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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-31 · 13 (31.3.1899) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
13 (31.3.1899)
Date
1899-03-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13 Dr. »loch'« »ochrnschrist Seite 247 Friseurin. Eine fesselnde, von innerer Religiosität durchwehte Familienidylle schildert poetisch schön Professor Dr. Karl Lebesthen unter dem Titel: „Mein Töchterchen". Rabbiner Dr. I o s e f B er a n y (Kecskemet) bringt einen interessanten, leider sehr kurzen Abriß der Geschichte der Kecskemeter Juden. Der getreue Mitarbeiter des Jahrbuches Attila Gero apostrophirt in einem schwungvollen Poem „Die Fata Morgan« der Zionisten". Rabbiner Doctor MorizLöwy (Temesvar) weist in einer Abhandlung nach, daß das geflügelte Wort: „Der Buchstabe tödtet, der Geist belebt", als dessen Quelle vor den Theologen der I1. Brief des Apostel Paulus an die Korinther (3 K. Vers 6) gilt, seine eigentliche Urquelle in Ezek. 36 K. 26—27 V. und Jerem. 31 K. 30 - 32 V. habe. Eine hochinteressante Studie und eingehenden Ueberblick über die erotische Poesie in der hebräischen Literatur der spanisch-arabischen Periode liefert unser Landsmann Rabbiner Dr. HeinrichBrodh (Nachod). Sehr interessant und von zeitgemäßem Anklang ist die vom Religionsprofessor Dr. Max Weiß (Budapest) geschriebene Biographie des gerade vor 50 Jahren bei der Erstürmung des Wiener Zeughauses gefallenen 22jährigen Ungars Rabbiner Dr. Adolf Kollinsky, dessen Andenken nach fast gänzlicher Vergessenheit wieder aufgefrischt zu haben, das Verdienst der „Oesterreichischen Wochenschrift" ist. Rabbiner Dr. Edu ard Neumann (Nagy-Kanizsa) würdigt sehr eingehend und trefflich charakterisirend die publicistische und organisatorische Thätigkeit Ludwig Philtppson's, dieses unvergeßlichen großen Kämpen fürs Judenthum. Unter dem Titel: „Im Zeichen der Kirchenpolitik" bringt Religionsprofeffor Dr. Armin Frisch eine lehrreiche Betrachtung über die Rückwirkung der staatlichen Matrikelführung, der Mischehen und Reception auf das ungarische Judenthum. Wir wollen diese statistische Studie in diesen Blättern nächstens reproduciren. Schriftsteller Dr. Anton Rado (Budapest) figurirt mit einer gelungenen Uebersetzung des Gedichtes: Die Tochter Jeftas aus Byron's „Hebräische Melodien." Von Rabbiner Dr. BelaVajda (Losoncz) lesen wir im Jahrbuche noch eine gründliche Abhandlung über die alexandrinischen Juden; von Rabbiner Dr. Armin F l e s ch (Mohacs) über die Gastfreundschaft im Talmud; von Realschulprofessor Dr. Heinrich L e n k e i (Budapest) ein an Inhalt und Form gleich vorzügliches dramatisches Gedicht: Kain's Tod; von dem Mitarbeiter des „Neuen Bester Journal" Ignaz Peisner eine kurze Betrachtung über den Schlemiel. Ferner lieferten Beiträge: Der Dichter Ludwig Polagyi (H. M. Vasarhely' mit einem Gedichte: „Moses", Seminar- Professor Dr. Adolf Büchler (Wien) mit einer gelehrten Abhandlung über die jerusalemitischeu Tempelopfer, von dem römischen Imperator u. s. w.; Dr. Moriz Szalyrdi mit einem statistischen Ausweise über den „Sanitätszustand Budapests und die Juden". Dr. L a z a r G r ü n h u t (Jerusalem) schildert gegenwärtige jerusalemitische Zustände. Der gelehrte Professor am Budapester Lehrerseminar Doctor Samuel Krauß, dessen Forschergeist schon so manche sprachliche und geschichtliche Beziehungen zwischen der jüdischen und ungarischen Literatur nachgewiesen, bespricht eine Midraschstelle (Tauchuma Waetchanau 6), die der bekannten hunnisch-magyarischen Sage vom Schwerte Ättila's auffallend ähnlich, jedoch um circa 100 Jahre älter als diese ist. Dieser interessanten Abhandlung folgt eine poetische Bearbeitung einer Episode aus dem Buche Daniel von Rabbiner Dr. Simon Händler (Lugos), worauf Rabbiner Dr. Arnold K i s s (Veszprim), den wir bisher nur als Meister der Kanzel- und Gebetsprache kannten, sich den Lesern mit seiner Erzählung: „Der Apostat" auch als geschickter Novellist vorstellt. „Das alte Gebetbuch" betitelt sich eine ergreifende poetische Erzählung von Dr. F e l e k i S a n d o r. Bescheiden, zum Schlüsse, folgen die verdienstvollen Redacteure des Jahrbuches mit ihren Beiträgen. Von dem großen Gelehrten Doctor Bacher lesen wir darin seine am 19. Mai 1898 in der Literaturgesellschaft gehaltene Vorlesung über drei Bibelübersetzungen, in welcher er aus Anlaß der im vorigen Jahre von der Gesellschaft herausgegebenen ungarischen Pentateuchübersetzung eine interessante populäre Parallele zwischen