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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-28 · 17 (28.4.1899) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
17 (28.4.1899)
Date
1899-04-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Bloch's Wochrnsüzrift. Seite 32» Um das industriell zurückgebliebene Oesterreich neu zu beleben, wurde den Juden später gestattet, sich der Großindustrie zuzuwenden. Zu diesem Behufe waren sie aber bemüssigr, Fabriksbefugniffe zu erwerben, was mit der Verpflichtung verbunden war, viele Hunderte Menschen in eigenen Fabrikslocalen zu beschäftigen, wozu es großer Capitalien bedurfte, die aber zu damaliger Zeit bei Juden entweder gar nicht oder nur sehr vereinzelt anzutreffen waren. Die Schwierigkeiten, die hiebei zu überwinden waren, steigerten sich ins Unendliche. Es dauerte oft Jahre, bis die Concession zu einem Fabriksbetriebe zu erreichen war, denn für Juden wurden die „Erhebungen" doppelt, von Unten nach Oben und von Oben nach Unten, gepflogen. Die Arbeiter mußten erst geschult und erzogen, Fabriksmeister und fachmännische Fabriksdirectoren aus dem Auslande geholt werden. War das Fabriksunternehmen endlich im Gange, galt es wieder, Absatz für das Fabrikat zu schaffen. Der Bedarf für die Fabrikate war wohl vorhanden, allein der Jude durfte sich von der Scholle ohne behördliche Erlaubniß nicht entfernen, respective Aufenthalt in einem Gefchäftscentrum, zum Beispiel Brünn, Wien nehmen, wo es möglich gewesen wäre, Geschäftsverbindungen anzuknüpfen. Doch, diese Thatsachen sind ja bekannt, sie sollen nur gestreift werden, um die unendlichen Frictionen zu beleuchten, mit welchen der Jude auf Schritt und Tritt zu kämpfen hatte. Aber alle diese thurmhohen Schwierigkeiten, welche für gewöhnliche Menschenkinder abschreckend und lähmend wirken, wurden mit auffallend bewundernswerther Energie überwunden, und es währte nur eine relativ kurze Spanne Zeit und schon hatten sich Juden in der österreichischen Industrie eine angesehene Position zu verschaffen gewußt, was umso höher zu veranschlagen ist, als dies zu einer Zeit vollbracht wurde, da sie noch immer unter dem größten Hochdrucke confessioneller Intoleranz seitens der maßgebenden Kactoren nicht minder als unter den > Anfeindungen der Bevölkerung schwer zu leiden hatten. /^Schon im Vormärz hatten Juden in der heimischen Industrie eine hochangesehene Stellung sich errungen: in der Schafwollwaaren-Jndustrie die A u s p i tz, G o m p e r z, Popper, S t r a k o s ch rc. in der Cottöndruckindustrie die Portheim, Przibram, Wien rc. deren Fabrikate sich weitverbreiteten Rufes im Jnlande und im Exporthandel erfreutem/ Unter der weisen Regierung Kaiser Franz Josef I. wurde endlich den Juden die Möglichkeit geboten, sich auch auf dem Gebiete industrieller Thätigkeit freier zu bewegen. Es gab wohl auch da noch viele Schwierigkeiten zu überwinden und Frictionen zu begegnen, man konnte ihrer schließlich aber dennoch Herr werden. Eduard Beer. Zur Lage der Juden in Rumänien. E i n K a m pj u m s Rech t. Wir haben in unserer letzten Nummer erwähnt, daß der Artillerie-Reservelieutenant Moriz L e i b o w i tz aus den Listen der rumänischen Armee gestrichen wurde, weil ihm das rumänische Bürgerrecht nicht zuerkannt worden ist. Wie wir nunmehr erfahren, beabsichtigt L e i b o w i tz sich im Proceßwege sein Recht zu erstreiten und gegen das Kriegsministerium Klage zu führen. Er beruft sich darauf, daß nach dem Militärgesetz kein Officier seiner Charge verlustig erklärt werden darf, außer infolge der Verurteilung nach dem Strafgesetze. Ob die Richter in Rumänien genug nationale Unabhängigkeit sich bewahrt haben werden, um die Gerechtigkeit dieser Forderung anzuerkennen, wissen wir nicht zu beurtheileu. Nur ist aus Erfahrung bekannt, daß sehr oft Diejenigen, die sich nach oben hin ihrer Unabhängigkeit rühmen und auf sie pochen, nach unten hin mitunter einen Servilismus zur Schau tragen und eine Unselbstständigkeit kundgeben. welche sie selbst für die Unterscheidung von Recht und Unrecht unfähig macht. Wir würden uns sehr freuen, von den rumänischen Richtern erzählen zu können, daß auf sie eine derartige Beobachtung keine Anwendung finden könne. Vielleicht wird ihnen auch das Rechtsgefühl sagen, daß Derjenige, der dem Lande, in dem er lebt, Kriegsdienste leistet und bereit ist, sein Leben für das Recht und die Freiheit des Landes einzusetzen, tatsächlich allen Bürgern dieses Landes gleichsteht, wie auch in allen civilisirten Staaten — selbst in Rußland — die Erfüllung der Militärpflicht als eine