Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-14 · 15 (14.4.1899) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
15 (14.4.1899)
Date
1899-04-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021277-3021293--08762-3033157
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 16 Vr. Vloch'» Vochrnschrtfl Sette 895 Kenntnisse im Urtext der Heiligen Schrift und in der jüdischen Geschichte bekunden. Die Bewerber können sich ein Jahr lang auf die Prüfung, deren Gegenstände im Vorhinein bestimmt werden, vorbereiten und das Stipendium eventuell vier Jahre hindurch — bis sie die Mittelschule beendigen — beziehen. Die Zuerkennung der Stipendien soll stets am 1. Mai, dem Geburtstage des Stifters, erfolgen. Raab. Der hiesige Raab- und Raab-Szigeter israelitische Frauenverein beabsichtigt, eine jüdische Volksküche zu creiren, und wir bringen dies zur Kenntniß Aller, welche sich für die Sache der Hilfsbedürftigen interessiren und bereit wären, dafür Propaganda zu machen. Der Verein hat auch im abgelaufenen Jahre Unterstützungen zahlreichen Hilfsbedürftigen zugewendet, 126 Knaben und Mädchen, darunter auch eine Anzahl armer christlicher Schulkinder, mit Winterkleidern versorgt und zur Verköstigung der hungrigen Schulkinder beigetragen. Besondere Erwähnung findet im Jahresberichte die Munificenz des Herrn Friedrich Reicher in Wien. Der Vereinsleitung gehören an: dem Vereins-Präsidium die Damen: Sigmund Herzl, Präsidentin; Moritz Wertheimer, Vice-Präsidentin; Carl Fischer, Cassierin; Dr. Michael Vogl, Controlorin; dem Vereins-Ausschuß die Damen: Emanuel Adler, Jakob Apfel, Salomon Baruch, Alex Deutsch, Carl Fleischmann, Heinrich Friedmann, Adolf Grünbaum, Gäbor Grünhut, Dr. Leopold Gutmann, Josef Kanitz, Markus Klein, S. B. Kohn, Benjamin Kuffler, Julius Lamberger, Isidor Neubauer, Joachim Neuvirth, Dr. Friedrich Rapoch, Ignatz Reichenfeld, Johann Reichenfeld, Dr. Sigm. Reichenfeld, Dr. Ignatz Rieß, Dr. Josef Schlesinger, Johann Schmidl, Carl Singer, Josef Stolczer, Moritz Szendröi, Hermann Weiß, Josef Weiß, Hermine Wolff. Als Bereinssecretär fungirte Herr Gustav Wilhelm Szogyi. Berlin. (Verein für jüdische Krankenpfleger i n n e n.) Unsere Bemühungen, jüdische Krankenpflegerinnen sowohl für die Privatpflege, als auch für die Verwendung in Spitälern heranzubilden, finden lebhaften Anklang. Die Zahl der von dem Vereine herangebildeten Schwestern ist in regelmäßigem Wachsthum begriffen und wenn dieselbe auch heute noch bei Weitem nicht genügt, neben den Ansprüchen, welche die Privatpflege stellt, auch der Armen- und Hospitalpflege ausreichende Kräfte zur Verfügung zu stellen, so dürfen wir doch die Hoffnung aussprechen, in allmäligem Fortschritt diesem Ziele uns immer mehr und mehr zu nähern. Tie Meldungen neuer Schülerinnen sind von 48 Personen im Jahre 1897 ans 80 Personen im vergangenen Jahre gestiegen, ein Umstand, welcher den erfreulichen Beweis für die fortschreitende, so nothwendige Erkenntniß liefert, daß der Berns der Krankenpflege auch von unseren jüdischen Mädchen und Frauen als" ein ehrenvoller angesehen und immer mebr nnd mehr gerade von Töchtern gebildeter und besser situirter Kreise gern erfaßt wird. Die strenge Prüfung der sich meldenden Personen in Bezug auf ihre gesundheitlichen, auf Bildung?