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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-31 · 13 (31.3.1899) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
13 (31.3.1899)
Date
1899-03-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 246 Br. Bloch'« Wochenschrift Nr. 13 Im Mittelalter sind die Juden in Rom von Trastevere auf das linke Ufer des Tibers übersiedelt; dort besaßen sie unweit von dem Porticus der Octaviva eine Synagoge im Jahre 1300. Dort war auch bis vor einigen Jahren ihr Stadtviertel oder Ghetto. Die Synagoge in Rom zertheilt sich in fünf Schulen, die Schule des Tempels, die catalonische, die castilianische, die sicilianische und die neue Schule. Jede hat in demselben Gebäude ihren eigentlichen Gebetsort, je nach dem Ritus, dem die Juden angehören. Die Zahl der Juden hat sich in Rom in diesem Jahrhundert ziemlich vermehrt. 1809 zählte man derselben 3076, 1868 sind sie schon 4995, 1882 sind 5429 in der Synagoge eingeschrieben; aber dazu müßte man noch etwa 700 fügen, die in keiner jüdischen religiösen Gemeinde eingeschrieben sind. Um die Zeit der Geburt Christi ließen sie sich in großen Maffen an den Küsten des Mittelländischen Meeres nieder. Strabo erzählt bereits, daß zu seiner Zeit kein Ort zu finden sei aus der Erde, wo nicht Juden säßen — das Schicksal der Juden hat sich je nach -ihren Ansiedlungen anders gestaltet. In unserer Zeit sind zwei sehr scharf getrennte jüdische Typen zu unterscheiden: Der alte, reine Palästina-Typus in den Gebieten, wo Mohammedaner leben, und der europäische vielfach gemischte Typus. Der Unterschied zwischen diesen beiden Typen ist ein sehr bedeutender. Die Semiten mit deutlich fremder Beimischung sind physisch beffer entwickelt und unternehmender, als die reinblutigen, und die Semiten, deren Typus sich ganz rein erhalten hat, weisen keine Zeichen der Entartung auf. Zum Beweis führt Pantuchow mehrere statistische Thatsachen an über die Haar- und Augenfarbe. Eine jüdische Heldin im 7. Jahrhundert. In einer Zeit, wo so viele antisemitische Pamphlete auch über unser freies, gastfreundliches Paris sich ergießen, ist es tröstlich, einer Schrift zu begegnen, die ohne Lärm und mit der Einfachheit, welche historischen Arbeiten ziemt, uns ein reines und glänzendes Zeugniß für den lebhaften patriotischen Sinn der Juden bietet. Der Titel lautet: »I7ne Jeanne d’Arc africaine« und »la Kahina'i«; der Verfasser, ein ehemaliger Officier der ftanzösischen Armee, der lange in Algier gedient hat, frischt die Erinnerung an die heroische Gestalt eines jungen Mädchens auf, welches einem der jüdisch-berberischen Stämme angehörte, die in dem alten Numidien heimisch waren, die mit den Waffen in der Hand ihr Vaterland gegen den Eroberer vertheidigt und mit einer merkwürdigen Unerschrockenheit die Unabhängigkeit ihres Vaterlandes gesichert haben. Man weiß, daß die jüdischen Stämme in Afrika die kriegerischen Sitten der Bevölkerung, in deren Mitte sie lebten, angenommen und den Einfällen der Muselmanen energischen. Widerstand entgegengesetzt haben. Einer ihrer Fürsten, Koceila, Zeichnete sich in diesen Kämpfen besonders aus, und ibm wurde das große Glück zu Theil, Kainowar wiederzugewinnen. Eine Jüdin, Damiah ben Tabet, „la Kahina" benannt, folgte den glorreichen Spuren Koceila's. errang sein Scepter und wurde zur Königin der Djarona, eines arabisch-jüdischen Stammes, erwählt. Sie