Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 13 (31.3.1899)
- Date
- 1899-03-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 250 Vr. Bloch*» Wochenschrift Nr. 13 im Trausaal der Synagoge versammelt hatten, u. A. die Herren; Ober Präsident der Rheinprovinz Nasse, Gouverneur General Freiherrn v. Wilczeck, Regierungspräsident Freiherrn v. Richthofen, Polizeipräsident Weegmann, Beigeordneter Pelmann als Vertreter des im Herrenhause thätigen Oberbürgermeisters, außerdem hatten sich Stadtverordnete, andere Vertreter von Behörden, die Rabbiner der Rhemprovinz,. die Mitglieder der jüdischen Gemeindevertretungen und mehrere hervorragende Mitbürger zur Theilnahme an der Feier versammelt. Die Weihe begann mit dem Einzug der Thorarolleu, die, 13 an der Zahl, von den Repräsentanten getragen wurden, während dessen der Chor Ma towu anstimmte. Rabbiner Dr. R o s e n t h a l zündete die vor der heil. Lade schwebende Ewige Lampe an mit folgenden Worten: „Wie „Licht" das erste Wort gewesen, das aus des Schöpfers Mund das Weltall segnend grüßte, „Licht" die erste That, mit der sein Werk dereinst beglückt ward: so sei auch „Licht" das erste Wort und Werk an dieser heiligen Stätte, des zum Zeugniß, daß du selber, herrliches Gotteshaus, als ein ewiges, segenspendendes Licht fortleuchten magst für unsere Gemeinde und ganz Israel! Amen." Der Vorhang hinter dem Predigtstuhl rollte in die Höhe und die heilige Lade öffnete, sich, dazu ertönten die erhebenden Klänge des Chores „Wajehi binssauach." Unter Borantritt des Cantors B l u m e n t h a l, der mit seiner wohllautenden vollen Stimme im Wechselgesang mit dem Chore die bedeutungsvolle Handlung begleitete, vollzog sich der Umzug der Thora rollen, endend wieder vor der heiligen Lade, die die Rollen mit ihrem glänzenden Schmuck aufnahm und dann geschloffen wurde. Nach dem Chore „Awenucho jaumar" ergriff Rabbiner Dr. Frank das Wort zur Festpredigt. Es würde zu weit führen, heute in Kürze alle Punkte der Rede zu erwähnen. Ich will mich daher kurz fassen. Herr Dr. Frank warf einen Rückblick auf die Geschichte der Kölner Gemeinde, die urkundlich die älteste Deutschlands sei. „Im Gefolge der römischen Legionen zogen unsere Vorfahren an die Ufer des Rheins, siedelten sich hier an, und nahmen aus dem Orient ihre» Gott, den jüdischen Cultus, mit und errichteten Andachtsstätten dem Gotte der Patriarchen. Als noch der Hohepriester am Opferaltare zu Jerusalem stand und der Tempel auf Moria der Vereinigungspunkt für die Wallfahrer aus ganz Palästina war, als noch der mosaische Opfercultus bestand, Priester und Leviten, letztere mit ihren Chören und Musikinstrumenten, ihres heiligen Amtes walteten, — damals bereits ward das mosaische Gesetz hier gelehrt, das Prophetenwort hier verkündet und das Psalmenworr gesungen. Unsere Kölner Gemeinde wird in den historischen Annalen zuerst unter allen deutschen Gemeinden bereits im 3. Jahrhundert genannt. Die Gemeinde besaß einst im Mittelalter eine hervorragende Pflegeftätte, eine Hochschule der jüdischen Wissenschaft nebst all' den Anstalten, die für ein geordnetes Gemeinwesen unentbehrlich waren; die Gemeinde hat während der Kreuzzüge unendlich viel gelitten, und sie war dem Untergange nahe, war Jahrhunderte hindurch der Zankapfel, um den städtische und geistliche Behörden sich stritten, bis dann im Jahre 1424 unsere Vorfahren aus hiesiger Stadt ausgewiesen wurden. Erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts kehrten sie hieher zurück, und allmälig entwickelte sich die Gemeinde und schuf alle jene Institutionen, die sie berechtigten, unter den ersten jüdischen Gemeinden Deutschlands genannt zu werden, und wie einst der Patriarch Jakob, nachdem er der Feindschaft seines Bruders Esau entronnen war, dankerfüllt ausrief: „Zu gering bin ich für alle die Wohlthaten, die Gott mir erwiesen hat, denn mit meinem Wanderstab überschritt ich den Jordan und jetzt bin ich zu zwei Lagern geworden", ebenso rufe ich im Namen dieser ältesten und zugleich jüngsten Großgemeinde in einem Dankgebete aus: „Zu gering sind wir für alle die Wohlthaten, die Du, o Gott, uns erwiesen hast; wir sind mit unserem Wanderstab gezogen von Land zu Land aus dieser Stadt und wieder zurück in diese Stadt, und jetzt sind wir gewachsen, daß wir an zwei religiösen Lagerstätten, in zwei Gotteshäusern, Dich verehren und anbeten wollen." Redner erläuterte ferner die Aufschriften an