Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 18 (5.5.1899)
- Date
- 1899-05-05
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 352 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 18 verwaisten Sitz wieder einzunehmen; er, B l u m e n t h a l, werde auch widerrufen. Der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung hielt in dem Tumult eine Ansprache an Meyer I., in der er diesen beschwor, sich doch durch solche „kleinliche" Angriffe nicht weggraulen zu lassen. Professor L e w i n fragte den Vorsitzenden, ob er vielleicht ein Mitglied der Versammlung beschuldige, „kleinliche" Angriffe gemacht zu haben. Der Vorsitzende erkannte die Berechtigung dieser Frage und ertheilte sich selbst einen Ordnungsruf. Geheimrath Blumenthal leistete reuevoll Abbitte. Was blieb Herrn Justizrath Meyer übrig, als dem Ansturm so vieler Liebe nachzugeben und auf den kurulischen Seffel zurückzukehren? Wir haben ihn wieder. „Es lebe Meyer!.!" Der Sturm war vorüber. Professor L e w i u konnte seine vierte Interpellation begründen, ob der Vorstand gewillt sei, Maßnahmen zur besseren Controle der Gemeinde-Institute und Beamtenleistungen zu ergreifen. Und wieder kreisten die Berge mit dem sprichwörtlichen Erfolg : Herr Professor L e w i n hat herausgefunden, daß im Etat des Krankenhauses der Posten für Medicamente zu groß sei! Es ist schrecklich — aber das Krankenhaus untersteht ja nicht der Verwaltung der Gemeinde, sondern hat seine eigene Direction, in die nur ein Vorstandscommiffär delegirt ist. Außerdem machte Herr Professor L e w i n an einigen Cantoren Ausstellungen: sie bänkelsängerten und ergriffen ihn nicht. Es gelang ihm aber nicht, den Ton dieser Cantoren vor das Gericht der Repräsentanten zu stellen, und so war es wieder nichts. Professor Lewin ist weitaus der beste Mann der Confer- - vativen — man kann sich nun ein Bild machen, welchen Händen jetzt die conservative Sache anvertraut ist! Berlin, 25. April. Der siebzehnte Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums wird von allen Freunden der Anstalt mit aufrichtiger Genugthuung gelesen werden. Voran geht eine streng wissenschaftliche Abhandlung des Herrn Dr. Baneth, der zweite Theil der Studien über Maimunis Neumondsberechnung. Den Abschluß bilden zur Erinnerung an Steinthal die beiden am Grabe des Unvergeßlichen gehaltenen Reden. Der Jahresbericht gedenkt zunächst des großen Verlustes in tiefer Wehmuth. Die wachsende Theilnahme für die Lehranstalt, wie sie sich in dem Sprndenverzeichniß dieses Jahres kundgibt, ist ein erfreuliches Züchen. Hoffentlich spornt das edle Beispiel auch weitere Kreise dazu an, ihr Interesse für diese Hochschulen jüdischer Wissenschaft zu bethätigen. Zum ersten Male wird über die Lehrcurse zur Vorbereitung und Ausbildung von akademisch gebildeten Lehramtscandidaten für den jüdischen Religionsunterricht an höheren Lehranstalten berichtet. Diese waren von sechs Candidaten und vier Lehrerinnen srequentirt. Die Zahl der ordentlichen Hörer betrug in diesem Jahre 31, die der Hospitanten 10. Die Rabbinatsprüfung bestanden die Herren Dr. L u c a s, Doctor L e w i t, Dr. Morgen st ern und Dr. Samuel. Die von dem Generalconsul Franz Philippson zum Andenken an seinen unvergeßlichen Vater begründete Stiftung hat die landesherrliche Genehmigung erhalten. Den Preis der Moritz Meyer- Stiftung hat Herr N. Schornstein erhalten. Für die Doctor Kirschstein-Stiftung ist folgende Preisaufgabe gestellt worden: „Darstellung der Religionsphilosophie des Levi ben Gerson". Der eiserne Fonds hat in diesem Jahre 16.600 Mark an Spenden erhalten, die Stipendiencasse 1267 Mark, die Montagsvorlesungen haben dieser Casse 1569*35 Mark zugeführt. Im Ganzen waren 22 Stipendiaten vorhanden. Die David Herzog'sche Freitisch-Stiftung hat an durchschnittlich 17 Hörer 5002 Tischmarken vertheilt und hiefür 3071*50 Mark verwendet. In das Curatorium ist an Stelle des Herrn Rechtsanwalt Dr. Landau jetzt Herr Georg Meyer eingetreten. Wir können diesen Bericht nicht schließen, ohne die Anstaltnoch einmal der Sympathie und der werkthätigen Theilnahme aller Derer auf das Wärmste zu empfehlen, die Sinn und Herz für die Wissenschaft des Judenthums haben. Korfu. Wie griechischen Blättern aus Nicosin