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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-07 · 14 (7.4.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
14 (7.4.1899)
Date
1899-04-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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©Cüc 272 »r. »Loch'» Wochrnschrifi Nr. 14 Schriftsteller den im Koran vorkommenden Stoff von den Prophetenlegenden vermehrt. Der Vortragende las dann die Legenden von der Geburt Jbrahim's, von seinen Heldenthaten und seinen Kämpfen mit Nimrod vor, welche theilweise in die Midraschschriften übergegangen sind. — Dr. E i s e n b e r g, der sich trotz seiner Jugend schon Verdienste um die Wissenschaft erworben hat, beschäftigt sich jetzt mit der Herausgabe einer großen arabischen Schrift über die Prophetenlegenden. Judenexcefse in Nachod. Neustadt a. d. Mettau, 5. April. In Nachod sind große Arbeiterunruhen ausgebrochen. Von Iosefstadt mußte Militär assi st enz requirirt werden. Die Häuser und Läden der Israeliten sind gefährdet. Nachod, 5. April, halb 11 Uhr Nachts. Streikende Weber der Firma Jacob Pick hetzten nach 6 Uhr Abends die Arbeiterschaft gegen das Fabriksgebäude und die Wohnung des genannten Fabrikanten. Hier, sowie in vielen von Juden b ewoh uten Häusern wurden die Fenste^eingeworfen, Thüren undFensterrahmen herausg erissen. Die Bäckerei Heller, die Kleiderhandlung Landes, der Branntweinladen Munk, das Fabriksmagazin Lederer u. Stransky und die Colonialwaarenhandluug K i r s ch n e r wurden v o l l st ä n d i g ausgeplündert. Die Gendarmerie war zu schwach und bemühte sich vergeblich, der Plünderer Herr zu werden. Es wurde um militärische Hilfe telegraphirt, die aber bis zur Stunde noch nicht eingetroffen ist. Die Plünderungen seitens der betrunkenen Menge dauern fort. Schon letzt ist der Schade enorm. Die ganze Stadt ist in größter Aufregung. Die Krawalle scheinen vorbereitet zu sein. Czernowitz. (Hauptmann Baltinester.) Ein halbes Jahrhundert ist es am 26. v. M. her, daß der k. und k. Hauptmann und Stadtrath Herr Bernhard Baltinester in. den Verband des österreichischen Heeres eintrat, 50 Jahre der Ehre, bald zwei Generationen trennen ihn von der Zeit, daß er, ein 17jähriger Jüngling, den Civilrock ablegte und als Freiwilliger (Expropriis) sich der militärischen Laufbahn zuwendete. Wie dem an Freiheit gewöhnten jungen Mann, der von den Seinigen verhätschelt wurde, wohl zu Muthe' gewesen sein mag, als er aus der Sphäre eines behaglichen, freundlichen Daseins hinübertrat in die Sphäre strenger Zucht und abhärtenden Drills! Es scheint, nicht schlecht, vielleicht noch sehr gut, denn der Civilist, das vornehme Söhnchen, erwies sich bald als einer der Strammsten unter den Strammen und zeigte solche Anstelligkeit, solch' echten Soldatengeist, daß man ihn beim Einmarsch der russischen Truppen in Czernowitz auf Schnarrposten an der Hauptwache stellte. Es war für den jungen Mann keine leichte Aufgabe, aber er entledigte sich ihrer mit- Geschick und erregte so sehr die Zufriedenheit seiner Vorgesetzten, daß man den Grünschnabel in Anerkennung seiner vortrefflichen Haltung sofort zum Corpora! beförderte. Das war ein rascher Sprung in den militärischen Sternenhimmel. Halten die ersehnten Dinge keinen Glanz, waren sie auch matt und ohne Schimmer wie altes Tuch, so waren es doch ihrer zwei, die sich bald vermehren. bald in glänzend-goldene verwandeln sollten. Denn nun ging es erst recht und rasch hinauf in die schönen Höhen des Militärstandes. Nach Ablegung der erforderlichen Prüfung wurde er bald zum Regimentscadetten ernannt, und in kurzer Zeit, kaum noch 21 Jahre alt, nach kaum vierjähriger Dienstzeit, trug der k. k. Gemeine von 1849, den Schleppsäbel mit dem goldenen Portevee und hatte den goldenen Stern am Kragen. Er wurde am 1. Juli 1854 Unterlieutenant zweiter, am 1. März 1858 erster Claffe, am 17. Juni 1859 Oberlieutenant und am 6. Juni 1866 Hauptmann und wurde am 1. Februar 1860 mit dem ganzen 3. Bataillon des 41. Infanterie-Regimentes, damals Baron Kellner, zum neuerrichteten 63. Jnfanterie- Regimente, König der Niederlande, transferirt. Im Feldzuge des Jahres 1859 focht er in Italien in den Reihen des 41. Infanterie-Regimentes beim Urbanischen fliegenden Corps in den Gefechten bei Barese, Como Cammerlatte und Castellnedollo gegen Garibaldi's Alpenjäger und erhielt für sein muthiges und tapferes Verhalten bei Castellnedollo sowohl von seinem Compagnie- und Regiments-Commandanten, als auch vom Generalstabs-Chef Tapferkeits-Zeugnisse. Im Feldzuge des Jahres 1866 kämpfte er bei der Südarmee unter Erzherzog Albrecht