Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 13 (31.3.1899)
- Date
- 1899-03-31
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 13 jßx. Vloch'» iVochrnschrifi Seite 257 Prerau. Am 3. April veranstaltet der jüd.-akadenr. Ferialverein „Massada" im Saale der Restauration des Herrn Haas einen Fest-Abend mit Tanzkränzchen. Herr Concertnreister Rudolf Haas hat aus Gefälligkeit seine Mitwirkung an dem interessanten Programme zugesagt, und es ist zu erwarten, daß der Abend gleich dem des Vorjahres einen recht angenehmen Verlauf nehmen wird. Lemberg. Das hohe k. k. Cultusministerium hat den Recurs der conservativen Gemeindemitglieder, betreff Statutenänderungen theilweise zu deren Gunsten erledigt und die hiesige Statthalterei beauftragt, ein friedliches Uebereinkommen zwischen den fortschrittlichen und conservativen Gemeindemitgliedern anzubahnen und durfte der hiesige Cultus Vorstand eine Enquete beider Parteien einberufen. Proßnitz. (T o d e s f a l l.) Am zweiten Paffahfeste verschied hier Herr Salomon Erber, Disponent der hiesigen Kleiderfabriksfirma M. & I. Mandl nach 35jähriger erfolgreicher Thätigkeit in ein und demselben Fabrikshause, nach langer Krankheit, welche ihn aber nicht abhielt, bis zum letzten Augenblicke seinem Berufe nachzukommen. Der Verstorbene galt als Muster eines pflichttreuen Beamten und besaß deshalb die Sympathien seiner Chefs und des ganzen Fabrikspersonales. Die zahlreiche Betheiligung bei dem Leichenbegängnisse gab beredtes Zeugniß von der hohen Achtung und Werthschätzung, welcher sich der Verewigte in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung erfreute. Preßburg. Seit anderthalb Jahren besteht hier ein Verein unter dem Titel „Jagdil Thora", welcher allwöchentlich Vorträge über jüdische Geschichte und Literatur veranstaltet. Außerdem befaßt sich der Verein mit der Stellenvermittlung für solche junge Leute, welche in ihrer Beschäftigung auf die Sabbathfeier nicht verzichten wollen. Preßburg. Am 5. März d. I. fand die Generalversammlung des Jagdil Thoravereines statt. Der um den SSereiit sehr verdiente Präses, Herr Salomon Wertheimer begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und ersuchte sie, auch fernerhin die Interessen des Vereines zu wahren und zu fördern. Herr Schriftführer Kraus verlas sodann den Jahresbericht, welcher von den Mitgliedern mit größter Befriedigung entgegengenommen wurde, und wurde dem leitenden Ausschüsse der Dank votirt. Nachdem noch die anderen Functionäre, und zwar die Herren: Cassier, Bibliothekar und Obmann des Stellenvermittlungsbureau ihre Berichte erstatteten, wurde die Neuwahl des leitenden Ausschusses vorgenommen. Gewählt wurden mit großer Majorität zum Präses Herr Salomon Wertheimer, zum V'.cepräses Herr Julius Fischer, zum Cassier Herr A. Neurath, zum Bibliothekar Herr S. Bettelheim, zum Obmann der Stellenvermittlung Herr G. Kästner, zum I. Schriftführer Herr S. Kraus, zum II. Schriftführer Herr M. Hauser, als Ansschußmitglieder die Herren M. Grünberg, I. Herzog, M. Orlik, I. Reif und I. L. Schey und außerdem fünf Ersatzmitglieder. New-Iork. Dr. D. Gottheil, der jüngst seinen 70. Geburtstag feierte, wurde von seiner Gemeinde * empel Emanuel el mit einem Ruhegehalte von 6000 Dollars per Jahr pensionirt. An seiner Stelle wurde Dr. Emil Hirsch aus Chicago, der eminenteste Kanzelredner Amerikas mit 14.000 Dollars Jahresgehalt berufen; dessen Gemeinde, die Congregation Star Sinai in Chicago, will jedoch ihren Pastor nicht ziehen laffen und hat ihm denselben Gehalt auf Lebenszeit garantirt. Nun ist man in den betreffenden Kreisen gespannt, ob Doctor Emil Hirsch am Sinai stehen bleiben oder zu Emanuel El ziehen wird. Ein seltenes Dilema, in das gewiß noch kein Rabbiner je hineingekommen ist. Die jüdischen Frauen und ihre Ausgabe. Von Henriette Fürth. In einer früheren Zeit —sie liegt noch nicht allzulange hinter uns und der Vertreter der "damals herrschenden Anschauung, der leisen wie der lauten, gibt es noch viele — galt der Satz, daß die Frau die beste sei, von der man am wenigsten rede, die am wenigsten von sich sprechen machen Sie mochte recht haben, die „gute alte Zeit". Bei ihren so ganz anderen Lebensgewohnheiten und Lebensbedingungen war nur in seltenen Fällen die Frau die beste, die aus dem ihr zugewiesenen Pflichtenkreis heraus auf den Markt des Lebens trat. Heute ist das anders geworden, ganz anders. Die technischen Umwälzungen unserer Tage haben die