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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-21 · 16 (21.4.1899) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
16 (21.4.1899)
Date
1899-04-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Btvch's Wochenschrift- Seite 311 In angeregtester Stimmung verließen die Gäste das Haus; und frohgestimmt blickt auch das Mädchen-Comitö auf den schönen Erfolg seines Wohllhätigkeitsfestes. aber Stolz erfüllt den Vorstand des Vereines „Ferienheim", Stolz auf eine so wackere Hilfstruppe, die, von eben erfochtenem Siege angespornt, sich zu neuen Thaten rüstet. Prag. (Nächstenliebe-Verein.) Am 9. d. M. fand hier unter dem Vorsitze des Directors Herrn Dr. Ludwig Bendiener die 58. Generalversammlung dieses Vereines zur Unterstützung verschämter israelitischer Hausarmer statt. Der Jahresbericht, der verlesen wurde, gedenkt des Regierungsjubiläums, dann des furchtbaren Todes der Kaiserin und erwähnt ferner das Hinscheiden des Mitbegründers des Vereines, Herrn MUDr. Jacob Schütz, sowie der Vorstandsmitglieder Herren Eduard Schreyer und Philipp L i ch t e n st a d t, wie auch der Frau Henriette B e n d i e n e r. Die Spenden belaufen sich auf 17.258 fl. 80 kr. Das Vereinsvermögen beträgt 166.486 fl. 58 kr. und hat seit dem Vorjahre eine Erhöhung um 8495 fl. 39 kr. erfahren. Nach Verlesung der Berichte sprach Herr Schick dem Vorstande für dessen Mühewaltung den Dank der Mitglieder aus. Herr Dr. B e n d i e u e r beleuchtete hierauf das humane Wirken des Vereines, dankte seinen Vorstandscollegen, besonders den Herren Moritz Austerlitz, Alfred B o n d y, Leopold K u k 6, Gottlieb S ch m e l k e s und Dr. S ch n e i d e r, erwähnte der 42jährigen rastlosen Thätigkeit des Schriftstellers Herrn S. K o h n als Revisor und bedauerte das Scheiden des Herrn K n i n a aus dem Vorstande, der krankheitshalber auf sein Ehrenamt verzichtet habe. Hierauf wurde beschlossen, dem langjährigen, verdienten Custos Herrn S ch e p k e s die volle Pension zu bewilligen. In den Vorstand wurden gewählt aus drei Jahre : die Herren Alfred Bond y, Heinrich D e n h o f, Hermann Grab, kais. Rath Moriz H a h n, Emanuel P o d i eb r a d, JUDr. Sigmund Schneider; auf zwei Jahre Herr- Siegfried L i e b e r s, auf ein Jahr Herr Marcus Popper, zu Revisoren wurden ernannt die Herren Adolf Hahn, Salomo» K o h u und Heinrich Schulhof. Nachod. Der von der Statthalterei nach Nachod entsendete Bezirkshauptmann v. H e r g e t von Trautenau, dessen Mission es ist, in Streik-Angelegenheiten im Nachoder Jndustriebezirk zu interveniren, conserirte heute mit mehreren Fabrikanten aus der Umgebung von Nachod, darunter auch mit dem Industriellen Spiegel aus Hronov, in dessen Weberei 1000 Arbeiter seit ungefähr neun Tagen streiken. Die Conferenz galt hauptsächlich der Beilegung dieses Ausstandes. Herr Spiegel wies nach, daß die Durchschnitts-Wochenlöhne in seiner Fabrik zwischen 4 fl. 75 kr. und 5 fl. betragen. Herr Spiegel erklärte, daß er keineswegs geneigt sei, den Streikenden, die eine ZOpercentige Lohnerhöhung verlangen, nachzugeben. Die Nachoder Gemeindevertretung hat eine eigene Commission — die sogenannte Social-Commission — eingesetzt, welche sich selbst das Recht vindicirte, als Ueberwachungsausschuß über die Fabriken zu fungiren. Diese Social-Commission, die gerade zur kritischesten Zeit unthätig blieb, wurde jetzt ausgelöst. Ihr Obmann, der Stadtrath Dr. C i z e k. der ~ Führer des czechisch-nationalen Arbeitervereines „Barak", hat sich nun namens der Mitglieder der aufgelösten Social-Commission an die czechische Oeffentlichkeit mit der Bitte um Einleitung einer Subscription zu Gunsten des „hungernden, bedrückten czechischen Volkes an der preußischen Grenze" gewendet. Dr. C i z e k sagt in dem Aufrufe unter Anderem, daß „das czechische Volk unter Hungerlöhuen von 2 fl. wöchentlich zu leiden habe, und daß in diesem verarmten, ausgesogenen Kreise das Großcapital — die Germanisation — im Siegeszuge dahinschreite". Es ist aber constatirt, daß Wochenlöhne von zwei Gulden in Nachoder Fabriken nicht existiren und daß selbst die Minimallöhne bei jugendlichen Arbeitern das Doppelte betragen. Auch von den czechischen Fabriksherren werden nicht um eiuen Kreuzer höhere Löhne gezahlt werde», als von den deutschen. Die Arbeiter haben die jüdischen, von der Plünderung am meisten mitgenommenen Kaufleute boycotlirt und suchen auch auf die Arbeiter der Umgebung in diesem Sinne einzuwirken. Die czechischen Gewerbetreibenden bereiten jetzt eine Protestkundgebung gegen die jüdischen Geschäftsleute vor, welche die nöthigen Schritte eingeleitet haben, von der Stadtgemeinde einen materiellen Ersatz für den durch die Plünderung erlittenen Schaden zu erhalten. "Bürgermeister Dr. D w o k a k hat die