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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-12 · 19 (12.5.1899) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
19 (12.5.1899)
Date
1899-05-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Blockes Wochenschrift. Seite 36» samkeit seiner Verfolger, da zeige der Rabbinismus sein wahres Wesen. Wie ein verwundetes Wild gegen seine Jäger, so wende er sich gegen seine Dränger, voller Rache, Wuth und Blutgier. Wohlan! In den jüdischen Gotteshäusern werden an jedem der Sabbathe zwischen dem Befreiungs- und dem Offenbarungsfeste in herzerschütternden Klageliedern die unersetzlichen Verluste betrauert, welche einst die mordbrennenden Scharen des Islams dem Judenthume zufügten. Sie tödteten seine Männer, schlachteten seine Säuglinge, schändeten seine Heiligthümer. Nun ist es überaus charakteristisch, zu beobachten, mit welcher Gottergebenheit die Rabbinen in diesen Klageliedern ihren Schmerz ob dieses Wehes aushauchen: „Die arme Gefangene in fremden Landen, die erniedrigt ward zur egyptischen Magd, vom Tage Deiner Entfernung hofft sie auf Dich. Führe zurück ihre Gefangenen, o Herr der Macht." Geulah am 1. Sabb. d. „Sefirah". „Unsere Jahre schwinden voll Kummer und Gram. Auf Licht hoffen wir und siehe, Finsternitz und Schmach. Ueber uns herrschen Sclaven und wir sind im Exil. Hilf, o Herr, denn auf Dich hoffen wir. Um Deines Namens Willen gib uns ein Zeichen Deiner Gnade." Das. 2. Sabbath der „Sefirah". Führwahr, nicht die Sprache der Rachegier ist es, wenn der trauernde Genius des jüdischen Volkes in folgenden selbstzerknirschten Worten — und nur Selbstzerknirschung herrscht in allen diesem wehmuthsvollen Elegien vor — sein grausames Schicksal beweint: Erschlagen meine Hüter, Doch Du, Gott, bleibst mir treu; Beraubt all' meiner Güter, Du gewährest sie mir neu. Du schauest meine Schuld Tu merkest meine Sünde, So denke auch in Huld Des Bundes mit Deinem Kinde! Das. 5. Sabbath der „Sefirah". Kein Laut der Wiedervergeltung ertönt aus diesen und allen gleichlautenden Klageliedern der 6 Trauersabbathe. Und gleichwohl wurden sie von den Rabbinen dem Andenken der Edlen ihres Stammes gewidmet, die so viel Leid und Wehe in ihr gewaltsames Grab mitaehmen. daß zu dessen Wiedergabe die Spalten dieser Blätter wohl kaum hinreichen. Die frömmsten unter den -Rabbinen, die in Achtung und heiligem Lebenswandel ergrauten, führen bis heute noch bei jeder unerwarteten schweren Schicksalsprüfung die Worte im Munde: „Baawonosäenu Harabiirr „Um unserer großen Ir rthümer Willen." Welch' flammender Protest ist dieser Ausspruch allein im Munde der sittlich lautersten Männer gegen die perfiden Verleumdungen aller Judenhasser! Weit mehr in seinem Leid als in seiner Lust, in seiner Wehmuth als in seiner Wonne bekundet sich der sanfte Charakter des Rabbinismus. Denn, ob auch sein Schmerz hin und wieder mit elementarer Gewalt hervorbricht, er bleibt immer nur die Wiederholung jenes tiefempfundenen Spruches Beruriah's, des frommen Weibes Rabbi Möir's : Die Frevelthat, nicht die Frevler, die Miffethat, nicht die Miffethäter sind verdawmenswerth. Wenn erst die Sünde von der Erde geschwunden, die S ü n d e r werden von selbst schwinden. K o st e l. Dr. S. M a n d l. Correspondenzen. Plenar-Sihrmg des Vorstandes der israelitischen Crrltusgemeinde Wien. In der Donnerstag am 4 Mai 1899, 6 Uhr Abends — in Abwesenheit des durch Unwohlsein verhinderten Präsidenten — unter dem Vorsitze des I. Vice-Präsidenten Dr. Alfred Stern stattgefundeuen Plenarsitzung wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Zur Berathung über eventuelle Aenderung des Statutes wird ein Comite, bestehend aus den Antragstellern Fleischer, Dr. Grünfeld, von Mises, Dr. Spitzer, Dr. Sieger, Dr. Stein bestellt. Dem Tempelvereine in der Josefstadt, wird nebst der