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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-12 · 19 (12.5.1899) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
19 (12.5.1899)
Date
1899-05-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19 Dr. VLoch's Woürenfthrift. Seite 363 und Elend sich befinden, sollte man einen so häßlichen Ausdruck nicht anwenden. Der Vertreter der Commune sollte sich bei solcher! Anlässen die Würde seines Amtes und den Ernst seiner Pflicht vor Augen halten, nicht aber in die Cloake des „Deutschen Volksblattes" hinabsteigen, um als Canalräumer des Antisemitismus die Juden in unangenehmen Geruch zu bringen. An die Menschlichkeit, Herr Lichtblau, darf man nicht gänzlich vergessen, wenn man auch Antisemit ist, und es gibt in Wien recht viele reinlich gekleidete, dickgemästete Individuen, welche auf die von Ihnen angewendete Bezeichnung begründeteren Anspruch haben, als die polnischen Juden, die kein eigenes Haus ergaunert haben, sondern im Massenquartier eine billige Schlafstelle suchen müssen. * * „Gesindel", das ist ein Lieblingswort der Christlichsocialen, und sie widmen diese Bezeichnung nicht blos armen polnischen Juden, die der Hunger aus ihrer Heimat treibt. Was nicht christlich-social ist, ist ein Gesindel, insbesondere die Lehrer, über welche sich im Landtage anläßlich ihres Gesuches um Gehaltsregulirung ein Wolkenbruch ordinärer Beschirnpfung und läppischer Herabwürdigung ergoß. Aus dem dicken Halse des G r e g o r i g quollen die gemeinen Schimpfworte von selbst hervor, und er schleuderte auf die freisinnigen Lehrer, denen er seinen eigenen Sohn als Muster gegenüberstellte, sowie auf Professor Philippovich allen Unflath jenes Sprachschatzes, der ihm eigen ist und der jene „Herzensbildung" verrüth, auf deren Nvthwendigkeit B e r g a n i anläßlich des Mordes in Ottakring soeben aufmerksam gemacht hat. Alle diese Dinge überraschen Niemanden, der die Wiener Antisemiten kennt, aber sie haben wieder einmal den Querschnitt ihrer Intelligenz und ihres Charakters bloßgelegt und es ist schließlich doch erschreckend zu sehen, in welche Hände die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten in Niederösterreich und in Wien gerathen ist. Robert Wolf. Die Inden in der österreichischen Industrie. Wien, im Mai. II. Es wurde bereits angedeutet, daß Juden auch im Vormärz eine hervorragende Stellung in der österreichischen Industrie eingenommen haben. Erwähnenswerth dürfte die Thatsache sein, daß österreichische Monarchen und Mitglieder der allerhöchsten D y n a st i e jüdische Industrielle wiederholt durch Adelsstandsverleihungen — die P o r g e s wurden mit dem Prädicate von P o r t h e i m geadelt — und Etablissementsbesuche ausgezeichnet haben, als Zeichen allerhöchster Anerkennung für die Verdienste um die Hebung und Förderung der vaterländischen Industrie. In vormärzlicher Zeit waren derartige Auszeichnungen von größter Seltenheit und dürfen umso höher veranschlagt werden, als sie ja Juden galten, die social und ex legem anderen Staatsbürgern nicht gleichgestellt waren. Das Jahr 1848 brachte den Juden endlich die lange ersehnte und erhoffte Gleichberechtigung, welche jedoch nicht ausgenützt werden konnte, denn im Freiheitsrausche und Taumel war die Zeit nicht dazu angethan, sich mit Jndustriegründungen zu befassen. Ueberdies hatten die die Gleichberechtigung statuirenden Gesetze Judenhetzen, Verfolgungen und Plünderungen im Gefolge, so daß, hon-ibile dietu, der Wunsch sich geltend machte, auf Freiheiten und Rechte zu verzichten, die mit Attentaten auf Hab und Gut und Gefährdung von Leib und Leben verbunden waren. Mit Eintritt der Reaction im Jahre 1852 wurden den Juden wieder alle ihnen in der Constitution von 1848 verliehenen Rechte entzogen. Nun begann aber für das zum Leiden auserwählte Volk die Zeit der Sammlung. Mit aller den Juden eigenen angeborenen, maulwurfartigen Thätigkeit, Energie und Beharrlichkeit wendeten sie sich der Industrie zu, in der richtigen Erkenntniß, daß hier ein noch weites Feld der Bethätigung brachliege, dessen Urbarmachung von Erfolg begleitet sein müsse. Ein großes Hinterniß war der Umstand, daß den Juden das Recht, Grund und Boden außerhalb der bestehenden Ghettos zu erwerben, wieder entzogen worden war und daß ihnen nicht gestattet wurde, außerhalb der Ghettos zu wohnen, umso weniger einen Industriebetrieb zu etabliren. Allein alle diese Frictiouen wurden, freilich unter Bringung von Opfern an Zeit und Geld, mit vielen Beschwernissen und auf Umwegen überwunden, allmülig aber entschieden und zielwußt. In der