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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-14 · 15 (14.4.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
15 (14.4.1899)
Date
1899-04-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite W2 Br. Block » Wochrnschrtfi Nr. 1-, hier angedeutet wurden, und dann mit doppeltem Muthe in der Arbeit fortfahren, die nach beiden Richtungen wohlthätig ist: für die Schwestern, die zu Pflegerinnen ausgebildet werden, und für die Kranken, denen die Pflegerinnen dienen sollen. Hier wird auf dem Gebiete der jüdischen Wohlfahrts- und Menschlichkeitspflege ein altes Terrain wiedergewonnen, das in schwerer Zeit verloren gegangen war. Hier waren wir von den Anderen, denen unsere Vorfahren das Muster gegeben, überholt worden. Das durfte nicht so bleiben, in der Bethätigung unserer Nächstenliebe durfte keine Lücke sein. Es ist nicht so geblieben, die Lücke wird mehr und mehr ausgefüllt, und das danken wir dem vorbildlichen Verein für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin. Ein Sammler und seine Collection. Ein freigebig ausgestatteter, mit schönen Lichtdrucken gezierter Band verzeichnet katalogmäßig die Kunstgegenstände und Seltenheiten, lvelche der am 10. October 1898 verstorbene Herr D. Heuriques de C a st r o Mz. hinterlassen hat. Alles soll vom 26. April ab zu Amsterdam unter den Hammer des Auctionators kommen. Diese Collection enthält das herrlichste sächsische Porcellan, wie es fast nie im Handel erscheint und dann nur Wenigen erreichbar ist, entzückende altspanische Spitzen und christliche sogenannte „Livres d'heures" aus dem 14. Jahrhunderte mit den feinsten Miniaturen, die beinahe an die des weltberühmten Codex Grimani der Marcus-Bibliothek hinanreichen. Das Alles allein würde uns doch nicht bestimmen, hier von der Sammlung Notiz zu nehmen — die Museen besitzen genug des Großartigen, ohne daß man sich sonderlich darum bekümmert. Höchstens die paar Ganzgelehrten, die wieder Bücher schreiben für Ganzgelehrte, und die Hochzeitsreisepärchen, die durch die einsamen hallenden Säle girren und nicht wissen, was sie eigentlich sehen. Wenn wir aber jene Sammlung ausführlicher behandeln, so geschieht es nur, weil sie werthvolle, seltene und interessante hebräische Manuscripte und Bücher enthält. Man darf sogar behaupten — diese Abtheilung sei die am besten bestellte. Hier' finden sich Dinge, für welche alle Juden sich sehr interessiren — sollten! D. Henriques de Castro entstammte einer vornehmen Familie, die schon im 12. Jahrhunderte in Spanien großen Ruf genoß. Aerzte, Philosophen, Soldaten — viele bedeutende Männer gehörten ihr an. Die Inquisition vertrieb die ihren Glauben treuen Juden aus dem heißgeliebten Vaterlande. Die meisten der d e C a st r o waren darunter. Sie wandten sich nach Amsterdam. In den freien Niederlanden waren sie guter Aufnahme gewärtig. In der israelitisch-portugiesischen Gemeinde dieser Stadt nahmen nun die de C a st r o immer eine hervorragende Position ein, obwohl große Namen und große Talente in Menge neben ihnen waren. Dieser Familie, in der die glänzendsten Traditionen stets lebendig gehalten wurden, entsproß ein streng religiös gesonnener Jüngling, den seine Neigungen zu den literarischen Studien hinzogen. Welchen Weg er einzuschlagen hatte, war ihm keinen Augenblick unklar. Die Gunst der Verhältniffe gestattete es ihm, voni Broderwerbe abzusehen und ganz seinen reinen Idealen zu leben. Alles, was das Judenthum betraf, zog ihn an. Die jüdische Wissenschaft in ihrem allerweitesten Umfange war seine Domäne. Er studirte Numismatik und Heraldik, nur um in seinen jüdischhistorischen Forschungen bis zu den Quellen Vordringen zu können. Als Sammler und Bibliophil scheute er weder Mühe, noch Zeit und Kosten, ein werthvolles jüdisches Manuscript zu erwerben und seine Kenntnisse dadurch zu bereichern. Er wühlte sich durch die Archive hindurch und fragte sogar die Todten, wovon die Lebenden nichts wußten, indem er Nachforschungen aus dem Friedhofe zu Ouderkerk an der Amstel anstellen ließ. So entdeckte er das Grab des Menasseh ben Israel, desselben, welcher bei Cromwell sich für den freien Aufenthalt der Juden in England verwendet hatte. Das Resultat dieser Nachforschungen war das Buch „Keur van Grafsteenen". Als die portugiesische Cultusgemeinde zu Amsterdam den 200. Jahrestag ihres Bestehens beging, schrieb er: „De Synagoge der P. I. G. te Amsterdam". „Mit dem gelehrten Doctor C. Peraira übersetzte er die ..Collecoao" des David Franco Mendes, welche die Ansiedlung und Ausbreitung der spanischen und portugiesischen Juden in Amsterdam behandelten. Seine Nachsorschungen, das Leben Baruch Spinoza's betreffend, lieferten