Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 16 (21.4.1899)
- Date
- 1899-04-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 310 Dr. Bloches Wochenschrift. Nr. 16 ein G u t m a ch e r, Kalische r, Dr. P i n s k e r und Oberrabbiner M o h i l e w e r waren, er hat mit jenen „Führern" und ihrem Treiben nichts zu thun. Er ist eine zarte Pflanze, die aus dem Boden des Ghettos hervorgesprossen ist, befruchtet vom Blute unserer Märtyrer und benetzt mit de» Thränen des hinsiecheuden Volkes. Jnimer weiter vertiefen sich ihre Wurzeln in dessen erstarkendem Bewußtsein, und daraus zieht sie die Kraft, ihre Aeste immer breiter zu entfalten. Hüten wir uns davor, den allmächtigen Entwicklungsgang zu stören und sorgen wir vielmehr mit allen Mitteln, daß er glatt und ungestört verlaufe. Die aber dennoch die reine junge Pflanze in die Treibhaus-Atmosphäre abenteuerlicher Unternehmungen zerren möchten, sie bemühen sich vergeblich. Die reinliche Scheidung hat begonnen. Der Morgen graut. Bald wird man ganz klar sehen können. Correspondenzen. Wien. (Das Testament der Baronin Hirsch.) Das Testament der Baronin Hirsch wurde bereits in Paris publicirt und dasselbe dürfte auch bald in Wien, wo die Berlassenschastsabhandlung durchgeführt wird, geschehen. Zusammen erscheint im Testamente ein Betrag von ungefähr vierzig Millionen Francs wohlthätigen Zwecken gewidmet. Bei der Vertheilung dieses Geldes war der Entschluß der Verstorbenen maßgebend, sowohl die von ihrem Gatten, als von ihr selbst geschaffenen großen Wohlthätigkeitsstiftungen durch Zuweisung von größeren Beträgen in ihrer Existenz zu sichern, ja sogar den Wirkungskreis derselben zu erweitern. Wir sehen dies besonders bei den Stiftungen in Amerika, England und Oesterreich. Außerdem erhielten auch große Vereine, deren Thätigkeit sich auf Angehörige aller Confeffionen erstreckt, namhafte Beträge. Außerhalb Oesterreich haben unter Anderem erhalten: Die Alliance Israelite Universelle für ihre Schule im Orient, zu deren Gunsten schon Baron Hirsch bei Lebzeiten eine Million Francs gespendet hat, zehn Millionen Francs. Das 6ornllä de Bienfaisance in Paris fünf Millionen Francs, und die Soci§t6 Philantropique in Paris eine Million Francs. Die Cultusgemeinden von Berlin, München, Brüssel, Paris, London erhalten Legate von 100.000 und 500.000 Francs. Auf Oesterreich selbst entfällt ein Betrag von ungefähr sieben Millionen Francs. Davon erhalten : Die Baron Hirsch'sche Schulstiftung für Galizien und Bukowina drei Millionen Francs, wodurch sich ihr Grundcapital auf fünfzehn Millionen Francs erhöht. Die „Baronin Hirsch-Wohlthätigkeitsstiftung" in Wien zwei Millionen Francs und wird nunmehr ihr Capital fünf Millionen Francs betragen. Allein, wie bekannt, hat diese Stiftung lediglich die Aufgabe, an hilfsbedürftige und in Wien ansäßige Handwerker und Kaufleute unverzinsliche Darlehen zu gewähren, die in Raten abzuzahlen sind. Das leitende Comite dieser Stiftung muß daher mit Rücksicht auf die Statuten oft sehr würdige Personen, die entweder nicht in Wien wohnen oder aber kein Gewerbe betreiben, abweisen. Ein solches Schicksal trifft zum Beispiel alle massenhaft aus Galizien einlangenden Gesuche. Vor mehreren Jahren bestanden auch in Krakau und Lemberg ähnliche Wohlthätigkeitsbureaux wie in Wien; dieselben wurden jedoch schon bei Lebzeiten des Barons infolge vielfacher Beschwerden über die Leitung derselben aufgelöst. Alle diese Umstände sind der Verstorbenen, die sich mit voller Hingebung dem Wohlthätigkeitswerke widmete, nicht unbekannt geblieben und sie hat ihnen auch testamentarisch Rechnung getragen. Es geschah dies in der Weise, daß sie der „Baronin Hirsch-Wohlthätigkeitsstiftung" in Wien außer jenen zwei Millionen noch anderthalb Millionen Francs behufs Gewährung von Unterstützungen speciell in Galizien hinterließ. Im Zusammenhang mag nicht unerwähnt bleiben, daß die Baronin noch einige Monate vor ihrem Tode zur Errichtung von Wirthschafts schulen für arme jüdische Mädchen in Galizien und zur Bekleidung der ihre Stiftungsschulen besuchenden Kinder eine Stiftung von drei