Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 17 (28.4.1899)
- Date
- 1899-04-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 17 Dr. Bwch^s Wochenschrift. Seite 331 Der Lociäte Philantropique in Paris (reconnue d’utilite publique) legire ich ebenfalls ein unantastbares Capital von einer Million Francs, dessen Erträgniß zur Hälfte dem Asile Maternei, zur anderen Hälfte der Societe des Habitatines ßconomiques zufallen soll. Ich legire: Dem Magistrate derStadtWien zu wohlthätigen Zwecken 200.000 Francs, der israelitischen fortschrittlichen Cultusgemeinde der Stadt Wien 100.000 Francs, der israelitischen Cultusgemeinde der Stadt Brünn 150.000 Francs, der fortschrittlichen israelitischen Cultusgemeinde der Stadt Budapest 100.000 Francs. Den israelitischen fortschrittlichen Cultusgemeinden in Paris 200.000 Francs, in Brüssel 100.000 Francs, in Frankfurt a. M. 50.000 Francs, in Mainz 50.000 Francs, in München 100.000 Francs, der Fondation Bischoffsheim in Paris 100.000 Francs. Jedem der zwanzig Bureaux der Eienlaisar.ee der Stadt Paris legire ich 25.000 Francs (zusammen 500.000 Francs.) Der Jewish Colonisation Association, bereit Sitz in London ist, legire ich ein Capital von 10 Millionen Francs, dessen Erträgniß alljährlich der Allianeelsiraelite Universelle in Paris ansgezahlt werden soll zur Erhaltung und Gründung ihrer Schulen und anderer wohlthätiger Institute. Sollte in der Zukunft die Ailianee Israelite Universelle tit Paris aufhören zu bestehen, so soll die Jewish Colonisation Association diese Revenuen zu ähnlichen Zwecken verwenden, besonders solchen, denen sie infolge Vorschrift meines verstorbenen Gemals ans dem durch ihn ihr zugewiesenen Vermögen nicht beistehen könnte. Sollten die der Ecole Normale Israelite Orientale iu Paris durch mein Codicill vom 30. September 1896 legirten Summen aus irgend einem Grunde dieser nicht zugeführt werden können, so sollen diese beiden Legate ebenfalls der Jewish Colonisation Association zufallen und von ihr so verwaltet und denselben Zlvecken zugeführt werden, wie ich es für die Ecole Normale Israelite Orientale vorgefchrieben hatte. Dasselbe gilt für das Legat für die Oeuvres de nourritures, dessen Erträgniß alljährlich der Alliance Universelle Israelite Paris zur Ausführung meiner Intentionen zu übergeben sein wird oder in Ermanglung der Alliance Israelite Universelle Paris durch die jewish Colonis-tion Association vollstreckt werden soll, wenn meine Erben keinen anderen sicheren Weg zur Sicherstellung des Capitals für die Oeuvres de nourritures gefunden Hätten. Ich legire der Von mir dotirten „Baronin Clara V. Hirsch - Kaiser - Jubiläums - Stiftung zur Unterstützung von Knaben und Mädchen in Oesterreich" in Wien ein dem eisernen Fonds derselben zuzuschlagendes Capital von 2 (zwei) Millionen Francs und der Baron Hirsch- Stiftung für den V o l k s s ch u l u n t e r r i ch t in Galizien rc., welche 30 Millionen Francs beträgt, für seine Zwecke ein Capital von 3 (drei) Millionen Francs. Der „Baronin Hirsch - K ais e r- I u b il üu ms- Wohlthätigkeits - Stiftung" legire ich die Summe von 1,500.000 Francs (einer Million fünfmalhunderttausend Francs) mit der Bestimmung, daß dieses Capital dem eisernen Fonds derselben einverleibt werde und daß das Erträgniß desselben zu einfachen, außerhalb des Rahmens der in § 2 b) -es Stiftbriefes vorgesehenen Unterstützungen, namentlich aber auch für Galizien, verbraucht werde, als Ersatz für die zu meinen Lebzeiten von Herrn Dr. Jacob Friedländer verwaltete Handcassa und die durch das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung vertheilten Spenden. Zur Colonisation Palästinas. Anknüpfend an den lichtvollen Vortrag des Dr. Hildesheimer aus Berlin, den wir in der vorigen Nummer auszugsweise brachten, darf hier nicht unerwähnt bleiben, daß die Produkte der jüdischen Cvlonien in Palästina sich bereits im Welthandel den allerbesten Ruf erworben haben. Zlinächst sind es die Weine und Cognac, die wegen ihrer unbedingten Echtheit und Vorzüglichkeit in sämmtlichen Staaten Europas gut eingeführt sind. Ueberall fanden sich hochherzige Männer zusammen und bildeten mit Hilfe des berühmten Philantropen in Paris (der gerne verschwiegen bleibt, den aber alle Welt kennt) Handelsgesellschaften, um in uneigennütziger Weise diese Maaren abzusetzen. Eine ähnliche Gesellschaft befindet sich bei uns im Centrum der Stadt, am Börseplatz, wo elf hochfeine Sorten Weine und Cognacs zum Verschleiß gebracht werden, Leider aber müssen wir eonstatiren, daß die Wiener Judenheit diesem Unternehmen lange nicht das verdiente Interesse entgegeubringt, wie es in Deutschland