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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-31 · 13 (31.3.1899) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
13 (31.3.1899)
Date
1899-03-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 244 Vr. Vloch'» Vochenschrip Nr. 13 der jüdischen Religion übernommen worden sind, mit den Auslassungen der Wiener Christlich-Socialen und ihrer Presse, und man wird dazu kommen, den Satz als richtig anzuerkennen: Der Antisemitismus steht außerhalb des Christenthums. * * Die „Deutsche Zeitung" erscheint nunmehr im jüdischen Jargon. Sie gibt einem Leitartikel die Ueberschrist: „Der Golem" und sie schildert die Figur dieses Wesens folgendermaßen: „Durch magische Kunst erscheint ein Leichnam wiederbelebt, er rührt sich und regt sich, wandelt und spricht. Unheimlich bleich und eklig weich bewegt sich die Gestalt unter den Lebenden, sie täuscht und erschrickt durch ihr Scheindasein, bis sie endlich zusammensinkt, sobald der Zauber ohnmächtig wird und es sich zeigt, daß es nur ein Golem war". Wir hielten diese Beschreibung für ein außerordentlich geschickt gemachtes Signalement der „Deutschen Zeitung"; erst der Schluß des Artikels belehrte uns darüber, daß unter dem „Golem" der Liberalismus gemeint sein soll.- Uebrigens darf die christlich-sociale Partei ihren nunmehrigen Leibjournalisten zn dieser Heranziehung der Ghettosprache für die „christliche Presse", der die deutsche Sprache ohnehin Schwierigkeiten macht, nur beglückwünschen. Schon mit dem „Golem" hat Herr Dr. Wähner einen Heiterkeitserfolg erzielt, und so wollen wir ihm denn einige Titel für seine nächsten Leitartikel kostenfrei zur Verfügung stellen, wie z. B.: Der Meschumed, der Ganef, der Amhorez, der Schaute, der Rosche rc. Modelle für diese Gestalten findet er unter seinen engsten Parteigenossen. -i- * Das „Deutsche Volksblatt" erachtet sich für verpflichtet, sämmtlichen christlichen Familien Wiens christliche Aerzte zu verschaffen. Es prötestirt gegen die Gleichberechtigung, der jüdischen Aerzte, denn jeder Einzelne sei verpflichtet, „den deutschen Charakter der Stadt Wien zu wahren". Man sieht, Herr Vergant hat sich den neuen Lueger'schen Bürgereid, auf dessen voraussichtliche Auslegung wir kürzlich hinwiesen, rasch angeeignet. Was die jüdischen Aerzte betrifft, so meint Vergani, die „unterschiedlichen Herren aus Galizien mögen sich in ihrer Heimat eine Praxis suchen, wo die sanitären Verhältnisse ohnehin einer Reform bedürftig sind". Bescheidene Anfrage: Wenn diese „Heimatslehre" richtig ist, warum ist denn Herr Ernst Vergani nicht in seiner galizischen Vaterstadt Sollenz geblieben, um dort durch eine Zeitung das, wie es scheint, der Hebung bedürftige geistige Niveau der Sollenzer zu heben, oder wenigstens in seiner zweiten Vaterstadt Mühldorf, wo die Sicherheit des Eigenthums seiner väterlichen Fürsorge so schwer entbehrt? In Wien ist er schließlich doch nur ein voluminöses Paffagehinderniß für den guten Geschmack geworden. Robert Wolf. Der Held von Bazeilles — ein Jude. Ueber den in der stanzösischen Geschichte so rühmlichen Schlachttag veröffentlicht die „Aurore" folgende, gerade unter den gegenwärtigen Verhältnissen in Frankreich äußerst interessante und sowohl für die „Patrioten" als viele Generäle nicht angenehme Enthüllung: Die Legende hat den General Lambert für die französische Geschichtsdarstellung zum Helden von Bazeilles gemacht. Es scheint aber, daß unter den Beweisen französischer Tapferkeit, die an diesem Schlachttage geliefert wurden, die Thaten des Generals Lambert durchaus nicht die erste Stelle einnehmen und daß der wahre Held des Tages der Hauptmann A u b e r t war, der „die letzten Patronen" verschoß, wie Neuville dies in seinem bekannten Gemälde zur Anschauung gebracht hat. Vor einiger Zeit bildete sich ein Comite, welches beabsichtigte, den französischen Waffenthaten bei der Vcrtheidigung von Bazeilles ein Denkmal zu errichten. Der Präsident des Comitss, Herr de Ra.vi sy, stellte eingehende Untersuchungen über den Verlauf des Gefechtes an und entdeckte bei dieser Gelegenheit den Namen des Hauptmannes A u b e r t, der bis dahin im Dunkel gelassen worden war. Der General Lambert, zur Zeit des Kampfes von Bazeilles noch Major, sprach von dem Hauptmann Ändert folgendermaßen in seinem Bericht an den Divisions-General V a s s o i g n e» „Hauptsächlich dank der Entschlossenheit des Hauptmannes Aubert wurde das Haus rasch in Vertheidigungszustand gesetzt. Dieser