Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 18 (5.5.1899)
- Date
- 1899-05-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 850 Blnck^S gingen. Dann kam Ohio mit 1004 Leuten, nach diesem Illinois mit 702, Louisiana stellte der Verbündeten-Armee 224 jüdische Soldaten, und es wurde noch übertroffen von dem kleinen New- Jersey, das der Union-Armee 227 Mann schickte. Es wurde der Vorschlag gemacht, eine Parade zu veranstalten, an der nur jüdische Soldaten theilnehmen sollten. Aber angesehene jüdische Männer belächeln diese Idee und machen kein Hehl daraus, daß der Plan nicht ihre Zustimmung findet. „Wir sind stolz, wenn diese Männer in unsere Kirche kommen, um zu beten/ sagte ein Mitglied der orthodoxen Gemeinde, „und es ist uns Allen eine Freude, die Felduniform eines amerikanischen Soldaten auch in der Synagoge vertreten zu finden. Hier kann er auch Jude sein, aber bei einer Parade nur Soldat, da soll er weder nach seiner Religion gefragt werden, noch soll er sie selbst zur Schau stellen." Correspondenzen. Plenar-Sitzuug des Vorstandes der Israelitischen Cultusgemeinde Wien. In der S o n n t a g, den 30. April 1899 abgehaltenen Plenarsitzung des Vorstandes, in welcher in Abwesenheit des durch Unwohlsein verhinderten Präsidenten der I. Vicepräsident Dr. Alfred Stern den Vorsitz führte, wurden die Baumeisterarbeiten des neu zu erbauenden Siechenhauses auf Grund der durchgeführten Offertverhandlung vergeben. Dem Tempelvereine für Wieden und Margarethen wird eine Subvention für die Adaptirung seines Bethauses bewilligt. An Spenden sind eingelaufen: Von Frau Philippine Samson für Arme .... 20 fl. Von den Erben nach Frau Fanny Fröhlich zur Verthellung an verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten. 1000 „ Zur Errichtung einer Fanny Fröhlich'schen Seelenheilsstiftung. . .. 2000 „ Zur Errichtung einer Jonas und Fanny Fröhlich'schen Grusterhaltungs-Stistung.Kronen 2000 Zur Errichtung einer Alexander und Mathilde Goldst e i n'schen Graberhaltungsstiftung .... 600 „ Wie«. („O e st e r r e i ch i s ch - Israelitische U n i o n".) Bei der am 27. April stattgefundenen constituirenden Sitzung des neugewählten Vorstandes wurden, nachdem Herr Sigmund Mayer wegen Geschäftsüberbürdung eine Wiederwahl zum Bicepräsidenten abgelehnt hatte, Herr Universitätsdocent Dr. S. E h r m a n n zum ersten, Herr Dr. Jacob K o h n zum zweiten Bicepräsidenten, Herr I. I a i t e l e s zum Caffier, die Herren Dr. S. Elias und Dr. S. Zins zu Schriftführern und Herr B. Kanitz zum Controlor gewählt. Der Vorstand berief ferner zu Beiräthen die Herren: Dr. I. S. Bloch, Gemeinderath Lucian Brunner, S. Heit, Banrath Theodor Ritter von Goldschmidt, Universitäts-Docent Dr. Josef Grün seid, Ignaz Kantor, Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, Sigmund N e u st a d t l, Theodor R e i t - linger, Ignaz Simon, Dr. Markus Spitzer, Albert W int erb erg und Commercialrath Ignaz Zucker. — Mit der Leitung des Rechtsschutz- und Abwehrbureaus im Einvernehmen mit dem Präsidium wurde Herr Sigmund Mayer betraut. Verein für unentgeltliche« Arbeitsnachweis. Wir haben vor wenigen Tagen der constituirenden Sitzung eines neuen Vereines beigewohnt. Im Saale der israelitischen Cultusgemeinde hatten sich an hundert Personen aus den verschiedensten Berufskreisen versammelt, um an der Gründung dieses Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis theilzunehmen. Die Mitglieder des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde, die Vertreter der Vereine zur Hebung der Gewerbe, zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Gewerbetreibender, des israelitischen Humanitätsvereines „B'nei Brith" u. A. waren erschienen und mit voller Einstimmigkeit wurde die Gründung vorgenommen und der Vorstand des neue» Vereines gewählt. Daß ein solcher Verein der Nothwendigkeit entspricht, wer wollte es leugnen! Arbeit ist das einzige Mittel, durch welches der Unterstützungsbedürftige auch ethisch aufrecht erhalten wird, und nach Arbeit verlangt nicht nur jeder ehrliche Mensch, sondern Wochenschrift« dir. 18 er fordert sie als sein Recht, er begehrt sie als eine Pflicht seines Mitmenschen. Kein Gebiet menschlicher Thätigkeit bleibt unberührt von den furchtbaren Folgen der Arbeitslosigkeit, mag sie nun eine dauernde oder eine zeitweilige sein, nichts wirkt so zerstörend auf Wohlstand und Sittlichkeit als