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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-21 · 16 (21.4.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
16 (21.4.1899)
Date
1899-04-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 312 Dr. Blach's Wochenschrift» Nr. 16 von Seiten einiger weniger orthodoxen Heißsporne auch vom Cultusministerium genehmigt herabgelangt. Wegen einiger, scheinbar berechtigten Gravamina empfiehlt der Minister der hohen Statthalterei, zwischen der Gemeindeverwaltung und den Beschwerdeführern friedlich zu vermitteln. L. # Königgrätz. (Danksagung.) Die hier stationirten israelitischen Soldaten ersuchen hiemit um die Aufnahme folgender Danksagung: „Die Soldaten mosaischer Confession der hiesigen Garnison sprechen hiemit öffentlich dem frommen und wohlthätigen Herrn Rabbiner, wie auch dem Herrn Cultusvorsteher und allen Menschenfreunden den besten Dank aus für die Versorgung mit ritueller Kost an alle jüdischen Soldaten über die Feiertage/ Dukla. Nach dem Eintreffen der Nachricht von dem Hinscheiden der hochherzigen Philantropin Frau Baronin Hirsch versammelte sich das Local-Comite der Baron Hirsch-Stiftung. Der Obmann, Herr M. H. Reich, hielt einen warmen Nachruf worauf beschlossen wurde, während des ganzen Trauerjahres im Schulhause (im Saale für den hebräischen Unterricht) täglich den Morgen- und Abendgottesdienst abzuhalten. — Sonntag, den 9. d. M. fand im Schullocale der vom Curatorium angeordnete Trauergottesdienst für die Schuljugend statt. Herr Schulleiter Bader nahm in polnischer Sprache das Wort, um dem Schmerz über den herben Verlust, den nicht nur die Schuljugend und Israel, sondern die ganze Menschheit erlitten, Ausdruck zu geben. Sriczatva. Aus Anlaß des Hinscheidens der berühmten Pdilantropin, der Frau Baronin Hirsch, wurde über Auftrag des Cultusvorstandes mit der Schuljugend der hierortigen israelitischen deutschen Volksschule Sonntag den 9. d. M. eine Trauerandacht abgehalten. Zu diesem Behufe begaben sich sämmtliche Schüler mit Trauerabzeichen versehen in den mit dem Bildnisse des seligen Baron Hirsch geschmückten und schwarz drapirten Lehrsaal der IV. Classe, wo sich auch die Schulcommiffio» und der Ortsrabbiner einfanden. Nachdem die Schüler einen Trauerchor gesungen hatten, hielt der Schulleiter Herr Bernhard F r ä n k e l die Gedenkrede, worauf .16 Waisenkinder das Kadischgebet sagten. Hierauf begab sich die Schuljugend unter Leitung des Lehrkörpers in die Hauptsynagoge, wo die gesammre . CultusvertretuNg und ein äußerst zahlreiches Publicum sich ein-' gefunden halte. Der Herr Rabbiner hielt der edlen Verblichenen einen warmen Nachruf, welcher alle Anwesenden tief bewegte, und verrichtete vor offener Bundeslade ein Gebet für das Seelenheil der Verewigten. Eibeuschitz. Am 7. April wurde im hiesigen Tempel eine Tranerandacht für die Baronin Hirsch abgehalten. Herr Rabbiner Dr. H a n d l hielt die Trauerrede, schilderte das segensreiche Wirken der unvergleichlichen Wohlthäterin, die im Sinne ihres verewigten Gatten, des unvergeßlichen Philantropen, ihren großen Reichthnm zum Wohle der Bedrängten und Hilflosen verwendete, der armen Schuljugend hochherzig Räumlichkeiten ihres Schloßes Rossitz bei Eibeuschitz als Ferienheim überließ und die hiesigen Armen alljährlich im Herbste mit namhaften Unterstützungen bedachte. Da finde das Wort des talmudischen Trauerredners (Moed koton 25) volle Anwendung: Beweinet nicht die Verstorbene, die zur ewigen Ruhe eingeht, sondern die verlassenen Zurückgebliebenen, welche den Hingang ihrer opferwilligen Helferin beklagen. Nach beendigter Rede, die auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck machte, zündete der Rabbiner das Seelenlicht an, das auf Anordnung des hiesigen Cultusvorstandes durch ganz Schloschim erhalten wird und verrichtete das Kaddischgebet. Herr Obercantor W. Löwensohn recitirte mit ergreifender Wirkung Psalm 91, stimmte dann das El mole rachmim an, und zum Schluffe der Trauerfeier wurde vom Tempelchor unter Leitung des Dirigenten H. Wilkowitsch das Schiwwisi zum wehmuthsvollen Vortrag gebracht. Budapest. Die Repräsentanz der Pester israelitischen Cultusgemeinde hielt Sonntag unter dem Vorsitze des Präsidenten Sigmund K o h n e r im Sitzungssaale der Gemeinde ihre Jahres- Generalversammlung. Präsident Kohner gedachte in seiner, einen Rückblick auf das verflossene Jahr werfenden Eröffnungsrede in pietätvollen Worten des Ablebens zweier Wohlthäter der ungarischen und speciell der Budapester Judenschaft: der Baronin Moriz Hirsch und Alexander W a h r m a n n's, worauf die Generalversammlung ihrer schmerzlichen Trauer protokollarisch Ausdruck verlieh. Laut dem Bericht der Borstehung sind die Ausgaben für das Jahr 1899 mit 500.996 fl. präliminirt; hievon entfallen auf Tempelzwecke 60.000 fl., auf Unterrichtszwecke 96.000 fl., für Spitalszwecke 112.000 fl., für die Armen- Unterstützung 50.000 