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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-07 · 14 (7.4.1899) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
14 (7.4.1899)
Date
1899-04-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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m, 14 Dr. Vloch'» Wochrnschrifl Sette 371 kommen ihrer noch immer genug auf die Welt. Recht hat also der Stadtrath — meint der Stadtrath. Die armen Kinder können nun allerdings nicht an den Verwaltungs-Gerichtshof berufen, sie appelliren aber doch — an die Instanz des wohlthätigen Wien! Ein Vereinsmitglied." Prag. (Kaiser Franz Josef I. israelitisches Knabenwaisenhaus.) Anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers wurde in dem israelitischen Humanitätsvereine „Bohemia Bnai-Brith" von den Herren Dr. Alfred Hamburger und Leopold Jerusalem der Gedanke angeregt, ein israelitisches Knabenwaisenhaus für Böhmen zu gründen. Unter Mitwirkung der Vereine „Union Bnai-Brith" in Pilsen, „Karlsbad Bnai- Brith" in Karlsbad und „Philantropia Bnai-Brith" in Reichenberg wurde die Idee verwirklicht, und der neugegründete Verein zur Errichtung und Erhaltung des Knabenwaisenhauses erstattet nunmehr seinen Bericht über die vollzogene Errichtung dieses Waisenheims, in welchem bereits 16 Knaben untergebracht sind, welche durch den Schulleiter Herrn Isidor Schwager und dessen Gemalin sorgfältige Pflege, Erziehung und Unterricht genießen. In Bezug auf die Erziehung der Waisenknaben besteht das Pcincip, daß der möglichste Ersatz des Familienheims geboten werde. Es wird das Augenmerk gleichmäßig auf die körperliche und geistige Pflege der Kinder gerichtet. Turnübungen, Gartenarbeit, Spaziergänge, kleine Handarbeiten zur Förderung der Handfertigkeit, sowie anregende Spiele wechseln mit dem Schulunterrichte, der Correpetition und den Gebeten. Dabei wird auf die individuelle Charakter- und Berufsbildung jedes einzelnen Zöglings gesehen, und es ist deshalb auch ein Charakteristikenbuch angelegt, in welches die Wahrnehmung über das Betragen und den Fortschritt eines jeden Knaben, über seine Qualification und seine Eigenart eingetragen wird. Daraus wird man im Laufe der Erziehungsjahre sich ein richtiges Urtheil über den Beruf bilden können, dem ein Knabe sich später zuwenden soll und es kann die nöthige Vorbereitung getroffen werden, je nachdem der Zögling sich der Landwirthschaft, dem Handwerk oder dem Handel, der Wissenschaft oder der Kunst zu widmen habe. Die Knaben besuchen die öffentlichen Schulen. Die verstorbene Frau Baronin Clara Hirsch de Gereuth in Paris ist dem Vereine als Stifterin mit der Widmung von 10000 fl. beigetreten. Desgleichen hat der Präsident Herr M. I o ß anläßlich der ihm am 2. December v. I. gewordenen Allerhöchsten Auszeichnung mit dem Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens seine ursprüngliche Zeichnung als Gründer mit dem Betrage von 1000 fl. auf eine solche als Stifter mit dem Betrage von 5000 fl. erhöht. Her Verein zählt weiters: 16 mit der Widmung von je 1000 fl. beigetretene Gründer. 214 Gönner, welche zusammen den Betrag von 27.087*27 fl. als einmalige Schenkung, und schließlich 2450 beitragende Mitglieder, welche einen jährlichen Beitrag von zusammen 10.238*50 fl. subscribirten. Nebst diesen einmaligen Widmungen im Gesammtbetrage von 58.087°27 fl. und dem Jahresbeiträge der Mitglieder von 10.238*50 fl. ist dem Vereine an freiwilligen außerordentlichen Spenden der Betrag von 7171'68 fl. zugefloffen, in welchem auch das Reinerträgniß des Concertes inbegriffen ist, welches der israelitische Tempelverein der Königlichen Weinberge zu Gunsten des Waisenheims veranstaltete und demselben 256 90 fl. einbrachte. Die Vereinsleitung besteht aus folgenden Herren: Direction: M. Joß, Präsident; kaiserl. Rath Philipp Falkowicz. erster Vicepräsident; Leopold Jerusalem, zweiter Vicepräsident; Director Moritz Mautner, Schriftführer; Sigmund Waldstein, Casfier; Arnold Turnau, Rechnungsführer; Philipp Beck, Benedict Böhm, Heinrich Denhof, MUDr. Julius Fantl, kaiserl. Rath, Robert Fuchs, kaiserl. Rath Hermann Grab, Moritz Hahn, JUDr. Alfred Hamburger, kaiserl. Rath Sigmund Kann, TUDr. Sigmund Kauders, JUDr. Friedrich Kaufmann, Sigmund Knina, Max Kahler, Ignaz Lion, Simon Löwenstein, Ludwig Moser (Karlsbad), Ignatz Ornstein, Wilh. Oestreicher, JUDr. Heinrich Rosenbaum, Fritz Winterberg, IUDr. Josef Schanzec (Pilsen), Dr. Ad. Poznansky (Pilsen), Dr. Ignatz Ziegler (Karlsbad), Alfred Schwalb (Karlsbad), Heinrich Längstem (Reichenberg), Berthold Winterberg (Reichenberg). Revisoren: die Herren: Ed. Götz, L. S. Klatscher, Director Ad. Wlaschim. Mitglieder des Curaloriums