Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 16 (21.4.1899)
- Date
- 1899-04-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 16 Vr. Bloch's Wochenschrift. Seite 309 einer Genossenschaftsbank wäre es gar nicht möglich, daß 100 Antheilscheine (Gründeractieu) soviel Stimmen haben sollen, wie alle übrigen ,1,999.900 Antheilscheine. Die „Führer" wollen sich aber auch die Macht sichern für den Fall, wenn sie schon ihren ganzen Phrasenschatz ausgegeben haben und ihre Hohlheit und Unfähigkeit durchschaut werden. Sie machen es daher so: In den Bankstatuten wird bestimmt, daß 100 Gründeractieu im Besitze des Aufsichtsrathes bleiben, der damit die Hälfte aller Stimmen erlangt. Dieser Aufsichtsrath wird vom Congreß gewählt. Wie aber, wenn der nächste oder zweitnächste Congreß andere Männer in den Aufsichtsrath wählen wollte. Das geht den Herren, die „mit Ernst und Entschlossenheit an die Verwirklichung des Volks gedankens gehen" gegen den Strich. Mit gewohnter „Entschlossenheit" machen sie daher eine „Wahlreform" und fälschen den Volkswillen, un: sich die Mandate zu sichern. Der Zweck heiligt die Mittel. Die Jesuiten sind gewiß auch „Volksmänner". Ein ähnliches Kunststückchen sehen wir bei der Frage der Gründungsspesen. Im Prospect heißt es: „Der einzige Contract, der existirt, ist abgeschlossen am 20. März 1899 zwischen (folgen 27 Namen der Gründer) einerseits und Dr. N. N., Hof- und Gerichtsadvocaten in Wien, namens der Gesellschaft anderseits, betreffs der Art und Weise der Rückzahlung der Gründung ss p e s e n, welche von den Genannten bezahlt oder versprochen worden sind und ihnen ans dem Gewinn und anders, wie im Contracte stipulirt wird, rückbexahlt werden sollen." Das ist doch deutlich. Die Gründer haben ihren Vertrag mit der Gesellschaft und sie werden ihre Gründnngsspesen, da sie doch selbst in den verschiedenen Aemtern der „Bank" sich befinden, zurückerhalten. Wie kommt es aber, daß die „Welt", das Leiborgan der Bankgründer, diese Rückerstattungspflicht mit dem ihm eigenen Ton der verfolgten Unschuld leugnet. So lesen wir in der „Welt" vom 31. März (Leitartikel mit H. gezeichnet): „Alle, wie sie dastehen, Mann für Mann, haben sich eine Ehre und ein Vergnügen daraus gemacht, zu den bedeutenden Grüudnngskosten das Ihrige n fonds perdu beiznsteuern." Aehnliches finden wir in der „Welt" vom 7. April (S. 5): „Vielmehr haben, wie schon in unserer vorigen Nummer ausgesührt wurde, die Unterzeichner des Prospectes die gesummten sehr bedeutenden Grüudungskosten ans ihren eigenen Mitteln a fonds perdu beiznsteuern." Was ist also wahr: daß sich die Gründer die Rückzahlung der Gründungsspesen vertragsmäßig ansbedungeu oder aber, daß sie darauf verzichtet haben? Da wir denn doch an den uns mit Datum angegebenen Vertrag glauben müssen, so ergibt sich, daß die entgegengesetzte Behauptung eben nichts anderes als Prahlerei und Reclamemacherei ist — ein kleines Bindeglied in der großen Kette von Zweideutigkeiten und Unwahrheiten Betrachten wir aber auch die Art der Agitation für die Subscription. In dem Blatte für die „drei gekrönten Häupter" und die christlichen Zionisten heißt es in einem Leitartikel vom 31. Mürz 1899 (unterzeichnet mit H.): „Die Bank aber wird der türkischen Regierung finanzielle Dienste leisten, insoweit und insolange hiefür ein Gegenwerth in der Form von ausreichenden Rechtszugeständnissen für die Ansiedler erfolgt . . . . Wir sehen es folglich nicht als u n s e r e A u f g a b e an, d i e L e u t e h i n ü b e r z u s ch a f f e u." Das zeigt recht klar, daß die Bank sich nicht zur Aufgabe mache, Palästina zu colonisiren und dem in Elend verkommenden Massenproletariat eine bessere wirtschaftliche Existenz dort zu verschaffen. Das wird edelmüthig den Colonisationsvereinen und der „Jewish Colonisation Association" überlassen, die wirklich noch mehr für Palästina