Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 17 (28.4.1899)
- Date
- 1899-04-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 17 Vr. Bloch's Wochenschrift. Seite 323 und zur Handhabung der Explosivstoffe verwendet. Jedenfalls könnte ein Versuch mit der Einführung galizischer Arbeiter gemacht werden, da verschiedene Gesellschaften, z. B. Barnato Brothers, jüdische Directoren haben, bei denen kein Vorurtheil gegen die Anstellung jüdischer Arbeiter zu befürchten ist. Dr. Salz, Dr. Herzl, Vernarb Lazare, Dr. Kahn, und Dr. S. R. Landau. Herr Dr. Salz in Tarnow wurde wegen seiner Verdienste um die Colonisation Palästinas im Vortrage des Herrn Dr. Hildesheimer besonders gefeiert. Doctor Salz steht an der Spitze des Vereines „Ahavas Zion", dessen herrlichen Rechenschaftsbericht wir jüngsthin in der „Oesterreichischen Wochenschrift" zur Kenntniß der Leser brachten. Herr Dr. Salz hat in Galizien allein mehr als 40.000 fl. für Colonisationszwecke gesammelt und die Colonie „Machnajim" gegründet, welche ihm in der modernen zionistischen Geschichte ein eigenes Blatt mit einem Goldrande sichert. Dieser Herr Dr. Salz hat sich, weil er nun einmal kein gläubiger Bekenner des Judenstaates ist, gegen Verleumdungen und Verfolgungen zu wehren, geradeso wie die „Österreichische Wochenschrift." An der Spitze der vorletzten Nummer des „Hamagid" ist nämlich folgender Brief an den Redacteur abgedruckt: GeehrterHerr Redacteur! In der jüngsten Nummer der „Welt" werden die Mitglieder einer kleinen Gruppe in Galizien geschmäht, „die lügenhafte Gerüchte über die Gründer der Colonialbank verbreiten"- Auf diese Weise hat die bereits erwähnte Zeitung einigemale den Verein „Ahavas Zion" herabgesetzt, indem die Anhänger des Blattes einander nachher zuflüstern: „Unter dieser Gruppe werden die Mitglieder des „Ahavas Zion" verstanden". Ich fordere daher den Redacteur des genannten Blattes vor aller Welt ans, die Leute der „kleinen Gruppe" zu nennen, die nach seiner Behanptnng Antizionisten sind, widrigenfalls ich zur Rettung der mir theuren Ehre der Beleidigten genöthig sein werde, alle die geheimen Verfolgungen, denen der Verein „Ahavas Zion" seit ungefähr zwei Jahren ausgesetzt ist, zu veröffentlichen. Mit Zionsgruß Santo w. Dr. A. Salz. Auch die Antwort Herzl's aus diese Erklärung verdient registrirt zu werden. Die Antwort lautet: „Wir nehmen hiemit diese Erklärung des Herrn Dr. Salz zur Kenntniß und fragen ihn, ob er von einem in Galizien colportirten Gerüchte, wonach die Gründer der Jüdischen Colonialbank 100.000 Gulden oder Mark oder irgend einen ailderen Betrag sich ansbedungen hätten, nichts gehört und es nicht weiter erzählt hat. Wir werden eine bestimnite Erklärung des Herrn Dr. Salz über diesen Gegenstand bereitwilligst registriren. Erwünscht wäre es übrigens auch, daß der „A h a v a s Z i o n" in Tarnolv bei nächster Gelegenheit ausdrücklich und in einer Mißverständnisse nicht zulassenden Weise mittheile, ob er auf den: Boden des Co ngreßprog r a m m e s st e h t oder nicht. Damit wird die Situation dann für alles Weitere genügend geklärt sein. Von einer Gegnerschaft unsererseits gegen den „Ahavas Zion" als einen zionistischen Verein kann ivohl nicht die Rede sein. Wir müssen nur wissen, ob dieser Verein auch wirklich noch in unserem Lager steht." So weit das Organ Herzl's! Am besten wäre, daß man ein zionistischesJnquisitionstribunal ein richte und von jedem Einzelnen ein eidliches Bekenntniß abverlange, wie er es im Innern seines Herzens mit dem „Judenstaat" halte. Das Schreiben, mit welchem Herr Bernard Lazare aus dem Wiener Actionscomite ausgeschieden, hat in deutscher Uebertragung folgenden Wortlaut: Paris, den 24. März 1899. Ich bitte Sie, meine Detnission als Mitglied des zionistischen Actionscomites entgegenzunehmen und freundlichst diesen nieinen Entschluß Ihren Collegen zur Kenntniß zu bringen. Es ist mir unmöglich, länger an dem Werke eines Comites theilzunehmen, dessen T e n d e nz e n, M a ß n a h m e n und Handln n g e n i ch n i ch t b i l l i g e n k a n n. Ich kann nicht das Mitglied einer Art autokratischen Regiments sein, welches als Princip eine unannehmbare Geheimthuerei le8oten8me) aufstellt, die nichts in meinen Augen zu