Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 14 (7.4.1899)
- Date
- 1899-04-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette L70 Jfix, Vloch's Wochenschrtfl Reihe edelster Gestalten, die Gut und Blut geopfert haben für ihren Glauben, für die leidende Menschheit, für ihr Vaterland. Eine solche Erscheinung war auch die Verblichene. Sie war von Natur mit einem äußerst sympathischen, gewinnenden Wesen ausgestattet. Sie genoß in ihrem Elternhause die. beste Erziehung und besaß auf allen Gebieten hervorragende Kenntnisse und in praktischen Dingen eine große Lebenserfahrung. Anläßlich ihres Besuches im hiesigen Waifenhause hatte ich Gelegenheit, ihren praktischen Sinn zu bewundern. Als ich dieser meiner B Wanderung Ausdruck gab, erwiderte sie in chrer bescheidenen gewinnenden Weise: „Ich habe es schon im Hause meiner Eltern gesehen und gelernt, wie arme Waisenkinder zu behandeln sind". Sie ertrug mit großem Heroismus die Fügungen Gottes, den Verlust ihres begabten einzigen Sohnes, den Tod ihres Mannes. Ihr ganzes Streben und Weben war der Humanität und dem Wohlthun gewidmet. Von früh Morgens bis zum späten Abend arbettete sie an der Erledigung der eingelaufenen Gesuche aus allen Enden der Welt; denn sie beschräntte ihr Wohlthun nicht allein auf ihre Heimat. Ueberall gab sie mit vollen Händen ohne Unterschied der Nationalität und der Confession. Ihr Geben war beispiellos; sie huldigte dem Satze: „Wer schnell gibt, gibt doppelt." Ihr Tod ist ein unersetzlicher Verlust, und Hundertausende von Nothleidenden werden ihren Heimgang tief beklagen und betrauern. Wir Ueberlebende, die wir berufen sind, die von ihr und ihrem Manne errichteten Sttstungen zu führen, haben die Pflicht, dieselben zum Heile unseres Landes und unserer leidenden Mitmenschen zu hegen und zu pflegen, wie man Culturdenkmäler hegt und pflegt. Wir werden dieselben nach bestem Wissen und Können verwalten und unseren Lohn darin sehen, daß Tausende aus den zahlreichen Stiftungsschulen hervorgehen werden, die das Andenken an die hochherzige Verblichene und ihren verstorbenen Gemal bewahren werden, denen sie ihre ganze Existenzfähigkeit schulden. Wir dürfen nicht klagen und müssen uns mit Resignation in Gottes unerforschlichen Willen fügen. Das Andenken an die edle Verblichene, sowie das ihres im Tode vorangegangenen Gatten wird in unserem Staate und auf der ganzen Erde, wo fühlende Menschen leben, stets hoch gehalten werden." Zum Leichenbegängnisse der Frau Baronin Hirsch, bei welchem Kranzspenden und Nachrufe ausdrücklich verbeten wurden, haben sich in Vertretung des Curatoriums die Herren Curatoren Sigmund Ritter v. Bauer, Dr. Hermann Grünbaum, Dr. Paul Hammerschlag, sowie der Secretär der Süftung, Herr Dr. Friedländer, und der ' Rechtsconsulent, Herr Dr. Wechsberg nach Paris begeben. Das versammelte Curatorium hat den Hinterbliebenen in einem Telegramme sein tiefstes Beileid an dem schweren Verluste ausgedrückt. W-eu. (Jakob Roth berge r.) In seiner Wohnung im Philipphof ist nach kurzem*'Leiden der bekannte Großindustrielle Jakob Rothberger im 73. Lebensjahre gestorben. Mtt Jakob Rothberger ist einer jener Männer aus dem Leben geschieden, welche aus den bescheidensten Anfängen sich zu einer hervorragenden Stellung emporzuringen verstehen. Jakob Rothberger war ein Selfmademan im eminentesten und besten Sinne des Wortes. Als armer Schneidergehilfe kam er in den Bierziger-Jahren auf seiner Wanderschaft nach Wien, nachdem er mehrere Jahre in Paris, dem Centrum der Mode, gearbeitet hatte. Hier in Wien begann er in einer kleinen Mansarde in der Goldschmidgaffe, an der Ecke des Stefansplatzes, dort, wo sich jetzt das große Waarenhaus erhebt, in kleinem Maßstabe fertige Kleider zu erzeugen. Der Erfolg des fleißigen Schneiders war ein derartiger, daß er schon nach kurzer Zeit ein Geschäft auf dem Stefansplatze eröffnen konnte, das nach und nach solche Erweiterungen erfuhr, daß sich aus demselben ein Waarenhaus im größten Styl sür fertige Herrenkleider herausgestaltete. Schließlich entstand der heuttge Palast aus dem Stefansplatze, der in den letzten Jahren durch den Zubau des Hauses, in dem Jakob Rothberger seine Laufbahn begonnen hatte, erwettert wurde. Der Verstorbene war durch und durch ein moderner Mann, der sich alle fortschrittlichen Errungenschaften zu eigen gemacht und in seinem Geschäfte zur Anwendung, gebracht hatte. In seinen zahlreichen Etablissements — es bestehen solche fast in allen größeren Provinzstädten — beschäftigte er ein ganzes Heer von Beamten und Bediensteten, denen er, der ehemalige Schueidergeselle, nicht nur ein wohlwollender