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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-28 · 17 (28.4.1899) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
17 (28.4.1899)
Date
1899-04-28
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 332 Dr. Bloch's Wochenschrift« Nr. 17 Me Demonstnrenden hatten lebhaften Beifall und versprechen den Herrn Obercantor Geller anschloß. Hierauf betrat Herr sich von ihren Erfindungen ein lohnendes Geschäft. DaL Wort er-tDReligionsprofessor Dr. G r ü n f e l d die Kanzel und entwarf griffen ferner Bicepräfcs Herr L. G u t t m a n n, Beck, F r l e b=pitt ergreifenden Zügen ein treffendes Lebens- und Charakterbild mann, Stern er 2c. 9rr . . ,r , 9f Mder Betrauerten. Ihr Wirken gleiche dem Mirjamsbrunnen Legende, dedie Jsrn-Nt-n ans ihrer lnngm Wüste». 8 8R-ch II Uhr8 schl°sj8d-r Präs,de,ü dihöchst animirte und ^Wanderung begleitete, Woraus alle Müden und Ermatteten, interessante IX. ordentliche G e n e r a l v e r f a m m l u n g des Vereines zur Hebung der Gewerbe in Wien. Antisemitische Lügen. Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" ersucht uns um Aufnahme folgender Mittheilung: „Vor einigen Tagen ging durch die antisemitische Presse Deutschlands' und Oesterreichs die Nachricht, daß in Mainz ein Dienstmädchen, das von seinem Mischen Dienstherrn unsittlich belästigt wurde, iu der Nacht vom 10. auf den 11. d. M. vom vierten Stocke eines Hauses auf die Straße sprang und sich tödtlich verletzte. Nach genauen Erhebungen der Mainzer Polizeibehörde hat der jetzt in Haft befindliche Besitzer der Wirtschaft „Zur Ludwigsbahn", Mathias Ruß, in das Zimmer der fünfzehnjährigen Helene R ü h l eindringen wollen und sich auch nach dem Selbstmorde des Mädchens äußerst roh benommen. Er ist aber nicht Jude, sondernKatholik. — Am 13. d. M. brachte ein hiesiges antisemitisches Blatt die Meldung, daß sich vor etlichen Nächten eine Gesellschaft jüdischer Studenten vor der Pfarrkirche „Zum heiligen Johann von Nepomuk" anstößig benommen und derartiges Aergerniß erregt habe, daß die Wache sie zum Polizeieommissariat abführte. Nach den eingeleiteten Erhebungen ist weder auf dem Polizeicommissariat Leopold st ad t, noch bei der Polizeidirection über eiiren derartigen Vorfall eine Meldung e i n g e l a n g t." Brünn. (Mährisch-jüdischer Waisenhilfsverein.) Unlängst fand die diesjährige Generalversammlung dieses Vereines statt. Der Bicepräsident des Vorstandes, kais. Rath Mandl, eröffnete dieselbe miteinem ehrenden Nachrufe auf den im Jänner l. I. verstorbenen Herrn Bernhard Morgenstern, der dem Vorstande dieses Vereines durch mehrere Jahre angehörte, und für denselben stets das wärmste Interesse bekundet hat, dem er auch letztwillig durch das namhafte Legat von 5000 fl. Ausdruck verlieh. Ebenso gedachte der Vorsitzende der kürzlich dahingegangenen Wohlthäterin Frau Baronin Clara Hirsch-Gereuth, die unter den zahllosen großartigen Zuwendungen für menschenfreundliche Zwecke auch um diesen Verein sich verdient gemacht, indem sie aus dem Legate ihres sel. Gatten von einer Million Francs demselben den größten Antheil per 100.000 fl. zumies. Die Versammlung, welche diese Nachrufe stehend angehört, beschließt, dieselben dem Protokolle der Versammlung einzuverleiben und überdies für die große Philantropin Baronin Hirsch durch Vermittlung des Cultusvorstandes einen Trauergottesdienst im hiesigen Tempel zu veranstalten. Aus dem sodann verlesenen Tätigkeitsberichte des Vorstandes für das Jahr 1898 sei Folgendes zu entnehmen: Die Einnahmen betrugen 12.4-21 fl. 27 kr., gegen 11.439 fl. 84 kr. im Vorjahre; die Spenden, worunter ein Legat des Herrn Jsid. Strakosch von 200 fl., blieben um 243 fl. gegen das Vorjahr zurück. Die Jahresbeiträge Per 693 fl. sind um 120 fl., die Mitgliederzahl von 113 auf 117 gestiegen. Für die Waisenpflege wurden verausgabt 11.097 fl. 80 kr., um 1420 fl. mehr als im Vorjahre. Nach Erstattung des Tätigkeitsberichtes verlas Herr L. Löw Beer den Cassabericht, welcher genehmigt und dem Vorstande hierauf die Entlassung ausgesprochen wird. Nach Annahme des Voranschlages wird die Wahl von zwei Vorstandsmitgliedern vorgenommen, und zwar wird Herr Leop. Löw Beer wieder-, Herr Salom. Perlhefter neugewählt. Zu Revisoren werden Heinrich P 0 l l a k und Ignaz Schulz bestimmt und nach einem Danke für den Vorstand die Versammlung geschloffen. Brün». (T r a u e r f e i e r.) Eine zahlreiche Gemeinde von Andächtigen fand sich in dem hell erleuchteten, schwarz drapirten hiesigen israelittschen Tempel ein, um den Manen der jüngst verblichenen Frau Baronin Hirsch-Gereuth den Zoll dankbarer Verehrung abzustatten. Wir bemerkten in den vorderen Reihen den