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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-31 · 13 (31.3.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
13 (31.3.1899)
Date
1899-03-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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«eite 252 Vr. Vloch'» Wochenschrift Nr. 13 Ein christlicher Prediger für die Juden. (Alls »TUe New-York Times«, den 9. März.) Der ehrwürdige Madison C. Peters, Pastor der Bloomingdaler reformirten Kirche, 68. Straße und Boulevard, hielt gestern einen öffentlichen Vortrag über „Gerechtigkeit der Iuden". Er führte eine imposante Reihe.berühmter Namen jüdischer Männer seinen Hörern vor Augen, deren lobenswerthe Thätigkeit eine starke Vertheidigung der jüdischen Nation bilden gegen die Angriffe, welche gegen sie gemacht werden: „Das letzte Capitel der Inden in Spanien", sagte der Redner, „war ihr erstes Capitel auf dem Cvntinent Amerika. Mit derselben Hand, mit derselben Feder, an demselben Tage, wo Ferdinand und Jsabella das infame Edict Unterzeichneten, das 170.000 Familien aus ihrem Geburtslande vertrieb, Unterzeichneten sie auch das Patent, Columbus bevollmächtigend zur Entdeckungsreise. Es war ein castilianischer Jude, der Columbus Gelder gab, um sich auszustatten. Es ist nicht wahr, daß Jsabella ihre Juwelen für diesen Zweck veräußerte. Sie hatte selbe schon früher verpfändet oder verkauft, um die Kosten des Krieges zu bestreiten, welcher das Land verwüstete. Roderigo Sanches, ein Jude, war beordert, als Aufseher der Expedition zu fungiren, Jsabella, der Schiffsarzt, und Marco, der Schiffswundarzt, waren Juden, der jüdische Dolmetscher am Schiffe war der erste Europäer, der amerikanischen Boden betrat. Der Redner erzählt dann von der ersten Ankunft der Juden in der holländischen Colonie New Amsterdam (dem heutigen New-Iork), und wie Peter Stugveffant zurück nach Holland schrieb und forderte, daß den Juden nicht erlaubt werde, zu kommen. Die Antwort die er bekam, war der Toleranz Hollands würdig, denn sie lautete dahin, daß sein Verlangen nicht mit der Vernunft und Gerechtigkeit sich vertrage. New-Jork, sagte der Pastor, war der erste Staat, der volle religiöse Freiheit garantirte, aber vordem, im XVII. Jahrhundert, verfolgte man hier bitter die Juden. Angezogen von der Toleranz Roger William's, dem Pionnier religiöser Freiheit in Amerika, und von Stugveffant's Verfolgung entmuthigt, kamen viele Juden im Jahre 1657 nach New-Hork. Die gute Behandlung, welcher sie sich unter Roger William's erfteuten, veranlaßten Cottan Mather Newport zu charakterisiren, als den gemeinen Sammelplatz der Btissethäter aus Jerusalem und dem Auswurf des Landes. Der Redner zollte einen ehrenden Tribut der Ehrlichkeit und Integrität den ersten jüdischen Kaufherren in Newport. Selbst nach der Revolution, fuhr er fort, obgleich unter der Constitution der Vereinigten. Staaten, hatten die Juden kein Recht, ein Amt zu erhalten. In Maryland konnte kein Mann ein Amt bekleiden, wenn er nicht eine Declaration Unterzeichnete, daß er Bekenner der christlichen Religion sei. Dieses Gesetz blieb bis 1825 in Kraft. Es gibt heute nur zwei Länder in Europa, wo die Juden weniger Rechte als die Christen haben, Rußland und Rumänien. Aber diese Länder enthalten mehr Juden, als das übrige Europa zusammen. Trotz aller Verfolgungen leben gegen 11 Millionen Juden auf dem Erdball, gegen 4 Millionen mehr, als zur Zeit David's, was im Ganzen übereinstimmt mit dem Naturgesetz, daß eine geistig höhere Race nie absorbirt oder ausgetilgt werden kann von einer niedrigstehenderen. Gar oft hört man die Anklage, daß die Juden nicht Patrioten sind und nie sein können. Im Mittelalter zeigten sie überall, wo es ihnen gestattet wurde, den größten Patriotismus. Philipp der Schöne von Spanien hatte 1297 300.000 Juden in seiner Armee. Immer und überall, wo der Jude einen Freund in seinem Lande fand, da fand das Land einen Freund an dem Juden. Die Geschichte lehrt: Es gab keine tapferere Vertheidigung, als jene der polnischen Juden gegen die Invasion der Kosaken in den polnischen Revolutionskriegen. Die Juden sind das größte Culturvolk der Welt. Deutschland führt den Reigen in der Gelehrsamkeit und die Juden gehören mit zu den geistigen Führern in Deutschland. Friedrich Wilhelm HI. hatte kaum seine jüdischen Unterthanen den christlichen gleichgestellt, als seine Juden tapfer der Aufforderung ihres Souveräns entsprachen. Welchen Lohn erhielten sie? Es wurden ihnen die Rechte zu Bolksämtern versagt. In den neuerworbenen französischen Provinzen