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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-05 · 18 (5.5.1899) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
18 (5.5.1899)
Date
1899-05-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 351 stein, Banrath S t i aßny, Oberbaurath S. Tauss i g, Dr. Bela T a u s s i g, Bankier R o s e n f e l d, Fabrikant Tel ts ch e r, Privatier Albert W i n t e r b er g, Ad. Frankl, S. En g el, Emil Horner, kais. Rath I. Lichtenstadt, Jul. Wolf. Es werden nicht geringe Schwierigkeiten zu überwinden sein, um diesen Verein lebenskräftig zu erhalten. Allein mit vereinten Kräften wird es gelingen und es ist eine Ehrensache, daß es gelinge. Teuiesvar. Die Temesvarer Chewra-Kadischa hat in ihrer letzten Ausschußsitzung aus Anlaß eines concreten Falles beschlossen, daß bei den durch die Chewra-Kadischa veranstalteten israelitischen Leichenbegängnissen jeder patriotische, culturelle und humanitäre Verein zugelassen wird, welcher den Verstorbenen die letzte Ehre mit Vorantragung von Trauerfahnen oder umflorten Vereinsfahnen zu erweisen wünscht und daß solche Bereinsvertretungen mit ihren Fahnen im Trauerzuge vor dem Leichenwagen eingetheilt werden. Jedoch hat der betreffende Verein sein Erscheinen längstens im Laufe des dem Leichenbegängnisse vorangehenden Tages beim Vorstande der Chewra-Kadischa anzumelden. Gleichzeitig hat die Chewra-Kadischa beschlossen, das Vorgehen des Herrn Chewra-Vorstandes Karl Kubicsek gelegentlich eines am 28. März l. I. aus der Josefstadt stattgefundenen Leichenbegängnisses, bei welchen er einem, ohne vorherige Anmeldung mit seiner Fahne erschienenen Krankenunterstützungsvereine die officielle Theilnahme an dem Leichenbegängnisse nicht gestattete, vollständig zu billigen. Prag. Der Privat-Frauenverein zur Erziehung armer israelitischer Waisenmädchen in Prag hielt am 27. April unter Vorsitz der bekannten Philantropin Frau Ernestine Hahn seine 43. Generalversammlung ab. Im abgelaufenen Bereinsjahre haben 18 Waisenmädchen die Volks- und Bürgerschule und drei den. deutschen Frauenerwerbsverein besucht. Eine Schülerin wurde staatlich geprüfte Kindergärtnerin und fand sofort eine Anstellung. Der Jahresbericht gedenkt des Todes der Kaiserin und des Regierungsjubiläums. Die Vorsitzende erwähnte auch der verstorbenen Vereinsmitglieder, der Frau Sophie P o l l a k und des Anstaltsarztes Dr. Joachim Goldschmidt. Nach dem von Frau Dr. R o b i t s ch e k zur Verlesung gebrachten Casseberichte betrug der Vermögensstand Ende 1898 an Obligationen 106.940 fl., in Baarem 1168 fl. 88 kr. Nach Verlesung des Revisionsberichtes durch Herrn kaiserlichen Rath Sigmund H a u r o w i tz wurden die Berichte genehmigt und dann der Frau Ernestine Hahn für ihre eifrige Thätigkeit der Dank ausgesprochen. In den Vorstand wurden gewählt die Damen: Pauline von D o rm i tz e r, Simonette B o n d y, Emilia B r a n d e i s, Sophie Brau n, Malvine E d e r e r, Caroline E l b o g e n, Anna F i s ch l, Anna Frank, Ernestine Hahn, Therese Haurow i tz, Franziska Kalmus, Anna Robitschek, Louise R u ß, Pauline Ruß und die Herren kaiserlichen Räthe: Moritz H a h n. Sigmund H a u r o w i tz und Robert Fuchs. Aus der Berliner jüdischen Gemeinde. Berlin, den 1. Mai. Es thut sich was — richtiger: Es hätte sich beinahe etwas gethan! In der Repräsentantenversammlung hat es gestern einen Sturm gegeben, einen veritablen Sturm — im Glase Waffer. Justizrath Meyer, der seit dreißig Jahren dem Vorstand der Gemeinde angehört und als Meyer I. in den weitesten Kreisen der Gemeinde-Nuntien fürchtend verehrt wird, hat seine Entlassung gegeben. Doch zum Schlimmsten ist es dabei nicht gekommen: er hat die Entlastung wieder zurückgenommen. Die ihn zu dem schweren Entschluß gebracht hatten, waren über ihr Werk am meisten entsetzt und beeilten sich mit rührendem, erschrockenem Eifer den Gestürzten wieder aufzurichten, nach heftigen Worten ihn mit Schmeichelreden zu umranken und fest zu verankern. Es war in der That rührend, und er war auch gerührt, Meyer I. nämlich, der beinahe aufgehört hätte, „unser Meyer" zu sein. Die Sache aber kam so: Herr Professor Lewin, die tönende Memnonssäule des conservativen Theiles der Repräsentanz hatte zur gestrigen Sitzung nicht weniger als vier Interpellationen mitoebracht. Das war ein wenig viel. Doch der Herr Professor, der in Urlaub gewesen, hatte geschonte Kräfte mitgebracht und wollte sie nutzen. Ihm war es ein Aergerniß gewesen, daß während seiner Beurlaubung die Repräsentanz zwei neue Vorsteher-Stellvertreter gewählt hatte, und daß es bei diesen. Wahlen nicht