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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-05 · 18 (5.5.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
18 (5.5.1899)
Date
1899-05-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 348 Dr. Bloch's WochenfchrrfL. Nr. 18 Ein evangelischer Prediger gegen den Antisemitismus. Von Dr. Josef Hoff, Rabbiner in Bisenz. In unserer Zeit, die sich der Aufklärung und des erkannten Menschenwerthes rühmt, gibt es — Gott sei's geklagt — doch noch immer Leute genug, die die politische Ausdrucksweise mit dem Namen „Antisemiten" bezeichnet, und die den Juden jede Gleich-, ja man möchte sagen, jede Existenzberechtigung absprechen. Mit einer Gesinnung, die ganz im Gegensätze zu der so oft gerühmten „christlichen Liebe" steht, suchen diese Dunkelmänner an der Hand der Geschichte nachzuweisen, daß der Jude nichts anderes für das Land bedeute, als Schaden und Unglück. Ja selbst Priester scheuen sich nicht, von der Kanzel herab — von einem heiligen Orte, wo die Gottheit weilt — vor ihren „andächtigen Zuhörern" das Jndenthum zu verleumden und zu verspotten und so Haß und Zwietracht in die nur zu empfänglichen Herzen zu streuen. — Gegenüber solch' perfiden Lügen und Beschuldigungen, die von geweihter Stätte herab als ewige, unantastbare Wahrheiten ausgegeben werden, mag es nicht ohne Interesse sein, die Meinung eines Mannes über das Judenthum zu erfahren, der von der Ueberzeugung ausging, daß nicht starrer Dogmendienst, sondern einzig und allein der Glaube an einen hohen Vater, derAlle mit gl ei ch er Liebe umfaßt, die Religion ausmache. Dieser vorurtheilslose Mann hieß Gustav Porubßky und fungirte in den Vierziger-Jahren als evangelischer Prediger an der Dorotheenkirche zu Wien. In seiner Brochüre „Judenhaß", die bei ihrem Erscheinen ungewöhnliche Aufmerksamkeit erregte, behandelt er die Stellung der damaligen Juden und kommt dann auf den Judenhaß zu sprechen. „Ihr seid vielleicht, geliebte Freunde", so läßt sich dieser christliche Priester wörtlich vernehmen*), „mit meinen angeführten Gründen über Hen Ursprung des Judenhasses nicht völlig einverstanden. Ihr möchtet vielleicht sagen, die Grundsätze der jüdischen Religion hätten ihre Bekenner verhaßt gemacht. Darüber seid Ihr im Jrrthum! Die Grundsätze der jüdischen Religion berechtigen Euch nicht, ihre Bekenner anzufeinden. Christus war nicht gekommen, das Gesetz oder die Propheten a u f z ul ö s e n, sondern zu erfüllen (Math. 5, 17); im Gegentheil ermahnt er seine Gläubigen: Suchet in der Schrift, denn Ihr meint, Ihr habt das ewige Leben darin, und s i e ist's, die von mir zeuget (Joh. 5, 39). Es gibt keinen einzigen Ausspruch im Alten Testament, der den Bekennern Mosis' Haß oder Feindschaft gegen andere Menschheit predigt, wohl aber gibt cs zahlreiche Stellen, die Menschenliebe als Gottes Wille darstellen. — Wahrlich, unabsehbar sind die schmerzlichen Folgen fürs öffentliche und häusliche Leben bei solch' gehässigen Reibungen verschiedener Staatselemente. Die kindliche Unschuld kennt nicht den Haß der verderbten Welt. Der Judenknabe nähert sich in schüchterner Einfalt dem Christenknaben, und wird von diesem bereits mit verachtender Gehässigkeit zurückgestoßen. O, wie entsetzlich, wenn die heilige Unschuld einer Kinderseele den tausendjährigen Fluch der Väter erleiden muß. Der israelitische Jüngling ringt vergebens, durch einen feelenvollen Aufschwung sich allgemeine Anerkennung zu verschaffen. Bei allen Früchten seines Fleißes, bei der schönsten geistigen Entfaltung, bei aller Bewunderung, die man ihm zollen muß, kann er doch niemals Liebe gewinnen. „Er ist ein Jude!" — Das Wort mit beschimpfender Betonung ausgesprochen, verleiht seiner glühenden, rein menschlichen Begeisterung für alles Wahre und Schöne einen schwermüthigen Anstrich. — Um Himmelswillen! Brüder und Schwestern, wie soll das enden?! Soll eine tausendjährige Schmach noch fort und fort andere Jahrtausende hindurch leben? Ist nicht das Christenthum schon lange genug gebrandmarkt worden dadurch, daß es die Wiege des Christenthums, nämlich das I u d e n t h u m, mit Haß und Verfolgung belegte? Wie lange noch sollen wir durch unduldsames Betragen den Namen Jesu Christi schänden? Hätten wir denn vergeblich das Alte Testament zur Grundlage des Neuen aufbewahrt? Sollte unsere Jugend die biblischen Geschichten und Lehren des Alten Testamentes nur deshalb erlernt und sich mit den israelitischen Alterthümern nur deshalb befreundet haben, nicht um das Reich Gottes in *j Gustav Porubßky: „Der Judenhaß", eine Predigt, gehalten am 21. Mai 1848 in der evangelischen Kirche .