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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-07 · 14 (7.4.1899) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
14 (7.4.1899)
Date
1899-04-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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tfti. 14 Vr. Bloch'» Wochen fchrm Seile 269 BekennLniß über das Wesen seiner Geschichten über seine Tendenz. Er hatte ursprünglich gar nicht die Hoffnung, auch von anderen als Juden gelesen zu werden. Ich vermulhe jetzt, daß er in der That weniger von Juden gelesen worden ist. Aber einen anderen Zweifel theile ich mit ihm; er legt denselben in die Seele desselben Emanuel, dessen Worte wir soeben gelesen haben, den „Zweifel, ob (Clara die Geliebte) sie, die Anderserzogene, Andersglaubende, mit denselben Augen, wie er, sehen würde, ob ihre Seele durch die Pforten der Poesie, wie ihm Vater, Mutter und Heimat dieselben aufthaten, eintreten könnte!" Heute ist der Zweifel, ob die deutsche Nation einen verständnißvollen Blick in die geöffneten Pforten des Ghetto habe werfen können, noch ganz anders berechtigt, als vor dreißig Jahren, da jene Novelle geschrieben ward. Was aber meinen Zweifel überwindet, ist einfach der Gedanke: Konnte das Ghetto seine Kinder Lessing, Schiller und Göthe verstehen machen, wie sollten nicht alle die, welche diese Dichter verstehen, auch in das Ghetto mit Verständniß eindringen, wenn ihnen der Zugang eröffnet ist. Uebrigens hat Kompert seine Stoffe auch aus anderen Kreisen zu wählen und zu bearbeiten verstanden. Ich kann hier „Die deutsche Gräfin in Ungarn" nicht unerwähnt lassen. Kompert führt uns in dieser Novelle aus dem Jahre 1856 m die wilden ungarischen Wahlkämpfe ein. Janos, „der Sclave und der Freund feinls Gebieters, seine Hand, sein Kopf, sein Wille, aber auch der Nacken, der den Fußtritt schwer empfand, und die verkörperte Willenlosigkeit, mit geschlossenen Lippen, wenn das schwerste Unrecht sie traf" —, steht hier nicht auch ein seltsames Wesen eines wunderlichen, wenn auch nicht sogenannten Ghetto vor uns? Er verfaßt die Reden, mit denen sich der Graf seine politischen Triumphe holt, denkt und schreibt dessen Briefe, aber er ist dennoch weniger als sein Secretär, viel weniger, er ist subjectlos. Dieser so begabte Janos wird von seinem Gebieter nach Deutschland an den Neckar gesandt, um ein dortiges schönes, junges Mädchen, eine Grafentochter, die demselben verlobt ist, ungarisch zu lehren und zur Ungarin umzuwandeln. Da hat er Deutschland kennen gelernt. „Wie herrlich", ruft er aus, wie „unergründlich tief ist dieses deutsche Wesen; wie hat es mich angehaucht, mich, den Sohn Ungarns, der bis dahin nichts Größeres und Herrlicheres geahnt hatte, als sein Vaterland. Was ist aber dieses Vaterland gegen die Heimat, die sie geboren hat, Frau Gräfin? Was ist die wilde, orientalisch-träge Kraft unseres Volkes gegen das gleichmäßige, in ruhiger Harmonie webende Gestalten des deutschen Wesens?" Neben diesem sanften deutschen Weibe spielte sich eine wilde Tragödie ab. Ein junger Magyar aus dem Bauernadel kann nicht leben, wenn er nicht einen Kuß von gewiffen Lippen gewinnt; er gewinnt ihn und erwirbt damit den Tod. Endlich sein letztes Werk: „Franzi und Heini, Geschichte zweier Wiener Kinder". Der Form, wie der Tendenz desselben fehlt es an derjenigen Einheit, welche der französische Classicismus fordern würde. Der deutsche erträgt dies gern, wenn, er durch den Reichthum der Ideen entschädigt wird. In dieser Kindergeschichte offenbart sich die Fülle der Interessen, die Kompert's Gemüth hegte. Die Entwicklung zweier Kinderseelen, um welche der Kampf zwischen Staat und Kirche um die Schule leise dröhnt, in welche die aus innigster Freundschaft zu ingrimmigster Feindschaft verwandelte Beziehung der Mütter gewaltsam eingreift, welche zum Spielball der Verwirrung von Glauben und Darwinismus zu werden droht, welche im Zwiespalt der Gesetzesstrenge und des milden Urtheiles zu ersticken Gefahr läuft, spielt sich vor uns ab — der gute, wenn auch dunkle und gefährdete Drang der Kinderseelen ist ihr guter Engel. Wie versteht es hier Kompert, mit einem Wort die Lösung herbeizuführen! Die Kinder werden gefragt, was sie werden wollen — ihre Antwort gibt Licht und Beruhigung. Er hat selten, doch zuweilen, aber nur für sich und seine intimsten Freunde in Versen geschrieben; und so hat er einmal in den letzten Jahren gesagt: „Sprecht nicht mehr von des Orients fremdem Sohn, Und höhnt nicht mehr das träum'rische Zion! Ich bin ein Deutscher, will