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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-21 · 16 (21.4.1899) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
16 (21.4.1899)
Date
1899-04-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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srr. 16 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 607 zum Banket ins Restaurant Khuner. Hier war bereits eine stattliche Korona von Damen und Herren versammelt. Es erschienen Nicht-Zionisten und Zionisten verschiedener Schattirungen, Alle geleitet von dem Bestreben, dem Manne, der seit Decennien seine ganze Persönlichkeit in den Dienst des Judenthums und der Colonisation Palästinas gestellt hat, die schuldige Ehre zu zollen. Wir sahen bei der Tafel die Herren Hofrath K a r e i s, Landesschnlrath Dr. Gnstav Ko h n, den gewesenen Abgeordneten Dr. Bloch, Rabbiner Dr. Gelbhaus, Schriftsteller Dr. S. R. Landau, Advocaten Dr. Leopold Kahn als Vertreter des politisch-zionistischen Actionscomites, Ortsschulrath S. Heit, Consul Marek u. v. A. Das Banket nahm einen sehr lebhaften Verlauf. Ein Toast folgte auf den anderen. Aber sie enthielten nicht die gebräuchlichen Phrasen und die bei solcher Gelegenheit übliche wechselseitige Beräucherung, sondern sie gestalteten sich zu inhaltsvollen Kundgebungen, zu einer ersten öffentlichen Erörterung zwischen Anhängern des c o l o n i s a t o r i s ch e n und des politischen Zionismus. Der Ehrengast des Abends, Herr Dr. Hildesheimer, hat offen und rückhaltslos erklärt, was ihn von den Kreisen, die sich als Träger des politischen, von Dr. H e r z l geführten Zionismus bekennen, trenne, und was er von diesen Bestrebungen und ihren Erfolgen halte, und Dr. Kahn, der Repräsentant des „Actionscomites", hat in einerernsten und sachlichen Rede, trotz des Bemühens, seine Sache und ihre Führer zu vertheidigen, dennoch loyalerweise viele Vorwürfe Dr. Hildesheimer's zugegeben oder aber unbeantwortet gelaffen. Aus diesen Ausführungen sei hier zur Charakteristik Eines besonders hervorgehoben. Dr. Kahn wies in einer Replik mit emphatischer Betonung auf die Erfolge der politisch - zionistischen Bestrebungen hin und als solche machte er lediglich geltend: die Makkabäerfeier der jüdischen Studentenschaft, di; int letzten Jahre in großen, dichtgefüllten Sälen nach altem Ghettobrauche stattfanden, und die Kanzleisperre am Samstag bei einem zionistischen Advocaten in Galizien, der vor einigen Jahren noch Pole war. Sollte das wirklich Alles sein? Sollte Herr Dr. Kahn, als Mitglied des „Actionscomites", nichts von angeblichen „diplomatischen" Erfolgen wissen? Im Uebrigen datiren die Makkabäerfeier und die nationale Bekehrung der jüdischen Studentenschaft, zumal in Galizien, schon aus den Achtziger-Jahren, und damals haben sowohl Dr.Kahn als sein Führer noch tief im assimilatorischen Fahrwasser gesteckt. Herr Dr. Kahn ist selbst in der Literatur der jüdisch-nationalen Bewegung nicht recht heimisch. Es existirt ein gedruckter „Bericht über die im Hotel „zum weißen Roß" am 17. December 1884 vom akademischen Verein „Kadimah" veranstaltete Makkabäerfeier sammt Ansprachen vom Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch und Dr. Med. M. Schnierer", publicirt im Berlage des Vereines. Beide, Dr. Bloch und Dr. Schnierer, waren damals Vorstandsmitglieder des Vereines zur Colonisation Palästinas „Ahavas Zion". Das sollte man wissen. Die Reden des Herrn Dr. Kahn, er sprach nämlich zweimal, machten an mehreren Stellen den Eindruck einer captatio benevoJentiae, wie auch viele seiner engeren Parteigenossen bemüht waren, Dr. Hildesheimer auf Grund seines Bortrages für sich zu reclamiren. Allein Dr. Hildesheimer hat in seinen Banketreden den Herren einen recht deutlichen Refus gegeben. Den ersten Toast erhob Herr Dr. Fialla, als Präsident des „Politischen Bolksv.-eines", auf den Ehrengast des Abends. „In unserem Freunde — sagte Dr. Fialla — erblicken wir die Bereinigung der ausgezeichnetsten Eigenschaften, der Bildung, Gelehrsamkeit und Glaubenstreue. All' dies erhebt und vereinigt sich aber bei ihm zu dem glühenden Streben, die Gesammtheit seines Stammes mit seiner Liebe zu umfassen, um durch rastlose, zielbewußte, positive Arbeit und Thaten unser Volk aus seiner Tiefe und seinem Leiden erheben zu helfen. Freuen wir uns, danken wir ihm für die uns heute reichlich gespendete Anregung, und vor Allem, lernen wir von ihm. Ich erhebe mein Glas: „Herrn Dr. Hildesheimer Dank und Hoch!" Dieser Toast fand stürmischen Beifall. Herr Dr. Hild