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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-31 · 13 (31.3.1899) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
13 (31.3.1899)
Date
1899-03-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 854 Br. Vloch'r Wochrnschrist Nr. 13 Waisenhauses eine erhebende Trauerfeier. In dem mit Trauerstoffen decorirten Saale fanden sich viele hervorragende Mitglieder der israelitischen Gemeinde und Vertreter humanitärer Vereine ein. Es waren erschienen außer den Kindern der Verblichenen, Arthur und Louis B i s ch i tz und Baronin Ferdinand Schoßberger, in Vertretung der israelitischen Cultusgemeinde deren Bicepräsident Samuel Deutsch und Secretär Professor Dr. Ignaz G o l d z i e h e r, das Präsidium und der Ausschuß des Pester israelitischen Frauenvereines mit der Vicepräsidentin Frau H e r z l an der Spitze, der Präsident des „Heiligen Vereines" Moses E h r l i ch, der Anwalt desselben, Herr Doctor Franz M e z e y, in Vertretung des Ofner israelitischen Frauenvereines Frau Moriz Steiner, ferner Abgeordneter Hofrath Dr. Armin N e u m a n n, Paul T e n c e r, königl. Rath Dr. Sigmund A d l e r, der Präsident des isr. Knabenwaisenhauses Jacob Deutsch, Frau Witwe Dr. Karl H e r i ch, als Repräsentantin des „Rothen Kreuz"-Vereines, und Andere. Die Feier begann mit einem stimmungsvollen Orgel-Präludium, worauf die Elevinnen des Mädchenwaisenhauses ein Trauergebrt sangen. Diesem folgte ein vom Obercantor Lazarus vorgetragener Psalm und schließlich eine Gedenkrede des Rabbiners Dr. Samuel K o h n, welcher die glänzenden Fcauentugenden der Verstorbenen und ihren Wohlthättgkeitssinn würdigte. Ein Gebet der Waisenkinder beschloß die pietätvolle Feier. Berti«, 28. März. Zu dem eisernen Fond der Beschwerden, die das Centrum zuwellen im Reichstage und regelmäßig im preußischen Abgeordnetenhause vorbringt, gehört in vorderster Reihe die Mage über angebliche oder wirkliche Verletzung der Parität, d. h. der mangelnden Berücksichtigung der Katholiken bei der Zutheilung von Aemteru in Staat, Provinz und Stadt. Ueber jeden Lehrer und über jeden Landrath wird genau Buch geführt, und doch erhebt sich oft Streit über die Bedeutung der Verhältnißzahlen. Die Ziffer der Bevölkerung im Ganzen kann nicht immer zu Grunde gelegt werden, und bei jeder anderen Berechnung ist der Deutung weiter Raum gelassen. Eine Verschiebung zu Gunsten der Parität ist unzweifelhaft im Laufe der Zeit eingetreten. Vor 60 Jahren war es beispielsweise ausgesprochener Grundsatz, daß kein Katholik über den Rang eines Obersten hinauskommen dürfe. Jetzt haben wir einen katholischen Generalobersten, der Reichskanzler ist Katholik, und Minister in größerer Zahl haben derselben Confession angehört. Die freiconservativ-reichsparteiliche „Post" bemüht sich nun, darzuthun, daß die von katholischer Seite hartnäckig wiederholten Klagen über Verletzung des Paritätsprincips im höheren Schulwesen unbegründet seien. An der Hand einer von Wilhelm Busch herausgegebenen Schrift: „Confession und höheres Schulwesen in Preußen, zugleich ein Beitrag zur Parität" (Kiel und Leipzig, Verlag von Epsins und Tischer), führt sie aus, daß ein höherer Schüler überhaupt auf 220 Einwohner entfällt, ein evangelischer auf 203 evangelische, ein katholischer auf 340 katholische, ein jüdischer auf 33 jüdische Einwohner. „Aus dieser Zusammenstellung geht schon hervor, daß die Katholiken hinter dem ihnen nach ihrer Bevölkerungszahl zukommenden Durchschnitt beträchtlich Zurückbleiben, während die Evangelischen ihn um ein Geringes, und die Juden ihn bedeutend überschreiten. Noch beachtenswerther scheint es, daß die Evangelischen an den Gymnasien ihren Durchschnitt nicht ganz erreichen. Das Mehr der Evangelischen entfällt ausschließlich auf die realistischen Anstalten. Die Katholiken weisen dagegen für die Gymnasien die relativ günstigsten Zahlen auf; dagegen bleiben sie an den realistischen Anstalten ganz auffallend gegen den Durchschnitt zurück. Die Juden überragen ihren Durchschnitt fast gleichmäßig an allen Schulen um das Siebenfache. Auf ultramontaner Seite wird nun immerfort die Behauptung vorgebracht, daß an dieser geistigen Inferiorität des Katholicismus die Regierung schuld sei, die absichtlich die Katholiken zurückdränge und die Evangelischen vorziehe. Allein, es ist doch kein Zufall, daß in den protestantischen Ländern die Volksbildung ungleich größer ist, als in den katholischen, das einzige Frankreich etwa ausgenommen.... Der Hauptgrund für die geringere Betheiligung der Katholiken, für die stärkere der Evangelischen an den höheren Schulen muß trotz aller ultramontanen Scheingründe in