Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 12 (24.3.1899)
- Date
- 1899-03-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 238 Dr. Vloch'i Wochenschrift Nr. 12 Waidhofen a. d. Th., 19. März. Anläßlich des bevorstehenden Pessachfestes wurde in der heutigen Sitzung des Frauen- Wohlthätigkeitsvereines unter dem Vorsitze der 'Präsidentin Frau Antonie Singer an verschiedene arme Familien unseres Bezirkes Unterstützungen von insgesammt 65 fl. beschlossen. Außerdem waren drei Neuwahlen zu vollziehen. Die bisherige Cassierin Frau Julie P o l l a k wurde an Stelle der scheidenden Frau Therese F ü r st zur Vice-Präsidentin, die bisherige Schriftführerin Frau Amalre Stuckhart zur Cassierin und Frau Dr. K a h a n zur Schriftführerin gewählt. Bur-Szt.-Georgen. (Todesfall.) Am 11. d. M. verschied hier im 75. Lebensjahre der allseits hochgeachtete Cassier der Chetvra-Kadischa Herr Philipp Grü n. Welcher Beliebtheit sich derselbe erfreut hatte und in welch' gutem Einvernehmen derselbe mit den Ortsbewohnern lebte, bewies die zahlreiche Theilnahme am Leichenbegängnisse, bei welchem auch die Bauernbevölkerung anwesend war. Kreisrabbiner Dr. L e w i n aus Malazka hielt dem Entseelten einen würdigen Nachruf. Hohenau. (S pe nd en v er z ei ch n i ß.) Wir erhielten an Spenden von den Herren: Jicob Weigl, Lundenburg, 1 fl.; H. Redlich's Witwe, Lundenburg, 1 fl.; Sigmund Reiß, Lundenburg, 1 fl.; Sigmund Reich, Lundenburg, 1 fl.; N. Friedenfeld, Lundenburg, 1 fl.; Dr. Czuczka, Lundenburg, 1 fl.; Frau Rosa Grosser, Lundenburg, 1 fl. Zusammen 7 fl. Dr. Leop. Leiudörfer Adolf Sonnenmark K. Fürst. Neu-Sandec, 19. März. Am 16. d. M. verschied hier nach langem und schweren Leiden der Präsident der hierortigen israelitischen Cultusgemeinde, Herr Aron N e b e n z a h l, im 73. Lebensjahre; durch den Heimgang desselben erleidet unsere Gemeinde einen schier unersetzlichen Verlust. Mehr pls 40 Jahre stand der Verewigte in hingebungsvoller Treue unserer Gemeinde vor, und durch Güte und Milde wußte er stets die schroffsten Gegensätze auszugleichen und zu versöhnen und trotz innerer und äußerer Stürme unentwegt das Wohl der Cultusgemeinde zu wahren. Die Lauterkeit seines Charakters, erwarben ihm auch die Hochachtung und Werthschätzung aller Mitbürger anderer Confessionen. So gehörte er seit Einführung der autonomen Verwaltung der galizischen Städte, der hiesigen Gemeindeverwaltung ununterbrochen als Gemeinde- und Stadtrath an und seit Begründung der städtischen Sparcasse — eines Institutes, das sich des besten Rufes in Galizien erfreut — bekleidete er daselbst das ehrenvolle Amt eines Directionsmitgliedes. Für die Liebe Md Werthschätzung, welche der Verewigte allseits genoß, gab die Theilnahme an dem Leichenbegängnisse desselben beredtes Zeugniß. So folgten der Bahre nächst den leidtragenden Kindern des Verstorbenen der Cultusrath und der Gemeinderath in corpore, der Bezirkshauptmann Statthaltereirath Friedrich mit allen Beamten der Bezirkshauptmannschaft, der Kreisgerichtspräsident Kostka mit allen Beamten und Räthen des Kreisgerichtes, die Direction und Beamten der Sparcasse, die Beamten der Finanzbezirksdirection und des Steueramtes. Eine Abordnung der städtischen Feuerwehr schloß den Zug der unübersehbaren Trauermenge. Mainz. In der Stadtverordnetenversammlung widmete der Oberbürgermeister dem verstorbenen Ludwig Bamberger einen Nachruf, worin er ausführte, daß ganz Mainz als Vaterstadt Bamberger's über dessen Tod