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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-28 · 17 (28.4.1899) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
17 (28.4.1899)
Date
1899-04-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 333 führungen. Nmi hätte Herr A o r k - S t e i n e r über „Die bestehenden Colonien Palästinas" beginnen sollen, doch brach ein gewaltiger Tumult los, da die Socialisten und die czechischen Juden die Discussion verlangten. Der Socialist G e h o r s a m sprang auf das Podium, wo zwischen ihm und Herrn A o r k- Steiner ein Wortwechsel entstand; unterdessen richtere Herr Dr. B o n d y, der Führer der czechischen Juden, an das Präsidium czechische Zurufe. Die Aufregung war auf den höchsten Grad gestiegen und es wäre vielleicht zu Thätlichkeiten gekommen, doch in diesem Momente verkündete der Regierungsvertreter die Auflösung der Versammlung, und Sicherheitswache räumte den Saal. Morgen findet im Hotel Roubitschek eine vertrauliche Versammlung statt, in der Herr Iork-Steiner seinen Vortrag halten wird. Krakau. Unsere Gemeinde bewegt jetzt die Frage der Besetzung des Rabbinerpostens, die demnächst erfolgen soll. In der letzten Sitzung der Cultusgemeinde unter Vorsitz des Präsidenten Gemeinderath Dr. Leon H o ro w i tz wurde einstlmmig beschlossen, als den in Aussicht genommenen Candidaten für den Rabbinerposten in Krakau den hiesigen Rabbiner-Stelloertreter Chaim Leib Horowitz, der seit Jahren die Functionen des Rabbiners in unserer Gememde zur allgemeinen größten Zufriedenheit und mit Tact versieht, der Behörde bekanntzugebell. Mit denk Referate in dieser überaus wichtigen Angelegenheit unserer Gemeinde wurde der I. Vice-Präsident der Cultusgemeinde, Gemeinderath Hirsch Landau, betraut. Lemberg. Ein Helden leben ist Freitag den 14. April zu Grabe getragen worden. Ein starker Geist ist der galizischen Judenheit plötzlich entrissen worden. Noch erklingen in uns die geistreichen und herzerquickenden Worte des tiefen Denkers, des umfassenden Gelehrten im g e s a m m t e n jüdischen Schriftthum, noch steht vor unserm geistigen Auge die unvergeßliche Erscheinung des Rabbinatsassessors Uri Wolf Salat und schon ist er der dunklen Gruft übergeben worden. Ein gründlicher Kenner aller talmuoischen Disciplinen besaß der Verblichene ein ungewöhnliches Gedächtniß, behandelte mit großem Scharfsinn alle rituellen und religionsphilosophischen Fragen mit einer Erleuchtung, wie die literarische Judenheit es bei dem Wilnaer Gaon kennen gelernt hat. Dabei war er trotz seiner strengen Lebensführung sehr tolerant und beurtheilte jeden Menschen nach der günstigsten Seite. Er war nichts nur ein treuer Freund, sondern auch uneigennützig im vollen Sinne des Wortes. Seine Zurechtweisungen waren voller Liebe und mit echtem Wohlwollen. Ein Berather aller Unglücklichen, hatte er ein herzinniges Mitgefühl für die Leidenden und Bedürftigen und stand trotz seiner knappen Einkünfte und feiner zahlreichen Familie den Armen hilfreich zur Seite. Seine Worte waren bei einem Vortrage und selbst im gewöhnlichen Umgänge wie die kostbarsten Perlen, stets logisch klar und deutlich und mutheten Jeden sehr angenehm an. Sein hebräischer Stil war musterhaft, kraftvoll und lieblich. Mit einem Worte: Uri Wolf Salat war die jüdische Ethik in Person nach dem Muster bedeutender Großer in Israel. Er erreichte ein Alter von 71 Jahren. Möge sein trefflicher Sohn M e s ch u l l e m, der in jeder Beziehung den Fußtapfen seines Vaters folgt, das Streben und die Leistungen des Verblichenen, dessen Andenken zum Segen bleiben wird, verjüngen und lebenskräftig erhalten. Lemberg. Am 12. d. M. hielt auf Ansuchen des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde hier der rühmlichst bekannte Herr Dr. Wilhelm Holzer, Landesadvocat und Mitglied des Cultus- und Gemeinderathes, in der Syxtuska- Synagoge vor einer angesehenen und zahlreichen Zuhörerschaft einen vortrefflichen Nachruf ans die verblichene unvergeßliche Baronin von H i r s ch, welcher großen Beifall geerntet hat. Der wackere Redner, der zu jeder Zeit bestrebt ist, Gutes zu üben, der trotz seiner vielfachen Beschäftigung nicht ruht und nicht rastet, wo es gilt, den jüdischen Namen zu Ehren zu bringen hat, seine Aufgabe nach Form und Inhalt vollkommen befriedigend gelöst. Mit begeisterten Worten schilderte er die bis nun nicht erreichte Wirksamkeit der edlen seligen Baronin, welche ganz und voll im Sinne und im Geiste des Judenthums gleich ihrem edlen Gemal ihr ganzes Streben und Leben wohlthätigen Zwecken widmete und von Tag zu Tag mehr und mehr in erhöhtem Maße für das materielle und geistige Wohl der Leidenden und Bedürftigen bedacht war und stets dafür sorgte, die