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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-12 · 19 (12.5.1899) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
19 (12.5.1899)
Date
1899-05-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 370 Dr. Blvch's Wochenschrift. Nr. 19 die Pläne der Zionisten zu verwirklichen. Sobald ein eiserner Fonds von 5 Millionen vorhanden ist, wird die Bank ihre Thätigkeit beginnen. Dieselbe soll zunächst mit der türkischen Regierung in Verbindung treten, um von ihr Concessionen zu der Begründung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte zu erlangen, wo sich diejenigen Juden, die keine Heimat haben, wie die russischen und rumänischen Juden, ein neues Domicil gründen können. Was die Subscription anbetrifft, so seien die gehegten Erwartungen nicht erfüllt worden. Speciell in Westeuropa, wo die social bester gestellten Juden wohnen, sei im Verhältniß zum Osten sehr gering gezeichnet worden. Man habe gesagt, die Bank sei nicht kaufmännisch geleitet. Dieser Vorwurf sei berechtigt, wenn man damit sagen wolle, daß die Leute, die mit der Leitung derselben vertraut seien, nichts verdienen wollten, sondern lediglich im Interesse einer großen Idee erhebliche Opfer an Zeit und Geld brächten. Diese Männer hätten aus eigener Tasche die Gründungskosten getragen. Redner schloß mit einem warmen Appel an die Versammlung, sich zahlreich an der Subscription zu betheiligen und auch in Freundeskreisen für dieselbe zu wirken. Der Dankeskundgebung des Vorsitzenden an den Vortragenden schloß sich noch eine lebhafte Discussion an. Frankfurt a. M., 28. April. Der „Frankfurter Zeitung" wird geschrieben: Ueber die Racenreinheit der Juden hat der amerikanische Anthropologe R i p l e y neuerdings in Anschluß an seine ..Racial Gcograpliy of Europa“ eine Arbeit veröffentlicht, welche diese vielumstrittene Frage wohl zum endgiltigen Abschluß bringt. Er hat. die. Schädelmeffungen von etwa 2500 Individuen vergleichen können, die so ziemlich allen von Juden bewohnten Ländern angehören. Nur die nordafrikanischen Juden zeigten den charakteristischen Langschädel der echten Semiten, wie die Araber, unter denen sie wohnen. Schon die übrigen Sephardims (südliche Juden mit spanischer Muttersprache) haben erheblich kürzere Schädel und die deutsch redenden Juden sind weder in Deutschland, noch in Polen oder Rußland in der Schädelbildung von den sonstigen Bewohnern dieser Länder zu unterscheiden. Entweder waren also die Juden schon in Palästina nur zum geringen Theil Semiten, oder ihre Nachkommen haben sich im Verlauf der seit der Zerstörung des Tempels verflossenen Jahrhunderte durch Proselytenmachen so ausgiebig mit anderen Stämmen gemischt, daß der ursprüngliche Schädelcharakter sich völlig verloren hat. Ripley entscheidet sich für die letztere Ansicht; die Juden sind ihm keine Race, sondern ein Volk; es ist ihnen gelungen, sich als Nationalität zu erhalten, obgleich ihnen die Hauptgrundlagen für eine solche, eine eigenthümliche Heimat und eine gemeinsame Sprache, seit fast achtzehuhundert Jahren fehlen, aber von einem Racengegensatz gegen die Arier kann keine Rede sein. Die für charakteristisch angesehenen Körpereigenthümlichkeiten sind theils nicht constant, theils Folgen der langjährigen Einwirkung ungünstiger Lebensverhältnisse. Der wohlhabende Jude des Londoner Westends unterscheidet sich von seinen englischen Mitbürgern auch körperlich in keiner Weise. Paris. (Gebet des Oberrabbiners von Frankreich am Sarge der Baronin Hirsch). Die Beerdigungsfeierlichkeiten der Baronin Hirsch fanden am 3. April in Gegenwart einer zahlreichen schmerzerfüllten Zuhörerschaft statt. Sie hatte gewünscht, daß keine Rede an ihrem Grabe gehalten werde, dieser Wunsch ward auch respectirt. Oberrabbiner Zadoc Kahn sprach aber ein schönes und ergreifendes G e b e t, das wir hier wiedergeben : Diese Bahre, o Herr, erinnert uns mit schrecklicher Beredsamkeit an die unausfüllbare Lücke, die dein heiliger Wille in unserer Mitte verursacht hat. Abschied genommen hat die Frau von scharfem Geiste und großem Herzen, die der Menschheit zur Ehre gereichte; Abschied hat sie genommen, sie, die so viele theure Bande an diese Erde knüpften und gegenüber der wir Alle von Ehrfurcht, Erkenntlichkeit und Bewunderung erfüllt waren. Ach, ein großes Licht in Israel ist erloschen; die Krone, die uns zierte, ist in Staub und Asche gefallen. Biele Wochen hindurch waren wir ängstlich den Fortschritten des Uebels gefolgt, das sie ergriffen hatte, für uns selbst war es eine