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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-14 · 15 (14.4.1899) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
15 (14.4.1899)
Date
1899-04-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette L90 Vr. Bloch'« Wochenschrift Nr. 15 Rosenbacher, Dr. Ludwig B e n d i e n e r, und Dr. Moritz L i ch t e nste rn, zum Herren Ministerpräsidenten entsendet, welcher diese Deputation aufs Leutseligste empfing und der Denkschrift die größte Aufmerksamkeit schenkte. Es ist bekannt, daß kurze Zeit hierauf die antisemitische »Närodni obrana« ausgelöst wurde und daß die Regierung den durch die Decemberunruhen geschädigten Glaubensgenosien einen Betrag von 18.0)0 ft. theils als Darlehen, theils ichenkungSweise gewährte. Ebenso kamen die Fälle vor, in welchem dieses Comite zur Antragstellmig und Beschlußfassung einberufen wurde. Insbesondere erwähne ich den Fall, daß die Egerer Bezirkskrankencaffa den Beschluß faßte, als Eassenärzte nur Arier anzustellen; es gelangte an uns eine diesbezügliche Beschwerde, und wir überreichten gegen den Beschluß der Egerer Krankencassa, eine Vorstellung an die k. k. Bezirkshauptmannschast in Eger; unserer Beschwerde wurde vollinhaltlich stattgegeben und der Beschluß der Egerer Bezirkskrankencassa als rechtsunwirksam und mit den Staatsgrundgesetzen im Widerspruche stehend aufgehoben. Ebenso schritt das Rechtsschutz-Counts in anderen Fällen, so insbesondere gegen die Verbreitung antisemitischer Werke ein, prüfte eingehend die Beschwerde jedes Einzelnen, der feindlichen Angriffen ausgesetzt war; allerdings war es nicht immer möglich, Amt zu handeln, sowie sich die antisemitische Bewegung überhaupt nicht so rasch unterdrücken läßt. Unser Programmpunkt: „Förderung der Ausbildung von Religionslehrern" blleb nicht unbeachtet. In mehreren Ausschuß-Sitzungen wurde dem Religionsunterrichte nähere Aufmerksamkeit geschenkt und über Ansuchen der »Närodni Cesko-2idovskä jednota:» in Prag wurde zur Ausbildung von Religionslehrern mit böhmischer Unterrichtssprache eine Subvention von 100 ft. für das Jahr 1896 und eine weitere Subvention von 200 fl. für das Jahr 1899 gewährt. Hinsichtlich des Punktes „Unterstützung der Gemeinden in außerordentlichen Fällen" erlauben wir uns darauf hinzuweisen, daß die Cultusgemeinde B o d e n b a d> mit dem Ansuchen um Unterstützung in folgender Angelegenheit an uns herangetreten ist Es ist bekannt, daß Bodenbach, an der Grenze liegend, ein Sammelplatz aller jener unglücklichen Glaubensgenossen ist, die durch erlittene Verfolgungen und Bedrückungen, so insbesondere in Rußland, nach Amerika auswandern oder aus Amerika und Deutschland in hilflosem Zustande, an Körper und Geist gebrochen, in dieser Grenzstation sich an ihre Glaubensgenossen um momentane Unterstützung wenden. Die Eultusgemcinde Bodenbach entfaltet auf diesem Gebiete eine segensreiche Thätigkeit, die nicht genug lobenswert!) anerkannt und hervorgehoben werden kann; sie hat für solche Unglückiche weit mehr geleistet, als ihre finanziellen Mittel es erlauben. Wir haben uns daher verpflichtet erachtet, ihr auszuhelfen und gewährten ihr eine Subvention von 100 fl. für das Jahr 1899. Auf den anderen Gebieten der Armenpflege harret unser ein weites Feld, so insbesondere wegen Bekämpfung der Wanderbcttelei, Förderung der Krankenpflege, Arbeitsvermittlung für Erwerbslose. Wenn wir diese, sowie eine Reihe anderer