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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-14 · 15 (14.4.1899) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
15 (14.4.1899)
Date
1899-04-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 284 Vr. Vloch's Wochrnschrrfi Nr. 15 Wenn wir noch die Thätigkeit des Sanitätsinspectors erwähnen, der 1080 Häuser 3047 Male besucht hat, um sie auf ihren sanitären Zustand zu prüfen und eventuell Abhilfe von den Localbehörden zu verlangen, oder um die Familien von Lungenleidenden über die hygienischen Präventivmaßregeln zu belehren, so haben wir beiläufig ein Bild der weitumfassenden philantropischen Thätigkeit des „Board of guardiaus“ entworfen. Dabei sei es uns noch gestattet, auf zwei Principieu hinzuweisen, die uns in der Verwaltung dieses Vereines besonders auffallen, weil sie gerade im Gegensätze zu gewissen diesseits des Canals landläufigen Begriffen stehen. Der „Board of guardians“ perhorrescirt die Thesaurirung der einlaufenden Gelder. Was nicht Stiftung ist, wird für die Vereinszwecke im laufenden Jahre verwendet, weil es dazu bestimmt ist. So hat auch der Verein im letzten Jahre trotz der Einkünfte von 43.919 Pfund Sterling ein rechnungsmäßiges Deficit von 1795 Pfund Sterling aufzuweisen. Dann finden wir die bei uns so bestrittene Frage der freiwilligen Armenpflege zu Gunsten dieser Einrichtung gelöst. Das „Visiting Committee", das sowohl Männer als Frauen zu seinen Mitgliedern zählt, und das dem Darlehens- und Unterstützungscomite zur Seite steht, hat sich, lesen wir im Berichte (Seite 70), sehr gut bewährt. „Der freiwillige Armenpfleger erhält in vielen Fällen Informationen, um welche sich der angestellte Beamte vergeblich bemühen würde; er ist auch ein Freund und Rathgeber der unter seiner Obhut stehenden Armen, und er mildert dadurch soweit nur möglich den „öfficiellen" Charakter der gewährten Unterstützungen. Außerdem bilden die praktischen Erfahrungen und die gewonnenen Sympathien eine werthvolle Bereicherung der zur Philantropie nothwendigen Kenntnisse." Der vorliegende Bericht ist uns ein Beweis, wie mustergiltig die jüdische Armenpflege in London ist, und ein Ansporn zur Nachahmung. Ja, wenn wir auch das Geld hätten, wird nian mir vielleicht einwenden. Nun, das können uns die Juden von London nicht geben. Sie brauchen es für ihre Armen, und — sie geben es auch. L. Zum Prospekte der Jüdischen Colomalbank. „Sehr geehrter Herr Redacteur! Der vortreffliche Leitartikel in der vorigen Nummer Ihres Blattes über diesen Gegenstand hat ins Schwarze getroffen. Diesen Schuß hat eine kundige, treffsichere Hand abgegeben. Die Ausführungen über die „Entrechtung" der Actionäre dieser Zukunftsbank und deren Erdrückung durch die „ehrenhalber" auf Functionsdauer oder erblich zur Verleihung gelangenden hundert Stück Gründeractien werden unvergessen bleiben; nicht minder die Frage des Ersatzes der G r ü n d u n g s s p e s e n, rücksichtlich tvelcher neuerlich, aber ebenso widerspruchsvoll wie früher, versichert wird, daß dieselben von den Gründern oder „Garantoren" — welch' entsetzliche Sprachverirrung! — aus ihren eigenen Mitteln ü toucks xercku beigesteuert wurden. Doch ein Moment scheint nur noch dringend der öffentlichen Abwehr bedürftig: Dieses offene und versteckte Locken und Spielen mit „P r o f i t e n, D i v i d e n d e n und bedeutenden Cours st eigerungen", welches im Prospecte, wie in dem publicistischen Organe und nicht minder in den Parteiversammlungen des sogenannten „politischen Zionismus" in auffälliger und aufdringlicher Weise sich erneuert. In erster Linie darf eine i d e a l-e t h i s ch-n a t i o n a l e Agitation — und diesen Charakter nimmt das politischzionistische Programm für sich in Anspruch — nie und nimmer durch derlei an Börsenmanöver nur zu sehr mahnende Praktiken vermehrt und verdunkelt werden, zumal dann nicht, wenn den Unternehmern ähnliche Tendenzen fremd sind. Für die Verwirklichung großer