Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 16 (21.4.1899)
- Date
- 1899-04-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 313 lichen Vereinsgesetzgebung auch für die arbeitenden blassen. Die „Hilfe" sollte sich zu feinem Gedächtniß anders stellen, als sie es gethan hat." Berlin. Die Rabbinerfrage wird jetzt mit löblichem Eifer behandelt. Die Repräsentanten, die als Liberale aus den jüngsten Wahlen hervorgegangen sind, betrachten es als eine Ehrensache, die Angelegenheit zu schnellem Abschluß zu bringen. Unter der Hand wird bei einigen von den Rabbinen, die schon einmal die Wahl abgelehnt haben, angefragt, ob sie erneutem Rufe folgen würden. Es ist bekannt und an dieser Stelle dar gelegt worden, wie die früheren Ablehnungen zu Stande gekommen, wie sie mit List und Jntrigue provocirt worden sind. Darum wird manche Ablehnung nicht als definitiv angesehen. Wenn aber die Personen, die hier in Betracht kommen, nicht entschlußkräftig genug sind, das Behagen ihrer gegenwärtigen Stellung um die Mühseligkeiten eines ungleich größeren Tätigkeitsgebietes aufzugeben, so wird man frisch und unverzagt zugreifen, in der zuversichtlichen Hoffnung, auch der jüngere Mann werde hier bald zu der Bedeutung der ihm gestellten Aufgabe herarwachsen. Oberlandesrabbiner Dr. Mannheimer aus Oldenburg ist in diesem Falle zur Zeit der aussichtsreichste Candidat für den conservativen Rabbinerposten. Was beit liberalen Predigerposten betrifft, so wird für diesen mehr und mehr der bereits vor acht Tagen an dieser Stelle erwähnte Rabbinatscandidat Warschauer in den Vordergrund geschoben. Kommenden Samstag wird er wieder eine Bewerbungspredigt halten, und man darf annehmen, daß seine rednerische Begabung abermals Beifall finden wird. Was ihm hinderlich ist, das ist nicht seine Jugendlichkeit — solcher Fehler verliert sich allmälig — auch nicht der Radicalismus seiner Anschauungen — das verliert sich mit den Jahren und bei der kommenden Reife —, sondern sein Bekenntniß zum politischen Zionismus von der extremsten Richtung. Freilich nimmt diesen Zionismus des Herrn Warschauer kein Mensch ernst, nicht einmal sein eigener Lehrer Dr. Mayb a u m, der wohl für gewiß annimmt, sein Lieblingsschüler werde verstehen, daß es nothwendig ist für einen Classiker, tempor - alimn rationem habere; aber in der Berliner Gemeinde ist man dem politischen Zionismus gründlich abgeneigt, man will von ihm und seinen Bekennern absolut nichts wissen. Ob man von Herrn Warschauer verlangen wird, daß er öffentlich den zionistisch-socialistischen Irrlehren abschwöre, ob man mit stillem Reuebekenntniß sich begnügen wird, steht ebenso dahin, wie die Geneigtheit des Herrn Warschauer, auf solche Zumuthung einzugehen! Vielleicht bereitet er seinem Lehrer eine erste Enttäuschung, indem er sich standhaft weigert, seine seitherigen Ideale zu verleugnen. Erweist er sich als schmiegsam genug, so ist für ihn der Titel als Hilfsprediger zurechtgelegt. Doch bei diesem Titel wird es nicht lange sein Bewenden behalten. Dafür sorgt dann schon — seine Schmiegsamkeit. Unter allen Umständen ist es ein recht eigenartiges Schauspiel, daß Herr Dr. M a y b a u m, der als „Protestrabbiner" von den Zionisten in Berlin, zu denen Herr Warschauer gehört, mit Schmutz beworfen worden ist, für ein Berliner Rabbinat eben diesen Herrn Warschauer präsentirt hat. Das ist eine Duldsamkeit, die nach einer Erklärung schreit. Bis jetzt gibt es nur Vermuthungen, die zu unbestimmt sind, als daß man sie erörtern könnte. Noch einige Wochen und man wird hierin deutlicher sehen, überhaupt zu einem Abschluß der Rabbinersrage gekommen sein, deren Seeschlangencharakter allgemach begonnen hat, auf allen Seiten lästig empfunden zu werden, am meisten allerdings auf der Seite, die am wenigsten daran Schuld trägt. Ginge es nach den Conservativen, die auch nach der Verringerung ihrer Zahl in der Repräsentanz nicht kraftvoller geworden sind, so würde man, um einen österreichischen Ausdruck zu gebrauchen, noch weiter „fortwursteln". Die Liberalen aber wollen das nicht. Sie sehen es als ihre Pflicht an, mit einem Act der Gerechtigkeit gegenüber den Conservativen zu beginnen, indem sie diesen einen konservativen Rabbiner geben. Die conservative Partei ist mittlerweile völlig desorganisirt. Ihr ist es zum Verderben geworden, daß sie sich von dem „Centralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde" patronisiren