ein Deutscher heißen!" So, wird die Nation um ihn trauern, „Denn er war unser!" Correspondenzrn. Wien. (Trauerfeier für Baronin Hirsch.) Sonntag wurde in beiden Tempeln der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, und zwar in der Inneren Stadt von Herrn Dr. Güdem ann, in der Leopoldstadt von Herrn Dr. Schmidl anläßlich der Seelengedächtnißfeier dem Andenken der verewigten Frau Baronin Clara Hirsch ein ehrender Nachruf gewidmet, welcher auf die zahlreichen Andächtigen tiefen Eindruck machte. Der Cultusvorstand wird überdies im Laufe der nächsten Woche in dem großen Gemeindetempel der Leopoldstadt einen feierlichen Trauergottesdienst veranstalten. Die Präsidentin des israelitischen Frauen- Wohlthätigkeits-Vereines der Leopoldstadt, Frau kais. Rath Bertha K o h n sandte nach Paris im Namen des Vorstandes ein ausführliches Condolenz-Telegramm. Der Vorstand des Vereines „Frauenhort" versammelte sich am 3.April um 11 Uhr Vormittags. Die Präsidentin, Frau Zifferer, eröffnete die Sitzung mit folgenden warm empfundenen Worten: „Eine tief erschütternde Trauerkunde ist uns zugekommen: Baronin Clara v. Hirsch-Gereuth geb. Bischofsheim ist nach langer, schmerzvoller Krankheit dahingeschieden. Ein Leben voll Wohlthun hat geendet, wie es ohne Beispiel dasteht, und das ein Beispiel für alle Zukunft bieten soll. Eine Frau, welche die herbsten Schicksalsschläge, die einem Frauenherzen beschieden sein können, erdulden mußte, war mit edelster Hingebung bedacht, nur Gutes zu thun, Thränen zu stillen, Bedürftigen zu helfen. Kein Hilferuf verhallte an ihrem Ohre, sie war bis zu ihrem Lebensende unermüdlich in Werken der Wohlthätigkeit und Menschenliebe. Indem wir ihren Heimgang auf das Tiefste beklagen, empfinden wir die unausfüllbare Lücke, die durch denselben entstanden. Doppeltschwer wird uns mm unsere Aufgabe, aber in diesem Momente der Trauer für jedes jüdische Herz wollen wir es uns geloben, an Clara von Hirsch-Gereuth ein Muster zu nehmen und unermüdlich, so weit unsere schwachen Kräfte ausreichen, im Dienste jüdischer Wohlthätigkeit zu wirken. Sie sind sicher mit mir einverstanden, daß wir der Familie unser Beileid durch Absendung dieses Telegrammes zum Ausdruck bringen: „Der anläßlich des Ablebens seines Ehrenmitgliedes, der verewigten Baronin Clara von Hirsch-Gereuth, versammelte Vorstand des Vereines „Frauenhvrt" gibt dem tiefen Schmerze über den Verlust der edelsten Frau innigsten Ausdruck. Mögen die Gebete, die aus tausenden dankbaren Herzen für die beispiellos dastehende Wohlthäterin emporsleigen, Ihnen Trost bieten. Das Andenken an Clara von Hirsch bleibe gesegnet und unvergeßlich!" Die Versammlung gab, tief ergriffen, ihrer Trauer durch Erheben von den Sitzen Ausdruck. Nach dem Einlangen de^ erschütternden Nachricht von dem Ableben der Frau Baronin Hirsch wurde an sämmtliche Stiftungsschulen ein Circular folgenden Inhalts erlassen: „Tieferschüttert gebe»! wir Ihnen die traurige Kunde von dem Hinscheiden der unvergeßlichen Wohlthäterin, hochherzigen Philantropin und Protectorin unserer Stiftung, der Frau Baronin Clara von Hirsch-Gereuth, welche das Stiftungswerk ihres seligen Gemals in so opferwilliger Weise ausbaute und förderte und in ihrer unvergeßlichen Güte stets Hilfe spendete, wo es nur Leiden und Elend zu lindern gab. Wir ordnen an. daß am ersten Sonntag nach dem Begräbnisse an sämmtlichen Stiftungsschulen um 10 Uhr Vormittags ein Trauergottesdienst für die Schuljugend abgehalten werde, daß ferner das ganze Trauerjahr hindurch von Waisenknaben beim Morgen- und Abendgottesdienste das Kadischgebet für die selige Stifterin gesprochen und ein Sterbelicht angezündet werde. — Der Todestag der edlen Stifterin, den wir Ihnen noch genauer bekanntgeben werden, hat in den Stiftungsschulen für ewige Zeiten als Trauertag zu gelten und hat an demselben stets ein Trauergottesdienst für die Schuljugend stattzufinden." Sodann wurde für Montag den 3. April eine außerordentliche Curatoriums-Sitzung der Stiftung einberufen, die sehr zahlreich besucht war. In dieser Sitzung hielt Herr Präsident David Ritter von Gutmann folgenden ergreifenden Nachruf, der von der tiefbewegten Versammlung stehend angehört wurde. „Geehrte Herren! Es obliegt mir die traurige Pflicht, Ihnen von dem Hinscheiden der Frau Baronin Clara von Hirsch Mittheilung zu machen, die am 1. d. M. in Paris gestorben. Ihr Tod ist ein tieferschütterndes Ereigniß. Vertiefen wir urs in das Buch der Bücher, in die Bibel, so erscheint uns eine

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