sind die Herren: kaiserl. Rath Moritz Hahn Obmann Philipp Beck, Obmann-Stellvertreter; MUDr. Julius Fantl, Schriftführer; kais. Rath Philipp Falkowicz; sUDr. Alfred Hamburger; M. Joß; IUDr. Sigmund Knina; Ignatz Ornstein; Berthold Winterberg. Dem Damencomite gehören an die Frauen: Emilie Beck, Bertha Strauß, Emma Mautner und Karoline Grätz. — In dem Jahresberichte wird allen Wohltätern für die materielle Förderung und dem Schuldirector Herrn Mautner für seine geistige Mitarbeiterschaft, ferner den Aerzten Dr. Fantl und Dr. Eckstein für die ärztliche Behandlung der Waisenknaben der Dank ausgesprochen. Prag. Am 19. d. M. fand eine Versammlung der Mitglieder des Gemeindebundes für das Königreich Böhmen statt. Der Vorsitzende, Dr. A. Rosenbacher, eröffnete die Versammlung mit eine Begrüßungsansprache, in welcher er den Vertretern der verschiedenen Gemeinden für ihr Erscheinen dankte. Dr. Friedrich Duschen es verlas hierauf den Bericht der Thätigkeit des Gemeindebundes seit seiner Entstehung und wies auch auf jene Momente hin, welche dazu beitrugen, den Gemeindebund ins Leben zu rufen. Seit Erlaffung des Gesetzes vom März 1890 zur Regelung der Cultusgemeinde-Angelegenheiten hat sich das Bedürfniß fühlbar gemacht, einen Gemeindebund zu gründen, der in erster Linie die Aufgabe haben soll, jenen kleinen Gemeinden, welche sich selbst nicht helfen können, ein unterstützender Factor zu sein. Die in Deutschland geschaffene Vereinigung der Gemeinden gab vor zweieinhalb Jahren den Impuls, auch in Böhmen eine Vereinigung zu schaffen, denn was eine Gemeinde nicht erreichen kann, kann durch Solidarität erzielt werden. Insbesondere hob der Referent die Action des Gemeindebundes betreffs der Pensionirung der Cultusbeamten, respective Versorgung der Witwen und Waisen hervor. Ferner besteht in dem Gemeindebund ein Rechtsschutz-Comite, das den Zweck hat, alle gegen Juden gerichteten Rechtswidrigkeiten zu bekämpfen. Herr Sch ul ho f-Horiv plaidirte für Anschluß sämmtlicher humanitären Vereine Prags, wie „Central-Verein", „Kreuzer-Verein" u. s. w., an den Gemeindebund, da er die Ueberzeugung habe, daß hierdurch eine weit ersprießlichere Thätigkeit entfaltet werden könnte. Herr Dr. Oscar Willner- T.eplitz bekämpfte diesen Antrag mit der Motivirung, daß jeder Verein seine besondere Wirkungssphäre hat und die Zwecke eigenthümlich und verschieden seien; er sei nicht für die Centralisation. Der Vorsitzende äußerte sich in letzterem Sinne. Ein Gesuch der Gemeinde Bodenbach um Gewährung einer Unterstützung zu einem Tempelbau seitens des Gemeindebundes wurde, nachdem der Ausschuß dasselbe vorher bewilligt hatte, genehmigt. Weiters gelangte zur Verlesung ein Gesuch des Landes-Lehrer-Bereines um Abhilfe von Mängeln betreffs des Religionsunterrichtes. Der Gemeindebund hat in dieser Angelegenheit eine Deputation an den Minister- Präsidenten entsendet, welche eine günstige Erledigung erzielte. Ferner wurde ein Gesuch des czechisch-jüdischen Vereines um Drucklegung jüdischer Religionsbücher in böhmischer Sprache genehmigt. Herr Dr. Josef Podwenic - Kolin nahm sich im Lame der Verhandlungen sehr warm der Cultusbeamten an, die doch sehr bemitleidenswerth sind. Wir leben heute in einer Zeit, woselbst die Fabriken ihre Arbeiter versorgen, warum sollen wir nicht das Gleiche gegenüber unseren Angestellten thun? Die Ausführungen wurden von Herrn Dr. Rosenbacher und Herrn Doctor Duschenes unterstützt. Allgemeines Bedauern wurde darüber ausgesprochen, daß so viele Gemeinden dem Bunde fernestehen und insbesondere die Gemeinden Karlsbad und Aussig ihre Mitgliedschaft noch nicht angemeldet haben. Nach Vornahme verschiedener Wahlen wurde der Gemeindetag durch Herrn Doctor Rosenbacher geschloffen, indem er mit warmen Worten allen Anwesenden für ihre bekundete Theilnahme dankte. Prag. Der hiesige wiffenschaftliche Verein für Volkskunde und Linguistik veranstaltete hier am 23. v. M. einen Discussionsabend. Herr Phil. Dr. Jsak Eisenberg hielt einen sehr fesselnden Vortrag: „Ueber die Ibrahim- und Nimrodsage in der Koranexegese". Der Vortragende führte ans, daß schon vor Entstehung des Islams viele Legenden biblischer Propheten in Arabien eingebürgert waren. Muhamed stellte die Propheten als seine Vorgänger dar, beutete ihre Geschichte für seine Zwecke aus und suchte seine Lebensschicksale mit denen der früheren Propheten in Verbindung zu bringen. Die Prophetcnlegenden hat Muhamed in poetisch schöner Form, wie wir sie jetzt im Koran vorfinden, den heidnischen Arabern vorgetragen und diese dadurch begeistert und für sich eingenommen. Nach Muhamed haben die Koranerklärer und die damaligen

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