ließ, dessen Führer ihr ganzes Bischen Intelligenz verbrauchen, um hinter erheuchelten orthodoxen Redensarten ihr Bestreben zu verstecken, die Geschäfte der Gemeinde in ihre Hände zu bekommen. Jetzt liegt dieser Centralverein glücklicherweise in der Agonie. Erst nach seinem Eingehen wird die conservative Partei sich neu gestalten und erheben können. Der Verein zur Förderung der Bodencultur unter den Juden Deutschlands hat am 16. d. M. feine ordentliche Generalversammlung abgehalten. Von 14 Vorstandsmitgliedern waren 4, von etwa 300 Mitgliedern waren 3 erschienen. Das ist eine klägliche Betheiligung, kläglich namentlich im Hinblicke darauf, daß die Ziele des Vereines vortrefflich und erreichbar sind. Es fehlt die agitatorische und organisatorische Kraft. Die Männer an der Spitze sind verständig und guten Willens. Paris. Die Akademie der Wissenschaften in P a r i s hat L u i g i Luzatti, den ehemaligen italienischen Finanzminister, zum auswärtigen Mitglied ernannt. Die Ehre ist umso größer, als dieser Posten vor ibm von einer so bedeutenden Persönlichkeit wie Gladstone bekleidet wurde. Luzatti verdankt seine Berufung den großen Diensten, welche er Frankreich sowohl wie seinem Vaterland beim Abschluß des französisch-italienischen Handelsvertrages erwiesen hat. Die Aufnahme L u z z a t t i's fand am 15. d. M. Nachmittags statt. L u z z a t t i hielt eine Rede, in welcher er lobend seines Vorgängers Gladstone gedachte, und sagte, seine Wahl sei ein neuer Beweis der Freundschaft zwischen Italien und Frankreich. Redner rühmte die Politik des colonialen Friedens, wie sie Gladstone verfolgte; denn unter dem Deckmantel civilisatorischer Errungenschaften säe man in Asien und Afrika die Keime einer allgemeinen Revolte. L u z z a t t i fand für seine Ausführungen überaus lebhaften Beifall. Der Präsident und der Bicepräsident der Akademie dankten dem Redner, der ihnen als ein Freund Frankreichs und der Humanität bekannt sei. Tie Lage der Juden in Rumänien. Der Artillerie - Reservelieutenant Moriz L e i b o w i tz wurde aus den Listen der Reserveofficiere der rumänischen Armee gestrichen, „weil er das rumänische Bürgerrecht nicht besitzt". Sein Vater ist naturalisirter Rumäne, dem Lieutenant aber hat der rumänische Senat die Anerkennung des rumänischen Bürgerrechtes versagt. Moriz L e i b o w i tz war am 28. September 1888 zum Unterlieutenannt und am 31. Jänner 1897 zum Lieutenant ernannt worden. Die rumänischen Zeitungen veröffentlichen die beschämende Thatsache, daß ein Soldat in seinem Rechte gekränkt wurde, ohne daran einen Ausdruck des Bedauerns zu knüpfen. Wie»». (O e st erreichisch-Jsraelitis che Union. Samstag den 22. April 1899, halb 8 Uhr Abends, findet im Restaurant Khuner, I., Adlergasse 6, die XIII. Generalversammlung statt. Tages-Ordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Cassabericht. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Anträge und Interpellationen. Der Vorstand. Lvren. (Verein zur Hebung der Gewerbe. Sonntag den 23. April 1899, Abends halb 8 Uhr, findet in H e r n f e l d's Restauration, I., Marc-Aurel straße 6, eine Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Cassabericht. 3. Wahl des Vorstandes, mit zweijähriger Functionsdauer. 4. Wahl der Caffarevisoren, mit zweijähriger Functionsdauer. 5. Wahl des ständigen Schiedsgerichtes mit zweijähriger Functionsdauer. 5. Vorführung eines Dampfmaschinen - Modells mit Cylinder- und Schiebersteuerung im Betriebe, von unserem Mitgliede Herrn Ludwig L ö w y, Schlossermeister. 7. Demonstration unseres Mitgliedes, des Herrn Jacob K o h n, Bau-, Portal- und Kunstglaser, „über B l e i v e r g l a s u n g". 8. Demonstration unseres Mitgliedes, des Herrn Alois Kolben, Spängler und Installateur, „über ein Patent-Ventil", 9. Demonstration unseres Mitgliedes, des Herrn Emanuel L ö w y, Uhrmacher , „über eine elektrisch regulirbare Uhr", wie solche bei der Wiener Stadtbahn eingeführt sind. 10. Anträge und Interpellationen. — Damen und Gäste willkommen. Wie». (T r a u u n g.) Sonntag den 9. April d. I. fand im israelitischen Gemeivdetempel, XVI., Hubergaffe 8, die Trauung von Fräulein Paula K o h n, Tochter des Obmann-Stellvertreters des Tempelvorstandes im XVl. Bezirke, mit Herrn Bernard Sturz bei Anwesenheit eines distinguirten zahlreichen Publicums und Abordnungen der Vereine statt. Die Trauung vollzog Herr Dr. L. M. B a ch.