rechtfertigen vermag. Das Actionscomite nimmt sich heraus (prötLnä), die jüdische Masse wie ein unwissendes Kind zu leiten, ohne nach ihren Bedürfnissen oder ihren Wünschen zu fragen, ohne sich über ihren ökonomischen, intcllectuellen und moralischen Zustand Rechenschaft zu geben. Es ist das eine Auffassung, die mit allen meinen politischen und socialen Anschauungen direct in Widerspruch steht und für welche ich daher die Verantwortung nicht auf mich nehmen kann. Morgen wird das Actionscomitä ohne Zweifel das furchtbarste Instrument zur Unterdrückung und Demoralisation besitzen: die Colonialb a n k. Ihre Regierung wird fernerhin ihre Vertretung in einem Geldschrank finden. Ich gehöre nicht zu dieser Regierung. Sie ist nicht diejenige, von welcher einst die Propheten oder jene bescheidenen Männer träumten, die die Psalmen verfaßt haben. Aber wenn ich mich von Ihnen trenne, so trenne ich mich nicht von dem jüdischer: Volke, von meinem Volke vorr Proletariern und Elenden, und an seiner Befreiung werde ich weiterhin arbeiten wenn auch ans Wegen, die nicht die Ihrigen sind. Genehmigen Sie rc. B e r n a r d L a z a r e. Daß Herr Lazare zugleich mit seinem Ausscheiden aus dem Actionscomite sich zum Eintritt in das Centralcomitö der palästinensischen Colo nisatio ns vereine bereit gefunden hat, verleiht seinem Vorgehen erhöhte Bedeutung. Ans London wird gemeldet: In der letzten Sitzung des Executiv-Comitäs der „Choveve Zion Association" wurde über Antrag des Obersten Goldshmid Bernard Lazare zum Delegirten beim Central-Comitö in Paris gewählt. Zum Hildesheimer Banket. Wir erhalten nachstehende Zuschrift: „Geehrter Herr Redacteur! In Ihrem Berichte über „das Hildesheimer Banket" sind meine Aeußerungen betreffend vielfach Unrichtigkeiten enthalten, welche ich hiemit unter Berufung auf § 19 des Preßgesetzes, wie folgt, richtigstelle. Es ist nicht wahr, daß ich sagte: „als Mitglied des Actions-Comites kann ich hier die Erklärung abgeben, daß wir es a b l e h n e n, den Judenstaat als unser nächstes Ziel zu betrachten und nur, weil der Verfasser des Judenstaates zufällig auch Leiter unserer Bewegung ist, die Meinung entstehen konnte, daß wir den Judenstaat erstreben, daß die Colonisation fortgesetzt werden müsse und auch ich für die Colonisation sei." Ich habe vielmehr au den von Ihnen ausgelassenen Hinweis eines Vorredners auf den Judenstaat anknüpsend gesagt, daß uns unsere Gegner aus dem Grunde, weil unser Leiter, der im Mittelpunkte der Propaganda und Agitation für den politischen Zionismus steht, zufällig früher „den Judenstaat" geschrieben, die Creirnng eines solchen als nächstes Ziel in die Schuhe schieben und fügte noch hinzu, daß sie uns so darstellen, als wollen wir einen Staat etwa so gründen, wie man aus einen: Stoffe ein Kleidungsstück herausschneidet. Ein Staat lnüsse aus einer Gemeinschaft organisch herauswachsen. Wir würden wohl gewiß einen Judenstaat nicht ablehnen, wenn er entstünde, und sei ein solcher, meiner Ansicht nach, auch das Ideal der alten „Choiwewe Zion" gewesen, allein unsere Bestrebungen sind durch das Baseler Programm genau unterschrieben, nämlich „die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte rc. . . dies könne jedoch nicht durch Infiltration und auf Umwegen, sondern -nur loyal und offen durch Erwirkung der Verbotsaufhebung erlangt werden. Ich sei auch für die Colonisation, jedoch für die auf erlaubtem Wege, nicht durch Einschleichen, da Niemand die Verantwortung dafür übernehmen könne, die Brüder einem ungewissen Schicksale preiszugeben. Die öffentlich rechtliche Heimstätte motivirte ich mit dem Hinweis auf das Los der Colonien des Nassi Josef von Naxos im Jahre 1566. Speciell wegen des Judenstaates wies ich gegenüber einem Redner, der von der Secession in der Kunst sprach, darauf hin, daß letztere eine neue noch nicht dagewesene Geschmacksrichtung darstelle, daß ein Judenstaat aber schon da war. Unter der Ueberschrift „Dr. Kahn über die Erfolge der Herzelei" ist es nicht wahr, daß ich nur die dort angegebene Makkabäerfeier mrd den jüdischen Advocaten, der am Samstag und Feiertagen seine Kanzlei schließt, als Erfolge des politischen Zionismus oder des Herrn Dr. Herzl hinstellte und habe ich ebenso