Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 13 (31.3.1899)
- Date
- 1899-03-31
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 13 Ar. Vloch'» Wochrnschrifl Seite 355 „Choveve Zion" in Paris die Bemerkung, daß der Bericht über dieselben nicht ganz correct ist. Erlauben Sie mir daher folgende Berichtigungen: 1. Die für die Colonie Sedzerah angegebenen Summen sind ungenau und stark übertrieben. Auch dürsten auf dem Terrain nur circa 100 Familien angefiedelt werden. 2. Für die Colonie Kastinie wurde ein Credit von 300.000 Francs weder bewilligt, noch verlangt. Diese Colonie ist erfreulicherweise bereits selbstständig, die Colonisten haben eine ausreichende Ernte gehabt, sie bedürfen keiner Zuschüsse mehr und werden schon im nächsten Jahre sogar mit den Rückzahlungen beginnen. 3. Hervorzuheben ist vor Allem das Princip, das seitens der „Jewish Colonisation Association" aufgestellt ist. Unterst ü tz u n g nur dort zu l e i st e n, wo die nächstbet heiligten Facto reu mit eigenen Leistungen voran gegangen sind. Gerade darum fand auch die Thätigkeit des „Ahavas Zion" und des Herrn Dr. Salz so allseitige Shmpathie, denn man begrüßt allgemein in ihr das erste Zeichen, daß unsere galizischen Brüder zur Selbsthilfe bereit sind. Werden sie diesen Willen auch ferner bethätigen, so werden sie auch weiter freudige Unterstützung bei den „Choveve Zion"-Bereinen wie bei der „Jewish Colonisation Association" finden. Mit bestem Dank für die Aufnahme dieser Zeilen zeichnet hochachtungsvoll W. B a m b u s." Hamburg, 23. März. Die Bestattung des früheren Alterspräsidenten der Bürgerschaft. Herrn M. Meyersberg, fand heute Vormittag, 10 Uhr, vom Sterbehause, Alsterdamm, ans statt. Es hatte sich ein überaus zahlreiches Gefolge von Freunden und Bekannten des Verewigten eingefunden, das ein beredtes Zeugniß von der allgemeinen Beliebtheit desselben ablegte. Wir bemerkten u. A. die Herren Gemeindevorsteher Dr. Max Cohen, M. W. Hinrichsen, sowie Vertreter des Tempelvorstandes u. s. w.; ferner war eine Deputation aus Paderborn erschienen. Von den vielen Kränzen und kostbaren Blumen-Arrangements, die den Sarg vollständig bedeckten, seien hier nur einige hervorgehoben, wie der vom Asylverein, der die Inschrift trug: „Seinem Gründer in Dankbarkeit gewidmet. Der Asyl Verein." Ferner hatten Kränze gesandt: Die Transatlantische Feuerversicherungs-Gesellschaft, die Transatlantische Rückversicherungs-Gesellschaft, die Loge „Ferdinand zum Felsen", die Synagogengemeinde zu Paderborn rc. Ein kostbares Blumen-Arrangement trug die folgende Inschrift: „Seinem Mitbegründer und Ehrenmitglied des. Curatoriums — Die Israelitische Waisenanstalt für Rheinland und Westphalen". — Im Sterbehause ergriff Herr Prediger Dr. L e i m d ö r f e r das Wort, um mit gewohnter Meisterschaft dem Dahingeschiedenen einen ehrenvollen Nachruf zu widmen. B-i einem Leben, das wie ein offenes Buch vor uns aufgeschlagen liegt, bedarf es, so führte der Redner aus, keiner blumenreichen Gleichnisse, sondern in dem Buche eines solchen Lebens lesen wir auf jedem Blatte den lebenden Beweis für den Spruch des Psalmisten: „Achte auf den Tugendhaften und siehe auf den Rechtschaffenen, denn das Ende des Mannes ist der Friede." (Psalm 37, 37.) Herr Dr. Leimdörfer schilderte dann in beredter Weise das Leben und Wirken des Verewigten, der noch mit gewohnter Energie und Arbeitskraft am Freitag einer Sitzung des Aufsichtsrathes der Transatlantischen Versicherungsgesellschaft präsidirt und noch wenige Stunden vor seinem Tode ein diesbezügliches Schriftstück unterzeichnet hatte. Wahrlicy, vor uns liegt ein reiches Leben ausgebreitet, das reich an Arbeit und Erfolgen war, und an dem sich das Wort der heiligen Schrift erfüllte: „Unser Leben währet 70 Jahre, und wenn es hoch kommt, 80 Jahre, aber das Köstlichste ist, daß es voll ist von Mühe und Arbeit." Aber auch in dem engen Kreise seiner Familie war ihm das seltene Glück beschieden, an der Seite seiner greisen, heute tiefgebeugten Gattin das Fest der diamantenen Hochzeit zu feiern. An seiner Bahre trauert heute neben der Gattin und der einzigen Tochter eine große Zahl von Enkeln und Urenkeln, an deren reichen Erfolgen der Verewigte sich noch erfreuen durfte. Mit dem üblichen Segensspruch schloß die auf die zahlreiche Trauerversanimlung einen tiefen Eindruck machende Rede. Sodann wurde der Sarg von den Beamten der Neuen israelitischen Beerdigungs-Gesellschaft auf den Wagen gehoben, und es setzte sich der Leichenconduct, der aus zahlreichen Equipagen