idealer Ausgaben Geld zu brauchen und zu suchen, ist noch lange nicht identisch mit der Verkündigung von Gewinnen und Dividenden, von Profiten und Courssteigernngen, deren Wahrscheinlichkeit mit Fug und Recht gar sehr angezweifelt werden darf und für deren bloße Möglichkeit weder der Prospect, noch dessen dienstbeflissene Herolde auch nur e i n vernünftiges Wort, e i n acceptables Argument vorzubringen vermögen. Doppelt schlimm, wenn etwa in öffentlichen Versammlungen und Diskussionen unrichtige, gleisnerisch glänzende Motivirungen der kritiklosen Zuhörerschaft servirt werden, die dann zu dem empfangsbereiten Schalter der Subscriptionsstelle eilt und dort ihren Tribut derGläubigkeit und desVertrauens darbringen soll. Und wahrlich, die größte Zurückhaltung in der Erregung von Gewinnsthoffnungen jeder Art sollte den P. T. Herren Gründern als heiligste Gewissenspflicht erscheinen, da sie es insbesondere auf die Heranziehung des kleinen und kleinsten Publicums abgesehen haben. Auch dieser Punkt fordert zum entschiedensten Widerspruche heraus. Wie?! Den Kleinsten und Aermsten unter uns soll mit dem Universalmittel der zionistischen Politik geholfen werden, und eben diesen Enterbten nehmen die Herren Gründer triumphirend die Actieneinzahlung ab, ohne sich zugleich als „Garantoren" der nebelhaften Dividenden zu verpflichten? Da hören wir ausposaunen, arme Wasserträger und Holzhacker, die kaum 1 bis 1'/- Francs per Tag verdienen, hätten Einzahlungen geleistet, „die sie vom Munde absparen", und von solchen Leuten nimmt man Geld, um damit der „türkischen Regierung finanzielle Dienste zu leisten!" «* - Ich meinerseits finde es unverantwortlich, zu derlei hochfliegenden und gewagten Speculationen den letzten Zehrpfennig des armen Taglöhners heranzuziehen und sich damit zu trösten, daß er ihn für den „Wiederaufbau von Jerusalem" geopfert habe!! Fürwahr, — mit solchen Mitteln strebt man keinem hohen Ziele entgegen, mit solchen Geldern sammelt oder vermehrt man nicht das Capital einer Aktiengesellschaft, welche den ephemehrsten Zwecken dienen soll. Man darf nicht die vermeintliche Begeisterung unserer untersten Volksclassenfür Zion in b aares Geld umsetzen, man darf nicht etwa dem Grundsätze huldigen: »non ölet«. Ein Outsider." Ernst Schneider als Untersuchungsrichter. Das Telegraphenbureau bringt folgende Meldung aus Deutschbrod: „In einem Walde bei Polna war am Charsamstag die arg verstümmelte Leiche der seit dem 27. v. M. vermißten 19jährigen Näherin Agnes I r u z a aufgefunden worden- Alle Nachforschungen nach dem Thäter sind bisher ohne Erfolg geblieben. Dagegen verbreitete sich in Polna und Umgebung ein Gerücht, welches Juden mit dieser Mordthat in Verbindung brachte. In Folge dessen machte sich in Polna eine bedenkliche Gährung geltend, so daß der Bezirkshauptmann von Deutsch-Brod 10 Mann Gendarmerie dahin sandte und umfassende Vorkehrungen traf, um etwaigen Ausschreitungen vorzubeugen. Auch die Gemeinde wurde auf ihre Verpflichtung hinsichtlich der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung aufmerksam gemacht. Als muthmaßlicher Mörder wurde der israelitische Schuhmacher H ü l s n e r verhaftet." Dieser Nachricht fügt das „Deutsche Volksblatt" nachstehende sehr beachtenswerthe Mittheilung hinzu: Dem Abgeordneten Schneider sei nämlich aus Polna schon Ende voriger Woche mitgetheilt worden, daß der Jude Leopold H ü l s n e r zwar verhaftet, dann aber von dem jüdischen Richter, der den Fall zu untersuchen hatte, freigelasfen wurde. Die Erregung der Bevölkerung datirt nach den Informationen des Abgeordneten Schneider daher, daß die Bevölkerung aus diesem Umstande darauf schloß, daß der Fall vertuscht werden solle. Eine Ansicht, welche dadurch immerhin eine gewisse Bekräftigung erfuhr, da die czechisch-antisemitische Zeitung „Oeski Zajmy", welche den Fall mittheilte, merkwürdigerweise confiscirt wurde. Der Herausgeber dieses Blattes, Herr

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