abermals in Italien in den Reihen des 63. Infanterie-Regiments, am 24. Juni in der denkwürdigen und siegreichen Schlacht von Custozza, wurde er nach Erstürmung einer feindlichen Batterie bei den eroberten Geschützen schwer verwundet und für seine hervorragenden Leistungen und tapferes Verhalten in dieser Schlacht vom Kaiser mit der Allerhöchsten belobenden Anerkennung ausgezeichnet und mit der Militär-Verdienstmedaille Signum laudis am Bande des Militär - Verdienstkreuzes decorirt — später infolge der durch die schwere Verwundung eingetretenen Invalidität über eigenes Ansuchen in den Ruhest« rd versetzt. Seit dem Jahre 1870 wurde er fortwährend in den hiesigen Gemeinderath und von diesem durch 25 Jahre zum Stadtrath gewählt, und hatte auch in dieser Stellung der Stadtgemeinde hervorragende Dienste geleistet. Wir wollen auch bemerken, daß der genannte Herr Hanptmann infolge seiner Functionen als G e m e i n d e r a t h und Stadtrath von Czernowitz einerseits und als Mitglied des Cultusrathes und Präses-Stellvertreter der hiesigen Cultusgemeiude, dann als Vorsitzender-Stellvertreter des hiesigen Executivcomitäs der Baron Hirsch-Stiftung andererseits, seit einer langen Reihe von Jahren eine segensreiche Thätigkeit sowohl im Interesse der Stadtgemeindeverwaltung als auch im Schoße der Cultusgemeiude entwickelt und sich in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung einer besonderen Sympathie und dankbaren Anhänglichkeit erfreut. Berlin, 4. April. Der Tod der Frau Baronin Hirsch hat in den Kreisen unserer Reichen und Reichsten verschiedene Gefühle hervorgerufen. Es ist selbstverständlich, daß man huldigende Sympathien empfindet für eine Frau, die die Erbin gewesen, nicht blos eines der größten Vermögen, die je beisammen gewesen, sondern auch des größten Wohlthätigkeitssinnes, der sich hat offenbaren können. Baronin Hirsch, die kinderlose, hat in gewissem Sinne die Wohlthätigkeit monopolisirt. Nicht darauf bedacht, einen mächtigen Besitz beisammenzuhalten, streute sie mit königlicher Hand ungezählte Millionen aus. Und so stark war der Strom ihrer Munisicenz, daß unsere Reichen und Reichsten — mit wenigen Ausnahmen — sich beschämt zurückzogen vor einer Concurrenz, mit dev sie den Vergleich nicht aushalten konnten. Sie hatten allerdings auch gar nicht den Ehrgeiz, ihn auszuhalten. Es ist thatsächlich dahin gekommen, daß gerade in Berlin die Reichen und Reichsten — und nur mit wenigen Ausnahmen — in sündiger Weife vergeizten, sich der Pflicht des Zehntens mehr und mehr versagten, und widerwillig nur da die Hand aufthaten, wo ein gewiffer Oeffentlichkeitszwang auf sie ausgeübt wurde, sie überdies ihre Gaben mehr vor Allerhöchsten Augen, als vor den Auaen des Höchsten darbrachten. „Geht zur Baronin Hirsch \“ — was war zur ständigen Abwehrredensart geworden. Manche von den Reichen und Reichsten, die noch einige Gewohnheiten des eigenen ftüheren Kleinbetriebes aus der vorcommercienräthlichen Zeit beibehalten hatten, fructifizirten ihren Commercienrathstitel in der Weise, daß sie sich selbst schnorrend an die Baronin Hirsch wandten und die fürstlichen Gaben, die sie dort für gemeinnützige Zwecke erhielten, zu vermitteln sich begnügten. Das war ein gutes „Geschäft": man hatte für einen Brief 20 Pfennig aufgewendet, und heimste den Dank für 50.000 Mark ein, die die Baronin Hirsch gespendet. Diese Millionärschnorrer trauern aufrichtig um die Wohlthäterin, denn jetzt werden sie sich schandenhalber doch entschließen müssen, ab und zu einmal 300 Mark aus ihrem eigenen Besitz zu opfern, um ihren Mäcenatenruf zu erhalten. Die ganz Reichen — nun, die haben sich inzwischen die Wohlthätigkeit zumeist völlig abgewöhnt. Wird einmal der — stets vergebliche — Versuch gemacht, sie heranzuziehen, so machen sie wehklagend die Rechnung ihrer Belastung auf und schämen sich nicht, die Zuwendungen an ihre wenigen glückbebegünstigten Verwandten als Almosensaete aufzuführen! Eben jetzt hat sich hier ein Comite gebildet, das für ein Krankenhaus in Karlsbad Mittel aufbringen will. Unter den Mitgliedern des Comitss sind neben den Rabbinen reiche und schwer reiche Leute. In dem Aufruf wird gesagt, was von Wien, Paris und Frankfurt am Main aus gespendet worden. Die Baronin Hirsch steht mit 40.000 Gulden an der Spitze, die kleinste Gabe ist 5000 Gulden. In Berlin wird die größte Gabe 5000 Gulden nicht erreichen! Die Wohlthätigkeit ist aus den Reihen unserer Reichen und Reichsten — immer mit wenigen Ausnahmen — verschwunden; nur im Mittelstände und bei den kleinsten Leuten wird sie noch gefunden.

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