Millionen Francs errichtete, worüber sich der Stiftungsbrief noch bei der Statthalterei in Lemberg befindet. Außer den genannten Legaten sind noch den Cultusgemeinden in Wien und Brünn je hunderttausend Francs, sowie den Armen Wiens zu Händen des Magistrates zweihunderttausend Fra n'c s vermacht worden. Wien. (Kinder-Bariete bei Ronacher) Helle Begeisterung, jubelndes Entzücken und lebhaftestes Interesse — das war die Stimmung des Publicums, das sich am 16. d. M. bei der vom Mädchen-ComitS „Ferienheim" veranstalteten Kinder-Matinäe so zahlreich eingefunden hatte. Dem Rufe des tüchtigen und bewährten Mädchen-Comitss, das seine Gäste stets nur zu originellen, künstlerischen Darbietungen in den Dienst der Wohlthätigkeit ladet, war auch dieses Mal ein überaus distingnirtes Publicum gefolgt,aus dem wir unter Anderem die Familien Baron Rothschild, Baron Königswarter, Ritter v. Morawitz, Grafen Khevenhüller, Horner, Schiff, kaiserlicher Rath Scheftel, Ritter v. Goldschmidt und von der Kunstwelt die Damen Schönchen und Ehrenstein herausgreifen. Auf allen Plätzchen drängten sich fröhliche, lachende Kinder, die den gelungenen Productionen ihrer talentirten Altersgenossen unermüdlich Beifall spendeten. Aber das Programm war auch durchwegs glänzend und bot in jeder einzelnen Nummer eine Ueberraschung, die das eifrige ComitS ersonnen, um seinen jungen Freunden und Gönnern bleibende Eindrücke zu geben. Nach der ausgezeichneten musikalischen Leistung des Miniatur-Bachrich-Quartetts, bei dem die jugendlichen Herren Weiß, Goldberg, Bock und Blumenseld mitwirkten, folgten »the sixe little sisters Barrison«, deren Einzug mit Puppen, Schultaschen und Wagerln stürmisch bejubelt wurde. Die graziösen kleinen Dämchen Mary Hirsch, Margit Knopf, Liserl Pollak, Hilda Rosenthal, Martha Singer und Julie Winternitz, sangen die von Herrn Hugo Knepler verfaßten und einstudirten Lieder ganz famos und standen keineswegs hinter ihren berühmten Vorbildern — was Chic und Sicherheit anbelangt — zurück, und daß sie diesen auch die Jugend und die herzige Naivetät voraushalten, ist gewiß. Die kleinen Brüder Wolfsegger entpuppten sich als Gesangsduettisten ersten Ranges, und der kleine, 12jährige Bonhardy, der als Fregoli in einer gleichfalls von Herrn Knepler verfaßten komischen Scene: „Der Blitzkellner", durch routinirles Spiel und urgelnngener, diverser Masken brillirte, ließ Alt und Jung nicht aus dem Lachen kommen. Und da die Heiterkeit bei dieser Vorstellung schon an der Tagesordnung stand, so waren dann noch ein musikalischer Clown und Tschernoff mit seinen dressirten Hunden eifrig beinüht, die gute Stimmung im Publicum festzuhalten, was ihnen auch herrlich gelang. Und nun folgte die eigentliche Glanznummer der Matinee: das von Kindern dargestellte Ballett „Der erste Ball", glänzend einstudirt von Tanzmeister Herrn Rumpel und unter der liebenswürdigen Regie des Herrn Ober-Jnspicienien der k. k. Hofoper, Herrn Fried. Immer größer und leuchtender wurden die Augen der zuschauenden Kinder, immer heißer die Wangen, und manch' rosigen Lippen entschlüpfte ein Ausruf des Entzückens, als es das farbenprächtige, bewegte Bild zu sehen bekam. Da gab es außer Polonaise und Walzer eine Secessions-Quadrille ohne Vis-a-vis, eine Pieretten-Polka von Frl. Rosa Fried brillant getanzt, ferner Groß-Mazur, ein chinesischer Tanz, eine Gavotte, ein öranck pas de deux, ein spanischer Nationaltanz und ein Pierrottanz, in denen unter Anderem die kleinen Fräuleins Hayduschka, Kendl, Behwasser, Bock, Friedmann, Selinko, Spitzer und ein herziges dreijähriges Dirndel, Fanny Kurzmann rc., ferner die kleinen Herren Strauß, Allen voran als jugendlicher Tanzmeister Rabensteiner, Mayer, Grünwald und der vierjährige Steirer Norbert Seif ganz besonders auffielen, endlich der große Schlußmarsch, der alle tanzenden Künstler und Künstlerinnen zu einem reizenden Bilde vereinigte und eine wahre Augenweide bot. Was nun folgte, das schien endlos — und das war der Beifallsjubel, der durch das ganze Haus brauste und an dem sich auch die kleinsten, weichsten Kinderpätschchen betheiligten.