- und Faniilien-Verhältnisse, welche wir in Rücksicht auf die Continuität des Dienstes aufrechterhalten müssen, bringt es mit sich, daß von 60 sich meldenden Personen nur 13 versuchsweise zur Einstellung gelangen konnten und von diesen Schülerinnen im Laufe des Lehrjahres 7 wieder entlassen werden mußten; und zwar wurden: 2 wegen unzureichender Gesundheit, 3 wegen mangelnder Begabung, 2 wegen ungeeigneten Benehmens verabschiedet. Die diesjährige Chanukafeier, welche wie alljährlich im Schwesternheim festlich begangen wurde, gab uns Veranlassung, den Schwestern L o u i s e M a k o w s k i, Minna N e u m a n n, E r n e st i n e K o ch m a n n, Henriette K a r p e s, E m i l i e N e u m a n n das V e r e i n s d i p l o m und damit das Document zu überreichen, welches sie für ihre ranze Lebenszeit, auch im Falle des vorgerückten Alters und der Arbeitsunfähigkeit, unter den Schutz und die Versorgung des Vereins stellt. Als ein ebenso befriedigendes Zeichen der wachsenden Erkenntniß der Wichtigkeit unserer Bestrebungen und des Bedürfnisses nach jüdischen Pflegerinnen muß angeführt werden, daß wiederholt von auswärtigen größeren Gemeinden der Wunsch ausgesprochen worden ist, denselben unsere Schwestern zur Verfügung zu stellen und Schülerinnen für sie auszubilden. Schon in unserem vorjährigen Jahresbericht wurde mitgetheilt, daß uns die Ausbildung von Schwestern für die Gemeinden in München und in Nürnberg gegen Vergütung von jc 1000 Mk. Entschädigung übertragen worden ist, und daß daselbst beabsichtigt wird, nachdem eine genügende Zahl von Schwestern ausgebildet sein wird, Filial-Anstalten unseres Vereines zu errichten. Im laufenden Jahre hatten wir die Freude, dem Wunsche des Vorstandes derJsraelitischen Gemeinde zu Ha mb u r g entgegenkom en zu können und -unsere Schwester A m a l i e a l s O b e r i n des dort neu eröffneten S i e ch e n h e i m s zu entsenden; wir werden auch in nächster Zeit in die Lage kommen, einer anderen großen Gemeinde, welche ein neues Krankenhaus zu errichten im Begriff steht, eine Oberin und eine Oberschwester abzutreten und die Ausbildung von Schülerinnen fiir dieselbe zu übernehmen. Unsere Einnahmen setzen sich zusammen aus den Beiträgen unserer Mitglieder, welche sich im Berichtsjahre (1359 Mitglieder) auf 13.687 Mk. belaufen und sich um 28 Mitglieder mit 253 Mk. 50 Pf. gegen das Vorjahr erhöht haben, sowie aus den Honoraren für ausgeübte Pflegen bei zahlenden Kranken, welche an Pflegehonoraren 20.822'45 Mk. einbrachten. Dem Vorstande des Vereines gehören an: A l b. P h. M eye r, Vorsitzender; Frau I u l i e G e r s o n - L i e b e r m a n n, stellvertretende Vorsitzende; Jnstizrath Dr. Eugen A p o l a n t, Schriftführer; Frau Dr. Frank l, stellvertretende Schriftführerin; M. M e tz e n b e r g, Schatzmeister; Frau H e r in i n e R a t h e n a u; Privatdocent Dr. M. Mendelsohn; Frau Mathilde Weigert; Geh. Med. R. Prof. Di. Senator; Stadtverordneter L. Sachs; Stadtverordneter H. W i t k o w s k i. Paris, 4. April. Das Leichenbegängniß der Frau Baronin Hirsch, hat gestern Mittags in aller Bescheidenheit unter zahlreicher Betheiligung Vieler, welche die unerschöpfliche Mildthätigkeit der Verblichenen zu bewundern Gelegenheit hatten, stattgefunden. In dem in eine anmuthige Capelle verwandelten großen Salon des Erdgeschosses wurden die rituellen Gebete abgehalten und vom Oberrabbiner Zadoc Kahn eine kurze, aber rührende Ansprache der Dahingeschiedenen gewidmet. Dem Wunsche der Verblichenen entsprechend wurde der einfache Sarg schmucklos mittels eines Wagens II. Classe nach dem Friedhof Montmartre gebracht. Der Trauerzug setzte sich gegen halb 1 Uhr in Bewegung. An der Spitze desselben schritten Herr de F o r e st, Adoptivsohn der