Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-12 · 19 (12.5.1899) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
19 (12.5.1899)
Date
1899-05-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021277-3021297--08830-3033229
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 19 Dr. Bloches Wochenschrift Seite 359 Aufruf der ^Choveve Zion Association". London, den 5. Mai. Der englische Colonisations-Verband „Choveve Zion Association" erläßt soeben im Interesse der galizischen Colonie M a ch n a j i m folgenden Aufruf: Das Central-Comitä der Choveve Zion-Verbände in Paris hat sich mit der Bitte der Colonie Machnajim in Galiläa um Unterstützung beschäftigt. Diese Colonie, von den galizischen Zionsfreunden begründet, liegt zwischen den älteren Colonien Rosch-Pinah, Jessod Hamaleh und Mischmar- Hajarden. Sie umfaßt 8600 Dunam sehr fruchtbaren Bodens, der besonders für Weizenbau geeignet ist. Zweitausend Dunam sind bereits mit Olivenbäumen bepflanzt und die Cvlonisten gehen auch daran, eine Milchwirtschaft zu errichten. Die Cvlonisten sind erfahrene Landleute aus Galizien im Alter von 22—30 Jahren und zu ihnen sollen sich Hoch Cvlonisten aus Safed und Jerusalem beigesellen. Die galizischen Juden haben dieses Land von Baron Edmund Rothschild gekauft und haben bereits für den Ankauf und für die Einrichtung 40.000 Frcs. ausgegeben. Nun ist noch eine weitere Summe von 40.000 Frcs. zur Errichtung der Häuser, Stallungen und dergleichen nothwendig. Das Central-Comits hat den Beschluß gefaßt, die einzelnen Verbände aufzufordern, diese 40.000 Frcs. aufzubringen. Die „Choveve Zion Association" von England hat dazu als ihren Antheil 10.000 Frcs. beizusteuern. Allein die Fonds unseres Verbandes sind bereits für ein anderes Colonisationswerk in Palästina bestimmt und die Unterzeichneten veröffentlichen diesen Aufruf, um das Geld zu sammeln. Wir sind überzeugt, daß Niemand, was für einer Ueberzeugung er auch sein mag, uns seine Unterstützung versagen wird. Die galizischen Juden, die ärmsten unseres Volkes, haben ihre Energie bewiesen, indem sie jene, für ihre Verhältnisse sehr beträchtliche Summe herbeizuschaffen vermochten. Die Ansiedler sind kräftige Männer und der Arbeit, der sie sich unterzogen haben, gewachsen. Die Vorzüge der jüdischen Colonisation in Palästina sind bereits allgemein anerkannt und die Früchte der vernünftigen und allmäligen Entwicklung dieses Landes lassen eine weitere Ausgestaltung des Colonisationswerkes wünschenswerth erscheinen. Wir fordern Alle, die sich für die Wohlfahrt des Landes und Volkes Israel interesiiren, auf, sich an diesem Werke zu betheiligen. Der Chief-Rabbi (Dr. Adler) hat diesem Aufrufe seine Sympathie ausgesprochen und sich mit 2 Guineas (25 fl.) an die Spitze gestellt. Oberst Albert E. G o l d s m i d A. A. General (Generalstabschef) als Präsident m. p. Josef Prag als Vicepräsident m. p. Jacques Bahar's Absage an das Wiener »Actionscomits". Paris, 4. Mai. Dem Beispiel Bernhard L a z a r e's, welcher dem Herzl'schen Actionscomite eine Absage zugesendet, folgt nunmehr auch Jacques B a h a r Die hier in Paris erscheinende zionistische Monatsschrift „Le Flambeau" enthält einen Brief von Bahn r, womit er die ihm vom Herzl'schen Actionscomite anvertrante Stelle eines Generaldelegirten für Nordafrika zurücklegt. Dieser Brief lautet: Meine Herren! Die Statuten der jüdischen Colonialbank und des Aufsichtsrathes repräsentiren einen politischen und socialen Geist, der meinen demokratischen Anschauungen vom Zionismus widerspricht. Ich habe die Ehre, Ihnen meine Demission als Generaldelegirter des Actionscomitas für Nordafrika zu übermitteln. Genehmigen Sie rc. Jacques Bahn r. Dieser Brief ist von einem sehr interessanten