gesammten Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde, die Vertreter sämmtlicher hiesigen Wohlthätigkeitsvereine, des Waisen-, Kranken-, Freitisch- und des Humanitätsvereines „Moravia", sowie auch Vertreter nichtjüdischer Anstalten. Der Tempelchor unter Leitung des Dirigenten Schmidt intonirte den deutschen Seelenfeier-Choral, an den sich der höchst stimmungsvolle Vortrag des Psalmes 16 durch die Schwachen' und Siechen Stärkung und Erquickung schöpften. Gleich einem solchen unversiegbaren Born habe sie den Lebensmatten und Beladenen, den Verlassenen und Enterbten in allen Ländern und Zonen, unter allen Nationen und Bekenntnissen mit weltumfassender Liebe mit ihren reichen Mitteln gespendet und geholfen und dieses ihr Lebenswerk durch ihre einzigartigen Stiftungen für alle Zukunft gesichert und fest begründet. Ein weihevolles Seelengebet, ein Solo des Cantors, ein Schlußchoral, Alles mit tiefer Empfindung vorgetragen, beschlossen die würdevolle Feier, die ein Zeichen pietätvoller Anerkennung der hiesigen israelitischen Gemeinde für diese große Philantropin bildete. Drandeis. Hier starb der k. u. k. Hauptmann-Rechuungsführer und Besitzer der Kriegsmedaille und der Jubiläums- Erinnerungs-Medaille, Herr Isidor S p i r a nach kurzem Leiden im 48. Lebensjahre. Der Verstorbene, der sich wegen seines leutseligen und liebenswürdigen Wesens der Sympathien der weitesten Kreise der Bevölkerung erfreute, war in Trebitsch in Mähren geboren und gehörte seit 28 Jahren dem Armeestande an. Bei seinem Leichenbegängnisse kam die Zuneigung, derer er sich im Leben erfreut hatte, in unverkennbarer Weise zum Ausdruck. An demselben betheiligten sich außer dem Officierscvrps des 7. Dragoner-Regiments und dem militärischen Ehrenconducte zwei Beteranenvereine mit ihren Musikcapellen, die Honoratioren von Brandeis, darunter der Bürgermeister mit sämmtlichen Mitgliedern des Stadtrathes und eine überaus große Anzahl von Tcauergästen. Auch zahlreiche Kränze und Blumenspenden waren am Sarg des Verblichenen niedergelegt worden, darunter vom General-Major Grafen Attems, von Friedrich Freiherrn v. Leiten berge r, vom Officierscvrps des 7. Dragoner- Regiments, vom Obersten Edlen v. F l e i s ch m a n n und von Familien des Rittmeisters Herrn Stolze, Freiherrn v. W eb er. Oberlieutenant v. Rößler u. v. A. Im Trauerhause hielt der Ortsrabbiner Herr Weiß dem Dahingeschiedenen einen ehrenvollen Nachruf, worauf sich der Leichenzug zum Altbunzlauer Bahnhofe bewegte. Nachdem der Herr Rabbiner hier die üblichen Todtengebete verrichtet hatte, wurde seitens des militärischen Conductes als letzter militärischer Gruß an den Todten die General-Decharge abgegeben. Die Leiche wurde nach Trebitsch zur Beisetzung überführt. Prag, 24. April. (Jüdische Volksversam ml u n g.) Heute fand im großen Saale der Productenbörse eine vom Wiener zionistischen Actionscomits einberufene jüdische Volksversammlung statt. Schon um 7 Uhr war der riesige Saal überfüllt m.d konnte kein Einlaß mehr gewährt werden. Um 8 Uhr betrat der Einberufer der Versammlung, Herr Dr. U rb a ch, die Tribüne, begrüßte die Anwesenden und ertheilte Herrn Dr. L. Kahn aus Wien das Wort zu seinem Vortrage: „Der Zionismus als Endglied der jüdischen Weltwanderung". Doch sofort begann ein ungeheuerlicher Tumult, da die czechischen Juden Rufe ausstießen : Cesky! Cesky! Dann rief der Socialist G eh 0 r s a m in den Trubel beruhigende Worte, endlich ward es ruhiger und er konnte beantragen, daß sofort nach dem ersten Referate die Discussion beginnen möge. Nachdem Herr Dr. N e u m a r k, Rabbiner aus Rakonitz, zum Vorsitzenden gewählt wurde, gelang es ihm endlich, die aufgeregte Versammlung zu beruhigen. Auch in czechischer Sprache ertönten nun beruhigende Worte und es begann Herr Dr. Kahn seinen Vortrag. Er erläuterte das Wesen des religiösen und politischen Zionismus. Der politische Zionismus entstand, als die verfolgten russischen Juden die ersten Colonien in Palästina gründeten. Als sich die kleinen türkischen Vasallenstaaten selbstständig machten,, erwachte auch in den bedrängten Juden der Gedanke nach Freiheit. Nach Erörterung des Baseler zionistischen Programmes, daß allen Juden, die sich anderswo nicht assimiliren können, in Palästina eine gesicherte Stätte schaffen will, schilderte der Vortragende das beispiellose Elend der galizischen Juden und führte die trostlose Lage der Bergwerksarbeiter in Boryslaw an. Nur der Zionismus könnte da Helsen (Stürmische Unterbrechung seitens der Socialisten). Hierauf sprach der Vortragende gegen die Assimilationsbestrebungen und für die Colonisation in Palästina und Syrien. Stürmischer Beifall folgte diesen Aus-

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