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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-21 · 16 (21.4.1899) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
16 (21.4.1899)
Date
1899-04-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 315 Fern war erschienen, um der verehrten Patriarchin das letzte Geleite zu geben. Herr Rabbiner Dr. Werner hielt in der Leichenhalle einen warmen Nachruf. Die Verklärte war Großmutter der Frau Rabbiner Dr. G e l b h a u s. Göding. Am 16. April fand behufs Wahl eines Rabbiners die Sitzung des verstärkten Ausschusses der israelitischen Cultus gemeinde statt. Gewählt wurde Herr Rabbiner Dr. Ludwig Lazarus, dessen Predigt hier allgemeinen Beifall gefunden und der sich auch persönlich zahlreiche Sympathien erworben hat. Herr Dr. L a z a r u s ist der Sohn des in weitesten Kreisen bekannten Herrn M. L a z a r u s in Wien und ein Schüler des Berliner R a b b i n e r s e m i n a r s von Dr. Israel Hildesheimer. Jungbunzlau. Herr Doctor Klotz, Rabbiner und Religionslehrer, hat auf der czechischen Universität in Prag die Prüfung aus der czechischen Sprache mit gutem Erfolg abgelegt. Perau. Unter zahlreicher Betheiligung seitens der hiesigen Bevölkerung und sämmtlicher Behörden fand das Leicheubegängniß des Dr. Markus Rokatnitz, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes und der Kriegsmedaille, langjährigem Bürgermeister, Cultusvorsteher der israelitischen Gemeinde und Stadtarzt, hier statt. Außer Herrn Dr. Panher hielt auch Herr Carl Löw einen besonders schönen ergreifenden Nachruf, und Herr Lehrer Robitschek sprach in so warm beredten Worten, daß sämmtliche Anwesenden tief ergriffen waren. Herr Dr. Markus Rokatnitz war 94 Jahre alt. Prera», 16. April. Am 13. April Abends fand in Anwesenheit des Cultusvorstandes, des Ausschusses, der Vertretung der politischen Gemeinde und der sehr zahlreich erschienenen Gemeiudemitglieder eine Trauerfeier im Gotteshause für die Philantropin Frau Baronin Clara Hirsch statt. Herr Cantor Ehre recitirte sehr stimmungsvoll den Psalm 49 und Rabbiner Dr. Tauber hielt eine gedankenreiche, tiefergreifende Gedenkrede.! Sarajewo. Auf der diesjährigen ordentlichen Generalversammlung der Sarajewoer österreichisch-ungarischen israelitischen Cultusgemeinde stand auch die Neuwahl des Vorstandes. Gewählt wurden zunr Präsidenten Dr. Moritz R o t h k o p f, zum Vicepräsidenten Dr. Josef Fischer, zu Ausschnßmitgliedern die Herren Birnbaum, Königsberger, Kä sie n bau m, Neuer, Brui_ck.ner, G^rw-und Serelman. Lemberg. So wie in jedem Jahre, so zeigte sich auch heuer das edle Herz des hier bekannten Philantcopen Herrn Dr. W. Holzer im schönsten Lichte, indem durch seine Initiative 70—80 arme Personen am Pessach-Feste während aller 8 Tage verköstigt wurden. Wenn unsere Mitbürger seinem Beispiele in jeder Hinsicht Nachkomme» würden, so wäre manchem Uebel abgeholfen und die Stagnation in vielen Zweigen der Wohlthätigkeit beseitigt. Herr Dr. Holzer ist ein Mann der That, kein Hinderniß schreckt ihn zurück, wenn es sich darunl handelt, etwas Edles, Humanes zu stiften, und Dank seiner Anregung bestehen hier viele Wohlthätigkeitsanstalten, so die koschere Küche im christlichen Spitale, die unentgeltliche Bespeisung armer Schulkinder, der Verein „Asyl für arme Durchreisende" und noch andere humane Institute. Jassy. Die Hiobspost vom Ableben der unvergeßlichen Baronin Hirsch hat unsere ganze Gemeinde tief erschüttert. Zu Ehren der edlen Wohlthäterin wurde ein Requiem abgehalten, an welchem Tausende theilnahmen. Die Spitzen der Gemeindevertreter, aller Comitös und Schulen, die Schuljugend, Alle nahmen theil an der ergreifenden Feier, bei welcher unser Rabbiner Dr. Niemirower in gewohnter Meisterschaft die Trauerrede hielt. Mit einem von Cantor Galt verrichteten Gebete schloß die Feier. Die verlorene Geldkatze. Gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts gab es noch keine Eisenbahnen; sogar die Postverbindungen waren unregelmäßig und die Wagen schlecht.. Wer zu jener Zeit rasch vorwärts kommen wollte, machte die Reise zu Pferde. So that auch Herr Samuel Levy aus Berlin, der die Frühjahrsmesse in Frankfurt a. d. O. besuchen wollte. Nach einem harten und jchweren Winter war plötzlich Thauwetter eingetreten, der Schnee war geschmolzen, Flüsse und Bäche waren angeschwollen und hatten vielfach Stege und Brücken