Programmpunkte während der kurzen Zeit unseres Bestandes noch nicht in Angriff nahmen, so kann uns kein Vorwurf treffen; nach dem bekannten Sprichworte „Viele Handwerke verderben den Meister", ließen wir uns von dem Gesichtspunkte leiten, daß wir unsere Thätigkeit nur allmälig weiter entfalten und uns Anfangs nur auf das Allernothwendigste beschränken und mit unseren bescheidenen Kräften rechnen müssen. Es wird unser Gememdebund darauf bedacht sein, nach und nach unter Heranziehung aller übrigen Gemeinden, die unserem Bunde noch ferne stehen, jene großen Ziele zu erreichen, welche er sich zur Aufgabe gemacht hat, und wir erwarten, daß sich ein reger Sinn für unsere idealen Aufgaben geltend machen wird. Wir werden unser volles Augenmerk darauf richten, den Gemeindebund lebensfähig zu erhalten, um insbesondere das jüdische Gemeinwesen in Böhmen zu beleben, zu fördern und weiter zu entwickeln zu Ehren unserer Gemeinden, ,ui Ehren unserer Eonfession! Nach Verlesung des Cassaberichtes gelaugte ein Antrag der Eultusgemeinde Bodenbach zur Verhandlung. Dieser Antrag zielt dahin, es möge der Gemeindebund die Mittel und Wege beratheu, um den kleineren Gemeinden beim Baue von Synagogen behilflich zu sein; in formeller Richtung beantragt die Cultusgemeinde Bodenbach, ein Comite, zu wählen, welches in dieser Sache Beschluß zu fassen und hierüber zu berichten habe. Dieser formelle Antrag wurde vom Gemeindetage mit der Modification angenommen, daß der Ausschuß beauftragt wurde, unter Heranziehung eines Vertreters der Gemeinde Bodenbach diese Angelegenheit zu erledigen. Der Vorsitzende theilt mit, daß seitens des israelitischen Landeslehrervereines ein Gesuch wegen Einberufung einer Enquete hinsichtlich der Beseitigung einer Reihe von Uebclständen beim israelitischen Religionsunterrichte überreicht wurde, und daß der Ausschuß diesem Anträge stattgegebcn hat. Die Enquete werde in nächster Zeit^ tagen. Ferner habe der Ausschuß über einen Antrag der »Sarodni Ceskozidovskä Jednota« wegen Gründung eines jüdischen Archivs und eines Museums der jüdischen Denkmäler Böhmens beschlossen, diesbezügliche, geeignete Erhebungen einzuleiten. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden nachstehende Herren in den Ausschuß gewählt: Adolf Hecht, Beraun, Dr. Isidor O e st e r r e i ch e r, Böhm.- Leipa, Ignatz K a l l b e r g, Karolinenthal, Dr. Moritz L i ch t e n ft e r u, Kladno, Dr. Josef P o d v i u e c, Koliu, Dr. Josef S ch a n z e r, Pilsen, Dr. Arnold R o s e n b a ch e r, Prag, Dr. Ludwig B e n d i e n e r, Prag, Dr. Friedrich D u s ch e n e s, Prag, Dr. Ludwig P i ck, Prag, Dr. Siegmund Schneider. Prag, Adolf Brau n, Raudnitz, Heinrich L a n g st e i, Reichenberg, Rudolf Grab, Smichow, Dr. Friedrich G u t t m a u n, Tabor, Dr. Oscar W i l l n e r, Teplitz, Dr. Alfred Hamburger, Weinberge, Ignaz Weiß, Zizfolu. Als Schiedsrichter wurden gewählt die ^Herren: Hofrath Prof. Zucker, Prag. Dr. Joses Z atitb, Prag, Dr. Siegmund Stein, Prag, Dr. Josef Spitz, Brüx, Leopold Mohr, Falkenau, Dr. Fleischer, Klattau, Dr. Adolf A n s p a ch. Saaz, S. K o h n, Prag. Dr. Ignatz A r n st e i n,. Prag, Josef S ch u l h o f, Holic. Als Revisoren die Herren: Sigmund Haurowitz, Filipp Falkovicz, Dr. Isidor P e t s ch c k. Von Cavalieren angelegte Kleider. Der Landesausschuß des Niederösterreichlschen Landtages hat einen Bericht ausgearbeitet, welcher sich mit der Errichtung einer Landesbekleidungs-Austalt