Lage derselben erträglich zu gestalten, wie sie für Volksschulen, Handwerk und Ackerbau reichlich spendete, sowie für verschämte Arme (würdige Einzelne und Familien) in ausgiebiger Weise sehr bedeutende Summen verabreichen ließ. Mit vollem Rechte bezeichnet der Redner die Wirksamkeit der verblichenen Baronin als einen Lichtpunkt, welcher leuchtet in dem Dunkel der Bedrängniß, als einen Hoffnungsstern, der da strahlt auch am nächtlichen Himmel. Die Worte des Redners fanden den richtigen Widerhall bei allen Zuhörern; denn sie kamen von edlem Herzei'. Ist ja der Redner hier allgemein bekannt als ein unermüdlicher Wohlthäter. Er ist Präsident viele Vereine, welche wohlthätigen Zwecken gewidmet sind; er verschaffte seit drei Jahren ans eigener Tasche hundert Armen am Peffachfeste eine gute und gesunde Kost und spendet nach Kräften täglich große Almosen. Als Kenner der hebräischen Sprache unterstützt t* auch die jüdischen Publicationen. Und darum fanden "seine Worte den rechten Eingang in die Herzen seiner Zuhörer. Berlin, 24. April. Der Centralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde hat jüngst seine bereits überfällige Generalversammlung gehalten. Eine solche Generalversammlung sieht recht wunderlich aus; wenn sie sehr zahlreich besucht ist, wie diesmal, so finden sich etwa 40 Männchen zusammen, die sich in 5 Gruppen sondern und — nicht weniger als 75 Vorstandsmitglieder wählen. Natürlich ist immer der halbe Vorstand in der Generalversammlung, wählt sich selbst wieder und ertheilt sich Decharge. Das Alles geschieht mit ernster Miene. Dann folgt der Bericht über die Thaten und Leistungen. „So lag ich aus, so führt' ich meine Klinge", erzählt der Borstandsredner, und er bringt es wirklich zu Wege, die blamable Niederlage der letzten Wahlen als einen Triumph zu feiern. Ein anderer Borstandsredner beweist danach den bewundernd aufhorchenden Genossen, daß sie bei den letzten Wahlen hätten unterliegen müssen, nicht weil sie ungeschickt oder unthätig, sondern einfach, weil sie in der Minorität gewesen. Nach dieser tiefdurchdachten Entdeckung, die des Jnspectors Bräsig Ausspruch: „die Armuth kommt von der großen Powerteh" in den Schatten stellt, geht man beruhigt auseinander, beruhigt und überzeug!, daß man die nächsten Wahlen schon machen werde. Doch nein, diese Ueberzeugung hat man nicht, man trägt sie nur zur Schau. Im Herzen wissen die Leutchen, daß ihr Verein todt ist und daß sie ihn erschlagen haben. Sie würden sogar die conservative Sache erschlagen haben, wenn diese nicht unsterblich wäre. Diese Conservatlven aber, die in dem Centralverein ihr Organ hatten, stehen nicht wieder auf, und wenn die wirklich Conservativen sich nicht eine andere Organisation schaffen, so sind sie mit den nächsten Wahlen bis ans einige Mitleidsreste völlig aus der Gemeindevertretung verschwunden. Jetzt schon richten sich die Liberalen auf die Alleinherrschaft ein. Herr Dr. Fuchs, der aus dem Vorstande geschieden, ist durch einen Liberalen ersetzt worden. Dr. Fuchs aber ist vor der Zeit gegangen, weil es ihm zuwider war, im Namen des Vorstandes immer gegen die plaidiren zu müssen, von denen er gewählt und deren Gesinnungsgenosse er war. In der Rabbinerwahl ist wieder nach der negativen Seite ein kleiner Fortschritt gemacht worden: Herr Dr. Mannheimer, Oberlandesrabbiner in Oldenburg, ist aus der Reihe der Bewerber ausgeschieden, obwohl seine Predigt hier sehr gefallen hat. Es scheint, daß man nicht blos in diesem einen Falle versäumt hat, sich über die etwaigen Berufungsbedinzungen zu verständigen und die Person des Bewerbers selbst sich näher anzusehen. Das ist auch bei dem Rabbinatscandidaten Herrn Dr. Warschauer der Fall gewesen. Die im Werke befindliche Gründung eines jüdischen Lehrer innenheims macht gute Fortschritte. Die Beiträge kommen in erfreulicher Zahl und in solcher Höhe, daß das Institut sicher am 1. October d. I. schon ins Leben treten kann. Zunächst wird zehn jüdischen Lehrerinnen ein Heim geboten werden, lieber das Domicil ist eine Entscheidung noch nicht getroffen. Bon zionistischer Seite wird für die Palästinabank mit großem Eifer geworben. Zuweilen ist der Eifer sogar etwas größer als er sein sollte. Der Zionist, der eines jüdischen Gewerbetreibenden Kunde ist, unterläßt es nicht, den Betreffenden dringlichst zur Zeichnung von Actien einzuladen. Die Actie kostet ja „nur" 1 Pfund 20 Mk. 40 Pf., und es gilt einem „großen Werke, das für unsere Brüder im Osten bestimmt ist". Der Werber „hofft bestimmt", daß Zeichnung erfolgen werde. Das sieht, von einem Kunden einem Gewerbetreibenden gegenüber, beinahe wie sanfter Zwang aus, kann wenigstens so aufgefaßt werden.

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