wurden dieselben Gesetze angewendet. Es war nahe bis 1869, daß das Gesetz des Norddeutschen Bundes den Juden das Joch abnahm, das .sie seit dem Mittelalter bedrückte. Seit dieser Zeit haben die Juden im deutsch-französischen Krieg ihren Patriotismus im höchsten Grade bewiesen. Trotz aller Verfolgungen eilen die französischen Juden zum Banner der Republik, wenn man sie benöthigt. Im Jahre 1892 waren 300 jüdische Officierein der französischen Armee. Im letzten Kriege zwischen der Türkei und Griechenland erhielt ein Jude die erste Wunde. Im Jahre 1290 verbannte Eduard I. alle Juden aus England. Doch kaum bat eine fteundlichere Gesetzgebung ihnen ihre Bürgerrechte zurückerstattet, zeigten sie ihre Liebe zu ihrem Lande. 1858, als Baron Lionel de Rothschild seinen Sitz im Parlament einnahm, wurde der christliche Eid abgeändert und der Jude erst voll in England emancipirt. Es dienen jetzt 700 Juden in ihrer Majestät Heer und 144 davon sind Officiere. — Sie opferten ihr Leben und ihr Vermögen während des Unabhängigkeitskrieges hier gegen England. Sie leisteten mehr für die Colonialarmee, als sie vermöge ihrer numerischen Stärke hätten thun sollen, dafür gibt es unleugbare historische Documente. Die Juden opferten damals ihr ganzes Vermögen für die Sache der Freiheit. Der Sprecher führte die Namen vieler Juden an, welche damals die Sache der Freiheit finanziell unterstützten und sich ans dem Schlachtfelde auszeichneten. Im Kriege 1812 fügte er hinzu, war ein sich besonders auszeichnender Soldat, der Brigade-General Josef Blumfeld, ein Jude. Von der frühesten Periode der Republik bis zur Gegenwart, hatte der Jude in unserer Armee und Flotte eine hervorragende Figur, und in jeder Branche machte er einen ehrenhaften Record. Im Bürgerkriege spielten die Juden ebenfalls eine ehrenvolle Rolle. Es waren 7784 Juden in beiden Armeen. Im letzten Kriege dienten mehr als 4000 Juden gegen Spanien. Es wird in der Geschichte fortleben, daß sie ebenso tapfer in Manilla und in Santiago de Cuba fochten, wie sie es unter Kossuth und Garibaldi thaten. Die 7 Juden unter den rauhen Reitern waren ihres Muthes berühmt. 10 der 99 Mann der Astor-Batterie waren Juden. Es gab kein Engament im letzten Kriege gegen Spanien, wo nicht die Juden einen hervorragenden Antheil nahmen. Unter den größten deutschen Dichtern ragt Heinrich Heine zuerst hervor, der wichtigste Nachfolger Goethe's. Nächst der Dichtkunst kommt die Novelle. Auerbach, Disraeli, und Zangwill sind unter den Namen jüdischer Novellisten die bekanntesten. Von Jules Verne sagt man, er habe auch jüdisch Blut in den Adern. Juden waren unter den hervorragendsten dramatischen Künstlern in Europa. Der Redner berührte der Reihe nach jeden Kunstzweig, ebenso die diversen Gebiete der Wissenschaft und er gab eine starke Liste verschiedener Namen von Juden heraus, die sich auf den verschiedenen Linien ausgezeichnet haben. Er erwähnte Sarah Bernhard, Junius Brutus Booth bezüglich der Bühne. Die Kunst, die besonders von den Juden gepflegt wurde, ist die Musik. Meyerbeer, Strauß, Rubinstein, Moritz Rosenthal, Joseph .Hofman, Pauline Lucca und die Damrosch Familie sind unter den Koryphäen der Musik zu nennen. Von den Malern erwähnte er Joseph Israels, Alma Falkner und Solomon I. Solomon und fügte hinzu: Man sagt, daß auch in Millet jüdisch Blut circulirte. In den Wissenschaften, sagte der Redner, hat der Jude eine eminente Rolle gespielt. Er sprach von Moses Mendelssohn als dem bedeutendsten Weltweisen seit Sokrates. Sir Francis Cohen Palgrafe, ein Jude, war der erste unter den englischen Historikern. Die Lehrkanzeln, welche in unserem Lande von Juden ausgefüllt werden, zeigen ihre Fähigkeiten zur Erfaffung der höchsten Gelehrsamkeit. Die meisten berühmten Schachspieler sind Juden gewesen. Ollendorf, ein Jude, gab der Welt eine Methode, in welcher moderne Sprachen unterrichtet werden. Jüdische Rabbiner gaben Luther die originale Bedeutung des hebräischen Textes vom Alten Testament. In der Medicin war die Kenntniß der Juden eine solche, daß selbst Päpste, die Bullen gegen dieselben erließen, ihren eigenen Körper nur jüdischen Aerzten anvertrauen wollten. Lombroso ist der größte Irrenarzt in Europa. Heute hat die medicinische Abtheilung der Wiener Universität allein 12 geborene Juden als Professoren. Der Jude hatte immer eine merkwürdige Zuneigung zur Jurisprudenz. Juda P. Benjamin, nachdem er im Senat und in der Confederation die höchsten Würden erlangt hatte, ging nach England, um die Advocatur zu betreiben

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