der verschiedenen Werthschätzung der höheren Schulbildung durch die beiden Confessioneu zu suchen sein." — Wir sind weit davon entfernt, uns diese Ausführungen völlig zu eigen zu machen, die Schlüsse ganz und gar zu bestätigen, die aus den thatsächlichen und ziffermäßigen Angaben gezogen werden. Wir können aber nicht umhin, der Verwunderung darüber Ausdruck zu geben, daß der Verfasser des Buches versäumt hat, bei der Erwähnung „der verschiedenen Werthschätzung der höheren Schulbildung durch die beiden Confessionen" ein Wort der Anerkennung zu äußern über die siebenfache Werthschätzung der höheren Schulbildung bei den Juden. In der Schrift wird weiter die Frage erörtert, ob der von mancher Seite angestrebte confessionelle Charakter unserer höheren Schulen nicht in der Zusammensetzung der Lehrercollegien znm Ausdruck kommen müsse. Das Ergebniß der Zusammenstellung ist, daß die Katholiken einen reinen Ueberschuß von 59 Stellen haben. Es wird ferner darin hervorgehoben, daß man auf ultramontaner Seite die Parität der Lehren nicht nach der Schülerzahl, sondern nach dem Percentsatz der Bevölkerung berechnet haben will. Die „Post" bezeichnet diese Forderung als unbillig. Auch hier unterläßt der Verfasser der Schrift, ebenso wie die „Post", die logische Consequenz zu ziehen, daß bei der confessionelleu Zusammensetzung des Lehrercollegiums die Relativzahl der jüdischen Schüler zu berücksichtigen sei. Davon ist mit keiner Silbe die Rede. Ganz im Gegentheil wird ohne jede weitere Motivirung verlangt, daß zwar der „confessionelle" Charakter der höheren Lehranstalten mehr und mehr zu beseitigen sei, der „christliche" Charakter dagegen „mit aller Entschiedenheit" festgehalten werden müsse. Bei dieser Art Paritätsberechnung kommt, wie man sieht, die Logik in die Brüche. Wenn die Bevölkerungsziffer für die confessionelle Zusammensetznng des Lehrercollegiums maßgebend sein soll, um das Recht der Juden zu nullificiren, weshalb soll sie dann nicht maßgebend sein, um das Recht der Katholiken zu umschreiben? Wenn wiederum die Confession der Echülerzahl bestimmend sein soll, unf den evangelischen Lehrern ein Mehrgewicht zu verschaffen, warum soll sie diesen Einfluß verlieren, wo die Juden in Frage kommen? Wie sagt doch der Patriarch? „Hilft nichts, der Jude wird verbrannt!" Berlin. Die Lex Heintze hat dem Staatssecretär von Nieberding Ursache gegeben, über die Vermehrung der Unsittlichkeit an der Hand der Ziffern Klage zu führen. Er konnte feststellen, daß dieselben seit 1882 um beinahe die Hälfte gestiegen sind, wenn man die Steigerung der Bevölkerung mit in Anrechnung bringt; in absoluter Ziffer sogar um noch mehr. Wir wollen nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß wir Juden gerade bei diesen schweren Delikten überaus günstig stehen, wie aus folgender Tabelle hervorgeht. Die Ziffern sind der amtlichen Publication, der deutschen Criminalstatistik, entnommen und können dort nachgeprüft werden. 10 a 10 b 10 c 10 d 10 e 10 g 10h ' ' " ‘ ' '' ' ' 3" 3. 3 Ä rr 3- 3 3- 3- 3 3- 3 2? 5 JÜ ö 3 3 e ö 3- 3 l JQ 6? :3 JO 3 1 K 3 -3 *3 ev 3 ja V) 3 "3 e? 3 -3 *3 en 1882 38 314 67 — 329 1 2852 39 1404 26 100 — 1883 44 1 330 1 34 l 269 3 2738 30 1277 23 12$ 2 1884 53 l 323 3 42 — 345 1 2756 38 1403 18 121 — 1885 60 — 288 — 34 — 391 4 2864 33 1514 23 113 — 1886 54 — 338 1 34 — 373 2 3188 32 1465 16 159 4 1887 75 — 347 — 38 — 418 — 3134 28 1472 17 167 1 1888 59 _ 312 - 46 — 353 3 3044 31 1377 18 203 2 1889 51 — 326 — 43 — 367 2 3171 34 1404 22 172 3 1890 51 — 310 — 39 l 412 — 3254 33 1554 32 172 — 1891 61 — 404 1 39 — 446 1 3295 30 1689 30 195 3 1892 68 _ 375 1 40 — 459 3 8452 23 1644 28 193 2 1893 67 1 101 1 57 — 524 — 3761 40 1756 32 183 3 1894 81 415 2 51 — 529 2 4060 37 1871 20 246 8 1895 83 1 484 2 65 - 481 3 4116 63 2384 24 267 5 1896 75 1 462 — 62 — 533 2 4445 36 1805 24 319 2 Man sieht, wenn man die Summe zieht, daß 1882 die Ziffer der jüdischen Verbrecher 66 betrug, dagegen 1891 nur 65. Dieselben sind also nicht nur nicht gestiegen, sondern sogar relativ zurückgegangen. Nur ein Verbrechen 10 f macht eine Ausnahme, hier stieg die Zahl der jüdischen Verbrechen ebenso wie die der christlichen in diesen 15 Jahren auf mehr als das Doppelte, allein gerade bei diesem Verbrechen hat die Regierung anerkannt, daß die Rechtsprechung zu hart ist, indem sie die Strafgesetze in der neuen Vorlage milderte. Wir Juden sind also erfreulicherweise von der steigenden Unsittlichkeitsepidemie nicht betroffen. Berlin, 28. März. „Sehr geehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie freundlichst einem Theilnehmer der Conferenzen der

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