fl., für andere wohlthätige Ausgaben 20.000 fl. und für das Rabbinat 50.000 fl. Bei den Einnahmen figuriren die directen Cultusbeiträge mit 168.000 fl. Die Zinsen der in der Verwaltung der Cultusgemeinde stehenden Stiftungen stellen sich auf 45.000 fl. Dr. S ch ä ch t e r stellt den Antrag, die Borstehung möge in irgend welcher Art die Repräsentanz in ihre Wirksamkeit einbeziehen, weil nur auf diese Weise die in der Repräsentanz vertretene große Intelligenz zur Geltung gelangen könne. Nachdem Paul T e n c e r diesen Antrag befürwortet hatte, erklärte Präsident Sigmund Kohner, daß derselbe nur bei Aenderung der Statuten durchführbar sei. Die Borstehung werde sich mit der Frage beschäftigen und der Generalversammlung einen concreten Vorschlag unterbreiten. Doctor Max Schächter zieht hierauf seinen Antrag zurück und schließt sich dem Vorschlag des Präsidenten an. Hierauf erfolgte die Annahme des Berichtes in seiner Gänze. Nach Annahme des Berichtes der Rechnungsrevisionscommission wurde der Borstehung das Absolutorium ertheilt. Der Antrag der Borstehung, betreffend die Errichtung einer KöniginElisabeth-Stiftung von 40.000 Kronen, deren jährliche Zinsen am Todestag weiland Ihrer Majestät unter die Armen vertheilt werden sollen, wird angenommen und mit der Verwaltung der Stiftung die Wohlthätigkeitssection betraut. Ebenso wurde der Antrag der Vorstehung, zum Baue eines ne^en Waisenhauses im Stadtwäldchen einen Grund zu kaufen, acceptirt. In den Ausschuß wurde an Stelle des verstorbenen Armin Brüll, Jacob v. F ü r st gewählt. Damit war die Generalversammlung zu Ende. Nürnberg. Das Cultusministerium hat eine principiell wichtige Entscheidung bezüglich des P r a k t i c i r e n s is raelitischer Lehrer an einer confessionellen protestantischen Volksschule erlassen. Die Kreisregierung hatte einem israelitischen Schuldienstexspectanten die Genehmigung ertheilt, an der protestantischen Volksschule einer bayrischen Gemeinde zu prakticiren. Hiegegen hatte das Pfarramt Beschwerde beim Cultusministerium erhoben. Das Ministerium hat die Beschwerde abgewiesen und hiebei bemerkt, daß zur Beschwerdeführung nicht das Pfarramt, sondern die Localinspection legitimirt sei. Abgesehen hievon sei auch irr materieller Beziehung die Beschwerde unbegründet. Die Allerhöchste Verordnung vom 6. August 1883 behandle nur die Anstellung von Lehrern, die Schulpraktikanten seien aber nicht als Lehrer aufgestellt, sondern seien selbst Lernende. Dem confessionellen Charakter der betreffenden Schule sei dadurch Rechnung getragen, daß der israelitische Schuldienstexspectant durch die ihn zum Prakticiren zulaffende Regierungsentschließung von jeder Thätigkeit bei Ertheilung des Unterrichtes in den Religionsfächern ausgeschlossen wurde. Da zudem der betreffende Schuldienstexspectant der Religionslehrer der israelitischen Kinder sei, die die protestantische Schule in der fraglichen Gemeinde besuchen, so sei es als ganz entsprechend zu betrachten, daß er an dieser Schule prakticire. Berlin. (Zum Gedachtniß Bamberger's.) Das Organ der Nationalsocialen „Die Hilfe" (9. April) veröffentlicht folgende Zuschrift des Prof. v. Schulze-Gävernitz: „Ich wollte, der in der letzten „Hilfe"-Nummer erschienene Artikel über Bamberger wäre ungeschrieben geblieben, besonders nach dem echtclassischen Werke Hclfferichs „Geschichte der deutschen Geldreform" (II. Bd., Leipzig, zusammen etwa 1000 Seiten), welches in reizvoller Form Jedem gestattet, über diese wichtige Seite der neueren deutsch-n Wirtschaftsgeschichte sich zu belehren. Bamberger's Name ist unlösbar verknüpft mit der Entstehung der deutschen Währung und der deutschen Reichsbank. Beides, Währung und Reichsbank, aber sind, neben der deutschen Armee und Flotte, die wichtigsten Machtmittel im Kampfe für Deutschlands Weltstellung. Bamberger's Bedeutung wird daher fortdauern, so lange Deutschlands wirthschastliche Expansion anhält, ähnlich wie die Schöpfer der englischen Goldwährung noch heute fortleben. Wollen Sie einen Bergleich: Bamberger ist meiner Schätzung nach gleichwerthig mit Roon. dem Organisator des preußischen Heeres. Weil er auf eine m Gebiete prima war, und zwar einem Gebiete erster Wichtigkeit, so wird sein Name vielleicht in der Erinnerung der Nachlebenden überhaupt gewiß in der Geschichte der deutschen Bolkswirthschaft länger haften, als die Namen der großen, von mir hochverehrten, entsagungsvollen Führer der großen liberalen Partei, die Namen eines Bennigsen und Lasker. Ich glaube, diese Thatsachen sind gerechter Weise umso mehr anzuerkennen, wenn man, wie Sie, in einzelnen Punkten Bamberger's volkswirthschaftliche, socialpolitische und nationalpolitische Anschauungen für überwunden hält und, wie auch ich, seinen hemmenden Einfluß auf die deutsche Eolonialpolitik bedauert. Uebrigens: Bamberger war ein warmer Patriot und stets Anhänger einer freiheit-

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