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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-24 · 12 (24.3.1899) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
12 (24.3.1899)
Date
1899-03-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 12 jpr. Vloch'» Wochrnschrifl Seite 289 Schw arzenkopf: Also dreihundert Rubel, damit wir zu einem Ende kommen. Firulkes: Sieht nur, wie gescheidt er ist. Er hat selbst bekommen zweihundert Rubel und zwölf Perzent monatlich. Ich aber soll nehmen dreihundert. 6. Scene. Vorige, Jakob. Frau Glanz: Das ist der Herr Jakob. Mit ihm könnt' Ihr Euch einigen. Jakob: Ich konnte nicht länger warten. Was geht hier vor? Stimmt Ihr bei? Wo ist Malta? » I o j n e (für sich): Da ist er ja, den Malka liebt. Frau Glanz: Der alte Schwarzenkopf' ist dafür, aber Jojne's Vater handelt noch. Jakob (zu Schwarzenkopf): Ich danke Ihnen und sind Sie überzeugt, daß Sie diesen Tausch nicht bedauern werden. Ich werde mich bemühen, Ihnen das Leben auf die alten Tage angenehm zu gestalten. Malka und ich werden Ihnen stets dafür dankbar sein, daß Sie durch Ihre Zustimmung den Grundstein zu unserem Glücke gelegt haben. F irulkes: Aber ich kann nicht zustimmen. Jakob: Wie viel verlangt Ihr? Firulkes: Weiß ich? Für mich 500 Rubel. Jakob: Ihre Forderung ist geradezu unverschämt, dennoch sollen Sie den Betrag haben. Firulkes: Und jetzt für meinen Sohn Jojne. Er hat einen doppelten Kummer, und auch er muß eine Belohnung erhalten. Jojne (mit Thränen in d en Augen): Nein, Vater! Ich will keine Belohnung. Firulkes: Du bist dumm und Du meng' Dich in die Geschäfte nicht hinein. Jojne (zu Jakob): Die haben Ihnen die Malka verkauft, aber Jojne verkauft sein Weib nicht. Und für seine Thränen und für seinen Kummer nimmt er kein Geld, denn Niemand hat soviel, um damit mein Weib, meine Thränen und meinen Schmerz aufzuwiegen. Firulkes: Du bist dumm und verdirbst das Geschäft. Du mußt sie scheiden. Jojne: Ich werde Malka nicht verkaufen, aber Sie können sie zur Frau nehmen. Sie sind für sie weit passender, als der beschränkte Jojne. Und doch war sie für mich so gut! Aber ich sehe ein, daß sie dabei sehr unglücklich war. Jetzt werde ich wenigstens allein mein Unglück tragen und sie wird froh und glücklich leben. Nehmen Sie sie .... ich werde sie scheiden, aber geben Sie mir kein Geld, denn Jojne ist zwar dumm, aber er verkauft doch nicht sein Herz. Jakob (reicht ihm die Hand): Arme, ehrliche Seele. Die einzige, die in dieser traurigen Umgebung edel und warm empfindet. Jojne: Und jetzt will ich hinaus und bitte Euch nur um Eines. Wenn ich zurückkehre, soll Malka schon fertig sein; ich könnte sie nicht mehr sehen. Ich könnte sie nicht mehr sehen. (Laut schluchzend, ab.) Jakob: Morgen wollen wir den Vertrag niederschreiben und dann erhalten Sie das Geld. Aber wo ist denn Malka? Sie muß doch die Vorbereitungen treffen, um dieses Haus zu verlassen. Frau Glanz wird sie zu sich nehmen. Schwarzenkopf: Malka ist etwas leidend. Sie hat ein Arzneimittel genommen und schläft jetzt. Jakob: Man muß sie also aufwecken, damit sie mit uns gehe. Wir wollen doch den Wunsch Jojne's erfüllen. Schwarzenkopf (tritt hinter den Paravent): Malka, Malka, steh' doch auf, es hat Alles gut geendet und Du kannst jetzt zur Scheidung gehen. (Pause). Jakob: Gehen Sie liebe Frau Glanz, um Malka aufzuwecken. (Frau Glanz tritt hinter den Paravent und rückt denselben so weit zurück, daß das Bett für das Publicum sichtbar wird. Auf dem Bett ruht Malka unbeweglich.tobt. In der Hand hält sie das leere Morphium-Fläschchen. Auf der Brust liegt ein Papierstreifen). Frau Glanz: Fräulein Malka, Fräulein Malka, Stehen Sie doch ans! .... Ich bin hier und Herr Jakob! Wir wollen Sie abholen .... (fährt entsetzt zurück.) Herr Jakob, schauen Sie doch her? Jakob: Was ist denn? (Eilt ans Bett, schaut Malka an, bückt sich nieder, umfaßt sie, das Fläschchen fällt ihr au^ der Hand. Er ergreift den Papierstreifen.) Sie hat sich vergiftet! Sie ist todt! Schwarzenkopf: Sie ist todt! Jakob (liest den Zettel): „Verzeiht mir und beklagt mich nicht. In diesem Augenblicke bin ich endlich glücklich." Schwarzen köpf: Sie hat sich getödtet! Jakob: Nein, Ihr habt sie getödtet. (S ch l u ß.) Gin Pastahfest. (1421.) Von Alfred Meißne r. O schwarze Judenstadt! Im lauten Prag Ein stummes, trauerndes Jerusalem,^ Durch deine Gassen zieht am Hellen Tag Das ewige Gespenst von ehedem. Lebend'ges Grab! In deine Räume fällt Kein Heller Schimmer und kein Hauch der Welt, In deinen Gassen ist die Jugend alt, Der Frühling duftlos und die Sonne kalt, Durch hohe Dächer kaum ein Sonnenblick! Hier schweigt die Lippe und hier schweigt der Stein. Hier schläft des Lebens Wettkampf und Geschick, Pur Juda's Trauer wacht und schläft nicht ein. Sie schläft nicht ein! O geh, du Christenkind, Des Weges durch die kalten Dämmerungen, Wo träufelnd Naß von allen Mauern rinnt, Als sei vom Schmerz der Stein sogar bezwungen, 'S ist Abend schon, und durch die Fenster bricht Ein karger Schein von Sabbathlampenlicht, Da tönt aus jedem Hause noch der Sang, Erzählend von den ewig neuen Leiden Das Lied, das einst au Babel's Strömen klang, Das Klagelied von den Harfen an den Weiden. Es ist das Lied der schlummerlosen Haft, Aus Juda's ewiger Gefangenschaft, Als säß' Nebukadnezar noch zu Thron Und Prag sei Susa oder Babylon! Das Passahfest ist mit dem Frühling 'kommen. Da feiert frohe Rast die Judenstadt, Der Fremde selbst wird gastlich ausgenommen, Und Juda's Sitte macht ihn froh und satt. Verbannt sei heut' des Lebens bitt'res Kränken, Verbannt das Lied das heut' an Schulerzen rührt — Es lebt das Fest, des Tages Angedenken, Der Israel aus seiner Haft geführt. Undfestlich steht des Rabbi Chaim's Halle Für Jung und Alt — im festlichen Gemisch — Die Enkel und Verwandten sitzen alle Im Krefte um den weißgedeckten Tisch. Die schöne, reiche Tafel! Auf ihr prangt In Schüsseln blank, was das Gesetz verlangt, Der grüne Lattig und das Fleisch vom Lamme, Die Kost der Väter im Egyptenland Steht prangend, und die Sabbathlampenflamme Läßt heit're Schatten tanzen an der Wand.

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