trauere. Rom. Commanditore Leone Ottolenghi in Asti (Piemont), ein in ganz Italien bekannter und geschätzter Philantrop, wurde vom König Humbert von Italien in den Grafenstand erhoben. Die Behörden von Asti, Bürgermeister und Präfect an der Spitze, erschienen im Hause des Ausgezeichneten, beglückwünschten ihn und die Bevölkerung bereitete ihm herzliche Ovationen. Feuilleton. Malka Schwarzenkopf. Schauspiel in fünf Acten von G. v. Zapolska. Autorisirte Bearbeitung für die deutsche Bühne von S. R. Landau. Den Bühnen gegenüber Manuscript. (Nachdruck verboten.) Fünfter Act. 5. Scene. Vorige, Frau Glanz. Frau Glanz: Guten Abend! Warum habt Ihr, Schwarzenkopf, mich nicht hineinlaffen wollen? Schwarzenkopf:' Weil Ihr, Frau Glanz, mit dem jungen Mann im Bunde steht, den Malka heiraten soll. Firulkes (schreit): Und durch den wir soviel Schaden haben, ich und mein Sohn. Schwarzenkopf: Scha! Firulkes! Sonst weckt Ihr Malka ans. Seid Ihr nicht, Frau Glanz, von ihm hergeschickt worden? Frau Glanz: Ja, Schwarzenkopf. Er hat mich hergeschickt. Schwär zenkopf: Ihr besitzt gar keine Scham, Frau Glanz. Frau Glanz: Nein. Denn für mich ist Malka noch immer ein Mädchen. Si^ ist schön, so gescheidt, delicat, wie eine Prinzessin und Ihr habt sie dem häßlichen und ungebildeten Jojne gegeben, den kaum eine Ryfka oder Surah vom Lande nehmen würde. Firulkes: Mein Sohn hat einen halben Laden! Frau Glanz: Und dabei ist er ganz verkrüppelt. Der neue Mann aber wird reich sein! Ist das nicht besser für Dich, Schwarzenkopf? Schwarzenkopf: Ich werde nicht sagen, daß das ärger ist. Aber wird es denn bestimmt so sein? Frau Glanz: Er wird das in die Tnojims hineinschreiben. Und die zweihundert Rubel wird er Dir morgen oder noch heute geben. Schwarzenkopf: Und wer ist das, ein solcher Herr? Frau Glanz: Das ist Herr Jakob Löwy, Advocat. Er hat schon jetzt eine eigene Kanzlei. Firulkes: . Hast Du gesehen, ein Advocat, vielleicht ein Winkelschreiber. Schwarzenkopf: Nu .... Ich hätte schon nichts dagegen .... Aber der alte Firulkes und Jojne .... Firulkes: Nein, nein, Wir haben viel Schaden gehabt. Wir wollen nicht .... Frau Glanz: Also gut. Wie groß ist Euer Schaden? Firulkes: Weiß ich denn? Vielleicht fünfhundert Rubel, vielleicht tausend, sehr viel. Und Jojne's Verdruß geht noch extra. Frau Glanz: Schämt Euch doch, mir so etwas zu sagen. Die Hochzeitsspesen hat doch zur Hälfte Schwarzenkopf gedeckt von dem Gelbe, das für ihn gesammelt wurde. Firulkes: Ihr wißt, und Ihr wißt gar nichts. Woher könnt Ihr denn das wissen? Blos das Canapße allein bat mich am Krasinskiplatz ein und einhalb Rubel gekostet. So sollt Ihr gesund sein und soll mich sofort der Schlag treffen. Frau Glanz: Ich sehe, daß wir mit Euch, Firulkes, zu gar keinem Resultate kommen werden. Ich gehe also fort. Schwarzenko Pf: Warum müßt Ihr denn fortgehen? Wie hitzig sind Sie doch, Frau Glanz? Von Geschäften muß man ruhig und ohne Aufregung sprechen. Frau Glanz: Ich kann gar nicht zuhören, wenn er so was spricht. Fünfhundert Rubel für so einen Jojne, na, na! Selbst wenn er aus Gold wäre, würde er nicht soviel kosten. Firulk e s: Jetzt ist so ein junger Mann, der einen halben Laden hat, Geld werth. Frau Glanz: Er ist höchstens hundertfünfzig Rubel werth. Firulkes: Hast Du gesehen, hundertfünfzig Rubel! Ein Pferd kostet ja mehr und ein Pferd hat doch kein Geschäft. Frau Glanz: Also gut, sagen wir zweihundert Rubel. Firulkes: Ich soll so gesund sein, ich kann nicht. Es kostet mich selbst mehr.