war die Seele des Widerstandes gegen die Araber und wußte in ihrem Volke den Patriotismus, der sie selbst beseelte, so zu erwecken, daß dieses den Eroberer zurückzudrängen vermochte. Die Hauptstadt dieses Königreiches war Ragaia. Nachdem es ihr gelungen, die Hauptfluth der Invasion zurückzudrängen, hat die Kahina ihrem Vaterlande einige Jahre des Friedens und der Sicherheit gegeben. Aber die arabische Invasion verdoppelte wieder ihre Kraft, und die neue Deborah, welche die Freiheit und Unabhängigkeit ihres Vaterlandes zu erhalten wünschte, mußte wieder zu den Waffen greifen. Diesmal wurde sic von ihrem Glücksstern verlassen. Aber sie wollte die Schande, ihr Vaterland vom Feinde erobert zu sehen, nicht erleben und suchte den Tod in einem furchtbaren Gemetzel. Diese Episode aus den Kriegen der Araber im 7. Jahrhundert wird in der genannten Schrift wieder aufgefrischt, in welcher auch die dramatische Gestalt der Kahina, dieser kühnen jüdischen Heldin, im Vordergründe steht. Paris. (Arch. Jsr.) Die Editionen der israelitischungarischen Literaturgesellschaft. I. Es ist noch gar nicht so lange her — kaum 20 Jahre —, da konnte man in allen deutschen jüdisch-cultuellen Zeitschriften erschöpfende Berichte aus und über Ungarn lesen, welche die Leser über das Leben und Streben des ungarischen Israel orientirteu. Heute ist dies ganz anders geworden. Als ob das ungarische Nachbarland, welches gerade in den letzten Jahren durch seine politische Reife und lauteren liberalen Schöpfungen die Aufmerksamkeit Europas in erhöhtem Maße auf sich lenkt, für die europäische Judenschaft weit hinten in der Türkei läge, taucht nur dann und wann, hie und da, in einer jüdischen Zeitung eine spärliche Nachricht über einen Todesfall, eine Hochzeit oder eine Nabbinerwahl auf. Wie reich ist aber gerade das ungarische Judenthum an wichtigen Ereignissen auf allen Gebieten des jüdischen Lebens, von denen unsere ausländischen Glaubensgenossen billig Notiz nehmen sollten! Das relativ größte Interesse für ungarisch-jüdische Verhältnisse bekundeten noch diese Blätter. In den Spalten dieser viel- und gerngelesenen Zeitschrift fand auch das Schaffen der israelitisch-ungarischen Literaturgesellschaft seit ihrem Bestände bisher alljährlich gebührende Würdigung, und die verehrliche Redaction führte den Lesern den reichen Inhalt der Editionen dieser Gesellschaft von Fall zu Fall immer vor. Wie sehr dies vielen Lesern erwünscht kam, bewiesen die infolge dieser Mittheilungen aus dem Auslande einlaufenden Bestellungen auf die besprochenen Werke, die freilich nur von ungarisch verstehenden Neflectanten ausgingen. Um die Continuität nach dieser Richtung einzuhalten,- wollen wir in diesen Spalten auch die diesjährigen, vor Kurzem erschienenen Ausgaben der Literaturgesellschaft besprechen, zunächst aber blos das heurige Jahrbuch *) vorführen, indem wir uns die Besprechung des ebenfalls unter der Aegide der Literaturgesellschaft erschienenen Werkes: „Der ungarische Freiheitskampf (1848—1849) und die Juden" von dem Szombathelyer Rabbiner Dr. Bela Bernstein für ein anderes Mal Vorbehalten. Das Jahrbuch 1899 — das fünfte in der Reihe dieser Annalenserie — tritt unter der Redaction des Gelehrtenpaares: Rabbinerseminar - Professor Dr. Wilhelm Bacher und Lehrerseminar-Director Dr. Josef Banoczy ganz in die Spuren seiner gediegenen Vorläufer. Die Reihe der Beiträge wird mit einer