Chef, sondern stets ein treuer Freund gewesen ist. Als vor vier Jahren das 50jährige Bestandsjubiläum des Nr. 14 Geschäftes gefeiert wurde, war Jakob Rothberger Gegenstand herzlicher Ovationen nicht nur von Seiten seiner Beamten und Bediensteten, sondern auch von Seiten zahlreicher industtieller Kreise. Bis in die letzten Tage seines Lebens rüstig und die Seele des Geschäftes, in dessen Führung er von drei Söhnen unterstützt wurde, erkrankte er vor einigen Tagen plötzlich, ohne sich mehr vom Krankenlager erheben zu können. An seinem Sterbebette weilte seine ganze Familie. Der Verstorbene war Besitzer des goldenen Brrdienstkreuzes und Hoflieferant. Die Beerdigung fand am letzten Montag statt. In dem mit schwarzen Fahnen geschmückten Rothberger - Hause am Stefansplatze versammelten sich die Angestellten, Bediensteten und Arbeiter des Dahingeschiedenen unter Führung des Directors. Ein Zug von fast 100 Wagen bewegte sich um 10 Uhr vom Stefansplatz auf den Centralfriedhof, wo sich bereits mehrere Hundert Trauergäste und die Hinterbliebenen eingefunden hatten. Um 11 Uhr trug man den einfachen Sarg in die Ceremonienhalle; ihn schmückten viele schöne Kränze, darunter ein besonders prächtiger des Personals: väterlich gesinnten Chef in dankbarer Erinnerung", ferner solche des technischen Personals, von den Mitarbeitern der Werkstätte, dieser mit rothen Schleifen. Nach den rituellen Gebeten und der Trauerrede des Oberrabbiners Dr. G ü d e m a n n wurde der Sarg zum Grabe gebracht und in die Tiefe gesenkt. Der Familie des Verblichenen ist eine überaus große Zahl von Trauerknndgebnngen zugekommen. Wien-. Die „Neue Freie Presse" veröffentlicht folgende Zuschrift: „Herr Redacteur! In Ihrem Morgenblatt vom 23. d.M. dringen Sie die Mittheilung, daß der Stadtrath mit Rücksicht auf die bekannte Entscheidung des Verwaltungs-Gerichtshofes vom 8. März d. I., womit die Bewilligung einer Subvention von 30.000 fl. aus Gemeindemitteln für den Bau der St. Laurentius-Kirche als ungesetzlich aufgehoben wurde, nun auch das Ansuchen des Vereines von Kinderfreunden um eine Subvention abgelehnt habe. Wenn dies wirklich als Grund der Ablehnung vorgegeben wird, dann muß man fragen, wen man denn da foppen will. Der gegenwärtige Stadtrath und . Gemeinderath hat dem Verein von Kinderfreunden die von ihm seit mehr als zwanzig Jahren bezogene Subvention jährlicher 500 fl. s ch o n i n,d e n J a hre Hr 1897 und 1898 entzogen, als von der Entscheidung des Verwaltungs-Gerichtshofes noch keine I d e e w a r. Im Jahre 1897 erhielt der Verein von Kinderfreunden auf sein Gesuch gar keine Antwort und im Jahre 1898 erhielt er die Erledigung, daß seinem Ansuchen keine Folge gegeben wird, ohne ein Wort der Begründung. Wenn nunmehr als Grund für die abermalige Abweisung die letzte Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofks angegeben wird, so ist dies eine Fopperei; ohnelriese Entscheidung hat der gegenwärtige Stadtrath auch nichts bewilligt. Uebrigens bezieht sich die Entscheidung des Verwaltungs-Gerichtshofes, wie darin selbst gesagt wird, nicht als die Bewilligung von Aushilfsbeiträgen an Wohlthätigkeits- Anstalten und -Vereine, die vielmehr nach wie vor zu bewilligen dem Gemeinderathe gemäß § 52 q) des Gemeindestatutes ausdrücklich Vorbehalten bleibt. Daß aber der Verein von Kinderfreunden, der ganz allein das bekannte Kinder- Asyl in Zillingsdorf mit öffentlicher Schule erhält, wo arme verwaiste Kinder ihre volle Verpflegung, Unterricht und Erziehung erhalten, ein Wohlthätigkeits-Jnstitut ist, kann wohl Niemand bestreiten. Die aufgenommenen Kinder kommen überdies fast alle aus Wien, sei es, daß sie hier zuständig oder hier aufgelesen sind, und würden zweifellos der Stadt zur Last fallen, wenn sie das Kinder-Asyl nicht aufnähme. Das Kinder-Asyl entlastet also die Stadt und hätte geradezu ein Anrecht auf eine Subvention. Es bekommt sie. aber nicht, und zwar ohne jeden Grund, wenn es nicht eben der ist, daß es sich um ein Wohlthätigkeits-Jnstitut handelt, und die stehen eben nicht in der Gunst der herrschenden Partei. Was ist die Folge davon? Der Verein von Kinderfreunden, dem das Kinder-Asyl von Zillingsdorf gehört, ist ein armer Verein; mit knapper Noth bringt er es dahin, seine 40 bis 50 Kinder" jährlich im Asyl zu erhalten. Er muß bei der Aufnahme unter den Aermsten die Allerärmsten heraussuchen, und es ist so schwer, zwischen denen, die allesammt nichts haben, Vermögensunterschiede zu machen, aber es ikützt nichts: Einige müssen verhungern; nun, wenn der Verein die Subvention nicht bekommt, so verhungern eben um einige mehr. Was liegt daran? Es