thun, als sie überhaupt in die Oeffentlichkeit zu bringen gestatten. Die Bank vielmehr will für die Leute, die schon in Palästina sind oder die selbst die Mittel besitzen, sich dort anzusiedeln, „bessere Bedingungen Herstellen." Das Geld dazu sollen aber hergeben die armen Volksmassen von Whitechapel, Bowery und von den dumpfen Ghettos in Galizien, Rumänien und Rußland. Klärt man etwa auch sie, die keine deutschen Blätter lesen können, in gleicher Weise über die Ziele der „Bank" auf? Nun, das würden sich wohl die „Bankgründer" gut überlegen. Sie wissen sehr gut. daß der arme Mann seine letzten Groschen, die er mit zitternder Händen zuzählt, wieder einstecken würde, wenn man ihm nüttheilt, daß für sein Geld „diplomatische Coucessionen" von der Türkei erworben werden sollen, seine Beförderung und Ansiedelung in Palästina jedoch von der „Bank" keineswegs in Angriff genommen werden. Wie helfen sich nun die „Gründer"? In gewohnter Weise. Sie suchen dem Volke in den von ihm gelesenen Jargon - Blättern einzureden, daß die „Bank" zu ihrem Hauptziele die Colonisation Palästinas habe. So finden wir in dem Leitartikel des jüngst für die breiten jüdischen Schichten in Rußland gegründeten Jargonblattes „Der Jid" (Nummer 5, März 1899) folgende Ausführungen eines Mitgliedes des Actionscomites: „Die Colouialbank ist eine solche Bank, die sich mit jüdischer Colonisation in Palästina beschäftigt, das heißt, die den Zweck hat, die Gründung von neuen Co loni en in Palästina zu erleichtern und den Cvlonien, die schon vorhanden sind, Credit zu geben ..." Nur aus Raumrücksichten muß ich es mir versagen, die Zahl von Beweisen für die von mir gegen das „Actionscomite" und die Bankgründer erhobenen Beschuldigungen noch zu vermehren. Daß die genannten Herren dabei Geldvortheile im Auge haben, will ich nicht im Entferntesten behaupten, und es ist dies — ich lese allwöchentlich die gesummte jüdische Presse — meines Wissens von Niemanden: bisher behauptet morden. Sonderbarerweise klammert sich der Wortführer dieser Gruppe an einen solchen Vorwurf, den er sich selbst aus den Fingern saugt, und vertheilt dann mit echter Don Quixote'scher Vehemenz die wüthendsten Hiebe — tu die Luft. Aber gegen jene Beschuldigungen, die wirklich erhoben werden, wird nicht der geringste Versuch einer Widerlegung gemacht. Ist es denn schon wirklich das Verdienst eines Volksführers, wenn er an seiner Partei und deren Unternehmungen kein Geschäft machen will? Ich meine, das sei seine erste Pflicht. Aber ebenso ist ein „Volksführer" verpflichtet, durch Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit allen Parteigenossen zum Muster zu dienen. Denn neben der Ehrlichkeit in der Geldgebahrung gibt es noch eine politische Ehrlichkeit. Es gibt auch politisch unehrliche „Volksführer". Nicht Geldgeiz ist ihre Triebfeder, denn sie pflegen sich zuweilen schon früher, ehe sie sich dem Volke nähern, durch reiche Heiraten oder gute Stellen zu versorgen, ihr Motiv ist krankhafter Ehrgeiz und Größenwahn, der Talent, Verdienst und selbstloses Wirken nur dann anerkennt, wenn sie sich ihm unterordnen, der Niemanden neben sich duldet, sondern Alles und Alle zu seinem Werkzeuge machen möchte. Die wahren Heroen der Geschichte streuen ihre Ideen wie Samen aus und pflegen den Boden im Schweiße ihres Angesichtes ihr Leben lang, glücklich, wenn ihre illachkommen einst die Ernte einheimsen werden. Denn sie arbeiten für die Gesellschaft. Aber die gewisse Sorte von „Volksführern" will sofort alle ihre Thaten in die baare Münze von Ehrungen und Lobhymnen umsetzen, und bleiben sie im gewünschten Umfange ans, io ächzen und stöhnen sie und drohen, sich zurückzuzieheu. Welch' heldenmüthige „Volksführer"! Der Zionismus eines Moses H e ß, der sich wegen seines Buches „Rom und Jerusalem" voll seiner reichen Familie verstoßen ließ, der Zionismus, dessen erste Pionniere