tapfere Officier ergriff selbst ein Gewehr, stellte sich an eines der Fenster und rief durch seine wunderbare Schießkunst bei seinen Leuten einen Wetteifer hervor." Später veröffentlichte der General Lambert im»Petit Marseillais« eine Erzählung der Vertheidigung von Bazeilles, in der er von Neuem eine Anspielung auf den Hauptmann Aubert machte: „Die letzten Patronen wurden dem Hauptmann Aubert ausgeliefert, unserem besten Schützen. In seinen Händen war nicht eine einzige ohne Wirkung. Endlich blieb keine mehr übrig. Da zog das Schweigen ein in dgs Bourgerie-Haus " In Folge dessen beschloß das Comitö, das P o r t r ä t dieses heldenhaften Soldaten am Sockel des Monuments von Bazeilles anzubringen. Herr de Ravisy schrieb an den Hauptmann Aubert, um ihn davon in Kenntniß zu setzen; zugleich drückte er sein Erstaunen darüber aus, daß der General Lambert bei allen Verhandlungen und Besprechungen in Betreff des Denkmals seinen Waffengefährten vollständig mit Stillschweigen übergangen habe. In einem würdevollen Brief antwortete der wirkliche Held von Bazeilles dem Herren de Navish, daß der ehrgeizige und eitle General Lambert ein Interesse daran habe, sich eines lästigen Zeugen und Mitarbeiters zu entledigen. Indem der General Lambert den Hauptmann Aubert beiseite schiebe, könne er ungestört den ganzen Ruhm des Tages von Bazeilles für sich in Anspruch nehmen. Der General Lambert erhielt Kenntniß von diesem Briefe. Will man wissen, welches seine Antwort war? Sie war kurz und einfach und lautete also: „Ist denn dieser Jude noch immer nicht tobt?" Und der General Lambert fügte hinzu: „Aubert ist Jude, und sein Brief hat nur einen Zweck — den gleichen, den täglich die Vertheidiger des Dreyfus verfolgen —, den Zweck, die A r m e e in der Person ihrer Officiere zu entehren. Dieser Brief ist der B r i e f eines Juden. Das ist Alles, was ich zu sagen habe." Die „Aurore" bemerkt zu dieser Antwort des Generals: Der Umstand, daß der Hauptmann Jude sei, erkläre doch zur Genüge, weshalb der General Lambert so sorgfältig den Namen des tapferen Waffengefährten verschwiegen habe, der mit ihm die Gefahr getheilt und demgemäß auch ein Recht darauf hatte, die Ehre mit ihm zu theilen. Ein Spinoza-Museum in Holland. In Rynsberg bei Leyden fand die Einweihung des Spinoza-Museums statt. Professor B o l l a n d aus Leyden hielt die Festrede, worin er die Bedeutung des großen Philosophen würdigte. Das Museum befindet sich in dem Hause, in dem Spinoza die letzten Jahre seines Lebens gewohnt hatte. Galizische Justiz. Eine ungemein charakteristische und auch juristisch sehr interessante Strafaffaire, die sich in Galizien abgespielt hat, beschäftigte den Cassatioushof unter Vorsitz des Senatspräsidenten U h l e. Ein 36jähriger Kaufmann jüdischer Confession, Aron Churzel mit Namen, war vom Kreisgerichte Tarnow zu sechs Monaten schweren Kerkers verurtheilt worden wegen Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit, dadurch begangen, daß er durch sein Benehmen als Reisender im Waggon und beim Aussteigen am Bahnhöfe zu Tarnow antisemitischen Aufruhr hätte Hervorrufen können, wodurch dann die öffentliche Ruhe oder die Gesundheit von Menschen gefährdet worden wäre. Der diesem Urtheil zu Grunde liegende Thatbestand ist der folgende : Am 21. August befanden sich in einem Coupe dritter Classe auf der Fahrt nach Tarnow auf einer Seite jüdische, auf der anderen christliche Passagiere, unter letzteren der Seminarprofeffor Theol.-Dr. Pater Rzybulinski und der Briefträger Michalski. Letzterem war die Unterhaltung der jüdischen Reisenden zu laut, und er und Andere mahnten zur Ruhe, wobei es zu gegenseitigen Beschimpfungen kam. Michalski gab an, er sei von den „Judenbuben" bedroht und von Churzel zuerst mißhandelt worden, während dieser behauptete, er habe von Michalski zuerst einen Schlag erhalten, so daß er auf die Bank taumelte. Churzel rief um Hilfe und wollte sogar das Nothsignal geben, da erschien der Conducteur und stellte die Ruhe her, wobei er Churzel vertröstete, sein Recht bei der Ankunft in Tarnow zu suchen. Als nun zuerst der Briefträger Michalski ausstieg, eilte ihm Churzel nach, packte ihn und schrie um Polizei. Glaubensgenossen eilten ihm zu Hilfe, während wieder herbeieilende Bahnarbeiter gegen sie eine bedrohliche Stellung einnahmen, weshalb der Jnspections-Polizeicommissär rasch den davoneilenden Churzel in Haft nehmen ließ, damit es nicht zu einer Rebellion komme.

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