Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 15 (14.4.1899)
- Date
- 1899-04-14
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 296 Vr. Bloch'« Wochenschrift Nr. 15 Elementarschule und 180 Chedorim, in denen 3505 Knaben und 40 Mädchen ihre Erziehung finden. Außerdem befinden sich noch in christlichen Schulen 306 Kinder, während der ganze übrige Rest ohne Schulunterricht aufwächst. Welch' ein weites Feld ist hier noch für die Anlegung neuer Schulen. — Die jüdische Gemeinde in Mitan feierte am 26. März das hundertjährige Jubiläum des Gesetzes, welches den Juden die Niederlassung im Kurland gestattete. Die Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Juden will zur Erinnerung an diese Feier eine große jüdische Gewerbeschule errichten, welche den Namen des Czaren Paul führen soll, der lenes Gesetz erließ. Gibt die Regierung ihre Erlaubniß zur Errichtung dieser Schule, so hat ein angesehener jüdischer Bürger von Mitau, ein gewisser Rapenheim, 30.000 Rubel für dieselbe versprochen. Petersburg. Moskau wird für die Juden immer unzugänglicher. Nach der neuesten Verfügung dürfen selbst Kaufleute erster Gilde sich nur dann dort niederlassen, wenn sie eine specielle Erlaubniß des Finanzministers dazu erhalten, der seinerseits dieselbe nur dann ertheilt, wenn der Generalgouverneur seine Zustimmung zuvor gegeben hat. Diese Bestimmung wird es den Juden ganz unmöglich machen, in Moskau die Aufenthaltserlaubniß zu erhalten. Ein zweites Gesetz, welches den Juden neue Beschränkungen auferlegt, lautet dahin, daß auswärtige Actiengesellschaften als Leiter ihrer Unternehmungen in Rußland nur noch Russen von Geburt und christlicher Religion anstellen dürfen. Juden sind demnach vollkommen ausgeschlossen. — In Wilna ist die Schneidersynagoge nach lOOjährigem Bestehen geschloffen worden. Gegründet im Februar 1799 von einigen jüdischen Schneidern, war die Synagoge in einem Hause eingerichtet worden, von dem die kleine Gemeinde nur einen Theil des Besitzrechtes erwerben konnte. Da die Gemeinde immer arm blieb, so war es nicht möglich, den anderen Theil des Hauses zu erwerben, und als in den letzten Jahren die jüdische Bevölkerung Wilnas immer mehr verarmte, konnte die kleine Gemeinde nicht einmal mehr den auf die Synagoge fallenden Theil der Haussteuer aufbringen. Die anderen Theilbesitzer dieses Gebäudes schlossen daraufhin wegen der Steuersorderung die Synagoge, und demnächst wird dieselbe sammt allem Inhalt: Büchern, Thorarollen rc. meistbietend versteigert werden. Ein trauriges Ende für eine gerade 100 Jahre alte jüdische Gemeinde und Synagoge. Cauada. Die Handelskammer von Quebeck hat Mr. Joseph Montefiore zum Präsidenten erwählt. Der neue Präsident stammt aus einer Familie, die in der Geschichte Quebecks eine große Rolle spielt. Sein Großvater war der erste Jude, der sich dort niederließ, sein Vater war ebenfalls Handelskammerpräsident und belgischer Consul. Dieser Abraham Montefiore war besonders für die ein wandernden armen Juden thätig, denen er auf seine Kosten einen Schochet engagirte, solange bis die Gemeinde die Ausgaben selber tragen konnte. Der älteste Sohn ist Mr. Joseph Montefiore, der jetzige Handelskammerpräsident, der zweite Sohn, Andrea Montefiore, ist belgischer Consul. New-Aork. Die Vereinigten Staaten haben zu ihrem Vertreter auf dem zwölften Congreß der Orientalisten, der im October in Rom stattfinden wird, Professor Morris Jastrow ernannt, der an der Universität in Pensylvanien semitische Sprachen lehrt. Außer ihm sind noch zu Delegirten ernannt: Professor Haupt von der Jons Haptains University und Professor Lemmon von der Harvard University. Es sind die bedeutendsten Orientalisten, die Amerika besitzt, und es ist eine große Ehre und ein Zeichen dafür, welchen Ruf sich Professor Jastrow, unser Glaubensgenosse, zu erwerben verstanden hat, daß ihm der bedeutsame Auftrag wurde, gemeinsam mit solchen Männern die Vereinigten Staaten zu vertreten. Kloodbyne. (Nordamerika.) Unsere Colonie gedeiht ausgezeichnet, wozu insbesondere die hier vorhandene Industrie beiträgt. Die Kloodbyne-Maschinen und Werkzeugfabrik ist sehr stark beschäftigt, so daß sie jüngst in der Lage war, allen ihren Arbeitern eine Lohnaufbesserung von zwölf Perzent zu gewähren. Unsere Ackerbauschule hat sich schnell einen Ruf in der ganzen Umgebung