esheimer dankte in kurzen und schlichten Worten: „Was man als seines Lebens vollen Inhalt empfindet, das darf man an sich rühmen. Daß ich stets Alles, was ich bin und habe, in den Dienst unseres Stammes zu stellen mich bemühe, — Sie wissen, daß ich damit nur den Traditionen meines Hauses folge und des Mannes, der sich im Dienste des Judenthums aufgezehrt hat." Redner schloß mit einem lebhaft acclamirten Hoch auf den „Politischen Vvlksverein" und dessen Präsidenten Dr. Fialla. Der folgende Redner, Herr Dr. Kahn, knüpft an den Bortrag im „Hotel Continental" an und beklagt gleich dem Vortragenden die Unkenntniß der eigenen Geschichte und der Stammessprache unter der Jugend. Dem wolle der Zionismus entgegensteuern. Die Bewegung nach Zion von der einen oder von der anderen Seite knüpft an die Hoffnung auf die Regeneration unseres Volkes, das wieder einst an der Spitze der Cultur marschiren und den Namen verdienen wird, das aus erwählte Volk zu sein. Da auch der Vortragende ein Mitkämpfer ist und sich in den Dienst dieser Idee gestellt hat, wenn auch von einem anderen Gesichtspunkte ausgehend, so rufe er auf sein Wohl ein altjüdisches „Lechajim!" Darauf ergriff Herr Dr. I. S. B l o ch das Wort, um in längeren Ausführungen zu beklagen, wie ein Theil unserer Jagend trotz seiner nationalen Bestrebungen sich noch immer assimilatorisch geberde. Ein Theil unserer gerade national fühlenden Jugend verliere den echten Lebensernst und pflege mit Eifer jene Aeußerlichkeiten, die seltsamerweise gerade einer fremden studentischen Welt entnommen sind. Dadurch leiden das geistige Niveau und die Erfolge der Studien. Redner verweist auf jene Zeit, wo er zu den Füßen des Vaters jenes Mannes saß, der heute in unserer Mitte sich befinde. Dr. Bloch schloß mit dem Ausruf: „Hoch der alte, vielverdiente Eisenstädter Hildesheimer!" Dr. Hildesheimer gegen den politischen Zionismus. Infolge der Ausführungen des Herrn Dr. Kahn ergriff Herr Dr. Hildesheimer zum zweiten Male das Wort und sagte u. A.: „Ich habe mich bemüht, in meinem Bortrage vor der großen Oeffentlichkeit nicht in den Streit der Meinungen einzugreifen. Hier darf ich es wohl. Ich und viele meiner Freunde, die nicht seit einem Jahr oder seit zweien, sondern seit eineinhalb Decennien für die Interessen unserer unterdrückten Glaubensgenossen kämpfen, sagen, daß nicht Worte, nicht feingeschnitzte Sätze oder geschwollene Leitartikel, sondern Thaten entscheiden. Ich stimme darin mit unserem Freunde Dr. Bloch überein, daß sich eines Theiles unserer Jugend ein Kraftm e i e r t h u m bemächtigt hat, das geradezu unglaublich ist und das jede Duldung für die Meinung eines Anderen niederschreit. Was haben sie mit all' ihrer Agitation erreicht? W a s ist denn geschehen für all' das entsetzliche Elend, wenn wir uns blns betäuben an weiten P r o j e c t e n und das, was unmittelbar u m u n s i st, j ä m m e r l i ch z u G r u n d e g e h t? Das ist nichts anderes, als Assimilation, die da glaubt, daß die Projecte, die anderwärts gemacht werden, bei uns Nachahmung finden müssen. Freilich, die Leute, die s e l b st im sicheren Port sind, können g e m ü t h l i ch r a t h e n. Unsere Devise ill aber, selbst kämpfen und alle Versuche machen, u m d i e N o t h so schnell als möglich zu linder n." (Stürmischer Beifall.) D r. Hildesheimer für die Colonisation. „Das ist der Unterschied — setzte Dr. Hildesheimer seine Rede fort — zwischen uns Colonisatoren und den Anderen. Wir sind u n streu geblieben, treu den Ideen eines Elia G u t m a ch e r, Hirsch K a l i s ch e r, Dr. Pin sk e r und Rabbi Mohilewer, dessen ganzes Glaubensbekenntniß leider in dieser Stadt gar nicht bekannt wurde. Und dieses Interesse für die Colonisation möchte ich eben auch in dieser Stadt erwecken. Lassen Sie sich durch nichts abschrecken, gehen Sie nur muthig ans Werk. Auch unser Verein „Esra" in Deutschland hat klein angefangen, und heute betrage» seine Jahreseinnahmen 16—17.000 Mark." Nach weiteren Ausführungen schließt Redner: „Ich wollte und kann hier keine Programmrede halten und auch keine Kritik üben. Es war mir lediglich Bedürfniß, meinen Empfindungen Ausdruck zu geben. Ich schließe mit dem Ersuchen, mir den schönsten Lohn zu bieten, indem Sie, durch unsere Erfahrungen ermuthigt, an die Arbeit gehen." Einstimmiger stürmischer Beifall folgte diesen Worten, die bei allen Anwesenden ein tiefes Echo fanden. Dieser Stimmung gaben auch die folgenden Redner : Doctor Marcell H o f f m a n n, Fabrikant Max Schwarz und Hofrath

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