der Ptolomäischen, Saadja'schen und Mendelssohn'schen Uebersetzung zog. Dem im Anhang des Jahrbuches folgenden Berichte des Secretärs Dr. Banoczy entnehmen wir, daß die Literatur-Gesellschaft, an deren Spitze als Präsidenten Rabbiner Dr. Samuel Kohn und königl. Rath Dr. Philipp Weinmann stehen, derzeit 13 gründende, 54 unterstützende und über 800 ordentliche Mitglieder hat. Das Vermögen der Gesellschaft beträgt circa 12.000 fl. Budapest. Ben Eliezer. Nus den Geheimnissen des Generalstabes. Die neuesten Enthüllungen Esterhazy's im „Daily Chronicle" haben documentarisch dargethan, daß zwischen ihm und dem französischen Generalstab die allergrößte Intimität bestand, daß er den corrupten Generalen als Werkzeug diente, daß er auf ihren Befehl gefälscht und gelogen hat. Die sittliche Corruption und jener Mangel an Rechtsgefühl, bei welchem man es unbequem findet, wegen eines unschuldig verurtheilten Juden so viel Lärm zu machen können allein den sträflichen Zusammenhang zwischen dem Generalstab und Esterhazy nicht erklären. Es bleibt ein ungeklärter Rest, und in einem interessanten Essay unternimmt P. Nathan (Nr. 24 der deutschen Wochenschrift „die Nation") den Versuch, in das Geheimniß dieses unerklärten Restes einzudringen, und die Frage zu beantworten: Aus welchen Gründen waren diese hohen französischen Officiere gezwungen, mit Schuften und Fälschern und Verräthern Frankreichs gemeinsame Sache zu machen? Am einfachsten liegen die Verhältnisse beim General M e r c i e r. Er wurde von den Antisemiten und Nationalisten wild angegriffen, als sich auch nur die entfernteste Möglichkeit zeigte, daß Dreyfus, der eben verhaftet worden war, als unschuldig entlassen werden könnte. Die Versuchung, eine Verurtheilung durchzusetzen, um einige Monate länger Minister zu bleiben, ist einleuchtend genug, und Mercier erreichte dies Ziel. Ein zweiter Punkt ist heute gleichfalls erfreulich erhellt. Dieser Druck auf Mercier konnte nur ausgeübt werden, indem den antisemitischen Blättern das Material über die, weiteren Kreisen noch ganz unbekannte und geheime Untersuchung gegen Dreyfus zugetragen wurde. Jenes Material war allein einer ganz kleinen Anzahl von Personen bekannt. Bisher nahm man an, daß antisemitischer Fanatismus diesen Verstoß gegen die Disciplin und das militärische Geheimniß begangen habe. Man muß heute zu einem anderen Ergebniß gelangen. Esterhazy erklärt, daß Henry seit Jahrzehnten und Jahrzehnten sein guter Freund gewesen sei, und daß er selbst wiederholt als Gegenspion dem Nachrichtenwesen angehört habe. Das Letztere hat der Generalstab immer bestritten, und es gibt einen Grund, um diesmal dem Generalstab zu glauben. Zunächst kommt es nur auf die Freundschaft zwischen Henry und Esterhazy an, und für sie läßt sich ein späterer Beweis zur Unterstützung der Behauptung von Esterhazy auführeu. Bevor noch die ersten Anklagen gegen Esterhazy öffentlich ausgesprochen waren, war Henry und sein Kreis bereits von der heraufziehenden Gefahr unterrichtet, und sie setzten sich nun sofort mit E ft e r h a z y i n Verbindung; Esterhazy bringt dafür das urkundliche Material bei. Man verständigte sich darauf schleunigst, um den drohenden Schlag abzuwehren. Esterhazy behauptet freilich, ihm seien Briefe, Eingaben und Verhaltungsmaßregeln einfach fertig zugestellt worden; aber das ist unmöglich. Man kann Niemanden in so schwierigen Verhältnissen vertheidigen, ohne daß der zu Verteidigende solche Grundlagen liefert, die mit seinem Leben und seinen Verhältnissen einigermaßen in Uebereinstimmung stehen. Mit anderen Worten: Das Bureau des General st abes arbeitete mit Esterhazy zu seiner Rettung zusammen, wie dieses Bureau die Vernichtung Dreyfus' zu bewirken suchte. Und als Bindeglied hiezu und dazu dienen die Beziehungen Esterhazys zu Henry, die jener Freundschaft nennt. Setzt man voraus, wie man es schon früher mit weniger gutem Grunde gethan, daß Esterhazy für seine VerräthereieninHenryeinen Helfersh elfer hatte, so ist es klar, warum Henry und seine Leute, nachdem der Bordereau einmal gefunden war, Dreyfus als Verräiher gierig opfern, und warum sie später Esterhazy unter allen Umständen von jeder Schuld reinwaschen mußten. In dieser Beziehung haben alte Annahmen neue Unterstützung erfahren; aber noch nicht so durchsichtig ist, warum nun Henry die Hilfe der Generäle bis hinauf zu Boisdeffre fand. Es steht fest, daß die Generäle zunächst mit kühler Ruhe von der Thatsache Kenntniß nahmen, daß Picquart

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