Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 13 (31.3.1899)
- Date
- 1899-03-31
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 356 Vr. Bloch's Wochenschrift Nr. 13 Jerusalem. Vom Central-Comite der Vereinigten israelitischen Aschkenasim-Gemeinden im heiligen Lande erhalten wir folgenden Aufruf: „Die Theuerung hat im Lande die Noth und das Elend in hohem Grade gesteigert. Brot und alle unentbehrlichen Lebensmittel sind im Preise fast um das Doppelte gestiegen. Tausende von armen Nothleidenden suchen bei uns Hilfe, die wir, aller Mittel entblößt, nicht gewähren können. Wir wenden uns deshalb an Euch, verehrte Brüder, mit dem Nothrus: vnb -ab ian gebet uns die Möglichkeit, den Armen in einer so schweren Zeit Brot geben zu können. Helfet nach Kräften und so schnell als möglich. Wer schnell hilft, hat doppelt geholfen. Vergesset der Noth¬ und Hungerleidenden, der alten, schwachen Brüder im heiligen Lande nicht, und der liebende Vater im Himmel wird Euch die Wohlthat reichlich lohnen. Gefällige Gaben beliebe man an die Pekidim und Amarkalim in Amsterdam zu richten/ London. In der »Board of Deputies* wurde am Sonntag den 19. Februar über eine interessante Frage verhandelt. Jüdische Knaben aus einer Besserungsanstalt waren von einigen Regimentern zurückgewiesen worden, weil diese befürchteten, daß die jüdischen Burschen, die theils in das Musikcorps, theils in die Regimentswerkstätten eintreten wollten, sich weigern würden, am Sabbath zu arbeiten. Ein jüdischer Lehrer hatte sich deshalb au den Obersten G o l d s m i d gewendet, dieser hat aber die Srche zurückgewiesen mit der Erklärung, daß, wenn die Juden gleiche Rechte haben wollten, sie sich auch den Erfordernissen des Staates fügen und als Soldaten am Sabbath arbeiten müßten, wie es der Dienst verlangt, umso mehr, als mit der größten Rücksicht jedem jüdischen Soldaten, wenn nur irgend angängig, die Möglichkeit gegeben werde, die Synagoge zu besuchen. Der »Board of Deputies^, der lange hin und her berieth, kam schließlich doch zu dem Schlüsse, daß er als solcher in der Sache nichts thun könne und lehnte jede Intervention in dieser Sache ab. London. Die hiesige Gemeinde befindet sich in einem lebhaften Zwiespalt, der durch das Vorgehen Lord Rothschilds gegen die Chedorim hervorgerufen wurde. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich, wie groß der Gegensatz zwischen den englischen Juden des Westends und den russischen Juden des Ostends wurde. Eine große Versammlung, die von Alfted L. Cohen einberusen war, um eine Deputation zu wählen, welche Lord Rothschild empfangen wollte, verlief so stürmisch, daß keine Wahlen vorgenommen werden konnten. All' die Eltern der Kinder, welche die große Freischule besuchten, erklärten, daß sie sich den Eingriff Lord Rothschild's, wie aller englischen Juden, in die religiöse Erziehung ihrer Kinder verbitten müßten. Bei aller Anerkennung für den guten Willen des Lords herrsche doch ein tiefes Mißtrauen gegen die religiöse Gesinnung und das jüdische Wissen der Lehrer an der Freischule. Alle Redner stimmten darin überein, daß sie den Unterricht in jüdischer Religion, besonders aber im Hebräisch, wie er an der Freischule gehandhabt wird, für durchaus ungenügend und nicht einmal verbefferungsfähig erklärten, weil die Lehrer selbst ein durchaus ungenügendes Wissen besäßen. Deshalb sei das Cheder unentbehrlich, und die eingewanderteu russischen Juden, welche ihre Kinder zu guten Juden erziehen wollen, könnten sich dasselbe nicht nehmen lassen. In derselben Tonart sprachen eine ganze Reihe von Protestversammlungen, welche im Ostend veranstaltet wurden. Vermischtes. Wie«. (Rücktritt der Frau Antonie Graf aus dem Bereins-Vorstanoe des„Ferienheim.") Bon der verehrten Frau Antonie Graf erhalten wir folgende Zuschrift: „Sehr geehrter Herr Doctor! Ich bitte Sie, in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes Nottz zu nehmen, daß ich aus dem Vorstande des „Ferienheim", dessen Mttgründerin und Schriftführerin ich gewesen, geschieden bin. Ich möchte nur auf diese Weise meinen Freunden, welche an meinen bescheidenen Leistungen für eine gute Sache Antheil nahmen, diese Nachricht zur Kenntniß bringen. Ihnen, Herr Doctor, der Sie auch zu diesen Freunden zählten sage ich dafür besten Dank. Ihre Sie hochschätzende Antonie Graf." Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Sonntag den 23. April, Abends halb 8 Ubr, findet in Hernfeld's Saal-Localitäten, I.. Marc Aurelstraße 6, die Generalversammlung dieses Vereines statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Cassebericht. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Wahl der Cafferevisoren. 5. Wahl des ständigen Schiedsgerichtes. — Anträge und Candidaturen für den Vorstand sind 8 Tage vor der Generalversammlung an die Vereinsleitung bekannt zu geben. Wien. (S p e n d e.) Für die nothleidenden jüdischen Bergarbeiter in Boryslaw sind uns 74 ft als Resnltat einer Sammlung aus Königinhof, ferner von „S. T." in Mistek 5 ft., von Familie Bremer 2 fl., von B. T. 1 fl., von V. Goldschnnd 1 fl., von K. Hoffman 1 fl., von M. Mautner 50 kr., von L. Fellner 50 kr., in Ostfi-Asszonyfa, von Dr. I. Böck in Auspitz unter dem Motto „Bechorim, die nicht fasten wollen, für die armen Arbeiterkinder, die nicht fasten sollen", 4 fl. zugekommen. Wie«. (Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort.) Aus Anlaß der Osterfeiertage wurde in dem vom Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsverein begründeten Lehrmädchenhort auf Anregung der Präsidentin, Frau Bertha Kohn, ein feierlicher S?der abgehalten. Herr Professor Richard Singer, Beirath des Vereines und Director des Hortes, erläuterte die Bedeutung des Festes mit Bezugnahme auf die traurigen Verhältnisse und die Noth, aus welcher unsere Lehrmädchen nur durch den so segensreich wirkenden Verein befreit wurden. Hierauf nahm der Seder seinen üblichen rituellen Verlauf. Auch außerhalb des Hortes untergebrachte Schützlinge, gänzlich alleinstehende Lehrmädchen, wurden zu dem Seder geladen, dem auch der zahlreich erschienene Vorstand mit der Präsidentin anwohnte. Die von Wien abwesenden Vorstandsdamen: Frau Caroline Käs, Frau Bertha Käs, Frau Katharine Ripper, Frau Vilma Stein, beglückwünschten telegraphisch zum ersten Seder des Hortes. Wien. Herr David Schwarz m,a n n, Chef der bekannten Kleiderfabriksfirma D. Schwarzmann u. Co. in Wien, hat der Witwe seines jüngst verstorbenen Geschäftsdisponenten Moriz G e l b a r t eine lebenslängliche Pension von 1800 Gulden verliehen. Dieser Act der Großherzigkeit und Menschenliebe hat nicht verfehlt, in weitesten Kreisen lebhafteste Sympathien für Herrn S ch w a r z m a n n, der als Wvhlthäter und Menschenfreund allgemein bekannt ist, wachzurufen. Wie«. Montag den 27. d. M., Vormittags 10 Uhr, versammelte sich eine zahlreiche Trauergesellschaft auf dem Centralfriedhofe, um dem Leichenbegängnisse des Bruders Adolf F i s ch h o f's , des Herrn Simon F i s ch h o f, beizuwohnen. Unter den Trauergästen bemerkte man den Reichsrathsabgeordneten Dr. Kronawetter, Baurath S t i a ß n y, Professor Singer, den ungarischen Reichstagsabgeordneten Baron Jvor K a a s, der die Kosten des Leichentransportes von Klagenfurt nach Wien trug, u. v. A. In der Ceremonienhalle widmete Oberrabbiner Dr. Güdemann der idealen Liebe, die zwischen dem nun Verblichenen und seinem großen Bruder herrschte, Worte voll tiefster Empfindung. Graz. Im Laufe der letzten Tage hat der neue Statthalter Graf C l a r y unter verschiedenen Persönlichkeiten auch den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Graz unter Führung der Herren Biller, David Stern und Max Reißner empfangen. Budweis. (Verlobung.) Herr Lajos Eppinger, Mitchef der Großhandlungsfirma Lazar Eppinger und Söhne in Budapest, hat sich mit Fräulein EmMy Fantl, Tochter des verstorbenen Großhändlers Herrn Jacob Fantl, verlobt. Tyrnau, im März. Am 24. d. M. fand hier das Leichenbegängniß der durch ihre besondere Herzensgute und tiefen Religiosität ausgezeichneten, im Alter von 89 Jahren verstorbenen Frau Maria Diamant statt. An dem Leichenbegängniß betheiligten sich alle Confessionen. An ihrer Bahre trauerten vier Söhne und eine Tochter. Den schmerzvollen Gefühlen gaben Ausdruck ihre beiden Söhne Sr.Ehrw. Herr Dr. Dtarn a n t, Rabbiner in Trencftn, und Sr. Ehrw. Herr Dr. A. D i aiii a ii t, Rabbiner in Schaffa, wie auch Herr Rabbiner Stein in Tyrnau. Möge ihr die Erde leicht sein und möge die Familie Trost finden in der allgemeinen aufrichtigen Trauer, die ihr Abgang verursacht hat.