Baronin, und ihr Schwager, Herr Goldschmid aus Brüssel, ihnen folgten Deputationen aller Pariser Schulen, die sich der Gunst dieser edlen Frau erfreuen durften. Alle Notablen der jüdischen Gemeinde schlossen sich dem Gefolge an. Das Institut Pasteur war durch Mr. Duclaux und das Institut de France durch eine Deputation vertreten. Unter der stattlichen Reihe der Repräsentanten der Pariser Gesellschaft und der Persönlichkeiten aus dem öffentlichen und politischen Leben wurde u. A. der englische Botschafter Sir Monson und Frau, der österreichische Botschafter Graf W o l k e n st e i n - T r o st b u r g, der als Vertreter Seiner Majestät des Kaisers von Oesterreich erschienen war, der italienische Botschafter Graf T o r n i e l l i, der Belgische Minister Baron v. A n e t h a n bemerkt. Ungarn hat einen Specialvertreter, Herrn A. Navay von T o l d e a s entsandt. Diesen Würdenrrägern folgten die Anstaltsleiter und Leiterinnen an der Spitze ihrer Zöglinge. Die „Alliance Jsraelite" war durch ihre berufenen Vorsteher und die Consistorien Frankreichs durch die ihrigen vertreten. Eine Delegation der jüdisch-rumänischen Handwerker, der Vorstand des Vereines „Jeunesse Jsraelite", der Maire und die höheren Beamten des VIII. Arrondissements, in dem die Wohnung der Verblichenen gelegen war, beschlossen den großen, aber doch schlichten Zug. Auf dem Friedhofe wurde das letzte Gebet von Oberrabbiner Dreifuß gesprochen und alsdann die irdische Hülle der unvergeßlich Großen, die das Herrlichste, was wir von Gott empfangen, Edelmuth und hilfreiche Güte, in bisher unerreichtem Maße stets bethätigt hatte, der ewigen Ruhe übergeben. Petersburg. Der Czar hat eine sehr wichtige Entscheidung getroffen, welche den Juden vielleicht einen Weg zur Verbesserung ihrer Lage eröffnen kann. In Elifabethgrad befinden sich zwei Gruppen von jüdischen Familien, welche, da es ihnen sehr schlecht geht, sich an den Czar mit einer Petition wendeten, um die Erlaubniß auszuwirken, eine Ackerbaucolonie einzurichten. Die eine Gruppe besteht aus 71 Familien, die andere aus 40. Vor einigen Tagen wurde nun den Wortführern beider Gruppen von den Behörden eröffnet, daß der Czar ihre Bitte genehmigt und die Verfügung erlassen habe, daß im Gouvernement Ekaterinoslaw eine jüdische Ackerbaucolonie für 160 Familien eingerichtet werden darf. Da die jüdischen Familien, die dabei in Frage kommen, außerordentlich arm sind, so haben dieselben einen gewissen Leviski als ihren Bevollmächtigten nach Petersburg geschickt, um dort mit oder ohne Hilfe der „Jewish Colonisation Association" die nöthigen Mittel aufzutreiben. Der Senat hat die Entscheidung getroffen, daß die Frauen von Juden, welche nach Sibirien deportirt sind, ihre Männer begleiten dürfen. Dieses Recht war ihnen bestritten worden und es bedurfte erst der Entscheidung des Senates, um diese Angelegenheit günstig zu erledigen. — In Taganrog sollten drei Aerzte ein gemeinschaftliches Gutachten als Sachverständige abgeben. Einer davon war Jude und zwei Christen, einer der letzteren aber enragirter Antisemit und weigerte sich, mit einem Juden zusammen als Gutachter zu fungiren. Das Gericht lehnte aber diese Beschwerde ab, und entsetzte den Antisemiten seines Amtes als gerichtlicher Gutachter. — Im Gouvernement H^letz, Russisch-Polen, wohnen 120.049 Juden, von denen 5972 Knaben und 5780 Mädchen schulpflichtig sind. Um alle diese Kinder zu unterrichten, besteht aber nur eine jüdische

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.