und vielen Fußgängern bestand, nach dem Crematorium in Ohlsdorf in Bewegung. Dortselbst widmete der Enkel des Verstorbenen, Herr Prof. Dr. v. Halle, im Namen der Faniilie dem theuren Dahingeschiedenen einen warmempfundenen Nachruf. Die Beisetzung der letzten Ueberreste findet morgen auf dem israelitischen Friedhofe in Ohlsdorf statt. Israeliten der Türkei. Wie bekannt, behandeln der Sultan und die türkische Regierung die Israeliten mit der größten Gerechtigkeit und Unparteilichkeit; dennoch gibt es gewisse Provinzen des Reiches, in denen das Schicksal der Juden schrecklich traurig ist. Die Provinz von Jemen ist seit mehreren Jahren Beute heftiger Unruhen, fortwährender Aufstände, die in der ganzen Bevölkerung, besonders in der israelitischen, einen Zustand unaussprechlichen Elends verursacht haben. Die Alliance hat vor einigen Wochen eine bedeutende Unterstützung nach Sana, dem jüdischen Centrum der Provinz, gesandt. In einem Briefe, den die Angesehensten der Stadt an das Pariser Centralcomite gesandt hatten, legen dieselben Rechenschaft über die Verwendung des Geldes ab und fügen sehr betrübende Berichte über die dortige Lage hinzu: Die Araber, unsere Nachbarn, ebenso wie gewisse Beamte, behandeln uns mit der größten Verachtung. Im Falle allgemeinen U > glucks lassen die Behörden an die Armen Geld vertheilen; die Israeliten allein sind von diesen Maßregeln ausgeschlossen; für uns gibts kein Mitleid. Das Elend zwingt die meisten jungen Leute, ihre Familien zu verlassen; Viele unter ihnen sterben Hungers, Andere machen freiwillig ihrem gequälten Leben ein Ende. Unsere Klagen finden niemals Gehör: wir üben die wohlfeilsten und niedrigsten Arbeiten aus; 60.000 Juden leben in Jemen vollständig verlaßen. Die Lage ist umso kritischer, als wir seit acht Jahren keinen hinreichenden Regen haben. Der Preis der Lebensmittel ist ungeheuer gestiegen, und die Arbeiter sind ohne Beschäftigung. Dazu kommt noch, daß wir der Gegenstand fortwährender Mißhandlungen sind. Hiezu einige typische Beispiele. Vor einigen Monaten ward unser Bruder Jahia ben Salem Jacob getödtet und in eine Cisterne geworfen. — Die Nacht von Rosch-Haschanah trafen die Muselmanen ein junges israelitisches Mädchen, das einen Sack Getreide trug, beraubten es vollständig und warfen es in einen Brunnen. —Am 15. Schewat begegnete einem Israeliten, der sich in eine benachbarte Stadt begab, um Lebensmittel einzukaufen, unterwegs ein Araber, der ihn seiner geringen Barschaft beraubte und dann sofort tödtete. Seite auf Seite könnte man noch niederschreiben, wollte man noch all' unsere Leiden anführen. Israeliten in Griechenland. Man hat wiederholt traurige Berichte über die Lage der Juden Thessaliens gelesen. In Griechenland, wie leider überall, macht immer die Majorität die Minorität und hauptsächlich die Juden für das Unglück und besonders für ihre eigenen Fehler verantwortlich. Das hat sich in Thessalien gezeigt infolge des verhängnißvollen griechisch-türkischen Krieges. Die Juden wurden aller möglichen Frevelthaten beschuldigt. Man behauptet, daß sie die Sieger ins Land geführt haben, und sich mit dem Feind zur Plünderung ihrer Mitbürger verbunden hätten. In Larissa zum Beispiel waren eine Anzahl Israeliten, die wegen Fälschung von Stempelpapier angezeigt waren, verhaftet worden. Was diese Anklage angeht, so hatte das Gericht der Stadt kürzlich bekannt gemacht: Alle angeklagten Israeliten seien freigesprochen. Bei dieser Gelegenheit müssen wir die Sprache des Vertreters des königlichen Bevollmächtigten mittheilen, der unter Anderem Folgendes sagte: „Vergessen Sie nicht, meine Herren Richter, daß seit Jahrhunderten die allgemeinen Vorurtheile bei den Juden alle Fehler zu finden geglaubt haben und daß in unruhigen Zeiten es genügt, zu sagen: Ein Jude, also ein Verräther. Gegenüber diesen Ideen wollen wir in gleicher Weise die Worte des königlichen Bevollmächtigten bei dem Gerichte von Volo erwähnen: „Nein, die Israeliten sollen nicht das Land verlassen, sie brauchen von Seiten der Bevölkerung nichts zu befürchten, ihr Vaterland ist nicht Klein-Asien, sondern Thessalien; sie brauchen in nichts beunruhigt zu sein, und wir werden die Hand über sie halten, da sie gute und friedsame Bürger sind." Infolge der Verbesserung der Lage sind die Israeliten, die nach Saloniki und Smyrna gewandert sind, in ihre Heimat zurückgekehrt oder werden zurückkehren. Die Alliance hat einen Theil dieser Auswanderer während des Elends, das sie außerhalb ihres Landes zu ertragen hatten, unterstützt.