Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 18 (5.5.1899)
- Date
- 1899-05-05
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 854 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 18 pädagogisches Talent zeigte sich noch im Vorjahre, als sein Nachfolger, Dr. Brunner, nicht in der Lage war, eine wichtige Feier für eine verstorbene Wohlthäterin des Instituts selbst abzuhalten. Bereitwilligst übernahm der schon seit einiger Zeit im Ruhestande lebende Director Deutsch die Leitung des Festes und erregte sowohl durch die Art seines Vortrages, als auch durch die Gewandtheit, mit welcher er sich mit den einzelnen Zöglingen unterhielt, allgemeine Bewunderung. Besonderes Wohlwollen brachte er den Lehrern entgegen, ebenso wie er seine Schüler mit bewundernswerther Theilnahme und Menschenfreundlichkeit behandelte. Ec interessirte sich lebhaft auch für deren Schicksale, nachdem dieselben schon lange die Anstalt verlassen hatten und stand mit vielen von ihnen in persönlichem Verkehr. Mit welch' kindlicher Liebe seine ehemaligen Schüler an ihm hingen, zeigte sich wiederholt bei Familienfesten, an denen Alle kamen, um dem alten Manne ihre Anhänglichkeit und ihre Dankbarkeit zu beweisen. Interessant ist, daß Director Deutsch am 19. März d. I., am Vorabend seines Geburtstages, einen seiner Freunde ersuchte, ihm e i n Epitaph zu schreiben. Dieses wurde ihm denn auch an seinem Geburtstage übergeben, was dem Jubilar große Freude bereitete. Joel Deutsch starb im Vollbesitze seiner Geisteskräfte. Er hinterläßt einen in London lebenden Sohn, drei verheiratete Töchter und eine Menge trauernder dankbarer Zöglinge. Das Leichenbegängniß fand Donnerstag statt. Ein antisemitischer Agitator. Am 9. Mai findet vor einem Erkenntnißsenate des Wiener Landesgerichtes die Verhandlung gegen den Wortführer der antisemitischen Opposition' in der Genossenschaft der Branntweinhändler, Albert K o h l r u ß, statt. Kohlruß wird fick wegen Verbrechens der Diebstahlstheilnehmung zu verantworten haben, begangen dadurch, daß er im Vereine mit mehreren Genofien gestohlene Waaren ankaufte, deren Provenienz ihm bekannt war. Krakau. Von auioritativer Seite wird uns mitgetheilt, daß in derselben Sitzung des Cultusrathes, in welcher einstimmig beschloffen wurde, für den Rabbinerposten in Krakau den jetzigen Rabbiner-Stellvertreter Herrn Chaim Leib Horowitz in Aussicht zu nehmen und der Behörde bekanntzugeben, gleichzeitig ebenfalls einstimmig beschloffen wurde, den jetzigen Prediger der fortschrittlichen Gemeinde in Krakau, Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Osias Thon, zum Prediger und Rabbiner für den Verein der fortschrittlichen Israeliten in Krakau seitens der Cultusgemeinde zu bestellen und diese Candidatur der Behörde bekanntzugeben. Diese gleichzeitig und einstimmig gefaßten Beschlüsse beruhen auf einem Tompromiffe zwischen allen Parteischattirungen. — Dieser Tage wird hier im Gebäude des israel. Spitals auf Kosten der Cultusgemeinde ein Asyl für unheilbare Kranke eröffnet, wodurch einem dringenden Bedürfnisse unserer armen Glaubensgenossen, abgeholfen wird. Dieses Asyl ist voll großer Wichtigkeit, speciell in den jetzigen Zeiten, wo der Antisemitismus auch beim hilflosen Kranken nicht Halt macht. Ein großes Verdienst um das Zustandekommen dieses Werkes der Nächstenliebe haben der Präsident der Cultusgemeinde Gemeinderath Dr. Leon Horowitz und der Vice-Präsident der Cultusmeinde, Obmann des Spitals, die unermüdlich bestrebt sind, unser Spital auszugestalten. Kolomea. (Rabbinerwähl). In der am 27. v. M. stattgefundenen Sitzung des verstärkten Cultusrathes wurde Herr Gedalje Schmelkes, bisheriger Rabbinatsverweser in Przemysl, zum Rabbiner in Kolomea gewählt. Die Gemeinde darf zu dieser Wahl beglückwünscht werden. Herr Rabbiner Schmelkes ist ein Talmudist von gründlichem Wissen und umfaffender allgemeiner Bildung, welcher sich auch in der Literatur einen Namen erworben hat. Gottsch-Jenikau» 1. Mai 1899. In der zu Ehren des „Talmud-Thora-Bereines" am verflossenen Sabbath abgehaltenen Festpredigt widmete Herr Rabbiner K. Thieberger der verstorbenen Frau Baronin Clara Hirsch einen warmen Nachruf, in welchem er unter den zahllosen Wohlthätigkeitsacten besonders jene hervor hob, welche durch die Gründung und Dotirung von Schulen auf die Erziehung und Bildung der Jugend Bezug haben. Lischau. (Verlobung.) Fräulein Jda Sachs, Tochter des Kaufmannes Alois Sachs aus Lischau