unbedingt ordnungsmäßig zugegangen war. Man hatte also einen Stellvertreter nicht, wie das Statut es heischt, durch Stimmzettel, sondern durch einmüthigen Zuruf gewählt. Der Fehler ist nicht gar zu arg, aber ein Fehler bleibt es, nnd Herr Professor Lewin wäre im Rechte gewesen, bei dem Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung oder bei der Aufsichtsbehörde Einspruch zu erheben. Doch das that er nicht, sondern brachte eine Interpellation ein, in der er den Vorstand befragte, was dieser der unregelmäßigen Wahl gegenüber zu thun gedenke. Schon hiebei gab es einen ersten Anstoß. Der Vorsitzende der Repräsentanz wollte diese Interpellation in geheimer Sitzung Vorbringen. Professor Lewin erklärte vor der Tagesordnung, daß er dies Verfahren nicht billige, und daß er öffentliche Verhandlung verlange. Er wurde belehrt, daß nach der Geschäftsordnung der Vorsitzende darüber zu befinden hat, ob eine Angelegenheit in geheimer Sitzung zu erörtern sei, und daß erst in der geheimen Sitzung selbst die Wiederherstellung der Oeffentlichkeit beschlossen werden könne. Dagegen war nichts einzuwenden. Herr Professor Lewin mußte in der geheimen — nicht verschwiegenen — Sitzung seine Beschwerde Vorbringen. Der Vorstand erwiderte ganz correct, daß ihm eine Einflußnahme auf die Art, wie die Repräsentanz ihre Wahlen vornehmen wolle, nicht zustehe, daß also die Interpellation an eine falsche Adresse gerichtet sei, überdies verspätet komme, da die Aufsichtsbehörde die gewählten Herren bereits bestätigt habe und diese auch schon in ihr Amt eingeführt seien. Die conservativen Repräsentanten ließen ihren Genossen Professor Lewin so sehr im Stich, daß sie nicht einmal eine Besprechung der Interpellation beantragten. In der öffentlichen Sitzung wurden die drei anderen Lewin'schen Interpellationen erledigt. Die eine fragte, warum der Vorstand die gemischte Commission zur Revision des Gebetbuches noch nicht berufen habe; die andere stellte die gleiche Frage wegen der Commission, die den Arbeitsumfang der Herren Rabbiner und Cantoren prüfen sollte. Der Interpellant führte aus, daß der Vorstand die Politik verfolge, den von der Repräsentanz gegebenen Anregungen zuzustimmen, ihnen aber keine Folge zu geben. Der Arbeit sei auch zu viel. Die Geschäfte der Vorstandschaft könnten nicht nebenamtlich geleistet werden, wir müßten besoldete Vorsteher haben, die ihre ganze Kraft der Gemeinde widmeten und das natürliche Verhältniß wieder herstellten, wonach die Initiative überall dem Vorstand gebühre. Vorsteher Lachmann erwiderte, daß die Vorwürfe wegen der Unthätigkeit der zur Erforschung des Arbeitsumfanges der Rabbiner und Cantoren eingesetzten Commission nicht unbegründet sei; nur treffe dieser Borwurf nicht den Vorstand, sondern die Commission. Mehr als einmal sei es vorgekommen, daß er die Commissionsmitglieder eingeladen, in der Sitzung aber sich mutterseelenallein gefunden habe. Vorsteher Justizrath Meyer I. begnügte sich nicht mit solchem Sarkasmus. Auf die Klage über die fehlende Initiative des Vorstandes erwiderte er mit der Frage: „Was habt denn Ihr — die Conservativen — in drei Jahren geleistet? Freilich kommt dem Vorstände die Initiative zu; wenn aber die Repräsentanz in jeder Sitzung neue, uferlose Anregungen bringt, so ist es unmöglich, allen Folge zu geben, so hindert das Uebermaß an ordnungsmäßiger Thätigkeit." Die Commission, die das Gebetbuch zu revidiren beauftragt worden, sei die Rabbinerwahlcommiffion, und diese wolle natürlich erst ihre Hauptaufgabe erledigen, ehe sie an die Nebenaufgabe gehe. Dem Beschlüsse aber, eine Commission mit der Prüfung des Arbeitsumfanges der Rabbiner und Cantoren zu betrauen, sei der Vorstand überhaupt nicht beigetreten. Die Besprechung der Interpellationen wurde beschlossen. Geheimrath Dr. B l u m e n t h a l, ein Wortführer der Conservativen, wiederholte ungefähr, was Professor L e w i u gesagt. Es sei in der Gemeindegeschäftsleitung eine völlige Versumpfung eingetreten; so gehe es nicht weiter. Würdevoll und zitternd erhob sich Justizrath Meyer zur Gegenrede: Hier ist gegen den Vorstand der Borwurf erhoben worden, er lasse die Gemeindegeschäfte versumpfen. Wenn auch gegen den gesammten Vorstand gerichtet, so treffe den Vorwurf doch in erster Reihe ihn, den Vorsitzenden. Das könne er sich nicht bieten lassen, und darum lege er sein Amt nieder. Sprach's und wandte sich zum Gehen. Geheimrath Blumenthal stürzte ihm nach; Andere folgten dem Beispiele. Geheimrath Blume nthal und die Anderen beschworen Meyer I. fein Wort zu widerrufen, den

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