solche Leistung anerkannt wird, die Anspruch auf das Staatsbürgerrecht gibt. Und nun gar erst, wenn der Militärdienstpflichtige es bis zum Officier gebracht hat! In einem Staate, wie Rumänien, in welchem trotz der angeblichen Freiheit, die confessionelle und nationale Unduldsamkeit die empörendsten Orgien treibt, muß wohl ein Jude ganz besonders gut qualificirt sein, wenn er zum Reservelieutenant ernann: werden darf. Die rumänische Civilisation stellt sich sonach selbst das schlechteste Zeugniß aus, wenn sie einem solchen Soldaten die Anerkennung der erworbenen Rechte verweigert. Ob dorr Conservative oder Liberale am Ruder sind — in dieser Frage herrscht bei allen Parteien nur der Standpunkt des nationalen und confessionellen Chauvinismus und nicht der der Gerechtigkeit, und deshalb hat L e i b o w i tz sehr wenig Hoffnung, daß seine gerechte Forderung von den Richtern anerkannt werden wird. Die Erhebungen über die Affaire L e i b o w i tz zeigen übrigens, daß man nicht blos gegen den jungen Lieutenant um seiner Consession willen einen Schlag zu führen beabsichtigt hatte, sondern gleichzeitig einen heimtückischen Angriff gegen die ehemaligen „conservativen" Kriegsminister General Barozzi und General Jacques Lahovary, der nun wieder Kriegsminister geworden ist. im Schilde führte. Insoweit die Feindseligkeit auf die Minister abzielte, erfolgte prompt die Abwehr. Dabei kommt freilich anch Leibowitz nicht zu kurz, denn wenn die Minister correct gehandelt haben, indem sie zuließen, daß er sich zur Officiersprüsung stellte, und, nachdem er sie glänzend bestand, keinen Anlaß sahen, ihm die Ernennung zu verweigern, erscheint das Kriegsministerium, das ihm sein Patent entzieht, einer incorrecten Handlungsweise beinzichtigt und Leibowitz' Klage auf Anerkennung seines Rechtes als eine vollkommen begründete. Der Partherpfeil, den die Anhänger des abtretenden Cabinets gegen ihre Vorgänger und Nachfolger abgeschossen haben, fliegt gegen sie selbst zurück. Wenn Barozzi und Lahovary den Leibowitz zum Reserveofficier ernannt haben, so thaten sie es gewiß nicht aus Vorliebe für den Juden! Ob liberal, ob conservativ — Judenfeinde sind sie Alle! Aber trotz ihrer Judenfeindlichkeit sind sie sonst ehrliche Männer, die sich einer Jncorrectheit aber nicht schuldig machen wollen. Sie haben Leibowitz zur Prüfung zugelassen, weil er Sohn eines nationalisirten Juden ist, weil er in Paris das Licentiat der Rechte erworben hat, und weil andere Juden von gleicher Qualität vorher schon Vas Officierspatent erhalten haben, so Ludwig P o s n e r, N. Weiseng r ü n, die Brüder Daniel. Hugo Hahn und I. Berger, und so wie diese nicht aus den Listen der Reserveofficiere gestrichen wurden, darf es auch Leibowitz nicht widerfahren. Es trifft sich gut, daß General Jacques Lahovary eben wieder Kriegsminister geworden ist. Er wird sich selbst gewiß nicht dementiren können und vielmehr Diejenigen bloszustellen nicht verfehlen, die mit ihrem Judenhaß auch ihren Parteihaß zum Ausdruck bringen wollten. Oesterreichisrh-IsrcleliNl'che Union. (XIII. General-Versammlung vom 22. April 1899.) Jk Anwesenheit zahlreicher Mitglieder und Gäste, unter welchen man die Herren Landesschulrath Dr. Gustav Ko h n, die Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger, Docent Dr. Grünfeld, Director Simon und Bezirksschulrat Dr. Marcus Spitzer, aiserl. Rath Ruöiöka, Ortschulrath S. Heit, den Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe Herrn H. Brod, oen Präsidenten des „Jüdischen Volksvereines" Herrn Hermann Eltbogen, Bezirksausschuß Ludwig W a l d st e i n u. A. bemerkte, eröffnete der Vicepräsident des Vereines Herr Sigmund Mayer die Versammlung und brachte zunächst ein Begrüßungstelegramm des von Wien zum Zwecke der Erholung abwesenden Präsidenten des Vereines, des Herrn kaiserlichen Rathes Wilhelm A n n i n g e r, zur Verlesung. Hierauf verlas der Secretär Herr Josef Fuchs folgenden Rechenschaftsbericht. „Geehrte Versammlung! Anfang und Ende des Zeitabschnittes, den unser diesmaliger Rechenschaftsbericht umfaßt, wird durch zwei düstere Ereignisse markirt; es sind dies die Judenexcesse, deren Schauplatz im Frühsommer des Vorjahres mehrere Bezirke Westgaliziens waren, und es ist der Raubzug der Nachoder Arbeiter gegen jüdische Geschäftsleute, dessen Zeugen wir in den letzten Tage.c gewesen sind. Diese Vorgänge veranschaulichen Ihnen drastisch genug die Bedrängniß unserer Glaubensgenossen im ganzen Reiche und die Nothwendigkeit, gegen Rechtsbruch und Gewaltthat,

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