Qual, sie so leiden zu sehen. Allein mit männlichem Muthe ertrug sie ihre Schmerzen, da sie selbst inmitten der schrecklichsten Schmerzen noch Geistesfreiheit und Herzensgüte genug besaß, um sich mit Anderen, die das Unglück niedergebeugt, zu befaffen. Jetzt, da Alles zu Ende ist, da wir die Pflicht haben, ihr einen Scheidegruß nachzurufen, können wir nur das heilige Wort wiederholen: „O Gott, du hattest uns diese edle Frau geschenkt, damit dein Wille geschehe, damit dein Name gesegnet werde." Wenn sie je eilte« Fehler begangen, sich verschuldet hat, so sind alle diese Fälle reichlich durch ihre irdischen Prüfungen, die ihr nicht erspart blieben, gesühnt worden. Die heilige Schrift lehrt uns, daß jene zu den Auserwählten gehören, die du o Gott schon hienieden gewissermaßen in den Schmelztigel des Leidens wirfst. Du hast auf ihre Stirn das Siegel deiner Liebe gedrückt und du hast sie zu deiner Erwählten erkoren, denn viel hat sie gelitten. Doch wozu für sie reden: ihre Werke sprechen schon für sich selber. Sie hat in ihrer ganzen Thätigkeit den Beruf und die Aufgabe erfüllt, welche die Bibel einer jüdischen Frau überträgt. Seit dem elterlichen Hause hat sie Werke der Menschenliebe vollbracht, beita als sie ihr Leben an das desjenigen Mannes knüpfte, dessen Namen sie trug, war sie es, die ihn bei allem, was er Gutes und Großes schuf, anspornte. Der Tod des Mannes trat ein, um auf einen Augenblick das unternommene Werk zu unterbrechen, allein bald nahm es die Baronin wieder auf und setzte es fort. Allenthalben, wo man sie auf Elend hinwies, berücksichtigte sie diesen Hinweis. Die Armen und Unglücklichen aller Länder hatten auf sie ihre Augen gerichtet und sie beeilte sich schnell, sie zu unterstützen und zu trösten. Daher ist auch überall ihrem Namen ein segnendes Andenken gesichert. Die unzähligen Danksagungen, die aus allen Enden der Welt eintreffen, die Leute, die aus den entferntesten Gegenden herbeieilen, um ihre Dankbarkeit zu bezeugen, sprechen hinreichend dafür, was wir verloren haben. O Gott, segne das Werk, das sie begonnen, und mögen ihre Institutionen und Stiftungen den spätesten Geschlechtern das Andenke.l dieser Wohlthäterin erhalten. Wenn wir dich darum bitten, so geschieht das nicht für sie Frau Hirsch war die Einfachheit selbst und sie lehnte jedes Zeichen der Dankbarkeit und Erkenntlichkeit ab: Nein, uns thut's noth, daß dieser Name weiter fortlebe und strahle, um Andere anzuspornen, die, welche das Glück begünstigt, daran 'zu mahnen, daß sie wegen dieser Güte auch Verpflichtungen haben und sie endlich zu ermuthigen und dafür zu begeistern, die Armen zu unterstützen. Du wirst sie in deiner unendliche Güte aufnehmen, denn du hast in ihr eine Tochter erkannt. Die auserwählten Seelen, die du um deinen Thron vereinst, werden in ihr eine verschwisterte Seele begrüßen; die Heroen und Heroinen des Judenthums werden in ihr eine Tochter derjenigen Frauen erblicken, die das Judenthum geehrt haben. Möchten die Engel ihr eutgegeneilen und an sie den Willkommengruß richten: „Biele Menschenkinder haben ihre Pflicht erfüllt, allein Niemand hat dich übertroffen, du hast sie Alle übertroffen." Möge die Seele dieser unserer Schwester in Frieden ruhen im Reiche der Wahrheit und des Lichtes." Sibirien. 24. Februar/6. März. Der „Vostotchnoe Obozrenie" beschreibt die Lage der Juden in Sibirien. Anbei die wichtigsten Stellen dieser Mittheilung: Zuerst ist zu erwähnen, daß das ausschließliche Regime, dem die Juden im Allgemeinen unterworfen sind, darin besteht, daß das Gesetz für irgend ein Vergehen sie nach Sibirien schaffen läßt, während der Strafcodex für den Deportirten mit Beraubung seiner bürgerlichen Rechte zwei Grade der Strafe zuläßt: Die Deportirung nach sehr entfernten oder weniger entfernten Gegenden — dieser Unterschied besteht für die Juden überhaupt nicht. Welches Urtheil sie auch immer treffen mag, sie werden immer nach den Gouvernements Jrkoutsk, wenn nicht noch weiter deportirt. Das Gesetz schreibt vor, daß die Deportirten für Landstreicher zunächst 4 Jahre Gefängniß haben, aber es ist gewöhnlich so — wahrscheinlich wegen der beschränkten Anzahl der Gefängnisse —, daß man ihnen diese vorgängige Strafe erläßt und sie sofort nach Sibirien schickt. Diese Begnadigung gibt's für die Juden überhaupt nicht; oft sogar kommt es vor, daß ein armer Jude, den seine Mitbürger von Kindheit an kennen, aber dessen Eltern durch Vernachlässigung oder aus einem anderen Grunde ihn nicht in den Civilstandsetat haben

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