-X. C. zu Wien. S. 9 f. seiner Verheißung zu schauen und zu verehren, sondern um cs in seiner späteren Gestaltung hassen zu lernen? Wird denn dieser unglückselige Haß, wird denn dieser entehrende Fluch niemals begraben werden? O, lernet sie doch kennen, die Israeliten, in ihrer geschichtlichen Bedeutung! Lernet mit Euren Kindern noch einmal die biblischen Geschichten und leset das Alte Testament mit heiliger Andacht! Staunen und Ehrfurcht wird Euch ergreifen. wenn Ihr dieses dreitausendjährige Bild eines unglücklichen Volkes betrachtet. Ja, lernet sie kennen, nicht aber diesen oder jenen Einzelnen, denn der Einzelne ist nicht das Volk, lernet sie kennen in in der G e s a m m t h e i t. Dann werdet Ihr sie liebgewinnen; Ihr aber müsset die erste n Schritte zur Versöhnung thun, Ihr habt den Haß genährt, Euch kommt es zu, mit Wort und That, Vertrauen und Zuneigung anzuknüpfen. Den eingefleischten Religionsstolz müsset Ihr brechen und durch Zergliederung des Hasses seine Unhaltbarkeit beweisen. Ihr zumal, als e v a n g e l i s ch e Christen, die Ihr das Christenthum mit selbsteigener Kraft aus seinen Quellen, nämlich aus dem Alten und Neuen Testament schöpfen sollet, die Ihr das Wesen des alten Bundes genauer kennen und sein Verhältniß zum neuen gründlich verstehen sollet, — Ihr könnt. Ihr dürft die Kinder Israel nicht hassen, noch verfolgen, wenn Ihr in Wahrheit auf den Namen evangelische Christen Anspruch machen wollet!" — Diese Worte, die ein christlicher Seelsorger vor fünfzig Jahren seiner andächtigen Gemeinde voll innerer Begeisterung zurief, sie werden nicht verloren gehen, wenn es wahr ist, daß in dieser vergänglichen Welt nichts von Dauer ist, als nur der aufrichtige Wille und das ernste Streben, die Wahrheit zu verkünden und die Ankunft der Gerechtigkeit zu beschleunigen. Aber auch so manch' fanatischer „Priester der Liebe", der, statt Toleranz und Humanität zu predigen, durch seine Hetzreden die Bestie im Menschen aus ihrem Halbschlummer aufzurütteln sucht, könnte aus den Worten des „Collegen" Porubßky Belehrung schöpfen, vor allen Anderen in e r st e r Reihe der Pfarrer von Weinhaus, der famose Versasser der Schmähschrift: „Luther's Selbstmord — eine historisch erwiesene Thatsache". Die Juden in der Armee der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Im September letzten Jahres, vor dem Laubhüttenfeste, gab Adjutant General Corbin einen Befehl aus, der besagte, daß jenen jüdischen Soldaten, die ihren religiösen Pflichten während der Festtage nachzukommen wünschten, zu diesem Zwecke Urlaub ertheilt werden solle. Dieser Befehl wurde, wie die „New-Jork Tribüne" schreibt, viel besprochen und bekrittelt, und es gab Leute, die ihn direct für überflüssig erklärten, weil sie der Ansicht waren, daß es in der amerikanischen Armee gar keine Juden gäbe. Man hat nun zwar bis jetzt noch kein genaues und vollständiges Verzeichniß, und es dürfte auch noch eine Weile vergehen, ehe ein solches erscheinen kann, aber Männer, die der Sache ihre Aufmerksamkeit widmen, glauben, daß sich die Zahl der jüdischen Soldaten in ler Armee und der Marine auf ungefähr 4000 beläuft. Sie stammen aus allen möglichen Lebensstellungen, und viele von ihnen bekleiden die Officierscharge. Als man nach dem unglücklichen Ende der „Maine", wodurch, wie bekannt, der Krieg mit Spanien beschleunigt wurde, eine Untersuchungscommission wählte, wurde die Stellung eines Untersuchungsrichters einem Juden, Capitän-Lieutenant Marix, übertragen. Jüdische Soldaten waren mit dabei, als die amerikanische Flagge in Santiago gehißt und der erste Salut gebracht wurde; an jedem Gefecht während des ganzen Krieges nahmen sie Theil, und in den Listen der Verwundeten, Getödteten und Jener, die in Hospitälern starben, kann man eine Menge jüdischer Namen finden. Schon zur Zeit, als die Frage: Krieg mit Spanien oder nicht, noch in der Schwebe hing^ bezeigten die Juden großes und lebhaftes Interesse für die Sache, und ein im Osten New - Aorks, dem Judenviertel, erscheinendes Blatt brachte in seinem eigenen Jargon Folgendes: „Nicht nur das schreckliche Ende der „Maine" steht uns vor Augen, wir erinnern noch an die furchtbaren Verfolgungen, denen unsere Glaubensgenossen ausgesetzt waren, wo man sie auf die Folterbank spannte, in Marterkammern peinigte, und wo die Spanier unsere Synagogen

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