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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-21 · 16 (21.4.1899) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
16 (21.4.1899)
Date
1899-04-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 308 Dr. Bloches Wvchenschrrfk. Nr. 1V Kar eis Ausdruck, welch' letzterer auf das „gemeinsame Thun beider Richtungen" sein Glas erhob. Es war begreiflich, daß Herr Dr. Kahn nochmals das Wort ergriff, um seinen Standpunkt zu erklären. Er bestritt, daß es einen Unterschied gebe zwischen politischem und colonisatorischem Zionismus. Es gebe nur einen Zionismus. Der politische Zionismus sei aber nothwendig geworden durch das Einwanderungsverbot (!) Dieses Einwanderungsverbot müsse behoben werden durch ein offenes Vorgehen. Dr. Kahn gegen den Judenstaat. „Als Mitglied des Actions comites — sagte Redner — kann ich Ihnen hier die Erklärung abgeben, daß wir es ablehnen, den Juden st aat als unser nächstes Ziel zu betrachten. Nur weil der Verfasser des „Judenstaates" zufällig auch Leiter unserer Bewegung ist, konnte die Meinung entstehen, daß wir den Judenstaat erstreben. Die Colonisation muß fortgesetzt werden. Auch ich bin für die Colonisation." Dr. Kahn über die Erfolge der Herzelei. „Was haben wir bisher bewirkt? fragt man uns." Und Redner weist darauf hin, daß im letzten Jahre zwei große Makkabäer-Feier der Studentenschaft nach altem Ghettobrauche stattgefunden, sowie daß in einer galizischen Stadt ein jüdischer Advocat, der polnisch erzogen wurde, jetzt am Samstag und an jüdischen Feiertagen seine Kanzlei schließe und daß er ins Bethaus gehe. „Das ist das Resultat unserer Bewegung, das haben wir gethan!" (Rufe der Enttäuschung.) Dr. Kahn gegen Dr. Nordau. „Ich weiß — setzte Redner fort — was Herrn Doctor Hildesheimer seit letzter Zeit bewogen hat, auch publicistisch gegen uns aufzutreten. Es ist dies die Rede Dr. N o r d a u's, die scharfe Angriffe gegen alle Rabbinen enthielt. Es war ein Unrecht und ein Fehler Nordau's, so zu handeln, und wir erklären dies heute offen. Und ich bedauere, daß ein solcher Mann, wie Dr. Hildesheimer, dadurch sich bewegen lassen konnte, gegen uns aufzutreten. Es war ein Unrecht und ein Fehler des in seiner Diction Alles zersetzenden Dr. Nordau, seinen Angriffen gegen die Rabbinen eine solche allgemeine Fassung zu geben. Er hätte Recht mit seinen Angriffen, wenn er lediglich die Reformrabbinen sich als Ziel gewählt hätte, jene Rabbinen. welche Zion und Jerusalem aus unseren Gebeten gestrichen und die Juden zu christianisiren streben. Allein er hat auch die orthodoxen Rabbinen nicht geschont, und das war ein großer Fehler. Allein, soll darum, daß der Schadchen häßlich ist, die Partie nicht zu Stande kommen? Ich nehme mir trotzdem die Braut, wenn sie mir gefällt." Trotz der vorgerückten Stunde iah sich Herr Dr. Hildesheimer nochmals veranlaßt, das Wort zu ergreifen. „Die Rede N o r d a u's", sagte er, „war wohl der äußere Anlaß, aber nicht der alleinige Grund meines publicistischen Auftretens gegen die sogenannten politischen Zionisten. Allerdings war die Rede N o r d a u's dazu angethan, allgemeine Empörung und sittliche Entrüstung zu wecken. Diese Rede wäre auch in dem Falle auf das Schärfste zu verurtheilen, wenn ihre Angriffe sich gegen die orthodoxen Rabbinen nicht gerichtet hätten. Auch gegen Reformrabbiner dürfe Dr. Nordau eine solche Sprache nicht führen. Aber abgesehen von dieser Rede ist die gesammte judenstaatliche Agitation eine Schädigung des Colonisations-Gedankens und müsse jeden Freund Zions zum Gegner haben. Wenn Herr Dr. Kahn meint, daß auch ich an die einstige Wiederauferstehung eines jüdischen Palästinas mit Zuversicht glaube, so antworte ich ihm, daß dieser mein Glaube mit der politischen Agitation nichts zu thun hat. Die Vorsehung, welche für Israel in der Geschichte so viele Wunder vollbracht hat, könnte neben dem Wunder der Wiederaufrichtung eines jüdischen Palästina auch das noch größere Wunder einer dauernden Erhaltung dieses Staates vollbringen. Daran glaube ich. Mit diesem Glauben bat die derzeitige