richtigen Erkenntniß, daß die Handwerke ihren Wirkungskreis nur auf den localen, engbegrenzten Bedarf auszudehnen vermögen, wendeten die Juden ihr Augenmerk denjenigen Productionszweigen zu, welche sich industriell ausbeuten ließen. Nicht genug daran, sie dehnten sehr bald das Feld ihrer Thätigkeit auch auf den Exporthandel aus und knüpften Beziehungen mit de»! Auslande, namentlich dem Balkan und Oriente an, welche noch derzeit bestehen und für unsere Handelspolitik, Zahlungsbilanz, V o l k s w i r t h s ch a f t und Nationalökonomie von unendlich vortheilhafter Bedeutung waren und noch sind. <Das erste und auch wichtigste Handwerk, welches Juden zum Jndustriegewerbe umgestalteten, war die Schneiderei. Die Firnia M. u. I. Mandl ist als die Schafferin und Gründerin der österreichischen Herrenkleiderconfection zu bezeichnen^ Mit bescheidensten Mitteln beginnend, überwand sie bald die ungeheueren Schwierigkeiten, welche ihr arischer Zunftgeist und bureaukratisches Zopssystem entgegenstellten. Die Brüder Meier und Ignaz Mandl, die ersten Gründer dieser Firma, pflegten vorerst das Jnlandgeschäft, wandten sich aber gar bald dem Exportverkehre zu. Gar schnell bemächsigte sich der Herrenschneiderconfection eine große Concurrenz. Eine stattliche Zahl angesehener Firmen dieser Branche, von welchen viele in der Lage wären, schon goldene Geschäftsjubiläen zu feiern, ging daran, diesen Industriezweig im Binnen- und Auslandsverkehr anszubeuten, und zwar die Firmen: Bell, Benedek Schneid u. Rüster, G o l d e n b e r g, H u s s e r l, Kassow i tz, M a y e r, N e u h e r L u s d i g & K o., Pollak, Rothberger, Schwarz mann, Stein, T e d e s k o, T i r i n g, W o t i tz, Z e n t l ej^j die alle einen, die heimischen Marken weit überragenden Ruf genießen und sich auf dem Gebiete des Export- Wesens namhafte Verdienste erworben haben. Diesen alten und älteren Firmen gesellte sich nach und nach eine stattliche Reihe von Epigonen an, und man kann, ohne Widerspruch zu begegnen, behaupten, daß die ausschließlich von Juden gegründete Herrenschneiderconfection einen allerersten Rang in der heimischen Industrie einnimmüund zwar sowohl im Binnenals auch im Auslandsverkehr. /Erne große Reihe von Industrien, welche Zugehöre für die Herrenconfection liefert, ist hiedurch geschaffen worden, z. B. die Knopf- und Passementerieindustrie, bei welch' letzterer Juden ebenfalls sich in hervorragender Rolle betheiligten, z. B. Balduin Heller, Brück, Goldschmidt, Pächter, Schweizer in Knöpfen', Spitzer, Steiner, Zerkowitz in Passemelltrien u. A. - Nachdem die Herrenconfection rasch an Prosperität gewonnen hatte, lTag es selbstverständlich nahe, daß Juden auch an die Gründung der Dainenkleiderconfection gingerg>Hiebei aber waren große technische, commercielle und mercantile Schwierigkeiten zu überwinden, und es dauerte erhebliche Zeit, ehe es gelungen war, diesen Industriezweig im Jnlande einzubürgern. /Während Oesterreich bei der Gründung der Herrenconfection der Vorrang gebührt, war wieder Berlin in der Damenconfection in der Priorität^ die, nebenbei erwähnt, auch ausschließlich von Juden geschaffen worden ist. Oesterreich war lange Zeit in diesem Industriezweige von Berlin abhängig. Nach zeitraubenden, mit enormen Geldopfern verbundenen Schwierigkeiten Mang es endlich einigen rührigen Firmen, auch die Damenconfection nach Oesterreich zu pflanzenden heimischen Markt zu erobern, die ausländische Concurrenz ganz zu verdrängen und sogar Exportverbindungen nach dem Balkan und dein Oriente anzuknüpfen. «^Wesentliches Verdienst hiebei haben sich erworben die Firmen: Adler Fil., Adler Herm., Blumberg, Deutschland u. S ch l esi n ger, Fischet, Freude n t h a l u. B a u ch w i tz, L a n g r a f, L i g n e r, S z i g e t i & C o., Weiuberger u. Fried, Zwieback u. fVdn der Damenkleiderzu der Damenwäscheconsection ist nur ein logischer Gedankenschritt^sreilich, nur akademisch, nicht aber in der Wirklichkeit. Die industrielle Anfertigung aller einer Mode unterliegenden Toilettebekleidungen bietet schon au und für sich Schwierigkeiten und Fährlichkeiten, wie gar erst, wenn es an geschulten Kräften, die sich der herrschenden Moderichtung anzupassen vermögen, oder gar moderichtunggebend sein sollen, gänzlich mangelt. Mit ganzem Feuereifer bemächtigten sich auch Wiener- und Provinzjuden der Damenwäscheconfectivn und erzielten in relativ kurzer Spanne Zeit erstaunliche Erfolge sowohl was Geschmack, als auch was billige Preislage betrifft. Für einen verhältnißmäßig bescheidenen Betragskann sich jetzt das

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