erworben, wozu sehr beiträgt, daß Friedrich Schmidt, der Lehrer im Garten- und Gemüsebau, eine Autorität ersten Ranges ist. Zahlreiche Anfragen kommen über Ackerbauangelegenh:iten an die Schule, die nicht nur für unsere Glaubensgenossen, sondern auch für die Christen des Districtes zu einer wichtigen Centralstelle sich zu entwickeln beginnt. Leider hat Professor H. L. Sabsovich sich veranlanlaßt gesehen, von seinem Posten an der Spitze der Colonie zurückzutreten. Er ist in diesem Amte durch Mr. S. W.. Pincus ersetzt worden. Vermischtes. Wien. Der „Verein zurHebung der Gewerbe" inscenirte am Sonntag den 9. d. M. eine feierliche Trauerversammlung anläßlich des Ablebens der Frau Baronin Clara von Hirsch-Gereuth. Der Präsident Herr S. Brod feierte die Verdienste der verewigten Wohlthäterin des jüdischen Gewerbe st andes in einem tiefempfundenen warmen Nachrufe, worauf der Vorstand den einmüthigen Beschluß faßte, von nun an injedemJahresberichte des Vereines der Verstorbenen in Ehren zu gedenken, hievon auch gleichzeitig die Wiener Curatorien in Kenntniß zu setzen und denselben das wärmste Beileid des jüoischen Gewerbe st andes auszusprechen. Wien. (Spenden für den Tempelbau in der Brigittenau.) Erträgniß des Purim-Balles 1007 fl.; Tempelspenden und Keren Kajemes-Beiträge 690 fl.; Dr. Richard Rap a Port 50 fl.; A. D. Karpfen 3 fl.; zusammen 1750 fl.; bereits ausgewiesen 23.413 fl.; Gesammtsumme 25.163 fl. Wien. (Spende.) Für die nothleidenden jüdischen Bergarbeiter in Boryslaw sind uns zugekommen: Von „Buchhalter" in Brünn 1 fl.; von Frau I. Brüßler in Wien 50 kr.; von H. L., Wien, 2 fl.; von E. U. in Boskowitz 3 fl. Wien. (S P e n d e.) Dem Leopoldstädter Frauen-Wohl< thätigkeitsverein wurde für den von ihm gegründeten „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort" eine Spende von 100 fl. zu Händen der Präsidentin Frau kais. Rath Dr. Kohn anonym zugesendet unter dem Motto: „Aus Mitgefühl für vom Schicksal Verfolgte, von einem „glücklichen Bräutigam". Wien. (Ferienheim.) Dienstag den 11. April d. I. fand im Bureau des Vereines „Ferienheim" in Anwesenheit der Damen des Vorstandes und der Beiräthe eine Trauerkundgebung für weil. Baronin Clara Hirsch statt. Die Vorsitzende, Frau Sofie G r ü n f e l d, hielt tief ergriffen folgenden Nachruf: „Hochgeehrte Versammlung! Es ist ein trauriger und schmerzlicher Anlaß, der uns heute vereinigt. Eine Frau, ausgezeichnet durch seltene Gaben des Herzens und des Geistes, ein Engel, dessen mildthätiges Walten Segen verbreitete für Jung und Alt, eine Königin im Reiche der Wohlthätigkeit, Frau Baronin Clara Hirsch — ist nicht mehr! Gleich einer Abgesandten Gottes linderte sie Elend, wo sie es fand, brachte Hilfe, wo man sie forderte, und legte den Samen für manche fruchtbringende Zukunft! Mit dieser erhabenen Seele ist eine Leuchte der Menschheit erloschen, deren Strahl sich auch auf die armen, unserem Schutze anvertrauten Pfleglinge niedersenkte. Auch unser Verein hatte das Glück, daß sein bescheidenes Programm in seiner Idee und Durchführung die Anerkennung der edlen Frau sich erwarb; daß unsere Schützlinge seit Jahren ein gesundheitbringendes, herrliches Asyl in ihrem Schloße Rossitz genießen durften und daß sie wenige Tage vor ihrem Ableben mit zitternder Hand unser künftiges Heim fundirte. Diese zwei Thaten haben ihr in den Herzen unserer Mitglieder und unserer Schützlinge einen dauernden Platz gesichert. Unauslöschlich bleibt der Name dieser seltenen Frau mit dem Verein „Ferienheim" verknüpft, und unsere Dankbarkeit gegen die Verklärte können wir in ihrem Sinne nicht besser bezeugen, als wenn wir in dieser feierlichen Stunde geloben, unsere Kräfte zielbewußt der leidenden Jugend auch fernerhin weihen zu wollen. Schmerzerfüllt segnen wir ihr Angedenken!" Diese Trauerkundgebung wurde der leidtragenden Familie in Paris zur Kenntniß gebracht. Wie». (Leopold st ädter Frauen - Wohlthätigkeits-Berein in Verbindung mit dem Kaiserin E l i s a b e t h - L e h r m ä d ch e n h o r t.) Bei der am 6. d. M. stattgefundenen Schlußsitzung des Festcomites berichtete der Obmann Professor Richard Singer, daß den Humanitären Zwecken des Vereines, der Unterstützung von Witwen, Waisen und Wöchnerinnen, sowie dem „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhorte ein Reinerträgniß von ungefähr 1400 fl. zugewendet