppel, Liechtenauergasse 12, mit dem Specialmieder ohne Schnüre eine bedeutende hygienische Verbesserung erzielt, die sowohl von den Aerzten als auch von den Damen freudigst begrüßt und anerkannt wird. Dieses Mieder macht die Taille anmuthiger, ohne den Athem oder den Körper im Geringsten zu beklemmen. Für- Damen, die auf gute Figur halten oder dem Radfahr- und Reitsport huldigen, sind die „Koppelmieder" von unschätzbarem Werthe und einmal in Verwendung, den Damen ein geradezu unentbehrliches Requisit. Diese Mieder wurden bei der Jubiläumsausstellung prämiirt. Jedes gewöhnliche Mieder kann auch nach diesem System umgearbeitet werden. Wien. Der Amtsdiener der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Herr L. M. Schön, feiert am 16. d. M. sein 25jähriges Dienstjubiläum. Herr Schön hat sich während dieses langen Zeitraumes durch seine Bescheidenheit und Diensteifrigkeit allgemeine Sympathien zu erringen gewußt. Wien. Löbliche Redaction! Mit Bezug auf die Zuschrift des löblichen Vorstandes des Tempel- und Schulvereines, VI., Stumpergasse 42, in der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes, ersuche ich höflich st, constatiren zu wollen: Daß zu der Versammlung behufs Gründung eines orthodoxen Centralvereines Bethäuser und Vorsteher als solche überhaupt nicht geladen wurden. Daß die Einladungen nur an Privatpersonen ergingen, allerdings unter Berücksichtigung der Vereine, soweit uns die Persönlichkeiten bekannt waren. Daß ein Herr Vorsteher des erwähnten Vereines an unseren Arbeiten Theil nimmt, ein Anderer sein Ausbleiben entschuldigte. Daß endlich von einer A c t i o n gegen dieCullusgemeinde nicht nur keine Rede war, sondern von allen Rednern betont wurde, daß der Verein das beste Einvernehmen mit der Cultusgemeinde zn pflegen haben wird. Hochachtungsvoll Bernhard H o fb a u e r, Vorsitzender des vorbereitenden Comitös. Wien. (I u b i l ä lt nt.) Im festlich geschmückten Turnsaale, umgeben vom Lehrkörper, der Schuljugend und vielen hochachtbaren Gästen, feierte Herr Schuldireetor Emanuel G r o a g am 1. d. M. sein 25jähriges Amtsjubiläum als Lehrer und Leiter der hiesigen türk.-israel. Volks- und Neligionsschule. Der Jubilar wurde bei seinem Erscheinen mit begeisterten Hochrufen empfangen und ein SOinbe und zwei Mädchen gratulirten namens ihrer Mitschüler und Mitschülerinnen in sinnigen Worten und überreichten einen schönen silbernen Visirkorb itnd herrliche Bouquets. Hierauf begrüßte und beglückwünschte Herr Chacham A l k a l a y in einer schwungvollen hebräischen Ansprache den Direetor, indem er ihm namens des Lehrkörpers einen silbernen Pokal überreichte. Tief ergriffen dankte der Jubilar für die ihm dargebrachten Ovationen und sagte unter Anderent: „Wenn ich bedenke. wie leicht es in einer raschen Stunde dem Helden ans dem Schlachtfelde wird, die Unsterblichkeit sich zu erringen und seine Brust mit Ehren zn schmücken, während der Schulmann viele Jahre still und unbemerkt

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