der Decke der Synagoge, die in ihrer Bedeutung die ganze Religion verkörpern, ganz speciell wies er auf den Frieden hin, den das Judenthum erstrebe, und auf die Liebe, die der Jude seinen Mitmenschen entgegenbringen muß. „Me haben sich doch die Zeiten geändert! Am 28. Mai 1424 saßen die Räthe der Stadt Köln im Hansasaal und beschlossen, das jüdische Gotteshaus, das 413 Jahre im Besitz der Judenheit gewesen war, die jetzige Rathhauscapelle, in ein christliches Gotteshaus, genannt „Zu Ehren unserer lieben Frau", umzuwandeln, und gerade 470 Jahre später, am 23. Mai 1894, saßen wiederum die Räthe der Stadt Köln im Hansasaal und faßten einen Beschluß, wodurch der Bau weseutlich gefördert wurde. Und wenn unlängst ein hervorragender Dichter sagte, die Wahrheit sei unterwegs, so dürfen wir wohl sagen: auch uns gegenüber ist das Recht unterwegs und hie und da bereits angekommen." Hierauf folgte eine Festcantate vom Chor, dann betrat Herr Dr. R o s e n t h a l die Kanzel, um die Weiherede zu halten. In ganz vorzüglicher Weise und ergreifenden Worten brachte er seinen Dank zu Gott für das glückliche Erstehen des prächtigen Gotteshauses zum Ausoruck. Er wies auf die Heiligkeit des Ortes hin, worin Gott seine Wohnung, sein Zelt aufgeschlagen. Zum Schluffe der Rede erhoben sich alle Anwesenden zu« Gebet. Herr Rabbiner Dr. R o s e n t h a l flehte zu Gott um Schutz und Hilfe, um seinen Segen für die Gemeinde, er betete zu Gott, daß er allen Denen, die sich ihm nähern, ein wohlgefälliges Ohr leihen möge. Noch ein Choralgesang, dann war die Feier zu Ende und langsam leerte sich das seiner Bestimmung übergebene Gotteshaus. Jüdische Asyle. — Jüdische Arbeitsstätten in Veuilchlsnd. Die Frage der Wanderbettelei beschäftigt die Vertreter der jüdischen Gemeinden Deutschlands seit einer unabsehbaren Reihe von Jahren und hat dennoch bis heute noch keine befriedigende Lösung gefunden; man ist im Großen und Ganzen, abgesehen von den in Westphalen und Bayern geschaffenen kleineren Organisationen, in der Frage der Armenunterstütznng bei der alten aber keineswegs bewährten Methode stehen geblieben, den durchreisenden Wanderbettlern — gleichviel ob Inländern oder Ausländern — meist ohne eingehende Prüfung des Falles ein Almosen zu reichen, das den ber den christlichen Mitbürgern oft mißliebiges Aufsehen erregenden' Bittsteller in den Stand setzt, die nächste jüdische Gemeinde aufzusuchen. Ueber die Unzulänglichkeit dieser Methode in jeder Hinsicht kann unter Sachkundigen kein Zweifel bestehen; finanziell ist sie kostspielig, indem der größte Theil der von den meistens ungünstig gestellten jüdischen Gemeinden Deutschlands gespendeten Gelder nicht den Empfängern, sondern den Bahnverwaltungen zu Gute kommt; in hygienischer Beziehung ist sie für die Kranken, die auf den weitesten Umwegen die Heilstätten aufsuchen müssen, mit schweren Schädigungen verbunden, und auch die Gesunden erleiden auf der Landstraße wie auf der Herberge Beeinträchtigungen der körperlichen Verfassung. Unvergleichlich schwerer und beklagenswerther ist aber die mit dem vagirenden Leben untrennbar verbundene moralische Einbuße, die vor Allem eine schleunige Verbesserung der Unterstützungsmethode erheischt. In der Verurtheilung des bisherigen Unterstütznngsmodus waren alle Theilnehmer des am 17. October 1898 vom Deutsch- Israelitischen Gemeindebund nach Berlin zusammenberufenen ersten Verbandstages einig. Das von dem Referenten des Ausschusses, Herrn Eugen Rosenstiel, aus den Auskünften der Delegirten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes vorgetragene Material zeigte, welches Interesse der in allen Theilen Deutschlands als brennend empfundenen Frage entgegengebracht wurde. Die Theilnehmer der Versammlung: Vertreter der Großgemeinden der Bezirks-Provinzial- und Landesgemeinde und Armenverbände, sowie der in einzelnen Gebieten des Deutschen Reiches bestehenden staatlichen Behörden für jüdische Angelegenheiten einigten sich auf folgende Resolutionen: I. Resolution des Referenten Rosenstiel: „Eine Commission zu ernennen, die aus Mitgliedern der verschiedenen Bezirksverbände zusammengesetzt ist und die unter Leitung und Mitwirkung des Ausschusses des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes die Angelegenheit weiter beräth und innerhalb 6 Monaten ihre Vorschläge macht." II. Resolution Dr. Kroner, Dr. Vogelstein und Rosenstiel: „Jeder Verband wirke dahin, daß :