beschäftigt. Die Durchführung dieser Idee ist in der Weise geplant, daß zunächst an die öffentliche Mildthätigkeit appellirt wird, Spenden an Kleidern u. s. w. an eigene Annahmestellen abzusühren, daß sodann diese Kleider zur Reparatur der Zwangarbeits anstatt in Korneuburg überliefert und endlich durch die Organe der Armenpflege, eventuell durch humanitäre Vereine au würdige Arme vertheill werden. Es wirft sich von selbst die Frage auf, von wem geht dieser Appell aus, und an wessen Adresse ist er gerichtet? Die Antwort ist zum Theile leicht gegeben. Der fordernde, nehmende Theil ist der Niederösterreichische Landtag mit seiner antisemitischen Majorität, in welchem die antisemitischen Parteipartisane: Schneider, G e ß m a n n, G r e g o r i g er turri quanti dorn iniren. Und wer sollen die Geber sein? Auch hier fällt die Antwort nicht schwer, die Spender der alten Kleider werden nicht die Arier sein, insbesonders nicht Arier ans der antisemitischen Partei. Man kann füglich einen heiligen Eid leisten, daß noch keiner der antisemitischen Götzen . je ein altes Kleidungsstück aus Humanismus oder, einem Drange seines guten Herzens folgend, verschenkt hat. Ganz bestimmt kommt dies aber nicht beim antisemitischen Janhagel vor. Ganz richtig bemerkte bei der betreffenden Debatte des erwähnten Antrages der Abgeordnete Dr. Kronawetter, „daß, wer ein altes Gewand habe, der verkaufe es beim Tandler"; das stimmt, allein nur insoweit es arische Kreise betrifft. Die Arier ziehen aus Herzensbedürfniß selten die Spendirhose an, natürlich wenn sie überhaupt welche besitzen, was nicht immer der Fall sein soll. Die alten Kleider wandern in der Regel zum Tandler, oder werden in anderer Weise versilbert. Wie heißt es nur in einem bekannten Heurigen Gaffenhauerrefrain: „Berkauft's mein G'wand". Der Erlös wandert hinter die Binde. Ganz anders aber ist es bei den Juden, namentlich bei Juden vom alten Schrot und Korn. Es ist eine durch traditionelle Gepflogenheit geheiligte Sitte und enspricht den Geboten der jüdischen Religion, alte oder nicht mehr verwendbare Kleider entweder armen Verwandten, welche jeder Jude mehr oder minder reichlich besitzt, an arme Glaubensgenossen oder Arier zu verschenken, und bei dieser Gepflogenheit wird es auch immerdar bleiben, denn der Jude macht in seiner Humanität keinen Unterschied. Man kann diese Wahrnehmung alltäglich machen. Wenn vor einem auf der Straße postirten notorisch arischen Krüppel — nur arische Krüppel besitzen das Privilegium, ihre Gebreste öffentlich zur Schau stellen zu dürfen — hundert Arier der besten Elasse passiven, so kann man eine Wette eingehen, daß nicht zehn in die Tasche greifen, dagegen spenden von jüdischen Passanten, die überhaupt einen überflüssigen Kreuzer besitzen, ganz bestimmt neunzig. Diese Sitte wird hoffentlich auch weiter bestehen, das gute, goldene jüdische Herz wird niemals aussterben, es wird ewig leben, es ist avitisch, liegt in unserem Blute und wird in uns gezüchtet durch gutes Beispiel, welches unsere Eltern. Nächsten und Fernstehenden geben. Das Elend und die Armuth, die bei unseren Glaubensgenossen zumeist unverschuldeterweise grassiren, haben zur Folge, daß wir gottlob aus der Uebung des Gebotes der Menschenliebe nie herauskommen. Wir Inden sind wohl das auserwählte Volk des Leidens und der Drangsalirung, aber auch das auserwählte Volk des Wohlthuns, der Menschenliebe und

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