auf der Insel Cypern geschrieben wird, sind dort vor einigen Tagen auf einem englischen Dampfer 75 russische Juden, von London kommend, eingetroffen, um sich daselbst dauernd anzusiedeln und sich dem Ackerbau und der Weincultur zu widmen. Sie wurden von den englischen Behörden — die Insel Cypern gehört wohl zum türkischen Reiche, sie wird aber von England verwaltet — aufs Gastfreundlichste empfangen und nach der fruchtbaren Ebene von Margot gebracht, wo man ihnen Ländereien gegen einen bestimmten Pachtschilling anwies. Diese Ländereien gehörten einst dem Königshause von Lusignan, das früher auf der Insel Cypern geherrscht, dessen Nachkommen aber jetzt von einer russischen Pension leben. Nun sind diese königlichen Felder und Weingärten in den Besitz russischer Juden übergegangen, die hoffentlich aus denselben großen Gewinn ziehen werden. Unter diesen 25 eingewanderten Juden gibt es einige, welche geläufig englisch sprechen. Petersburg. Der „Regierungsbote" publicirt die Ergebnisse des Recrutirungsgeschäftes im Jahre 1898. Es stellten sich im Ganzen 953.195 Recruten im Alter von 21 Jahren, darunter 51.410 Juden, d. h. 5*4 Percent. Davon wurden genommen 267.988 Nichtjuden, gleich 29*72 Percent, dagegen 16.595 Juden, gleich 32*28 Percent der zur Stellung gelangten Personen dieses Glaubens. Dazu kamen noch 312 Inden aus Transkaukasien und den Militärdistricten von Ter und Kuban. Die Juden stellen also percentuell eine viel größere Ziffer- Soldaten, als die Nichtjuden und trotzdem sind die Behörden unzufrieden und behaupten, daß 8244 in den Listen stehen, die sich nicht gemeldet haben. Es ist immer wieder die alte Klage, die aus der mangelhaften Listenführung herkommt. — Ein jüdischer Arzt Grünkrug erhielt nach vieljähriger Thätigkeit den Wladimirorden, mit dem der Adel verbunden ist, allein die Adelskammer von Smolensk verweigerte die Eintragung Dr. Grünkrug's in die Liste. Der Senat aber ordnete als höchste Instanz dennoch die Eintragung an. — Ein seltenes Beispiel von Toleranz gaben die Stadtbehörden von Moriupol, welche in dem dortigen Gymnasium drei Stipendien einrichteten, die ohne Rücksicht auf Glauben oder Nationalität verliehen werden sollen. Der Districtscommiffär des Uuterrichtswesens verlangte eine Abänderung in dem Sinne, daß nur Griechisch-Orthodoxe den Genuß dieser Stipendien haben sollten, allein die Stadtverwaltung blieb bei ihrer Bestimmung, da ja Angehörige aller Confessionen durch ihre Steuern die Gelder für diese Stipendien liefern miißten. Vermischtes. Wien. Der Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender hält° Samstag den 13. Mai 1899, präcise V,8 Uhr Abends im Sitzuugssaale der israelitischen Cultusgemeinde,!., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, die zehnte ordentliche Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Begrüßung der Mitglieder und der Gäste durch den Vereinsvorstand; 2. Ansprache des Oberrabbiners Herrn Dr. Güdemann; 3. Vorlage des Berichtes über die Vereinsthätigkeit im 1. Decenninm seines Bestandes, sowie des Jahresberichtes für das Vereiusjahr 1898, durch den Schriftführer; 4. Bericht der Censoren und Beschlußfassung über denselben; 5. Vortrag über verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten in anderen Ländern, von Herrn kais. Rath Johann Lichtenstadt; 6. Neuwahl von Vorstandsmitgliedern; 7. Wahl der Censorm; 8. Eventuelle Anträge von Mitgliedern. Die geehrten Herren Mitglieder werden mit Beziehung darauf, daß wir den zehnjährigen erfolgreichen Bestand unseres Vereines feiern, höflichst ersucht, an der Generalversammlung zuverlässig theilzunehmen. Für den Vereinsvorstand: Der Präsident W. Stiaßny, k. k. Baurath; der Schriftführer Dr. B. Taussig. Wien. (Iüdisches Museum.) Am letzten Freitag besuchten die Schülerinnen der Bürgerschule in der Renn gaffe unter Führung ihres Religionslehrers Herrn Moritz A n t s ch e r l die Sammlungen des Museums. Mit größtem Interesse verfolgten die jungen Damen die Erläuterungen, welche ihnen durch ein Mitglied des Curatoriums zu Theil wurden, wobei die Meisten eifrig Aufzeichnungen machten. Demnächst werden auch die Schülerinnen anderer Anstalten die Sammlungen besuchen. In den Sommermonaten bleibt das Museum für den allgemeinen