bei Budweis, hat sich am 30. April mit Herrn Ludwig Beer aus N e u b i st r i tz, Inhaber einer mechanischen Strickerei und Tricotwaarenfabrik verlobt. Prag. Der Sohn des Cultusvorstehers A. L. Cantor in Podiebrad, Herr Gustav Cantor, der in Berlin ein Atelier für Kunstemailmalerei besitzt und Hoflieferant mehrerer Höfe ist, wurde von der Königin von Spanien durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Jsabellaordens ausgezeichnet. — Wie weit die Niedertracht des an Ritualmvrdwahnsinn schwer leidenden Stampiglius geht, beweist die fteche, unverschämte Lüge, die er im niederösterreichischen Landtage betreffs des Goltsch-Jenikauer Schächters, der ein höchst anständiger und würdiger Cultusbeamter ist, verbreitet hatte. Wahrlich, es ist eine Schmach für unsere Zeit, wenn ein solch' gefährlicher Verleumder und Ehrabschneider das Mandat als Volksvertreter erhält, um unter dem Schutze der Immunität die unschuldigsten Menschen öffentlich durch Verbreitung lügenhafter Verleumdungen herabwürdigen zu können« Pretzburg. Die orthodoxe israelitische Cultusgemeinde hat um die Bewilligung der Vergrößerung ihres Friedhofes nachgesucht, für welchen Zweck sie bereits seit längerer Zeit zwei Weingärten erworben hat. Gegen diese Erweiterung hat der Magistrat zwar nichts einzuwenden, jedoch stellt er den Antrag, daß jede weitere Vergrößerung von bestehenden Friedhöfen von jetzt ab verhindert werden soll, damit endlich die Errichtung des schon lange projectirten großen Communal-Friedhofes erfolgen könne. Bekanntlich hat die Stadtgemeinde für diesen Zweck eine in ihrem Besitze befindlichen über 30 Joch große Bodenfläche in Aussicht genommen. Ein Theil derselben wird schon jetzt als Armen friedhof benützt. Stampfen bei Preßburg, 28. April. Auf Anregung unseres ehrwürdigen Herrn Rabbiners hat sich auch hier im Schoße unserer altehrwürdigen Gemeinde Stampfen ein Jugendverein, „Tiferesz Bachurim", gebildet, der das religiöse Gefühl junger Leute nach den Mühen des Tages durch jüdisch-religiöse Vorträge, Einführen jüdisch-religiöser Zeitschriften und Lectüren heben und fördern soll. Der Verein hat sich bereits constituirt, und zwar Präses Jacob Grünwald, Cassier Ludwig Nasch, Controllor Michael Mittler und Schriftführer Ignatz Weiß, und will sich der Verein behufs Stellenvermittlung in religiösen Häusern mit ähnlichen Vereinen verbinden. Morva Szt. Janos. Anläßlich des Ablebens der gewesenen Szt. Johanner-Gutsherrin Baronin Hirsch s. A. veranstaltete die hiesige jüdische Gemeinde, deren Wohlthäterin die edle Verblichene gewesen, eine imposante Trauerkundgebung. Es hatten sich zu derselben im trauergeschmückten Gotteshause eingefunden: Deputationen der Nagy- Levarder, Malaczkaer, Kuttier, Bur Szt. Gyö'rgyer, Bur Szt. Mikloser, Zavoder und Egbeler israelitischen Gemeinden, der gewesenen Beamten der verstorbenen einstigen Szt. Johanner Herrin, die Beamten der nunmehrigen Prinz-Hohenlohe'schen Gutsherrschast mit dem gewesenen Baron Hirsch'schen und dem jetzigen Hohenlohe'schen Rechtsvertreter, die Szt. Johanner und Szkuler politische Gemeindevertretung unter Führung des Bürgermeisters. Die Feier begann mit dem Mincha- Gebete und einem Psalm, vom Cantor Böhm in erhebender Weise vorgetragen. Nachher bestieg der zur Abhaltung der Trauerrede berufene bekannte Kanzelredner Dr. Lewin aus Malaczka die schwarzdrapirte Kanzel. In seiner herzgewinnenden Weise schilderte er, von den Worten Jeremias 818—19 ausgehend, den Schmerz Israels und die Größe des Verlustes unserer Gemeinde, deren gnädige Herrin die große Dahingeschiedene gewesen. Gewaltig war der Eindruck, den die Worte des Redners auf alle Anwesenden, insbesonders auf die nichtjüdischen Zuhörer hervorgerufen hatte. Mit dem „El mole rachmim"-Gebete fand diese würdige Feier ihren Abschluß. Sch. Der Flickschneider. Voy Clemens Junosza. (Fortsetzung). Das war ein Prachtstück! Blauer Kammgarn mit Silberknöpfen und ein weißes Gilet mit gelbeingedruckten Blättern... er war herrlich genäht mit langen Schößen und schmalen Aermeln — ein Wunder anzusehen! Er soll für diesen Frack drei Gulden Macherlohn erhalten haben! Sein Großvater hatte zwei Söhne, und da er nur den vierten Theil des Dauses sein eigen nannte, so kamen auf seine beiden Söhne je ein Achtel desselben. Die Zeiten sind allmälig schlimmer geworden und mit der „Firma" ging es abwärts. Man begann schon für die Dorfschlachta zu. nähen und nahm auch Arbeit von den Bauern an.