der Mangel an Arbeit und mag nun die Beschäftigungslosigkeit eine allgemeine oder individuelle sein, in allen Fällen ist sie die Quelle unsäglichen Unglückes. Wäre die Erkenntniß dieses Nebels eine allgemeine, wahrlich der Kampf ums Recht auf Arbeit hätte viel mehr Mitkämpfer und somit auch viel mehr Aussicht auf baldigen Sieg gefunden. Allein, da wir vor einer generellen Lösung der Frage noch so weit sind, sollen wir nicht versuchen, partielle und locale Mittel zur Abwehr zur Anwendung zu bringen? Haben nicht auch andere Staaten und Städte wenigstens die Arbeitsvermittlung als Remedium gegen die Gefahren der Arbeitslosigkeit in Anwendung zu bringen versucht, und was dort gelungen ist, sollte es nicht auch hier Abhilfe gewähren? Wohl wirkt die Arbeitsvermittlung für sich allein noch nicht, sie müßte noch durch Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und durch Arbeitsgelegenheit, Arbeitscolonien u. dergl. ergänzt werden, allein als erste Etappe darf man sie umso mehr gelten lassen, wenn sich zu ihr nebst den socialpolitischen auch humanitäre Motive gesellen. Confessionelle Motive sollten überhaupt nicht -in Frage kommen und sie würden es auch nicht, wenn sie nicht von anderer Seite heraufbeschworen würden. Was nützte es, keinen Arbeitsnachweis mit confessionellem Einschlag zu haben, wenn der bestehende communale Arbeitsnachweis nicht eben, auch confessionell wäre! Es ist ja zu besorgen, daß in einer Vermittlungsstelle an deren Spitze die berüchtigten Antisemiten stehen, jeder, der nicht ihres Glaubens ist, von vorneherein ausgeschlossen ist, und sollen diese armen Ausgeschlossenen hilflos, arbeitslos verkommen, weil von antisemitischer Seite kein anderer Wunsch kund gegeben wird, als sie auszurotten? Ist nicht gerade da ein Motiv genug gelegen, daß man sich aus Menschlichkeit und Arbeitsfreundlichkeit der Ausgeschlossenen annehmen, nicht blos um ihrer Confession, und sollen nicht die Glaubensgenossen die Pflicht umso nachdrücklicher erfüllen und üben, sich Derjenigen anzunehmen, die kein Almosen sondern Arbeit heischen? Von solchen Gesichtspunkten, scheint es, sind die Gründer des neuen Vereines ausgegangen und, indem wir ihren Anschauungen beipflichten, richten wir an unsere Leser die nachdrücklichste Bitte, für die Propaganda zu Gunsten dieses Vereines mit aller Kraft einzutreten und dahin zu wirken, daß er nicht blos eine imposante Zahl von Mitgliedern vereinige, sondern, daß sein Zweck von Allen gefördert werde, die Arbeit zu vergeben haben, wie von Jenen, die Arbeit suchen. Wenn er zum Mittelpunkt der Arbeitsvermittlung geworden sein wird, dann wird er nicht nur eine segensreiche Thätigkeit entfalten, sondern auch erziehlich wirken, und die Arbeit, die jüdische Arbeit, geehrt machen, wie sie's verdient. Aus allen Reden, die bei der Gründungsversammlung gehalten wurden, klang der Gedanke hervor, daß der Verein nothwendig, daß er nicht ein Concurrenz-, sondern ein unentbehrlicher Ergänzungsverein sei, daß schon seit einigen Jahren die Nothwendigkeit erkannt wurde, eine solche Einrichtung zu treffen und daß bei den maßgebenden Factoren auch der Wille vorhanden sei, den neuen Verein kräftigst zu unterstützen. Der Vorsitzende Dr. Alois Klemperer gab in kurzen Umrissen die Geschichte der Entstehung dieses Vereines an und setzte dann dessen Bedeutung und Ziele auseinander. Baurath Wilhelm S t i a ß n y schilderte die Bestrebungen, die schon seit 3 Jahren im Vereine zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Gewerbetreibender wirksam sind, um eine solche Institution zu schaffen. Er führte aus, welcher Ehre sich die Arbeit bei den Juden zu allen Zeiten erfreute, deren gelehrteste Männer aus dem Kreise der Handwerker hervorgingen. Er fügte hinzu, wie tüchtig die Wiener jüdischen Handwerker seien, die jetzt von Communalarbeiten ausgeschlossen sind und schloß mit einem kräftigen Appell an den Gemeinsinn. Herr Lederer sicherte dem neuen Verein die kräftigste Unterstützung des Vereines „Bnei Brith" und aller seiner Mitglieder zu. Die Vorsteher Salo Cohn und Th. Ritter von G o l d s ch m i d t gaben den Sympathien des Cultusvorstandes beredten Ausdruck. Nachdem so einmüthig der neue Verein begrüßt worden war, wurden die Wahlen des Vorstandes vollzogen und 15 Herren aus verschiedenen Berufskreisen in den Vorstand entsendet, darunter die Herren Dr. Klemperer, Dr. Lang-