Frau in ihrem Wirken für das Haus entlastet, sie haben ihr Zeit gegeben, sich auf sich selbst zu besinnen und ideale Kräfte und Tendenzen zu entwickeln, dazu bestimmt, dem Wohle der Familie ebenso zu dienen, als dem der Gesammtheit. Aber die technische Revolution hat auch die ökonomischen Gegensätze zugespitzt und hat ein großes Heer von Frauen mitten hinein gestellt in den brutalen Kampf ums Dasein. Sie Alle aber, die geistig Befteiten wie die wirthschaftlich Bedrückten, haben einsehen gelernt, daß die Zeit vorüber ist, in der es der Frau gestattet war, in behaglicher Beschaulichkeit sich selbst und dem größeren oder kleineren Pflichtenkreis zu leben, in den die Ehe sie hineingestellt hatte, sie erkannten, daß "es gilt, mitzuwirken am Webstuhl der Zeit, und sie haben die Consequenzen dieser Erkenntniß gezogen. In den oberen und unteren Kreisen haben sich die Frauen organisirt und organisiren sich täglich, um das weite Gebiet geistiger und wirthschaftlicher Selbstständigkeit für sich zu erobern/ Nur eine gewisse Schichte des mittleren Bürgerthums hat sich bis heute alledem gegenüber gleichgiltig, um nicht zu sagen ablehnend verhalten. Das begreift sich leicht. Die Noth des Lebens bleibt den Angehörigen jener Classe fern^, kein Daseinskampf drängt sie, Fähigkeiten und Anlagen zu entwickeln und auszubilden. Auf der anderen Seite ist weder die Erziehung, die ihnen zu Theil wurde und wird, noch auch die Bestrebungen und Tendenzen ihrer meist kaufmännischen Umgebung danach angethan, geistigen Hunger zu wecken und wenn geweckt, zu befriedigen. 'Denn gerade hier ist die größte Zahl Jener zufrieden, die noch immer das Liedlein singen von der Frau, die ins Haus gehöre >, und nur ins Haus, "und daß ihre Frauen es nicht nöthig haben, sich um's liebe Brot zu sorgen, aber erst recht nicht nöthig, sich mit dem modischen Firlefanz von WisM und Wollen de Köpfe zu verdrehen.^ Und unter den Schreiern die lautesten, unter beirreactionären Köpfen die vorlautesten sind Juden. Auch das ist 'nicht weiter auffallend, wenn man bedenkt, wie die jüdische Religion im Alterthume der Frau bei der Uebung religiöser Veranstaltungen^ die bei der streng-theokratischen Verfassung des altjüdischen Ätaatswesens gleichzeitig den Kern aller Staatshandlungen darstellten, Zeinen nur passiven Antheil amoeigj Nach der Zerstörung des jüdischen Reiches^ und dem unsteten Leben, zu dem dies Ereigniß die Kinder" Israels verdammte, kam das finstere Mittelalter mit seinem "Ghettozwang., 'Mehr als je wies es die jüdischen Frauen auf das Haus hilsi mehr als je schloß es sie von dem Blick in die Weite, von der Thätigkeit für das Ganze auL) Dazu kommt in unserer Zeit, die die Ghettomauern niederlegt und die Gleichberechtigung der Juden mindestens auf dem Papier errungen hat, ein Hemmniß, das sich als der Schatten eines starken und heilbringenden Lichtes erweist. Wir meinen die im Gegensatz zum Christenthum auch durch die Religion geheiligte Ehetradition der Juden. Familie und Ehe, das sind die mit Recht geheiligten Mittelpunkte des Judenthums. Kein anderes Bekenntniß schreibt seinen Gläubigen so energisch die Eheschließung vor,, und ein statistischer Nachweis würde meines Erachtens zweifellos ergeben, daß nirgends mit solcher Intensität die Verheiratung erstrebt wird, als bei den Juden beiderlei Geschlechts. Das hat ganz gewiß sein Gutes und dient nicht zuletzt dazu, den vielgerühmten jüdischen Familiensinn und die Familientreue lebenskräftig zu erhalten. Leider geht aber heutzutage allzu oft der Zusammenhang mft dem idealen Grundgedanken verloren, und das Streben nach der Ehe stellt sich dar als eine brutale Jagd nach äußerem Glück. „Eine Niete zieht, wer unverheiratet bleibt". Das sagt sich das jüdische junge Mädchen tausendmal eher, als ihre andersgläubige Collegin. Eltern, Verwandte, ihre ganze Umgebung bestärkt sie in dieser Auffassung, und so kommt es, daß, nur um dem Ledigbleiben zu entgehen, manche Ehe geschloffen wird, die unter ethischen und ästhetischen Gesichtspunkten gleich verwerflich ist. Wer ist dafür verantwortlich zu machen? Neben den wirthschaftlichen Verhältnissen, die die Ehe, und nicht nur im Judenthum, zu einem bloßen Kaufvertrag herabgedrückt haben, in erster Linie die Mütter, und dies umso mehr, als aus diesem einen Schaden manch' anderer erwächst, den man nur allzu leicht geneigt ist, dem g'sammten Jndenthum als Fehler anzurechnen. Wir meinen die Sucht so vieler jüdischer Frauen,