Agitation nichts gemein. Was durch diese Agitation erreicht wird, kann nichts gutes sein." (Allseitige lebhafte Zustimmung.) Mit diesen Erörterungen schloß gegen zwei Uhr Morgens das Banket, welches viel zur Klärung der Anschauungen beigetragen und welches Erklärungen mit sich brachte, auf die man noch des Oesteren zurückzukommen Gelegenheit haben dürfte. Wir sind dem „Politischen Volksvereine" dankbar für diese erste öffentliche Erörterung der divergirenden Meinungen, welche er herbeigeführt hat, und können hinzufügen, daß im Schoße dieses Vereines unter specieller Bezugnahme auf die galizischen Verhältnisse schon seit einiger Zeit Vorarbeiten colonisatorischer Natur im Zuge sind, deren Resultate alsbald zu Tage treten dürften. Wo bleibt der Zionismus? Von Dr. S, N. Landau Was ist vom Zionismus in der jetzigen zionistischen „Partei" — ich zähle zur „Partei" nur Diejenigen, die sich dem Commando des „Actionscomites" nach dessen Wünschen, also blindlings, fügen — noch geblieben? Nichts als der Name. An Stelle des zionistischen Programmes sind jetzt die — „Bank" und die neue Kampfmethode getreten. Wir sind soeben Zeugen der Bankagitation, die überall betrieben wird. Und da sehen wir, wie auch da mit allen Mitteln der Unaufrichtigkeit, Zweideutigkeit, der Vorspiegelungen und der Verschweigung gearbeitet wird. Ich will diese schweren Beschuldigungen auch in gewohnter Weise begründen. Am 19. März d. I. fand in Köln der Parteitag der zionistischen Landsmannschaft von Deutschland statt. Es haben sich zwar die Ortsgruppen Berlins, Breslaus und noch anderer fünf Städte an diesem Parteitage nicht betheiligt, aber selbst die in Köln versammelten „verläßlichen" .Delegirten konnten nicht umhin, gegen die „Wahlreform" Protest einzulegen. Was thut nun das „Centralorgan" der „Parteileitung", das über die Versammlung des kleinsten Krähwinkels einen spaltenlaugen Bericht mit sorgfältiger Aufzählung aller ausgebrachten Hochs zu veröffentlichen pflegt. Es hat den Kölner Parteitag einfach — todtgeschwiegen. Oder ein anderes Beispiel. Am 7. April 1899 veröffentlichte die „Welt" (S. 5.) folgende Zeilen: „Wieder führt eine kleine Gruppe in Galizien, der unsere galizischen Gesinnungsgenossen bisher das Handwerk zu legen versäumt haben, den Reigen an." Man fragt sich nun: Wer ist denn diese kleine Gruppe? Sind es etwa die Wucherer, die das Volk ausbeuten, die corrupten Kahalmacher, die das Volk demoralisiren und es bei den verschiedenen Wahlen an die Regierungscandidaten verschachern, gegen die ja mit Recht alle Zionisten, als ehrliche, volksfreundliche Juden, den Kampf bis auf's Messer aufnehmen müßten? Nein, diese sind nicht gemeint. Die Aufhetzung ist vielmehr gegen Jemand Anderen gerichtet. Sie gilt dem Palästina-Colonisationsvereine „Ahavas Zion" und seinen Anhängern. Da Dr. Salz in Palästina aus bescheidenen kleinen Mitteln.die Colonie „Machnajim" zu schaffen und hiefür jüngst in Paris die namhafte Unterstützung der „Jewish Colonisation Association" zu gewinnen wußte, da er durch stille, emsige Arbeit einen Erfolg errungen hat, ohne sich dem erstbesten herrschsüchtigen Menschen zu unterordneu, darum wird jetzt eine ganze Treibjagd gegen ihn und den Verein „Ahavas Zion" veranstaltet. Die wichtigste Aufgabe einer Volks Partei, und noch selten hat eine Parteileitung so oft mit ihrem volksthümlicheu Charakter renommirt, wie das „Actionscomita", muß es sein, das Volk zur Selbstverwaltung zu erziehen. Insbesondere dort, wo es sich nicht um politische Rechte, sondern erst recht um das aus den Mitteln der Volksglieder zusammengebrachte Volks vermö gen, wie es ja die „Bank" sein wird, handelt, ist diese Heranziehung des Volkes zur Verwaltung und Controle vom ethischen und politischen Gesichtspunkte nothwendig. Darum hat ja auch die brutal vergewaltigte Minorität in Basel die Gründung einer Genossenschaftsbank und nicht einer Actienbauk beantragt. Die Herren im Präsidium, echte „Volksmänner", haben jedoch diesen Antrag mit nichtssagenden Eluwäuden bekämpft. Jetzt'weiß man warum. Bei

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