hinweggespült. Herr Levy ritt wohlgemuth seines Weges. Er war seit einigen Jahren verheiratet, hatte eine Frau, die er unaussprechlich liebte, und ein Söhnchen und ein Töchterchen, welche die Freude seines Herzens waren. Das Geschäft, das er bei seiner Verheiratung von seiner Schwiegermutter — der Vater seiner Frau war seit vielen Jahren todt — übernommen, war unter seiner Leitung rasch emporgeblüht und bot ihm die beste Aussicht, ihn sehr bald zum reichen Manne zu machen. Es war ein prächtiger Frühlingstag. Die Sanne schien warm vom wolkenlosen Himmel herab und lockte aus dem Erdboden die Pflanzen hervor, so daß sich Feld und Flur mit frischem Grün bedeckten. Samuel Levy war sehr heiter gestimmt und berechnete schon im Geiste den großen Gewinn, den ihm die Frankfurter Messe bringen werde. Um seinen Leib hatte er eine sogenannte G'ldkatze geschnallt, in der sich 2000 Thaler in Gold befanden. Für diese in damaliger Zeit sehr bedeutende Summe konnte er in Frankfurt die vortheilhaftesten Einkäufe machen. „Denn", sagte er sich, „baares Geld lacht, und die Verkäufer erlassen ihre Maaren gegen baar weit wohlfeiler." Mit diesen Gedanken beschäftigt, war er an den Wolfsbach gekommen, der an dem Dorfe Schönau vorbeifließt. Sonst führte eine Brücke über den Bach; jetzt war sie vom Strom hinweggerissen worden. Einen Augenblick zögerte Samuel; dann aber entschloß er sich, hindurchzureiten. Allein, das Wasser riß ihn fort, und bald sah man weder Pferd noch Reiter mehr. Am Ufer stand ein Bauer. Dieser warf geschwind seine Kleider von sich, sprang ins Wasser und erhaschte glücklich den Ertrinkenden. Mit vieler Mühe brachte er ihn ans Land; das Pferd aber konnte er nicht retten. Der unglückliche Levy hatte so viel Wasser geschluckt, daß er leblos an das Ufer gebracht wurde. Der Bauer, Heinrich Dietze hieß er, brachte ihn in sein nahegelegenes Haus, legte ihn auf ein Gebund Stroh und gab sich alle Mühe, ihn wieder zum Leben zu erwecken. Es gelang ihm auch glücklich. Als Samuel wieder völlig hergestellt war, dankte er seinem Erretter auf das Herzlichste. Nun wollte er nach seinem Gelde greifen, um dem braven Bauern eine reiche Belohnung zu geben; aber das Geld war fort. „Habt Ihr vielleicht", fragte Samuel den Bauer, „mir die Geldkatze vom Leibe losgelöst?" „Ich habe keine Geldkatze gesehen", antwortete derselbe „Sie wird ins Wasser gefallen sein." „Das ist nicht gut möglich", entgegnete Samuel; „denn sie war fest um meinen Leib geschnallt." „Herr," sagte der Bauer, „Ihr werdet doch nicht glauben, daß ich Euer Geld genommen habe? Wenn ich Euch hätte bestehlen wollen, so würde ich mir doch nicht so viel Mühe gegeben haben, Euch ins Leben zurückzurufen!" „Das ist wohl wahr," entgegnete Samuel. „Die Sache ist mir ein Räthsel. Ich bin Euch zu Dank verpflichtet und will Euch nicht beschuldigen. Da ich kein Geld habe, so kann ich Euch auch nicht für die Rettung meines Lebens belohnen. Ich habe einen schweren Verlust erlitten. Gott wird mir helfen. Lebt wohl!" Die Beiden schieden nicht recht vergnügt von einander. Samuel war bekümmert, weil er einen großen Theil seines Vermögens eingebüßt hatte, und Heinrich grämte sich darüber, daß er unschuldig in Verdacht eines Diebstahls gekommen war. Ein Jahr war nach den erzählten Ereignissen vergangen, ein für Heinrich Dietze und die Seinen recht trübseliges Jahr. Die Frau war erkrankt. Nicht allein, daß Doctor und Apotheker bezahlt werden mußten; auch der Haushalt wurde dadurch vernachläßigt. Eine Magd mußte genommen werden, um die kranke Frau zu pflegen und die kleinen Kinder zu versorgen; dazu war noch eine Mißernte gekommen und Heinrich war in Schulden gerathen. Seine Gläubiger drangen auf Bezahlung, und da er sie nicht befriedigen konnte, so sollte sein Häuschen, sein Bieh und seine anderen Habseligkeiten zwangsweise verkauft werden. Der Bauer und seine kranke Frau waren der Verzweiflung nahe. Was sollte aus ihnen werden, wenn sie mit ihren Kindern obdachlos als Bettler in die Welt hinausgestoßen würden? Der Unglückstag brach an, und schon hatte die Versteigerung begonnen. Da sprengte ein Reiter herbei, sprang vom Pferde und übergab dasselbe einem miißig dastehenden Bauernknecht. Dann drängte er sich durch die kauflustigen Bauern und rief dem Auctionator zu: „Haltet ein, ich bezahle sämmtliche Schulden des Heinrich Dietze!"

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