Commentar begleitet, dem wir die wichtigsten Stellen entnehmen : Erklär u n g e n. Wir sind sie unseren Lesern schuldig. Wir ziehen uns zurück, weil Männer, die zur Leitung der zionistischen Propaganda kaum befähigt sind, sich über Nacht zu einer alleinherrschenden politischen Macht constitnirt haben, ohne Mandat vom Volke, ohne daß auch nur Einer unter ihnen Beweise politischen oder socialen Wissens geliefert hätte, weil wir uns mit einem Worte gegenüber einer Usurpation von außerordentlicher Geschicklichkeit befinden, die ein schädliches Beispiel für unser sich zur Wiedergeburt aufraffendes Volk bildet. Das concrete Factum, das unsere jetzige Haltung bestimmt hat und das plötzlich zum Vorscheine kam, sind die B a n k st a t u t e n, die eine Mischung zweier Verträge enthalten, zwischen den Actionären und der Direction auf der einen, zwischen dieser Direction und dem jüdischen Volke auf der anderen Seite. Dort handelt es sich um eine finanzielle und commercielle Gesellschaft, hier um eine politische und sociale Constitution. Der Ausgang der Subscription wird eine Anerkennung des Vertrages zwischen den Actionären und der Direction bilden. Aber der Rest des Volkes, der sich bei der Subscription nicht betheiligt und der nicht anfgefordert werden wird, die Constitution, die ihm aufgebürdet wird, zu discutiren, wird sich plötzlich mit einem Federstrich der Bank angehängt sehen. Dieses Manöver, das wir eine einzig in der Geschichte dastehende Escamotage nennen müssen, trägt in sich den Keim entsetzlicher Verwirrungen. Man wird uns erwidern, daß die Nation selbst zugestimmt hat, denn der Anfsichtsrath gehe aus dem Congreß hervor, der wieder im Wege des allgemeinen Wahlrechtes zusammengesetzt sei, und daß die künftigen Congresse stets die Freiheit haben werden, diese Institution zu ändern oder andere Männer zu berufen. Aber das ist nur eine gefährliche Fiction und dieses Postulat acceptiren, hieße in eine Mäusefalle gerathen .... Es hieße dies auch das System des Absolutismus und des Mysteriums, das vom Actionscomitä seit achtzehn Neonaten vertreten wird, anerkennen. Denn statt die Propaganda zu organisiren, statt dem Volke zu sagen, worin seine neuen Aufgaben bestehen, hat es sich in Geschäften, vielleicht diplomatischer Natur, engagirt und verlangt unaufhörlich einen Vertrauens credit, der nach achtzehnmonatlichem, wohlwollendem Zuwarten bereits erschöpft ist .... Uns mit einem System solidarisch zu erklären, das unseren Ueberzeugungen widerspricht, wäre eine Capitulation des Gewissens. Und das verbieten uns die Anschauungen von der Zukunft Israels und von den Pflichten, die wir demselben gegenüber haben. Jacques B a h a r. Der Zionismus am Scheideweg. Bon H. Mahit. I. Endlich ist die große, sehnsuchtsvoll erwartete, „erlösende That" vollbracht. Wir haben eine jüdische Colonialbank. Die Geburtswehen waren fürchterlich. Donner und Sturm, Krachen und Toben gingen voran. Die ganze Erde bebte bei der Erstehung dieses Heilswerkes. Mystisch wie alles Große spielte sich dieser welterschütternde Vorgang ab. Nun aber ist es da, das große Finanzinstrument des Judenthums, die in Bankactien verwandelte jüdische Zukunft. So soll nun das Geburtsfest dieser merkwürdigen Bank gefeiert werden. Nicht allein Israel, sondern alle Culturvölker der Erde werden eingeladen, diese Jdeal-Actiengesellschaft zu bewundern. Und Freude herrscht in den Thoren Zions. Die bedeutendste Etappe auf dem hochpolitischen Wege ist erreicht. Aber Herr Dr. Herzl selbst, der Fürst der Zukunft, der Selbstherrscher aller von ihm anerkannten Zionisten, ist wenig erfreut Er, der Schöpfer aller zionistische!; Herrlichkeiten, jubelt nicht mi-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.