budgetirten Subvention per 500 fl. eine außerordentliche Subvention von 250 fl., dem Vereine „Achdus Israel" für das Jahr 1899 zur Erhaltung seines Bethauses 300 fl. und für die Bibelschul.' statt der bisherigen Subvention von 100 fl., eine solche von 200 fl. gewährt. Weiters gelangen die dem Brigittenauer Bethausvereine und dem Vereine „Chaffidim" gewährten Subventionen pro 1899 zur nachträglichen Genehmigung. Ueber Referat der Herren Ober-Ingenieur von Mises und Dr. Berger werden behufs Organisirung des Koscher-Fleischverkaufes und der aus diesem Anlasse erwachsenden Kosten die geeigneten Beschlüsse gefaßt und deren Durchführung dem Vertreter-Collegium im Einvernehmen mit der I. Section übertragen. Nach Behandlung mehrerer Personalien wird die Sitzung um 9 Uhr Abends geschlossen. Wien. (Ein geschichtlicher Wendepunkt.) Man schreibt uns: „Die Eröffnung der vom Czaren einberufenen Conferenz steht nahe bevor. So gewaltig groß ist die Bedeutung dieses Ereignisses, daß eben darum nur Wenige sie erfassen." Mit diesen Worten leitet die gefeierte Frau Baronin Bertha von Suttner ihre jüngste Einladung zur Förderung der „Gesellschaft der Friedensfreunde" durch Zustimmungskundgebungen von Gemeinden, Vereinen u. s. w. ein. Wir Juden sagen uns freudig und selbstbewußt, daß in unseren Kreisen nicht wenige, vielmehr jeder gläubige und biblisch unterrichtete Jude diese „Bedeutung" erfaßt, dabei aber auch einem augenblicklichen Erfolg an greifbaren Thaten nicht phantastisch entgegensieht. Für beides sind wir gut vorbereitet und geschult. Schon ' vor fünfundzwanzig Jahrhunderten verkündeten unsere Propheten Micha und Jesaia ') „für späte Tage" die „Umschmiedung von Schwert und Lanze in Sichel und Winzermesfer . . ." Und in demselben bilderreichen Prvphetenbuche ') wird uns gesagt: „Es überwindet ein Land nicht seine Geburtswehen an einem Tage, es wird ein Volk nicht geboren mit einem Male." Diese Verkündigungen tragen wir als älteste Friedellsgesellschaft unter den Völkern und ertragen dafür so Vieles in der Bürgergesellschaft. Nun die junge unter Gottes Beistand sichtlich aufblühende „Gesellschaft der Friedensfreunde", die seit einer Reihe von Jahren einen heiligen Eifer schon mit so manchem Erfolge') entwickelt, welche die „Umschmiedung", den Bölkerfrieden. in Erscheinungen zu fördern bemüht ist: Dieser Körperschaft sollten wir uns in bescheidener Weise anschließen. ihre Ziele mitfördern. In diesem Sinne wurde in einem Kreise hier folgende Anregung ausgesprochen: Jüdische Körperschaften sollten: 1. die in der vorhin erwähnten „Einladung" gewünschte „Zustimmungskundgebung" zusenden; 2. als Mitglied beitreteu, und zwar um jeder Mißdeutung — besonders noch in unserer antisemitischkranken Zeit — vorzubeugen, mit sehr bescheidenem Jahresbeiträge; 3. die so populär gehaltene Literaturl * * 4) dieser Gesellschaft zu verbreiten mithelfen; 4. in den jüdisch-confesfionellen Schulen den Gedanken „Gerechtigkeit und Völkerfrieden" nicht nur durch den Religionsunterricht, sondern auch in den weltlichen Gegenständen der Schuljugend anzuerziehen suchen.5) Hoffentlich werden diese Anträge wohlwollender Erwägung gewürdigt werden. R. W. S—r. Von einem Oefterreicher in Amerika. Die Grazer „Handels- und Berkehrszeitung" veröffentlicht eine Zuschrift des Herrn M. Kauderer, correfpondirenden Mitgliedes der „Oesterr. Ungar. Colonial - Gesellschaft" aus Rio de Janeiro. Herr Kauderer schreibt: l) Micha 4, 3; Jesaia % 4. -) Jesaia 66, 8. ') Siehe Jahresbericht 1897. 4) Diese Literatur bietet eindringliche Aufklärung und spannende Unterhaltung. Die Schriften können durch die „Gesellschaft der Friedensfteunde" (I., Dorotheergasse 12) bezogen werden. ') Siehe E. Triebet: „Was kann die Schule zur Förderung der Friedensbestrebungen beitragen?" (50 Pf.).

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