weihevollen Würdigung unserer verklärten Königin begonnen, die aus der Feder des Seminar- Professors Dr. Ludwig Blau herrührt. Verfasser behandelt darin mit psychologischer Feinheit und Klarheit die sympathische Vorliebe dieser unvergleichlichen Herrscherin für die Dichtungen Heine's und Jehuda Halevi's. Als Pendant dazu schließt sich das stimmmungsvolle und ergreifende Gelicht: „Elisabeth" von Bela Telkes an, das die Völker erschütternde Tragik dieser hohen Frau poetisch meisterhaft behandelt. Die dritte Arbeit ist eine kurze Betrachtung unseres hervorragenden Linguisten Professor Dr. Josef Bolassa über die nationale Verschmelzung der Juden in Ungarn, welche in rein magyarischen Gegenden vollständig ungarisch-national geworden sind, in gemischt- oder rein fremdsprachigen Theilen des Landes hinsichtlich der Magyarisirung allen anderen Confessionen voraus sind. Da tiigesichts dieses raschen Assimilirungsprocesses sowohl die Sprache als auch das nationale Fühlen der in Ungarn ansässigen Inden in zwei Jahren schon v o l l st ä n d i g ungarisch sein wird, .beantragt der Gelehrte, eine ethnographische Beschreibung und Folkloriammlung der ungarischen Judenschaft, noch ehe diese Transformation vor sich gegangen, zu bewerkstelligen. Rabbiner Dr. Alexander Rosen- 6 erg liefert eine gelehrte Abhandlung über den „Monotheismus und die Theorie der Racenabstammung", worin dargelegt wird, daß das jüdische Volk seine Abstammung nicht wie die übrigen semitischen und arischen Völker von einem besonderen Urmenschen oder Menschenpaare herleitct, sondern alle Völker von einem und demselben Menschenpaare abstammcn läßt, mithin keinen Raccnunterschied und Racenhaß kennt und sich überall, wo es eine Heimat gefunden, mit den nationalen und wirthschaftlichen Interessen des Landes idcntificirte. Schriftsteller Kolo man Szanto führt uns in einer schönen Tendenz-Novelle den Ruin eines ungarisch-jüdischen Patricierhanses vor, welchen die Verschrobenheit der einzigen, jedoch schlecht erzogenen Tochter herbeiführte. Der Dichter Emil M a k a i, ehemaliger Schüler des Rabbinersemiuars, der die Kanzel mit bem Pegasus vertauschte und gegenwärtig ein hervorragendes Mitglied der ungarischen Poetengarde ist — er wurde in diesem Jahre in die Petöfigesellschaft gewählt — stellte sich mit einer heißen, formvollendeten Gebetdichtung ein. Ihr Budapester Mitarbeiter, Bürgerschullehrer Bernhard M a n d l, liefert einen interessanten Beitrag über den Verkehr des großen Reformators der ungarischen Literatur, Franz v. Kazinczy (1759-1831), mit Juden in dem Zeitraum von 1780 1790. Kazinczy war ein großer Verehrer Mendelssohn's und verkehrte auch während seines mehrmaligen Aufenthaltes in Wien mit den Juden Josef Moses Luzzato und Herz Homberg. Unser Landsmann Rabbiner Dr. Leopold Gold sch mid (Proßlsitz) behandelt das kunsthistorische Thema „Die deutsche Renaissance und die Bibel" in höchst anziehender Weise und führt uns die biblischen Gestalten vor, die sich die Herren der deutschen Malerkunst zum Vorwurfe ihrer Gemälde genommen. Frau Bertha H e r rm a n n Pollitzer schildert in drei köstlichen Monologen drei typische Figuren aus dem jüdischen Volke: Hausirer, Träger und **) Evkönyv. Kiadja az izr. magj^ar irodalmi tärsulat, Szerkesztik: Bacher Vilmos es Banoczy Jözsef, 1899. Budapest. Wodianer F. es fiai bizomänya.

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