den Biographen werthvolle Daten und Facten. Aber de Castro war keiner von den gelehrten Stubenhockern, die in der großen Welt nicht aus, noch ein wissen. Er bewegte sich mit der Sicherheit des gewandten Staatsmannes in allen politischen nnd wissenschaftlichen Körperschaften, in welche er berufen wurde, war Vorsteher der israelitisch-portugiesischen Cultusgemeinde, Vorsitzender der Generalcommission der portugiesischen Juden in den Niederlanden, Mitglied der königlichen Gesellschaft für Archäologie u. s. f. Nach kurzer Krankheit starb dieser gelehrte Mäcen, welcher, wie der Katalog ihm nachrühmt, „ein arbeitsames Leben der Reconstruction der Vergangenheit gewidmet hatte". Und nun zu den Handschriften! »Pentateuque, ]es 5 Meguiloth et les Haphtaroth.* Auf dem Einband des Folios steht zu lesen: »Yshac Sineor 5408«. Somit ist der Einband von 1647. Der berühmte Joseph Athias benützte dieses Manuscript zu seiner Bibelausgabe von 1667. Das Manuscript ist von zwei Copisten geschrieben, die sich in die Arbeit theilten. Der erste schrieb den Text, Targum Orkelos und die Commentare des Raschi in drei Colonnen. Der zweite schrieb die ganze Punktation, die Massorah und den unteren Text auf jeder Seite. Der erste beendete seine Arbeit 1229. Der andere am Montag, den 18. Tebeth 5104/1344 nnd schrieb hinzu: „Ich, Levi, Sohn des Rabbi David des Leviten, habe dieses Buch punktirt und es unter den Zeilen mit massoretischen Anmerkungen versehen, die übereinstimmen mit der großen und kleinen Massorah". Die Arbeit geschah für Rabbi Joseph, Sohn des Ephraim. Auch dankt der Schreiber geziemend für seine reichlich empfangene Entlohnung: „Er hat mich mit Gaben überhäuft, stets möge ihm Nothstand ferne bleiben!" Die interessanten uralten Illustrationen und bunten Initialen bieten eine werthvolle Bereicherung der Handschriftenkunde. Sehr merkwürdig ist auch eine „Torah Nebiim und Ketubim" aus dem 12. Jahrhundert. Auf der Rückseite des letzten Blattes liest man in portugiesischer Sprache: „Mir, Jacob Curiel, der ich anno 5378/1618 in Pisa war, erzählte der Dr. Mordechai Barrocas, daß in dieser Stadt die aus Fez stammende Familie Rosilho von Noth bedrängt eine seltene Bibelhandschrift zu verkaufen bemüssigt wäre. Dem Dienste Gottes mich widmend, war ich der Meinung, diese Bibel erwerben zu sollen, insbesonders da mir der Haham Hazario Picho versicherte, diese Bibel wäre vor mehreren hundert Jahren geschrieben worden." Die Bibel war lange im Besitze der Famile Curiel, ging 1830 in den der Familie Teixeira de Mattos über und kam sodann zu de Castro. Sie ist ebenfalls mit zahlreichen prachtvollen Illustrationen, jedes Blatt mit schöner ornamentaler, von Thiergestalten belebter Umrandung geschmückt und von tadellosester Erhaltung. Dieses Unicum ist eine Handschrift von der größten kunsthistorischen Bedeutung. Zahlreiche „Ketubas" in künstlerischer Vollendung geschrieben, gemalt und ausgeziert, sind vorhanden. Eine von 5408 (1684), ferner solche aus dem vorigen Jahrhundert bis 1802. Ein köstlicher Machsor von 1150, moresken Ursprunges, ist ein unedirtes Unicum. Interessant ist auch ein hebräisches Reim-Lexikon von Salomo de Oliveyra, verfaßt um 5413—5414 (1653—54). Ein arabisches Sefer Mubchar Hapeninim, in 64 Capiteln in das Hebräische übersetzt, nennt die Namen Salomo ben Jehuda Jbn Gabirol und Jehuda ben Saul Jbn Tibbon als Autor und Translator. Der Commentar soll von Samson Mnnay (?) herrühren. Doch ist das Alles durchaus nicht sicher. In demselben Bande befindet sich ein Seser Taschbaz, Gebräuche und Sitten nach der Vorschrift des Meir von Rothenburg, gesammelt von seinem Schüler Simson ben Sadick, aus dem 14. Jahrhunderte. Von den hebräischen Handschriften zu den anderssprachigen übergehend, stoßen wir gleich wieder aus ein Unicum: Die Paraphrasen des Pentateuch von Isaak Aboab. Das ist eine französische Uebersetzung eines spanischen Werkes von 5441 (1681). Zahlreiche Handschriften befassen sich mit der Geschichte der spanischen Juden in den Niederlanden. Es sind sehr viele unedirte. unbekannte, darunter auch ein Brief des Uriel da Costa (Acosta). Unter den Druckwerken gibt es auch eine Menge, welche mit „Unique" und „Rarissime" bezeichnet erscheinen, so z. B. „Ginoeg Begire Ja", Hebräischer Katechismus für Christen mit einer Einleitung für Juden von Im. Tremettius, Straßburg 5314 (1554). Auch die erste Ausgabe des Buches Job von Levi ben Gerson Pezaro bei Abr. ben Chajim de Tintori 5237 (1477) wird durchaus nicht häufig angetcoffen. Gebete der Juden nach der Schlacht von Waterloo und eine Hymne, die der Oberrabbiner sprach, als Napoleon und Maria Louise den Amsterdamer

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