Absicht kundgegeben, zu demissioniren; seine Demission wird auch angenommen werden. Die Untersuchung gegen die beim Kreisgerichte iuteruirten Excedenten führt Landesgerichtsrath R o t t e r. Brünn, 11. April. (B a r o n i n H i r s ch.) Gestern trat der Vorstand dieser Gemeinde zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, die der Trauer um die jüngst Heimgegangene Frau Baronin Hirsch gewidmet war. Der Vorsitzende kais. Rath H. E p l e r eröffuete die Sitzung mit folgender Ansprache: „Wir stehen unter dem Eindrücke ver tiefsten Trauer über den Hingang einer Frau, welche, wie keine andere der Jetztzeit, von allen Nationen und Confessionen als die edelste, wohlthätigste Menschrnfreundin gepriesen wird. Ein Klageruf entwand sich Tausenden bei der Nachricht vom Tode der Frau Baronin Clara Hirsch-Gereuth, und in der That ist der Hingang dieser edlen Frau ein tieferschütterndes Ereigniß. Wir Alle wissen es, in welch' hochherziger Weise diese Frau überall ohne Unterschied der Nationalität oder Confession mit vollen Händen spendete und hals, wie kein Nothleidender vergebens sich an sie wendete, wir Alle kennen die groß angelegten (Stiftungen für die leidende Menschheit und wissen, daß ihr ganzes Leben der Humanität und. dem Wohlthun gewidmet war. Scheu Sie sich dieses milde, engelsgleiche Antlitz an, welches wir im Bilde zu besitzen das Glück haben, und Sie werden begreifen, daß ihr Hingang nebst den Hunderttausenden, die sie unterstützt hat, besonders von Jenen, welche ihr im Leben näher standen, tief beklagt wird, und daß derselbe eine unausfüllbare Lücke in deren Herzen zurückgelassen hat. Auch unser Land und unsere Gemeinde hat Beweise der Großherzigkeit der Dahingeschiedenen, und wir werden ihr ein ewiges, ehrendes und dankbares Gedenken bewahren, ihr Andenken sei, so wie sie segenspendend war, ein gesegnetes für alle Zeiten". Der Vorstand, der diesen Nachruf stehend angehört, beschloß denselben dem Protokolle einzuverleiben, den Hinterbliebenen der Verewigten das Beileid der hiesigen Gemeinde in einer Adresse auszusprechen und ihren Namen bei jeder Seelenfeier im hiesigen Tempel für ewige Zeiten nennen zu lassen. Lemberg, im April. Das Unglück, welches durch die zwar judenreine, aber desto leichtsinnigere Wirtschaft über die galizische Sparkasse hereingebrochen ist, scheint reinigend gewirkt zu haben. Trotz der beweglichen Bitten der berüchtigten »Dzienik polski«, mit der langjährigen Tradition nicht zu brechen, hat die Generalversammlung einen Juden, Herrn Reichsrathsabgeordneten Dr. Henryk K o l i s ch e r, und der Landesausschuß einen zweiten Juden, Herrn Landesadvocaten Dr. Eduard Lilie n, in den Verwaltungsrath dieses Institutes gewählt. Die lang ventilirte Frage der Errichtung einer Gemeindebibliothek ist endlich Dank der energischen Förderung der durch Salomon B u b e r angeregten Gedanken seitens des Herrn Präsidenten der Cultusgemeinde, Dr. Emil B y k, zu einer glücklichen Losung gelangt. Auf Antrag des Vorstandes hat der Cultusrath beschlossen, eine Gemeindebibliothek zu gründen, für dieselbe Räume im Gebäude der israelitischen Knabenschule zu überweisen, die sachlichen Ausgaben, wie Heizung, Licht, Bedienung rc. zu übernehmen und ein Curatorium mit der Ausführung und Ueberwachung zu betrauen. In dieses Curatorium wurden außer den Gemeinderabbinern noch die Herren Salomon B u b e r, Samuel v. H o r o w i tz und David R a p a p o r t berufen. — Für die verklärte Frau Baronin Hirsch wurden hier in allen Gotteshäusern erhebende Trauergottesdienste abgehalten. Im überfüllten Tempel waren der jüdische Handwerkerverein und das jüdische Waisenhaus mit ihren in Trauerflor gehüllten Fahnen erschienen. — Einen großen, fast unersetzlichen Verlust hat nicht nur die hiesige Gemeinde, sondern auch das Judenthum im Lande durch den plötzlich, infolge eines Herzschlages eingetretenen Tod des ersten Rabbinatsassessors Uri Wolf Salat erlitten. Salat war einer der bedeutendsten und scharfsinnigsten Talmudisten der Gegenwart. Seine Belesenheit war stupend, aber auch in weltlichen Wissenschaften war er nicht unerfahren. Trotz seiner streng orthodoxen Richtung wußte er die Forderungen der Zeit zu würdigen. Vom Fanatismus hielt er sich fern, und seine eminente Klugheit vereitelte sehr oft extreme Anschläge der Zeloten. Dabei war er gerecht und in einer hier zu Lande seltene» Weise uneigennützig. Seinem Sarge folgten das ganze Rabbinat, die Mitglieder des Vorstandes, des Cultusrathes und eine^nach Tausenden zählende Volksmenge. Bor der vorstädtischeu Synagoge hielt Herr Rabbiner S ch m e l k e s einen passenden Nachruf. — Das neue Gemeindestatut, welches übrigens schon länger als ein Jahr gehandhabt wird, ist trotz eines Protestes

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