und Rußland der Fall ist. Dort fehlt der Karmel - Wein in keinem jüdischen Hause, gleichviel ob der Tisch koscher oder nichtkoscher geführt wird; jeder bessere Jude trinkt nicht nur selbst diesen edlen Rebensaft, er ist auch freiwilliger Agent der guten Sache und propagirt die Weine nach Möglichkeit, so zwar, daß der Karmelwein quasi zur Ehrensache des Judenthums geworden ist. Bei uns in Wien dagegen ist die große Masse indolent — man geht lieber in den Rathhauskeller — die oberen Zehntausend aber sind kühl bis ans Herz hinan. Und doch sind wir den jüdischen Colonisten in Palästina Dank dafür schuldig, daß sie die Lüge von der Arbeitsscheu der Juden so gründlich zerstörten, indem sie durch übermenschlichen Fleiß auf dem bis jetzt ganz verödeten Boden geradezu Wunder schufen. Wie weit die Weincultur dort gediehen ist, mag daraus hervorgehen, daß heuer nach Frankreich allein über viertausend Hektoliter verkauft wurden, während die ganze Production circa 40.000 Hektoliter betrug. Ganz gewiß nicht uninteressant ist es, daß die reifen Trauben eines palästinensischen Weinstockes 16 bis 18 Kilo wiegen, während z. B. in Oesterreich-Ungarn der Weinstock-Ertrag blos 3 bis 4 Kilo schwer ist. In der letzten Ernte hatte man in manchen Cvlonien Weinbeeren in der Größe von Aepfeln anfzuweisen. Dies macht auch die Erzählung der heiligen Schrift erklärlich, daß zwei Mann der Kundschafter eine Rebe tragen mußten. Wien. Die am 23. d. M. stattgesundene Generalversammlung des V e r e i n e s zurHeb u n g der Gewerbe i n W i e n hat neuerdings die Nothwendigkeit der Beschaffung eines geeigneten Versarmnlungslocales für jüdische Lereinszwecke erwiesen, denn mit den erschienenen 150 Besuchern war der Restanratioussaal Hernfeld derart überfüllt, daß später Erschienene keinen Raum mehr vorsanden und den Rückweg antreten mußten. In Bertretllng des B o r st a n d e s der israelitischen E u l t u s g e m e i n d e war Herr Ban- und Gemeinderath Wilhelm S t i a ß n y erschienen. Anwesend waren ferner die Herren Cnltusoorsteher und Architekt Max Fleischer, 'Architekt Modern, Präsident H. E l t b o g e n in Vertretung des Jüdischen Volksvereines, Jagnes Jäger in Vertretung der Oesterreichisch- Ungarischen Colonialgesellschaft, und Delegirte verschiedener Corporationen. Der Präsident Herr S. B r o d eröffnete die Versammlung mit einem ehrenden Nachrufe der edlen Philantropin Baronin Hirsch und hielt sodann einen Jahresbericht, der die außerordentlichen Leistungen des Gewerbevereines im letzten Jahrescyclus zum Ausdrucke brachte. Wiederholt wurde derselbe durch den allgemeinen und stürmischen Beifall der Versammlung unterbrochen. In diesem Berichte wird der Nachweis geliefert, wie sehr der Verein den jüdischen Gewerbestand geistig gehoben, wie viele Arbeiten durch die alljährlich erschienenen 3000 empfehlenden Verzeichnisse unter die Mitglieder gebracht wurden, wie viele jüdische Gesellen bei unseren Meistern durch die Vereinsleitnng placirt und welchen Meistern verzinsliche Darlehen von je 300—400 fl. verschafft wurden. Täglich von 5—7 Uhr herrscht im Vereinslocale ein reger Parteienverkehr. Mit großer Befriedigung wird auch dem Berichte entnommen, daß eine erhebliche Anzahl von Mitgliedern dem Gewerbevereine ihre Existenz zu verdanken haben. , Hierauf erstattete Vorstandsmitglied und Fabrikant Herr S. Steiner den Caffabericht, aus welchem zu ersehen war, daß der vorjährige Eassasaldo von 1962 fl. 49 kr. ans 3280 fl. 89 kr. angewachsen war, welches Resultat von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen wurde. Auf Anregung der Herren Edmund Hoffman n und Leop. Schwarz wurde Herr S. B r o d per A c c l a m a t i o n neuerdings für die Dauer von 2 Jahren zum Präsidenten gewählt. Auch alle in Function gewesenen 14 V o r st a n d s m i tg l i e d e r wurden durch Stimmzettel wieder gewählt. Erhebend und würdig wirkten auf jeden der Anwesenden d i e g e w e r b l i ch e n D e m o n ft r a t i o n e n 4 jüdischer 'Meister, die ihre schönen, thatsächlich musterhaft ausgeführten Erzeugnisse vorstellten und zu denselben in freier und ungezwungener Form ihre Erklärungen abgaben. Schlossermeister Herr Ludwig L ö w y brachte sein von ihm angefertigtes T a m p f m a s ch i n e n m o d e l l in Thütigkeit, Bau- und Kunstglaser Jacob K o h n veranschaulichte die B l e i v e rg l a s u n g an Kirchen und anderen Fenstern mit großer (Geschicklichkeit, Spänglermcister und Installateur Alois Kol b e n zeigte sein neu erfundenes K u g e l v e n t i l, Uhrmacher Emannel L ö w tz seine elektrisch r e g u l i r b a r e n!l h r e n, wie solche bei der Wiener Stadtbahn eingeführt sind.